Wachsen und Werden

Den Boden spüren

Pasquale Falzarano steht auf einem Acker und hält Erde in einer Hand

Bild: YOOL


Pasquale Falzarano arbeitet auf seinem italienischen Demeterhof „Agrilatina“ im Nationalpark „Circeo” Hand in Hand mit der Natur. Er pflegt das Lebendige im Boden und spürt dabei eine Verbindung zu dem, was ihn umgibt. Boden und Bauer, Hof und Pflanzen und Tiere – alle sind Teil des großen Ganzen.

Den Boden spüren

Schon mein Vater war Landwirt, aber ich sollte einen anderen Beruf ergreifen, und so schickte man mich zum Lernen vom Hof. Meine Liebe zum Boden war jedoch stärker, und ich kehrte irgendwann zu der Arbeit zurück, die meine Familie schon seit Generationen verrichtet. Für mich steckte die Erde, der Boden, schon immer voller Leben, dem ich mich ganz besonders verbunden fühle – die Mikroorganismen darin sind unsere kraftvollen Verbündeten beim Anbau von Nutzpflanzen. Wenn man sich um sie kümmert und sie nährt, wie das die Natur macht, schenken sie uns einen gesunden und energiereichen Humus, der den Pflanzen alles gibt, was sie zum Wachsen brauchen.

So ist es meine Aufgabe als Landwirt, den Boden zu nähren und die Pflanzen zu schützen, damit sie wachsen. In der Landwirtschaft funktioniert das mit Pestiziden, Unkrautvernichtern, chemischen Düngern oder anderen Zusätzen. So arbeitet die Natur jedoch nicht – ­und so möchte auch ich meinen Boden nicht bearbeiten. Mein Vorbild ist der Wald, wo Pflanzen und Erde in einer harmonischen Gemeinschaft leben und sich gegenseitig Nahrung geben. Deswegen bin ich überzeugt: Wir müssen die Natur genau beobachten, um das wahre Wesen der Pflanzen zu erkennen, die mit allem verbunden sind, der Erde, dem Kosmos. Und auch mit uns Menschen.

Ich habe diesen Hof gegründet und kümmere mich neben dem Anbau vor allem um die Präparate. Es ist mir eine Herzensangelegenheit, für die Erde und damit auch für die Menschen zu arbeiten – im Grunde ist das ja der Kern der biodynamischen Idee: Alles Lebendige bildet eine harmonische Einheit und wir Menschen sind ein Teil davon. Wir nähren die Erde, die Pflanzen und die Tiere, die wiederum uns ernähren. Damit meine Arbeit gelingt, brauche ich vor allem drei Dinge: Sensibilität, Intuition und Kreativität. Ich muss eine Verbindung spüren zu dem, was mich umgibt, denn auf einem Demeterhof ist der Mensch ein Teil des Ganzen, der Natur. Ich beobachte sie, lebe und arbeite mit ihr. Verändert sich etwas, passe ich mich schöpferisch der neuen Lage an und suche intuitiv und mit der Natur nach Lösungen. Das alles gibt meinem Tun hier einen Sinn und eine Richtung.

Dieser Artikel stammt aus der Herbstausgabe 2020 des Demeter Journals.

Cover des Demeter Journal 47 zeigt das Geischt einer Frau umgeben von Erde