Bodenconnection

Demeter-Boden

Gabel im Boden

Warum ist Boden so wichtig?

Boden ist die Grundlage für unsere Lebensmittel. Deshalb pflegen Demeter-Bäuerinnen und -Bauern ihn – mit Kuhmist, nicht mit Chemie. Humusaufbau ist wesentlich für das gesunde Wachstum von Pflanzen und auch für die Bindung von CO2. Bei Demeter unterstützen zudem biodynamische Präparate die Stoffwechselprozesse im Boden - Grundlage für starke und gesunde Pflanzen.

Boden in der Luft?

Die vergangenen Dürre-Sommer brachten den Ackerboden ins Blickfeld vieler Menschen – und zwar wörtlich: auf die Windschutzscheibe. Staubstürme führten gar zu Autobahnsperrungen. Das war ein Weckruf, zu handeln, denn guter Boden ist die Lebengrundlage für die meisten landlebenden Pflanzen und Tiere und damit auch die wertvolle Basis unserer Lebensmittel. Boden ist viel mehr als Sand und Staub, er ist Nährstoffquelle, Wasserspeicher und Mikrokosmos für viele Kleinstlebewesen. Deshalb ist es wichtig, dass er auf dem Acker bleibt und nicht durch Wind- oder Wassererosion davongetragen wird.

Boden formt Landschaft formt Boden

Damit der Boden bei Trockenheit nicht wegweht, spielen Hecken und Feldgehölze eine wichtige Rolle. Sie bremsen den Wind und vermindern so die Erosion. In Hanglagen sind sie besonders wichtig – dort verhindern sie auch das Abschwemmen von Boden bei Regen. Nebenbei bieten sie zahlreichen Pflanzen- und Tierarten eine Heimat, darunter auch vielen Nützlingen wie Florfliegen, Raubmilben oder Marienkäfern. Ihre Wurzeln, aber auch abgestorbene Pflanzen und verendete Tiere füttern wiederum den Humus im Boden. Und aus dem Humus ziehen Pflanzen ihre Nährstoffe. – Ein komplexes System von Wechselwirkungen!

Es lebt unter uns

Wenn man näher hinschaut, etwa durch ein Mikroskop, sieht man es wuseln. In einer Handvoll Boden können so viele Lebewesen vorkommen, wie es Menschen auf der Erde gibt. Es sind längst noch nicht alle Prozesse im Boden erforscht. Eine Pionierleistung ist die 1922 erschienene Beschreibung des Bodenlebens durch den Botaniker und Mikrobiologen Raoul Heinrich Francé. Er nannte es das „Edaphon“: Was klingt wie ein Musikinstrument, ist weitaus komplexer als ein großes Orchester. Ein Zusammenspiel aus Algen, Bakterien, Asseln, Pilzen, Geißeltierchen, Milben, Würmern ... Sie alle haben eine wichtige Rolle dabei, aus Pflanzenresten Humus zu machen, den Wasser- und Gasaustausch im Boden zu regeln, den Pflanzen vorverdaute Nährstoffe zur Verfügung zu stellen und Lehmpartikel mit organischer Materie zu Krümeln zu verkleben.

Demeter-Boden enthält die meisten Mikroorganismen

Mikroorganismen konventionell

100%
(konventionell)

Mikroorganismen Bio

143%
(biologisch-organisch)

Mikroorganismen Demeter

161%
(biologisch-dynamisch)

Vergleich mit konventionellen und ökologisch-bewirtschafteten Böden beim Langzeit-Düngungsversuch Darmstadt

Packman frisst CO2

CO2-Fresser und Wasserfilter

Ein Boden, der viel organisches Material in Form von Humus gebunden hat, ist ein guter CO2-Speicher. Böden sind der größte terrestrische Speicher für Kohlenstoff, aber gleichzeitig eine der wichtigsten natürlichen Quellen für CO2 in der Atmosphäre. Dadurch ist organische Bodensubstanz nicht nur für die Bodenfruchtbarkeit, sondern auch als Umschlagort von Treibhausgasen für den Klimawandel von Bedeutung. Der gezielte Aufbau von organischem Humus trägt zudem zur Stabilität des Bodens bei, sodass bei starken Regenfällen weniger Ackerkrume abgeschwemmt wird und in Trockenzeiten mehr Wasser gespeichert werden kann.

Der Boden filtert das Regenwasser, der Humus im Boden bindet Nährstoffe und verhindert deren Auswaschung ins Grundwasser. Wasserwerke mögen Ökolandbau, weil das Grundwasser unter Ökoflächen deutlich weniger mit Nitrat und Pestiziden belastet ist als unter konventionell bewirtschafteten Feldern.

Warnsymbol

Gefahr durch Erosion und Bebauung

Gefährliche Zeiten für gute Böden: Immer mehr Bodenfläche wird bebaut oder ist von Erosion bedroht. Vor 50 Jahren stand rechnerisch jeder Person weltweit ein halber Hektar zum Anbau von Nahrungsmitteln zur Verfügung, heute ist es ein Viertelhektar und 2050 werden es nur noch 1.000 Quadratmeter sein. Wo einst Getreide und Kartoffeln wuchsen, stehen heute Doppelhaushälften und Supermärkte. Allein in Deutschland wird jeden Tag eine Fläche in der Größe von 90 Fußballfeldern versiegelt.

Auf der verbleibenden Fläche wird mit Pflanzenschutzmitteln, Mineraldünger und Monokulturen immer mehr angebaut. Das geht auf Kosten des Bodens. Seine natürlichen Funktionen sind so stark gestört, dass sie Starkregen und Stürmen nicht standhalten. Etwa 970 Millionen Tonnen fruchtbarer Boden gehen in der EU jedes Jahr durch Erosion verloren – genug Erde, um die gesamte Stadt Berlin einen Meter anzuheben.

Gutes wächst auf gutem Grund

Biodynamisch für guten Boden

Bei Demeter steht der Boden von Anfang an im Mittelpunkt des landwirtschaftlichen Geschehens. Als erste negative Folgen der mineralischen Stickstoffdüngung sichtbar wurden, begannen auch einige Landwirt*innen, sich um nachhaltige Bodenfruchtbarkeit zu sorgen. Eine Gruppe von ihnen bat Rudolf Steiner im Jahr 1924, einen landwirtschaftlichen Kurs in Koberwitz abzuhalten. Dies war die Geburtsstunde der biodynamischen Landwirtschaft. Rudolf Steiner bezeichnete den Boden als das Verdauungsorgan der Pflanze, deshalb müsse die Landwirtschaft den Boden selbst und nicht die Pflanze ernähren.

Weltweit bewirtschaften heute 6.240 Bäuerinnen und Bauern 202.370 Hektar Land zertifiziert biodynamisch. In Deutschland werden 93.000 Hektar Land nach Demeter-Richtlinien bewirtschaftet. Und genau wie damals steht auch heute für Demeter-Bäuerinnen und -Bauern ein lebendiger Boden im Mittelpunkt ihres Bemühens. Durch die Ausbringung von Kompost, die Nutzung biodynamischer Präparate, weite Fruchtfolgen, den Anbau von Zwischenfrüchten und Leguminosen fördern sie das Bodenleben und bauen Humus auf. Durch den Verzicht auf energieintensiv hergestellte Stickstoffdünger leisten sie außerdem einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz – unter anderem setzen biodynamisch bewirtschaftete Äcker deutlich weniger klimaschädliches Lachgas frei als konventionelle.

Demeter-Boden setzt weniger Lachgas frei

Austritt Lachgas konventionell

100%
(konventionell)

Austritt Lachgas Bio

75%
(biologisch-organisch)

Austritt Lachgas Demeter

57%
(biologisch-dynamisch)

Austritt N2O gemessen über die Fruchtfolge, Vergleich mit konventionellen und ökologisch-bewirtschafteten Böden beim DOK-Versuch

Boden Haftung

Politik muss Böden schützen!

Guter Umgang mit dem Boden entsteht nicht von selbst, es braucht gesetzliche Rahmenbedingungen, die sicherstellen: Wer fruchtbare Böden zerstört, muss dafür Haftung übernehmen. Hier ist die Politik gefragt! Sie muss die Weichen stellen, indem sie Bodenfruchtbarkeit fördert.

Wir fordern:

  • Die EU-Agrarpolitik (GAP) muss endlich den Systemwandel einleiten: 70 Prozent der Agrarsubventionen müssen gesellschaftlich wichtigen Umwelt- und Klimamaßnahmen gewidmet werden.
  • Die Subventionen müssen Landwirt*innen zugutekommen, die in Bodenfruchtbarkeit investieren, vor allem durch Ökolandbau. Denn der trägt gleichzeitig zum Erreichen weiterer Nachhaltigkeitsziele bei.

Weiterhin müssen Landwirt*innen dabei unterstützt werden, gezielt Landschaftselemente wie Hecken und Lebensräume für Artenvielfalt anzulegen. Wir begrüßen, dass die EU-Kommission in ihrer „Farm to Fork“-Strategie Ziele gesetzt hat, um die Lebensmittelkette vom Acker bis zum Teller fairer, gesünder und umweltfreundlicher zu gestalten. Die Bundesregierung muss sich nun dafür einsetzen, dass diese Ziele auch erreicht werden. Neben der Reform der EU-Agrarpolitik ist für die Erhaltung fruchtbarer Böden vor allem wichtig:

  • Boden als wichtige natürliche Ressource braucht besonderen Schutz, daher sollte die Arbeit an einer EU-Bodenschutzrichtlinie wieder aufgegriffen werden!
  • Bodenversiegelung zerstört Böden fast unwiederbringlich und muss daher durch gesetzliche Regelungen zu Flächenrecycling und umsichtiger Siedlungsplanung auf ein Mindestmaß begrenzt werden.
  • Das Ziel, 25 Prozent Ökolandbau bis 2030 zu erreichen, muss mit einem umfassenden Aktionsplan angegangen werden, der beispielsweise die Erhöhung des Anteils von Lebensmitteln aus Ökolandbau in öffentlichen Kantinen sowie Bildungsansätze fördert.

Bodenconnection Kampagnen Logo zeigt Wurzeln mit dem Demeter-Logo

Als Boden-Connection haben sich Demeter-Partner*innen zusammengeschlossen, welche sich an den Aktionswochen im Naturkostfachhandel zum Thema Boden beteiligen, um den Kund*innen das Thema Boden näher zu bringen.

Spielberger-Logo

Bauckhof-Logo

Voelkel-Logo

Naturata-Logo

Schrozberger Milchbauern

Mogli-Logo

Natural Cool

Bio Boden Genossenschaft-Logo

Berchtesgadener Land-Logo

Mount Hagen-Logo

Holle-Logo

 

Erde gut, alles gut

Weitere Informationen

Hand streicht über Boden
Presseerklärung zum Welttag für die Bekämpfung von Wüstenbildung und Dürre

Am Welttag für die Bekämpfung von Wüstenbildung und Dürre fordert Demeter gemeinsam mit Umweltschutz- und Ökolandbauverbänden, lebendigen Boden als gemeinsame Basis für Landbau und Naturschutz zu schützen.