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Kulturpflanzen- Vielfalt statt Genschere!

10.03.2021
Kulturpflanzen - Vielfalt statt Genschere!

Illustration: Juliane Pieper


Wie werden wir in Zukunft satt? Manche behaupten, die neuen Methoden der Gentechnik seien die Heilsbringer bei der Antwort auf diese Frage. Für Demeter steht fest: Sie sind keine nachhaltige Lösung. Vielmehr liegt die Zukunft unserer Ernährung in unserer Kulturpflanzen-Vielfalt und nicht in der neuen Gentechnik!

Gentechnik war gestern, heute wird von „Genome Editing“ gesprochen – das klingt nicht nur modern, sondern, so sehen es die Befürworter*innen, nach kontrollierten, präzisen Eingriffen in die Gene. Ganz nach Belieben sollen etwa Getreidesorten günstig und schnell so gezüchtet werden, dass sie trotz Schädlingsattacken gute Erträge bringen. „Wir sehen Genome Editing sehr kritisch“, hält Antje Kölling den Gentechnik-Vertreter*innen entgegen. Die politische Sprecherin von Demeter erklärt die Gründe: „Komplexe Zukunftsfragen in der Landwirtschaft können nicht durch eine Technik mit unabsehbaren Folgen gelöst werden. Pflanzen, ihre Gene und die Umwelt bilden ein verflochtenes System mit zahlreichen Wechselwirkungen. Werden einzelne Gene verändert, verändern sich meist mehrere Funktionen und Eigenschaften der daraus entstehenden Organismen. Werden diese Organismen freigesetzt, entstehen für das gesamte Ökosystem neue Dynamiken, deren Wirkung wir nicht absehen können.“ Demeter und der Ökolandbau setzen hingegen auf einen ganzheitlichen Ansatz, um den Klima­wandel-Folgen und dem wachsenden Druck durch neue Schädlinge in der Landwirtschaft zu begegnen. Zum einen heißt das, Fruchtfolgen, Mischkulturen, Saatzeitpunkte zu erforschen und anzupassen. Zum anderen brauchen wir eine Züchtung neuer, standortangepasster Sorten. Grundlage für diese ist die reiche Kulturpflanzenvielfalt, die zu verschwinden droht. „Die Züchtung muss so angelegt sein, dass die Integrität der Zelle bewahrt bleibt und die Wechselwirkungen mit Mensch und Umwelt berücksichtigt werden. Auch darf sie nicht in der Hand weniger globaler Konzerne liegen – wir setzen auf dezentrale, demokratisch organisierte und vielfältige Züchtungs-Netzwerke“, so Antje Kölling.

Noch sind die Äcker in der EU weitgehend gentechnikfrei. Saatgut­konzerne aber drängen darauf, dass neue Sorten, die mithilfe neuer Gentechnologien wie CRISPR-Cas gezüchtet wurden, zugelassen werden. Sie wollen auch erreichen, dass dabei die im EU-Gentechnikrecht festgelegte Risikoprüfung und Kennzeichnungspflicht umgangen werden können. Dem hat zunächst der Europäische Gerichtshof 2018 einen Riegel vor­geschoben – er bestätigte, dass auch die neuen Gentechnikverfahren unter das gültige Gentechnikrecht fallen. Das heißt, die Anwendung des Vorsorgeprinzips, Risikoprüfung, Kennzeichnung und Rückverfolg­barkeit müssen gewährleistet sein. Allerdings geht das politische Ringen weiter: Zurzeit prüft die EU-Kommission die Gentechnikgesetzgebung auf ihre Eignung für die neuen Gentechniken. Antje Kölling betont: „Gemeinsam mit 87 weiteren europäischen zivilgesellschaftlichen und landwirtschaftlichen Verbänden fordert Demeter daher die EU-Kommission auf, bei der Prüfung des EU-Gentechnikrechts dessen ursprünglichen Zweck, Umwelt und Gesundheit zu schützen, voranzustellen. Das heißt, das EU-Gentechnikrecht für den Bereich Landwirtschaft und Lebensmittel muss auch weiterhin für neue Gentechniken gelten. Nur so stärkt die EU-Kommission den Schutz der Umwelt, die wirtschaftliche Grundlage der europäischen gentechnikfreien Lebensmittelerzeugung sowie das Verbraucherrecht auf Wahlfreiheit!“

Komplexe Zukunftsfragen in der Landwirtschaft können nicht durch eine Technik mit unabsehbaren Folgen gelöst werden. Unsere reiche Vielfalt an Kulturpflanzen hingegen kann neue Sorten hervorbringen, die unabhängig von großen Saatgut-Konzernen wirklich nachhaltige Lösungen für die Ernährungsanforderungen der Zukunft bieten.

Antje Kölling, politische Sprecherin von Demeter

Klare Kennzeichnung für Gentechnik

Gerade wenn es um ihre Ernährung geht, brauchen die Menschen Entscheidungsfreiheit bezüglich Gentechnik. Deren Einsatz muss deswegen klar gekennzeichnet werden. Der Ökolandbau und Demeter setzen darauf, widerstandsfähige, gesunde Pflanzen zu züchten. Etwa durch die Erhaltung und Weiterentwicklung der Genressourcen durch herkömmliche Züchtung oder durch die Optimierung von ­Fruchtfolgen.

Mehr zu neuer Gentechnik von der IG Saatgut.

 

Dieser Artikel stammt aus der Frühjahrsausgabe 49 des Demeter Journals.

Cover des Demeter Journal 49 zeigt eine Hand, die Möhren in die Luft hält