Biodiversität

Biodynamische Landwirtschaft und Biodiversität

Ähre im Feld

Bild: Getreide Uwe Wüst


Faktensammlung von Anna Keilbach und Michael Olbrich-Majer, erschienen in der Lebendigen Erde

Biodiversität beschreibt die Vielfalt des Lebens auf allen Ebenen: der Arten, der genetischen Grundlage sowie der Lebensräume und Ökosysteme.1 Die Mannigfaltigkeit der in der Land- Forst-, Fischerei- und Ernährungswirtschaft genutzten Pflanzen und Tiere - die Agro-Biodiversität - ist ein wesentlicher Teil der gesamten biologischen Vielfalt auf der Erde. Sie bildet die Basis der Produktion in der Landwirtschaft und ist damit das Fundament der Welternährung der Menschen.3 Die aktuell drastische Abnahme der Biodiversität gefährdet nicht nur die Stabilität und Regenerationsfähigkeit von Ökosystemen, sondern hat auch Auswirkungen auf andere Umweltprobleme, vom Klimawandel bis zur Bodendegradation und Wüstenbildung. Die Folgen des anhaltenden Verlusts einer noch unbekannten Anzahl von Arten, Sorten und Rassen sind auch in Bezug auf die menschlichen Nutzungsformen der Natur noch nicht vollständig abzusehen. Allein aus Gründen der Generationengerechtigkeit muss die nachhaltige Nutzung und Erhaltung der genetischen Vielfalt der Nutztierrassen und Nutzpflanzensorte ein zentrales Ziel sein. Dafür sprechen ökonomische, soziale, kulturelle und ökologische Gründe. Die Agro-Biodiversität bedeutet zudem eine großes Spektrum an unterschiedlichen physiologischen und sensorischen Qualitäten, was sie auch unter Aspekten der Gesundheit und Ernährung erhaltenswert macht.2

Als Hauptursache für die weltweite Abnahme der Biodiversität gilt die heutige intensive Landwirtschaft.1, 2, 5 Ziel muss es daher sein, durch nachhaltige Nutzung stabile und vielfältige landwirtschaftliche Ökosysteme zu schaffen.3 Der Ökolandbau ist der konventionellen und integrierten Landwirtschaft in diesem Aspekt systembedingt deutlich überlegen.17

Biodiversität im Vergleich: Konventioneller und ökologischer Landbau

  • Durch den Verzicht auf Herbizide und chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel im ökologischen Anbau finden sich im Durchschnitt ein Drittel mehr Arten und doppelt so vielen Individuen wie auf konventionell bewirtschafteten Flächen. Insbesondere Vögel (25% mehr Vögel8), räuberische Insekten (4-6-mal so viele Blattlausräuber und Spinnen auf Obstanlagen6), fliegende Warmblütler (33% mehr Fledermäuse6), Wildbienenarten (Artenvielfalt und Individuenzahl 3 bzw. 7-fach so hoch1), Spinnen (50% mehr Spinnen6), Bodenorganismen wie Regenwürmer (50-80% mehr Regenwürmer8), Laufkäfer und Kurzflügler (50% mehr Laufkäfer und Kurzflügler6) profitieren davon.1, 5
  • Auch der größere Anteil an Grünflächen bei Ökobetrieben hat einen positiven Effekt auf Vögel und Schmetterlinge.114
  • Der Einsatz von rein organischem Dünger, einer schonenden Bodenbearbeitung und vielfältigen Fruchtfolgen mit hohem Kleegrasanteil führen zu einer Verbesserung der Bodenstruktur und vermeiden so Erosion und Verschlämmung.1, 5, 6 Dies führt auch zu einer Stabilisierung der Ackerwildkraut-Gesellschaften: Auf Bio-Äckern finden sich 20-400% mehr Wildkrautarten im Unterwuchs als auf konventionell bewirtschafteten Äckern.6
  • Grünlanduntersuchungen zeigen, dass auf biologisch-dynamisch bewirtschafteten Gründlandflächen die Artenvielfalt höher ist und das erzeugte Futter hochwertiger ist. Die konventionell bewirtschafteten Flächen sind qualitativ minderwertiger durch die Dominanz weniger Gräser und das Fehlen wertvoller Kräutern und Leguminosen.13
  • Der vielseitige Anbau und die Schaffung von Strukturelementen und Biotopen unterstützt die Regulierung von Schädlingen im Ökolandbau.5
  • Der Anteil an naturnahen Flächen und das Anlegen von Hecken, Feldraine, Buntbrachen, Ackerrandstreifen, Streuobstwiesen und Weiden ist auf Bioflächen höher und dient als Lebensraum und temporären Rückzugsort für viele Tierarten und gehört zum Bewirtschaftungssystem dazu.1, 5, 8, 14
  • In einer vergleichenden Untersuchung der Baumkronenfauna (Gliederfüßler wie Spinnen, Milben, Läuse und Insekten) von Obstanlagen wurde neben der positiven Veränderung des physiologischen Zustandes (Erhöhung der Widerstandskraft der Pflanzen) der biologisch-dynamischen Anlage auch ein höheres Auftreten in Zahl und Art der Braumkronenfauna festgestellt als in der konventionellen Anlage. Sie kann am ehesten mit der unbehandelten Streuobstanlage verglichen werden.15

Ökologischer und biologisch-dynamischer Landbau:

  • Den Betrieb und die Landwirtschaft als einen weitgehend in sich geschlossenen Organismus zu sehen, steht im Vordergrund biologisch-dynamischer Landwirtschaft.10 Eine Segmentierung und einseitige Spezialisierung der Landwirtschaft und daneben eine Landschaftspflege, die von speziell dafür eingerichteten Unternehmen durchgeführt wird, widerspricht der biologisch-dynamischen Auffassung vom Hoforganismus. Biologisch-dynamisch wirtschaftende Betriebe zeigen meist Eigeninitiative in Bezug auf Naturschutz und Landschaftsentwicklung.12
  • Ökolandbau, Landschaftsheterogenität und semi-natürliche Habitate wirken sich positiv auf die Biodiversität aus. Die räumliche Anordnung ökologischer Ausgleichsflächen in der Landwirtschaft ist je nach Anbaumethode verschieden. Bei konventionellen Betrieben sind ökologische Ausgleichsflächen klar von intensiv genutzten Flächen getrennt und meist im Randbereich des Betriebes zu finden(Segregationsmuster). Biobetriebe versuchen die einzelnen Flächen miteinander zu verknüpfen (Vernetzungsmuster). Auf Demeter-Betrieben werden Ausgleichsflächen in den Hoforganismus integriert und tragen zur Vielfalt der Organe des Hofes bei (Integrationsmuster). Die Ausdehnung des Ökolandbaus bietet ein höheres Potenzial für mehr Heterogenität in der Agrarlandschaft und damit verbunden einer höheren Biodiversität.14
  • Ertragsarme Standorte wie Magerrasen oder Feuchtgrünland, auf die vier Fünftel der bei uns vom Aussterben bedrohten Farn- und Blütenpflanzenarten angewiesen sind, werden auf biologisch-dynamisch geführten Betrieben in den Betrieb mit einbezogen. Beispiele sind die Nutzung von Magerstandorten durch Schafhaltung (Schäferei Schenk), oder von Feuchtstandorten durch extensive Rinderhaltung und Jungrinderaufzucht (z. B. Lämmerhof, Hof Weide) oder Eselhaltung auf renaturiertem Trockenrasen (Demeter-Hof Brodowin). Die verschiedenen Nutzungsarten wie Acker, Wiese, Wald, Garten- und Obstflächen und Magergrünland werden zu Organen eines harmonisch ineinander greifenden Ganzen.11
  • Untersuchungen von biologisch-organisch und biologisch-dynamisch bewirtschafteten Flächen zeigen, dass in den biologisch-dynamisch bewirtschafteten Anlangen tendenziell die Parameter für Bodenfruchtbarkeit, wie Bodenstruktur, Biomasse der Anteil Regenwürmer an Biomasse, mikrobielle Aktivität und Biomasse, und Artenvielfalt, wie Beikräuter, Regenwürmer, Laufkäfer, um 10-30% höher als im biologisch-organischen Anbau liegen.7
  • Eine eigene Pflanzenzüchtung gehört zu den Grundlagen der biodynamischen Landwirtschaft.16 Die Assoziation biologisch-dynamischer Pflanzenzüchter e.V. legt Wert auf standortbezogene Züchtung mit samenfesten, nachbaufähigen Sorten, welche die regionale Vielfalt fördern.18 Seit 2010 gibt es Demeter-Richtlinien für Pflanzenzüchtung und eine entsprechende Kennzeichnung für biodynamische Sorten.10 Auch zur Frage der Neuzüchtung von Kulturpflanzen aus Wildpflanzenarten gibt es erste Arbeiten z. B. an Haarweizen (Dasypyrum).
  • Um den Bestand von Kulturarten auf Dauer zu sichern, ist eine in situ/on farm Erhaltung, wie sie auf einer Anzahl biologisch-dynamischer Betrieben praktiziert wird, notwendig. Die reine Aufbewahrung in Genbanken (ex situ) reicht nicht aus, wenn gleichzeitig die Vielfalt auf dem Feld immer weiter eingeschränkt wird.21
  • Durch den langjährigen Nachbau einer Zuchtsorte auf einem bestimmten landwirtschaftlichen Betrieb entwickelt sich mit der Zeit eine Hofsorte, die an die Bedingungen vor Ort angepasst ist. Hofsorten findet man nahezu ausschließlich auf biodynamischen Höfen, da diese den Betrieb als Organismus auffassen.19 Hofsorten tragen zur Erhaltung bzw. Erweiterung pflanzengenetischer Ressourcen bei.19
  • Von den zwölf Preisträgern der Förderpreises Naturschutzhöfe sind allein vier Demeter- Betriebe, die hier für ihr besonderes Engagement ausgezeichnet wurden. Mit dem seit zehn Jahren vergebenen Förderpreis Ökologischer Landbau wurden 13 weitere Demeter-Betriebe, die sich u.a. besonders in Umwelt- und Naturschutz sowie der Getreide- bzw. Gemüsezüchtung engagieren, bedacht.22
  • Auch bei der Tierhaltung und -zucht setzen Demeter -Betriebe Akzente: Die Erhaltung bzw. Fortzüchtung alter Nutztierrassen v. a. bei Wiederkäuern und Schweinen ist auf vielen Betrieben Praxis. So wird eine Reihe seltener Rassen, u.a. Rotes Höhenvieh, Hinterwälder, Pinzgauer, Original Braunvieh, Murnau-Werdenfelser auf verschiedenen Demeter-Höfen gehalten. Auch rare Schweine- und Schafrassen wie Buntes Bentheimer Schwein, Angler Sattelschwein oder Düppeler Weideschwein bzw. Coburger Fuchsschaf und Rhönschaf, um nur einige zu nennen, gibt es auf biodynamischen Betrieben
  • Der Aufbau einer hofeigenen, betriebsangepassten Kuhherde mit geringem Tierzukauf bzw. möglichst eigenem Stier, ist ein Ansatzpunkt für mehr Biodiversität. Eine Umfrage bei Demeter-Höfen ergab, dass 64% der Milchviehhalter und 79% der Mutterkuhhalter einen eigenen Stier zur Zucht halten.26 Die Demeter- Richtlinien fordern, die Vatertierhaltung zu bevorzugen gegenüber der künstlichen Besamung.10
  • Das biodynamische Konzept der sogenannten „Bedingungszucht“ , das davon ausgeht, dass auch Haltung, Fütterung und Betreuung gewonnene Merkmale sich vererben, fördert tendenziell einen hofeigenen Vieh“schlag“ und die genetische Vielfalt.23, 25 im Gegensatz zur heute verbreiteten Tierzüchtung, die auf weltweit wenige Vererber setzt, deren Gene durch künstliche Befruchtung rasch verbreitet werden.
  • Biodiversität in der Landwirtschaft kann auch in essbare Spezialitäten münden: In der „Arche des Geschmacks“ von SlowFood findet man z. B. die Dinkelsorte Bauländer Spelz gepflegt vom Demeter Betrieb Hofmann,das Filderkraut, kultiviert vom biodynamischen Michaelhof oder das Anglerrind alter Zuchtrichtung, um dessen Erhaltung sich der Demeter-Landwirt Bertram kümmert.

Quellen:

  1. FIBL: Biolandbau und Biodiversität
  2. Kommunikation zur Agro-Biodiversität i.A. BMELV
  3. Schutz durch Nutzung BMELV
  4. Empfehlungen zum Ackerwildkrautschutz auf Schutzäckern zusammengestellt von Thomas van Elsen, Stefan Meyer und Anne-C- Gärtner
  5. Erhält der Ökolandbau die Biodiversität? Bio-Betriebe bringen Vielfalt in die Kulturlandschaft BÖLW
  6. FiBL 90 Argumente für den Biolandbau
  7. FiBL Dossier Erkenntnisse aus 21 Jahren DOK-Versuch: Bio fördert Bodenfruchtbarkeit und Artenvielfalt
  8. Bioland ökologischer Landbau: Naturschutz bei Bioland
  9. Organic Agriculture and Biodiversity IFOAM 2006
  10. Richtlinien für die Zertifizierung Demeter und Biodynamisch- Erzeugung Dez.2009
  11. Die Nutzung von Magerrasen und Feuchtgrünland in der biologisch-dynamischen Landwirtschaft – Titus Bahner und Eike Burandt März 1997
  12. Der biologisch-dynamische Landbau und seine Auswirkungen auf Naturschutz und Landschaftsgestaltung – Dipl. Arbeit TU Berlin und Gesamthochschule Kassel FB Landschaftsplanung 1997 -Tanja Barbian und Wolfgang Hoffmann
  13. Vergleichende vegetationskundliche Untersuchungen biologisch-dynamisch und konventionell bewirtschafteter Gründlandflächen in Abhängigkeit von Standorteigenschaften – Diplomarbeit Justus-Liebig- Universität Giessen FB Agrawissenschaften und Umweltsicherung 1986 – Karin Stein
  14. Spuren des Biolandbaus- Wie verschiedene Anbaumethoden in de Landwirtschaft sichtbar werden Regula Steiner 2009
  15. Vergleichende Untersuchungen der Baumkronenfaunen unterschiedlicher bewirtschafteter Apfelanlagen- Harald G. Jasser
  16. Biodiversität für die biologische Züchtung- Getreidezüchtung Peter Kunz
  17. Biodiversität ökologischer und integrierter Landwirtschaft – Natur- und sozialwissenschaftliche Untersuchungen zur Optimierung des Ökolandbaus im Projekt Ökologischer Bodenbewirtschaftung (PÖB) Bundesamt für Naturschutz 2001 Georg Eysel
  18. Leitbild Assoziation biologsich-dynamsicher Pflanzenzüchter e.V.
  19. Was bringt der Anbau von „Hofsorten“? Vergleichende Untersuchungen zum langjährigen Nachbau von Getreide bei ökologischer Bewirtschaftung – Hartmut Spieß 1996- Ökologie & Landbau Sonderdruck
  20. Saatgut- Dokumentation zur Ausstellung Forschung und Züchtung in der biologisch-dynamischen Landwirtschaft. In situ-Erhaltung und Entwicklung Juni 1996
  21. Biologische Vielfalt bei Gemüse und Getreide- Entwicklungschancen im ökologischen Landbau NABU 2000 Berthold Heyden und Edith Lammerts van Bueren
  22. 10 Jahre Förderpreis Ökologischer Landbau Innovation-Vielfalt-Tradition Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung
  23. Biodynamische Rindviehzucht- zwischen Respekt für das Tierwesen und Leistungsdruck- Zusammenfassung des Vortrages von Anet Spengler Neff 2004
  24. Bedingungszucht: die Art züchtet- Lukas Rist Lebendige Erde 2003
  25. Rinderzucht mit Stieren für den Natursprung- Gernot Schmidt, Christoph Metz, Günther Polster Lebendige Erde 2005
  26. Stierhaltung auf Demeter-Höfen- Chrsitoph Metz, Matrin Haugstätter und Beat Bapst Lebendige Erde 2007
  27. Die Wildgrasveredlung- Rudolf Steiners Impuls in der Pflanzenzucht Uwe Mos unter Mitarbeit von Berthold Heyden 2006
01.05.2010
Biodynamische Landwirtschaft und Biodiversität
Biodiversität

Faktensammlung von Anna Keilbach und Michael Olbrich-Majer, erschienen in der Lebendigen Erde

Biodiversität beschreibt die Vielfalt des Lebens auf allen Ebenen: der Arten, der genetischen Grundlage sowie der Lebensräume und Ökosysteme.1 Die Mannigfaltigkeit der in der Land- Forst-, Fischerei- und Ernährungswirtschaft genutzten Pflanzen und Tiere - die Agro-Biodiversität - ist ein wesentlicher Teil der gesamten biologischen Vielfalt auf der Erde. Sie bildet die Basis der Produktion in der Landwirtschaft und ist damit das Fundament der Welternährung der Menschen.3 Die aktuell drastische Abnahme der Biodiversität gefährdet nicht nur die Stabilität und Regenerationsfähigkeit von Ökosystemen, sondern hat auch Auswirkungen auf andere Umweltprobleme, vom Klimawandel bis zur Bodendegradation und Wüstenbildung. Die Folgen des anhaltenden Verlusts einer noch unbekannten Anzahl von Arten, Sorten und Rassen sind auch in Bezug auf die menschlichen Nutzungsformen der Natur noch nicht vollständig abzusehen. Allein aus Gründen der Generationengerechtigkeit muss die nachhaltige Nutzung und Erhaltung der genetischen Vielfalt der Nutztierrassen und Nutzpflanzensorte ein zentrales Ziel sein. Dafür sprechen ökonomische, soziale, kulturelle und ökologische Gründe. Die Agro-Biodiversität bedeutet zudem eine großes Spektrum an unterschiedlichen physiologischen und sensorischen Qualitäten, was sie auch unter Aspekten der Gesundheit und Ernährung erhaltenswert macht.2

Als Hauptursache für die weltweite Abnahme der Biodiversität gilt die heutige intensive Landwirtschaft.1, 2, 5 Ziel muss es daher sein, durch nachhaltige Nutzung stabile und vielfältige landwirtschaftliche Ökosysteme zu schaffen.3 Der Ökolandbau ist der konventionellen und integrierten Landwirtschaft in diesem Aspekt systembedingt deutlich überlegen.17

Biodiversität im Vergleich: Konventioneller und ökologischer Landbau

  • Durch den Verzicht auf Herbizide und chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel im ökologischen Anbau finden sich im Durchschnitt ein Drittel mehr Arten und doppelt so vielen Individuen wie auf konventionell bewirtschafteten Flächen. Insbesondere Vögel (25% mehr Vögel8), räuberische Insekten (4-6-mal so viele Blattlausräuber und Spinnen auf Obstanlagen6), fliegende Warmblütler (33% mehr Fledermäuse6), Wildbienenarten (Artenvielfalt und Individuenzahl 3 bzw. 7-fach so hoch1), Spinnen (50% mehr Spinnen6), Bodenorganismen wie Regenwürmer (50-80% mehr Regenwürmer8), Laufkäfer und Kurzflügler (50% mehr Laufkäfer und Kurzflügler6) profitieren davon.1, 5
  • Auch der größere Anteil an Grünflächen bei Ökobetrieben hat einen positiven Effekt auf Vögel und Schmetterlinge.114
  • Der Einsatz von rein organischem Dünger, einer schonenden Bodenbearbeitung und vielfältigen Fruchtfolgen mit hohem Kleegrasanteil führen zu einer Verbesserung der Bodenstruktur und vermeiden so Erosion und Verschlämmung.1, 5, 6 Dies führt auch zu einer Stabilisierung der Ackerwildkraut-Gesellschaften: Auf Bio-Äckern finden sich 20-400% mehr Wildkrautarten im Unterwuchs als auf konventionell bewirtschafteten Äckern.6
  • Grünlanduntersuchungen zeigen, dass auf biologisch-dynamisch bewirtschafteten Gründlandflächen die Artenvielfalt höher ist und das erzeugte Futter hochwertiger ist. Die konventionell bewirtschafteten Flächen sind qualitativ minderwertiger durch die Dominanz weniger Gräser und das Fehlen wertvoller Kräutern und Leguminosen.13
  • Der vielseitige Anbau und die Schaffung von Strukturelementen und Biotopen unterstützt die Regulierung von Schädlingen im Ökolandbau.5
  • Der Anteil an naturnahen Flächen und das Anlegen von Hecken, Feldraine, Buntbrachen, Ackerrandstreifen, Streuobstwiesen und Weiden ist auf Bioflächen höher und dient als Lebensraum und temporären Rückzugsort für viele Tierarten und gehört zum Bewirtschaftungssystem dazu.1, 5, 8, 14
  • In einer vergleichenden Untersuchung der Baumkronenfauna (Gliederfüßler wie Spinnen, Milben, Läuse und Insekten) von Obstanlagen wurde neben der positiven Veränderung des physiologischen Zustandes (Erhöhung der Widerstandskraft der Pflanzen) der biologisch-dynamischen Anlage auch ein höheres Auftreten in Zahl und Art der Braumkronenfauna festgestellt als in der konventionellen Anlage. Sie kann am ehesten mit der unbehandelten Streuobstanlage verglichen werden.15

Ökologischer und biologisch-dynamischer Landbau:

  • Den Betrieb und die Landwirtschaft als einen weitgehend in sich geschlossenen Organismus zu sehen, steht im Vordergrund biologisch-dynamischer Landwirtschaft.10 Eine Segmentierung und einseitige Spezialisierung der Landwirtschaft und daneben eine Landschaftspflege, die von speziell dafür eingerichteten Unternehmen durchgeführt wird, widerspricht der biologisch-dynamischen Auffassung vom Hoforganismus. Biologisch-dynamisch wirtschaftende Betriebe zeigen meist Eigeninitiative in Bezug auf Naturschutz und Landschaftsentwicklung.12
  • Ökolandbau, Landschaftsheterogenität und semi-natürliche Habitate wirken sich positiv auf die Biodiversität aus. Die räumliche Anordnung ökologischer Ausgleichsflächen in der Landwirtschaft ist je nach Anbaumethode verschieden. Bei konventionellen Betrieben sind ökologische Ausgleichsflächen klar von intensiv genutzten Flächen getrennt und meist im Randbereich des Betriebes zu finden(Segregationsmuster). Biobetriebe versuchen die einzelnen Flächen miteinander zu verknüpfen (Vernetzungsmuster). Auf Demeter-Betrieben werden Ausgleichsflächen in den Hoforganismus integriert und tragen zur Vielfalt der Organe des Hofes bei (Integrationsmuster). Die Ausdehnung des Ökolandbaus bietet ein höheres Potenzial für mehr Heterogenität in der Agrarlandschaft und damit verbunden einer höheren Biodiversität.14
  • Ertragsarme Standorte wie Magerrasen oder Feuchtgrünland, auf die vier Fünftel der bei uns vom Aussterben bedrohten Farn- und Blütenpflanzenarten angewiesen sind, werden auf biologisch-dynamisch geführten Betrieben in den Betrieb mit einbezogen. Beispiele sind die Nutzung von Magerstandorten durch Schafhaltung (Schäferei Schenk), oder von Feuchtstandorten durch extensive Rinderhaltung und Jungrinderaufzucht (z. B. Lämmerhof, Hof Weide) oder Eselhaltung auf renaturiertem Trockenrasen (Demeter-Hof Brodowin). Die verschiedenen Nutzungsarten wie Acker, Wiese, Wald, Garten- und Obstflächen und Magergrünland werden zu Organen eines harmonisch ineinander greifenden Ganzen.11
  • Untersuchungen von biologisch-organisch und biologisch-dynamisch bewirtschafteten Flächen zeigen, dass in den biologisch-dynamisch bewirtschafteten Anlangen tendenziell die Parameter für Bodenfruchtbarkeit, wie Bodenstruktur, Biomasse der Anteil Regenwürmer an Biomasse, mikrobielle Aktivität und Biomasse, und Artenvielfalt, wie Beikräuter, Regenwürmer, Laufkäfer, um 10-30% höher als im biologisch-organischen Anbau liegen.7
  • Eine eigene Pflanzenzüchtung gehört zu den Grundlagen der biodynamischen Landwirtschaft.16 Die Assoziation biologisch-dynamischer Pflanzenzüchter e.V. legt Wert auf standortbezogene Züchtung mit samenfesten, nachbaufähigen Sorten, welche die regionale Vielfalt fördern.18 Seit 2010 gibt es Demeter-Richtlinien für Pflanzenzüchtung und eine entsprechende Kennzeichnung für biodynamische Sorten.10 Auch zur Frage der Neuzüchtung von Kulturpflanzen aus Wildpflanzenarten gibt es erste Arbeiten z. B. an Haarweizen (Dasypyrum).
  • Um den Bestand von Kulturarten auf Dauer zu sichern, ist eine in situ/on farm Erhaltung, wie sie auf einer Anzahl biologisch-dynamischer Betrieben praktiziert wird, notwendig. Die reine Aufbewahrung in Genbanken (ex situ) reicht nicht aus, wenn gleichzeitig die Vielfalt auf dem Feld immer weiter eingeschränkt wird.21
  • Durch den langjährigen Nachbau einer Zuchtsorte auf einem bestimmten landwirtschaftlichen Betrieb entwickelt sich mit der Zeit eine Hofsorte, die an die Bedingungen vor Ort angepasst ist. Hofsorten findet man nahezu ausschließlich auf biodynamischen Höfen, da diese den Betrieb als Organismus auffassen.19 Hofsorten tragen zur Erhaltung bzw. Erweiterung pflanzengenetischer Ressourcen bei.19
  • Von den zwölf Preisträgern der Förderpreises Naturschutzhöfe sind allein vier Demeter- Betriebe, die hier für ihr besonderes Engagement ausgezeichnet wurden. Mit dem seit zehn Jahren vergebenen Förderpreis Ökologischer Landbau wurden 13 weitere Demeter-Betriebe, die sich u.a. besonders in Umwelt- und Naturschutz sowie der Getreide- bzw. Gemüsezüchtung engagieren, bedacht.22
  • Auch bei der Tierhaltung und -zucht setzen Demeter -Betriebe Akzente: Die Erhaltung bzw. Fortzüchtung alter Nutztierrassen v. a. bei Wiederkäuern und Schweinen ist auf vielen Betrieben Praxis. So wird eine Reihe seltener Rassen, u.a. Rotes Höhenvieh, Hinterwälder, Pinzgauer, Original Braunvieh, Murnau-Werdenfelser auf verschiedenen Demeter-Höfen gehalten. Auch rare Schweine- und Schafrassen wie Buntes Bentheimer Schwein, Angler Sattelschwein oder Düppeler Weideschwein bzw. Coburger Fuchsschaf und Rhönschaf, um nur einige zu nennen, gibt es auf biodynamischen Betrieben
  • Der Aufbau einer hofeigenen, betriebsangepassten Kuhherde mit geringem Tierzukauf bzw. möglichst eigenem Stier, ist ein Ansatzpunkt für mehr Biodiversität. Eine Umfrage bei Demeter-Höfen ergab, dass 64% der Milchviehhalter und 79% der Mutterkuhhalter einen eigenen Stier zur Zucht halten.26 Die Demeter- Richtlinien fordern, die Vatertierhaltung zu bevorzugen gegenüber der künstlichen Besamung.10
  • Das biodynamische Konzept der sogenannten „Bedingungszucht“ , das davon ausgeht, dass auch Haltung, Fütterung und Betreuung gewonnene Merkmale sich vererben, fördert tendenziell einen hofeigenen Vieh“schlag“ und die genetische Vielfalt.23, 25 im Gegensatz zur heute verbreiteten Tierzüchtung, die auf weltweit wenige Vererber setzt, deren Gene durch künstliche Befruchtung rasch verbreitet werden.
  • Biodiversität in der Landwirtschaft kann auch in essbare Spezialitäten münden: In der „Arche des Geschmacks“ von SlowFood findet man z. B. die Dinkelsorte Bauländer Spelz gepflegt vom Demeter Betrieb Hofmann,das Filderkraut, kultiviert vom biodynamischen Michaelhof oder das Anglerrind alter Zuchtrichtung, um dessen Erhaltung sich der Demeter-Landwirt Bertram kümmert.

Quellen:

  1. FIBL: Biolandbau und Biodiversität
  2. Kommunikation zur Agro-Biodiversität i.A. BMELV
  3. Schutz durch Nutzung BMELV
  4. Empfehlungen zum Ackerwildkrautschutz auf Schutzäckern zusammengestellt von Thomas van Elsen, Stefan Meyer und Anne-C- Gärtner
  5. Erhält der Ökolandbau die Biodiversität? Bio-Betriebe bringen Vielfalt in die Kulturlandschaft BÖLW
  6. FiBL 90 Argumente für den Biolandbau
  7. FiBL Dossier Erkenntnisse aus 21 Jahren DOK-Versuch: Bio fördert Bodenfruchtbarkeit und Artenvielfalt
  8. Bioland ökologischer Landbau: Naturschutz bei Bioland
  9. Organic Agriculture and Biodiversity IFOAM 2006
  10. Richtlinien für die Zertifizierung Demeter und Biodynamisch- Erzeugung Dez.2009
  11. Die Nutzung von Magerrasen und Feuchtgrünland in der biologisch-dynamischen Landwirtschaft – Titus Bahner und Eike Burandt März 1997
  12. Der biologisch-dynamische Landbau und seine Auswirkungen auf Naturschutz und Landschaftsgestaltung – Dipl. Arbeit TU Berlin und Gesamthochschule Kassel FB Landschaftsplanung 1997 -Tanja Barbian und Wolfgang Hoffmann
  13. Vergleichende vegetationskundliche Untersuchungen biologisch-dynamisch und konventionell bewirtschafteter Gründlandflächen in Abhängigkeit von Standorteigenschaften – Diplomarbeit Justus-Liebig- Universität Giessen FB Agrawissenschaften und Umweltsicherung 1986 – Karin Stein
  14. Spuren des Biolandbaus- Wie verschiedene Anbaumethoden in de Landwirtschaft sichtbar werden Regula Steiner 2009
  15. Vergleichende Untersuchungen der Baumkronenfaunen unterschiedlicher bewirtschafteter Apfelanlagen- Harald G. Jasser
  16. Biodiversität für die biologische Züchtung- Getreidezüchtung Peter Kunz
  17. Biodiversität ökologischer und integrierter Landwirtschaft – Natur- und sozialwissenschaftliche Untersuchungen zur Optimierung des Ökolandbaus im Projekt Ökologischer Bodenbewirtschaftung (PÖB) Bundesamt für Naturschutz 2001 Georg Eysel
  18. Leitbild Assoziation biologsich-dynamsicher Pflanzenzüchter e.V.
  19. Was bringt der Anbau von „Hofsorten“? Vergleichende Untersuchungen zum langjährigen Nachbau von Getreide bei ökologischer Bewirtschaftung – Hartmut Spieß 1996- Ökologie & Landbau Sonderdruck
  20. Saatgut- Dokumentation zur Ausstellung Forschung und Züchtung in der biologisch-dynamischen Landwirtschaft. In situ-Erhaltung und Entwicklung Juni 1996
  21. Biologische Vielfalt bei Gemüse und Getreide- Entwicklungschancen im ökologischen Landbau NABU 2000 Berthold Heyden und Edith Lammerts van Bueren
  22. 10 Jahre Förderpreis Ökologischer Landbau Innovation-Vielfalt-Tradition Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung
  23. Biodynamische Rindviehzucht- zwischen Respekt für das Tierwesen und Leistungsdruck- Zusammenfassung des Vortrages von Anet Spengler Neff 2004
  24. Bedingungszucht: die Art züchtet- Lukas Rist Lebendige Erde 2003
  25. Rinderzucht mit Stieren für den Natursprung- Gernot Schmidt, Christoph Metz, Günther Polster Lebendige Erde 2005
  26. Stierhaltung auf Demeter-Höfen- Chrsitoph Metz, Matrin Haugstätter und Beat Bapst Lebendige Erde 2007
  27. Die Wildgrasveredlung- Rudolf Steiners Impuls in der Pflanzenzucht Uwe Mos unter Mitarbeit von Berthold Heyden 2006