#OHNEFILTER

Guter Boden – Sauberes Wasser!

Wasserhahn tropft in den Boden

Illustrationen: Juliane Pieper


Dass sauberes Trinkwasser aus dem Hahn sprudelt, ist für uns eine Selbstverständlichkeit. Wem wir es zu verdanken haben? Natürlich dem Regen, aber auch: dem Boden. Denn Letzterer filtert das Wasser nicht nur, sondern versetzt es mit wertvollen Mineralien. Die Art und Weise, wie der Boden bewirtschaftet wird, spielt eine große Rolle für die Qualität unseres Wassers. Deswegen fordert Demeter die Politik auf: Sorgt für lebendigen Boden – und damit für sauberes Wasser!

Schlamm, verrottende Pflanzenreste, Regenwürmer und Abermilliarden von Mikroben: Wenn wir im Regen über einen Acker gehen, verbinden wir damit erst mal nicht das klare, saubere Trinkwasser. Doch unser Boden ist untrennbar mit unserem Wasser verbunden: Denn durch ihn versickert ein Großteil der Niederschläge und wird auf seiner „Reise“ bis zum Grundwasser von ihm gefiltert. Ein Regentropfen nimmt aus der Luft zahlreiche Stoffe auf – unter anderem Staub, Abgase, aber auch Pestizide, die sich in der Luft befinden. Auf seinem Weg zum Grundwasser wird das Wasser nicht nur mechanisch gefiltert, sondern auch biologisch: Bodenorganismen bauen organische Stoffe, darunter auch Schadstoffe, ab. Zudem werden die Salze zurückgehalten, vor allem von Tonmineralien. Abgesehen von der Beschaffenheit des Gesteins und der Grundwassertiefe gilt: Je gesünder der Boden, desto besser ist seine Filterfunktion – und desto sauberer das Wasser.

Überdüngung erscheint auf unserer Wasserrechnung

Dabei merken etwa die Wasserwerke genau, auf welche Art das Land in ihrem Einzugsgebiet vorherrschend bewirtschaftet wird: Zu viel Gülle sorgt für eine erhöhte Belastung mit Keimen, Antibiotika oder Nitrat. Zudem ist ein hoher Einsatz von Pflanzenschutzmitteln schlecht für die Wasserqualität. Sind die Rückstände hier zu hoch, müssen die Wasserwerke entweder Ausweichstandorte für ihre Brunnen suchen, die Brunnen vertiefen oder in Verfahren zur Wasserreinigung investieren. Dies kostet eine Menge Geld, das am Ende auf unser aller Wasserrechnung erscheint: Das Bundesumweltamt hat 2017 Mehrkosten für die Nitratreinigung durch überdüngte Äcker von 32 bis 45 Prozent oder bis zu 134 Euro im Jahr für einen Haushalt von vier Personen errechnet. Studien und Untersuchungen belegen klar: Öko-Landbau schützt das Grundwasser vor Einträgen von chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmitteln. Das Grundwasser von ökologisch bewirtschafteten Böden ist mit weniger Nitrat und weniger anderen unerwünschten Stoffen belastet. Kein Wunder also, dass viele Wasserwerke den Ökolandbau in ihrem Einzugsgebiet bereits seit Jahrzehnten fördern und in Kooperationsabkommen mit Bäuerinnen und Bauern daran arbeiten, Nitrateinträge so weit wie möglich zu verringern.

Bodenschutz ist Wasserschutz!

In der EU gibt es seit 1991 eine Nitratrichtlinie, die sich als eines der effektivsten Umweltgesetze der EU erwiesen hat. Sie soll die Verunreinigung des Grund- und des Oberflächenwassers durch Nitrate aus der Landwirtschaft verhindern. Da in der Bundesrepublik die EU-Nitratgrenzwerte nicht eingehalten wurden, drohten hohe Vertragsstrafen. Um nun die Grenzwerte einzuhalten, hat der Bundestag 2018 eine neue Düngeverordnung verabschiedet. „Diese war generell ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung, doch die gewachsenen Dokumentationspflichten und ­Einschränkungen auch bei der Düngung mit Mist oder Kompost machen Bäuerinnen und Bauern viel Arbeit, führen aber nicht unbedingt zum Ziel“, erklärt Antje Kölling, politische Sprecherin von Demeter. „Eine Reihe von Maßnahmen, die seit vielen Jahren im ökologischen Landbau praktiziert werden, wären wesentlich geeigneter, um den Nitrateintrag in das Grundwasser deutlich zu reduzieren. Dazu gehören eine reduzierte, nämlich flächengebundene Tierhaltung und die verpflichtende Verwendung von Futtermittel-Anteilen aus dem eigenen Betrieb oder der Region.“ Denn: Global betrachtet werden Nährstoffe wie Nitrat und Phosphat durch massive Futtermittelimporte in die EU importiert. Erst dadurch wird eine nicht flächengebundene (Massen-)Viehhaltung möglich, die wiederum in vielen Regionen Europas zu Überdüngung mit Gülle führt. In den Ländern, aus denen Futtermittel exportiert werden, werden hingegen die Nährstoffe ausgelaugt.

Wahre Kosten

Zum Schutz des Grundwassers und der Umwelt an sich wäre es sinnvoll, auch die ‚wahren Kosten‘ der Erzeugung, also auch die Umweltschäden und damit die Kosten für die Gesellschaft, einzupreisen. Als einen guten Ansatz erachtet Antje Kölling eine Lenkungsabgabe für Pestizide, wie sie 2013 in Dänemark eingeführt wurde: „Je stärker ein Pestizid die menschliche Gesundheit, Tiere und Pflanzen belastet und je größer seine möglichen Schäden für Böden sind, desto höher war die Abgabe angesetzt. Die schädlichsten Pestizide kosteten dadurch zwölfmal mehr als zuvor. Die positive Folge war, dass 2017 die Pestizidbelastung im Vergleich zu 2011 um 44 Prozent gesunken ist. Zudem kommt das darüber eingenommene Geld der Landwirtschaft zugute – über eine reduzierte Landsteuer und als Finanzierung für Forschung und Entwicklung im Agrarsektor.“

Um unser Wasser und damit unsere Böden zu schützen, brauchen wir einen zukunftsorientierten politischen Rahmen mit effektiven, sich gegenseitig unterstützenden Maßnahmen. Dabei dürfen Bäuerinnen und Bauern jedoch nicht am Ende diejenigen sein, die die Herausforderung allein schultern müssen. „Unsere Lebensgrundlagen zu schützen, ist eine Aufgabe für die gesamte Gesellschaft. Das heißt, Mehraufwand und Einschränkungen müssen entsprechend honoriert werden. Neben der fairen Preisgestaltung entlang der Lieferkette ist hierfür vor allem auch die Gemeinsame Agrarpolitik der EU ein Werkzeug. Denn: Faire Preise und zielgerichtete Förderung sind unabdingbar, um den Boden und damit gleichzeitig unser Grundwasser wie auch unsere Flüsse und Seen zu schützen“, so Antje Kölling.

Bodenleben

Demeter-Landwirt:innen sorgen mit Kompost und mehr­jährigen Fruchtfolgen für ein lebendiges Bodenleben. Dass dies gut gelingt, zeigen verschiedene Langzeitstudien. So sind Demeter-Böden stärker durchwurzelt und enthalten mehr Regenwürmer und Mikroorganismen als Bio-Böden oder konventionell bewirtschaftete Böden. Die Stabilität von Bodenkrümeln ist die Basis der Bodenfruchtbarkeit; auch diese ist bei Demeter-Böden besonders hoch. Die ­Stabilität der Bodenstruktur ist auch ein wichtiger Faktor, um Erosion zu vermindern. Mehr zur Demeter-Bodenconnection

Welche Parteien auch die Bundestagswahl gewinnen werden, wichtig ist in jedem Fall: Es besteht viel Handlungsbedarf, um unsere Lebensqualität zu schützen. Demeter fordert die neue Regierung auf, sich aktiv und konsequent einzusetzen – für fruchtbare Böden, sauberes Grundwasser, für mehr Klimaschutz und gesunde Lebensmittel für alle.

Das muss in den Koalitionsvertrag

Bei der EU-Agrarpolitik muss baldmöglichst – beispielsweise in einer Midterm-Review – nachgebessert werden, damit die hier verwendeten Steuergelder mehrheitlich für gesellschaftliche Ziele verwendet werden: 70 Prozent der Gelder sollten in Umweltleistungen fließen, statt wie bisher einen Großteil ohne klare Zielvorgaben zu vergeben. Subventionen für Wirtschaftspraktiken etwa im Pflanzenbau oder in der Tierhaltung, die Umweltschäden verursachen, sind abzuschaffen. Auf den Einsatz synthetischer Pflanzenschutz- und Düngemittel müssen Umlagen eingeführt werden, um die daraus entstehenden Umweltkosten zu decken. Die Forschung zur Gesunderhaltung von Pflanzen durch ökologische Maßnahmen, ohne chemisch-synthetische Pestizide, muss ausgebaut werden. Vermittlung von Wissen zum Ökolandbau in allen Lebensmittel-relevanten Ausbildungsgängen soll zur Pflicht werden. Die Zukunftsstrategie ökologischer Landbau (ZöL) muss endlich umgesetzt werden.

(aus dem BÖLW-Grundsatzpapier zur Bundestagswahl 2021)

Dieser Artikel stammt aus der Herbstausgabe 51 des Demeter Journals.

Cover des Demeter Journal 51 zeigt ein Herz aus Erde und Wurzeln