Eine Frage des Geschmacks

Das Gelbe vom Ei - Eine Frage der Haltung!

Halbiertes gekochtes Ei liegt auf gelbem Hintergrund

Bild: virtu studio/shutterstock.com, Lutz Reinecke


Was macht das Demeter-Ei so besonders? Eins jedenfalls ist klar: „Ei, Henne und Hahn müssen zusammen gedacht werden“, erklärt Geflügelhalter Carsten Bauck.

Ob als leckeres Frühstücksei am Wochenende, als Star in einem Omelett oder im Pfannkuchen: Eier sind beliebt, lecker und stecken voller wertvoller Vitamine und hochwertigem Eiweiß. Doch unter welchen Bedingungen die Legehennen dieser Eier in Deutschland gehalten werden, ist nach wie vor sehr unterschiedlich: Von 3 (Bodenhaltung) bis 0 (Bio) reicht die Auszeichnung der Haltungsformen der Eier für Verbraucher:innen – Demeter geht über den höchsten Standard (Bio) hinaus. „Doch zum Ei gehört nicht nur die Henne, sondern immer auch der Hahn“, betont Carsten Bauck, Demeter- Geflügelhalter vom Bauckhof Klein Süstedt. Und dieser Hahn geriet erst in den letzten Jahren in das Bewusstsein vieler Verbraucher:innen – seit diesem Jahr ist das Töten von männlichen Eintagsküken in Deutschland endlich verboten. Für die Geflügel-Branche liegt die Lösung hauptsächlich in der Geschlechtserkennung im Ei (In-Ovo-Selektion), die das Töten der männlichen Eintagsküken jedoch nur um einige Tage nach vorne verlegt. „Wir Demeter-Delegierte haben bereits 2018 als erster Verband beschlossen, dass die In-Ovo- Geschlechtsbestimmung und die nachfolgende Vernichtung der männlichen, angebrüteten Eier im Demeter-Verband nicht angewandt wird. Deswegen wird heute jeder Bruderhahn aufgezogen“, so Carsten. Dabei ist die Bruderhahnaufzucht für ihn lediglich eine Brücke: „Bruderhähne von Legerassen setzen naturgemäß nur schlecht Fleisch an, fressen aber viel. Deswegen kann die reine artgerechte Bruderhahnaufzucht nur eine Zwischenlösung sein, denn sie ist zwar ethisch die bessere Lösung, doch aufgrund des hohen ökologischen Fußabdrucks nicht nachhaltig.“ Anders gesagt: Sie packt nicht das System bei der Wurzel, das die Hochleistungslegerassen mit all ihren Problemen hervorgebracht hat. „Konsequent ist hingegen das sogenannte ‚Zweinutzungstier’, also Tiere, bei denen die Hennen noch genügend Eier legen und die Hähne ausreichend Fleisch ansetzen“, erklärt der Demeter-Pionier. Ein solches Tier, das zudem auf die Bedingungen in Ökobetrieben angepasst ist, wird in der Ökologischen Tierzucht gGmbH (ÖTZ) gezüchtet, die Demeter 2015 gemeinsam mit Bioland ins Leben gerufen hat. Carsten war von Beginn an mit involviert: „Nur hier hat der Hahn einen Platz im Kreislauf der ökologischen Landwirtschaft. Für die Öko-Betriebe bietet diese unabhängige, ökologische Hühnerzucht zudem einen Ausweg aus der Abhängigkeit von den vier global agierenden Zuchtkonzernen.“ Sein Ziel: langfristig nur ÖTZ-Tiere zu halten – doch dies ist zurzeit wirtschaftlich nicht realisierbar, zumal sich in der derzeitigen Krise ÖTZ-Produkte trotz guter Kommunikation der Handelspartner nur schwer absetzen lassen. Verbraucher:innen können diese gesünderen Tiere und damit gleichzeitig auch Konzern-unabhängige und Öko-angepasste Strukturen trotzdem unterstützen, indem sie gezielt zu ÖTZ-Produkten greifen. Denn eines ist klar: „Wir brauchen die Verbraucherinnen und Verbraucher, wenn wir gesunde Tiere in gesunden Strukturen auf Ökohöfen haben wollen, bei denen der Hahn ganz selbstverständlich einen eigenen Wert hat.“

WAS MACHT DAS DEMETER-EI SO BESONDERS?

  • 100 % Bio-Futter, davon mindestens 70 % Demeter
  • Täglich Körnerfutter zum Scharren und Picken
  • Mehr Platz auf den Stangen und im Nest als bei Bio-Haltung
  • Mehrklimazonenstall mit Tageslicht, Grünauslauf und täglicher Zugang zu Außenklimabereich
  • Maximal 3.000 Tiere pro Stall
  • Demeter schreibt als einziger Verband vor, dass Ställe jeweils einen Mindestabstand von 150 Metern zueinander aufweisen müssen
  • Kein Schnäbel-Kupieren oder -Touchieren
  • Hähne in jeder Herde
  • Keine Geschlechtsbestimmung im Ei, die Hähne werden aufgezogen

www.demeter.de/eier

Tiere, die beides können

Gemeinsam mit Bioland hat Demeter die Ökologische Tierzucht gGmbH gegründet, die das „Ökohuhn mit Zukunft“ züchtet. Die Zweinutzungshühner legen zwar etwas weniger Eier, die Hähne setzen dafür mehr Fleisch an. Eier und Fleisch von Tieren aus ökologischer Tierzucht sind im ausgewählten Naturkostfachhandel erhältlich. Du erkennst sie am ÖTZ-Produktsiegel. www.das-oekohuhn.de

 

Zur Person:

Carsten Bauck, Geschäftsführer vom Bauckhof Klein Süstedt in Uelzen, einem der ältesten Demeterhöfe. Neben Legehennen zieht er hier auch Bruderhähne sowie ÖTZ-Tiere der Rassen „Coffee“ und „Cream“ auf. Er vermarktet nicht nur die Eier, sondern auch das Fleisch der Tiere, die direkt vor Ort geschlachtet und verarbeitet werden.
www.bauckhof.de

Dieser Artikel stammt aus der Winterausgabe 56 des Demeter Journals