Martina Gebhardt

Die Wurzelsucherin

19.11.2018

Martina Gebhardt öffnet Tür im KlosterZu Besuch: Martina Gebhardt führt durchs Kloster Wessobrunn, Firmensitz ihrer Naturkosmetik-Marke.

Was mit etwas Negativem begann, führte Martina Gebhardt nicht nur zu ihrer Berufung, sondern auch rund um die Welt – und schließlich zum Kloster Wessobrunn, wo sie für ihre Naturkosmetik eine neue Heimat fand. Sie ist überzeugt: Um weiterzukommen, muss man seine eigenen Wurzeln kennen.

Sanft fällt der Hügel ab und gibt den Blick frei auf die Alpen, eine Landschaft wie in einem Bilderbuch, ganz in der Nähe des Ammersees im oberbayerischen Pfaffenwinkel. Zwei ältere Herren in traditionellen Lederhosen gehen über die Straße, zwei Wanderinnen schauen ihnen nach. Kirchenglocken läuten und ihr Klang trägt weit über den Klosterhof. Hinter der Eingangstür des Klosters Wessobrunn schreitet Martina Gebhardt durch den Stuckgang im ersten Stock des beeindruckend weitläufigen Kloster-Gebäudes, das sie 2014 erworben hat. Auch nach über vier Jahren gibt es Momente, da kann sie es kaum fassen. Dann blickt sie auf die weltberühmten Ranken, Blumen und Früchte über ihr, auf die abwechselnd rosa und gelben Deckenbilder des Fürstentrakts, Zeugnisse der berühmten Wessobrunner Stuck-Kunst. Seit 2014 ist das ehemalige Benediktinerkloster, das 753 gegründet wurde, das Zuhause ihrer Naturkosmetiklinie. Seit 2014 ist dort der Vertrieb angesiedelt, 2019 folgt auch die Produktion der biodynamischen Cremes, Lotionen und Gesichtswässer. Dass ihre Kosmetik genauso heißt wie sie selbst, ist nur logisch. Denn Martina Gebhardt steht mit ihrer ganzen Person, mit ihren Ideen und ihrer Weltanschauung hinter den Produkten.

Am Anfang war ein Hundebiss ...

Die Bayerin mit ihren vielen Interessen und Leidenschaften hatte eigentlich Architektur studiert. Dass sie in der Naturkosmetik ihre Berufung gefunden hat, liegt an ihrer ungebrochenen Neugier und an einem sehr negativen Ereignis in ihrer Kindheit. „Mit drei Jahren habe ich Nachbars Hund umarmt, obwohl der das nicht wollte – und der hat dann ordentlich zugebissen und meine Wange erwischt“, erzählt die 59-Jährige. Sie selbst erinnert sich später nicht an den Vorfall, doch mit sechzehn, siebzehn Jahren stört sie die Narbe an ihrer linken Wange. Ihr Arzt verschrieb ihr dafür eine Salbe, die der alte Apotheker damals selbst anrührte und die zum Großteil aus Wollwachs bestand.

Die Narbe verschwand zwar nicht sofort, doch die Schülerin bemerkte bald positive Auswirkungen auf ihre Akne. „Da ich die Salbe nur links auftrug, konnte ich das im direkten Vergleich mit der rechten Gesichtshälfte gut beobachten“, so Gebhardt. Ihre Neugier war geweckt. Sie fragte den alten Apotheker nach den Inhaltsstoffen der Salbe und begann, ihn täglich nach der Schule zu besuchen, ihm zuzuschauen und ihm Löcher in den Bauch zu fragen.

Damit nicht genug – Martina Gebhardt wollte die Rezeptur ihrer Narbensalbe gar noch verbessern: Weniger klebrig sollte sie bitte sein, und: Was muss rein, damit sie gut riecht?

Den Dingen auf den Grund gehen

Bald schon war die Apotheke ganz ihre Welt, ihr Refugium und Experimentierfeld. Nach einer Zeit des Beobachtens kaufte sie dem Apotheker Rohstoffe ab und mischte ihre eigenen Cremes. Die verbesserten nicht nur ihre eigene Akne, sondern auch die ihrer Freundinnen und Mitschülerinnen: „Ich hatte bald einen ganz guten Absatz!“ Dabei war und blieb ihr Antrieb für das Kreieren neuer Salben und Cremes immer ihre ausgeprägte Neugier, der Wunsch, Dingen auf den Grund zu gehen: „Ich möchte die Wurzeln finden: Wie hat man Dinge früher gemacht? Wie hat man zum Beispiel Pflanzen-Extrakte hergestellt? Wie waren die Rezepturen? Wie hat man dann die Landwirtschaft betrieben – ohne den Einsatz von Gift und schweren Maschinen?“

Nach ihren ersten Vertriebserfolgen als Schülerin finanzierte Martina Gebhardt sich auch ihr Architekturstudium durch das Mischen von Cremes in ihrer Küche – ihre Kosmetik verkaufte sie auf kleinen Märkten und im Freundeskreis. Dass sie sich nach dem Ende ihres Architekturstudiums dafür entschied, die Kosmetik auch beruflich zu machen, war ihr „innerstes Bedürfnis, historische Salben anzubieten“.

Dabei setzte sie von Anfang an auf Bio-Rohstoffe – und schätzte von Beginn an Produkte aus der biodynamischen Landwirtschaft. Mit 20 lebte sie zeitweise mit einem Freund in Italien, der dort eine der ersten Bio-Kooperativen mit betrieb. „Dort haben wir alles selbst angebaut und hergestellt: Gemüse, Käse, Wolle. Der biodynamische Kreislaufgedanke hat mich voll und ganz überzeugt. Ich habe mich dort auch an ein anthroposophisches Buch erinnert, das mir mit 12 in die Hände gefallen war und das mich in seinen Bann gezogen hat: ‚Die Signatur des Mondes in der Pflanzenwelt‘.“

Es war ein weitaus schlimmeres Ereignis als ein Hundebiss, das den Start ihres eigenen Unternehmens beeinflusste: der Super- GAU von Tschernobyl. Die frisch diplomierte Architektin hatte sich mit ihrer Kosmetik auf einer Gesundheitsmesse in München angemeldet, die vier Tage nach dem tragischen Reaktorunfall stattfand.

Zur richtigen Zeit am richtigen Ort

Auf einem mit einem Bettlaken behängten Tapeziertisch und unter blühenden Apfelblüten aus dem Garten ihrer Nachbarin präsentierte Martina Gebhardt ganz unscheinbar ihre Cremes. Die Messebesucher aus Bayern, das schwer von der radioaktiven Strahlung belastet war, waren aufgewühlt angesichts der Gefahren und die Messe hatte großen Zulauf. Eine Journalistin interessierte sich für ihre Naturkosmetik, vor allem für die Tatsache, dass sie komplett ohne Konservierungsstoffe auskam. Im Anschluss an die Messe testete die Redaktion mehrere (Natur-)Kosmetikmarken auf solche Haltbarmacher. Mit dem Ergebnis: Martina Gebhardts Cremes und Lotionen waren die einzigen, die ohne auskamen. „Nach Veröffentlichung des Beitrags gingen die Bestellungen durch die Decke – und so konnte ich direkt ein paar Mitarbeiter anstellen!“, erzählt sie.

das LagerGetrocknete Blüten, Kräuter und Destillate in historischen Gefäßen und Behältnissen – in der Ausstellung erfahren Besucher, wie früher etwa Salben, Medikamente und Farben hergestellt wurden.

Ab dann wuchs das kleine Unternehmen, das seine Produkte heute in rund 30 Länder verkauft: Martina Gebhardt verlagerte die Produktion aus der Küche ins Labor – und kümmerte sich darum, dass der rasant wachsende Bedarf an biologischen und biodynamischen Rohstoffen in größeren Mengen gedeckt werden konnte. Eine aufregende Zeit begann, in der Martina Gebhardt nicht nur einheimische Bauern davon überzeugen musste, auf „Bio“ oder gar auf Demeter umzustellen. Sie reiste auch in viele ferne Länder in Afrika oder Asien oder Südamerika, um Bäuerinnen und Bauern für den Anbau von Rohstoffen zu gewinnen. Lange lebte sie die Hälfte des Jahres in Utah, USA, wo sie eine Farm hatte und viele Pflanzen selbst anbaute und mit Kräutern experimentierte. Sie liebt den Südwesten Amerikas, die Natur, die Wüste, die Berge, die indianische Kultur – die Begeisterung spürt man in jedem Satz. Nach dem Verkauf der Farm – ihr Sohn hatte dort keine High- School in der Nähe – zog sie nach Taos in New Mexico (USA). Ganz die Architektin, die darin aufgeht, mit historischen Naturstoffen zu arbeiten, widmete sie sich sechs Jahre lang dem Wiederaufbau von „Old Martina’s Hall“, einem 230 Jahre alten Lehmgebäude. Dort finden heute Veranstaltungen statt; die Einwohner von Taos treffen sich etwa zum Tanzen und zum „Theater Dinner“. In New Mexico hat Martina Gebhardt eine weitere große Leidenschaft gewonnen: Das Fliegen! Sie flog für Bauern über die weite Landschaft, um nach deren Tieren zu sehen; Fahrten mit dem Pickup-Truck über dieses teils ganz unwegige Gelände würden halbe Tage dauern. „Eine tolle Erfahrung, die mich gelehrt hat, wie man Ängste überwinden kann“ schwärmt sie; früher litt sie unter Flugangst und den vielen berufsbedingten Flügen. Am Ende ließ sie sich gar zur Fluglehrerin ausbilden und überführte ihre eigene kleine Maschine im letzten Winter von New Mexico nach Deutschland. „Ich flog nördlich vom Polarkreis, wo in dieser Zeit die Sonne weder auf- noch untergeht. Das einzige Licht – eine bizarre Mischung aus Rosa-, Grau- und Violett- Tönen – ließ die kurze Zeit, die nicht in kompletter Dunkelheit lag, wie eine mystische Zwischenwelt erscheinen.“

Martina Gebhardt

„Weniger ist mehr – davon bin ich fest überzeugt. Die Haut braucht grundsätzlich überhaupt keine Kosmetik. Manchmal können wir sie aber unterstützen. Wir sollen uns erlauben, so zu sein, wie wir sind. Doch wenn unsere Haut nicht im Gleichgewicht ist, dann ist meine Kosmetik ideal.“

Martina Gebhardt

Sich selbst treu bleiben

Taos, Wessobrunn, Architektur und Kosmetik – so verschieden ihre Projekte auch sind, tragen sie die persönliche Handschrift ihrer Schöpferin, die sich selbst treu geblieben ist. Martina Gebhardt lässt sich leiten von ihren eigenen Richtlinien und Prinzipien, die man, wie sie sagt, „selbst für sich erspüren und erfahren muss“. Nur dann lassen sie sich einhalten, selbst wenn sie im Alltag auf Widerstände wie etwa Ängste oder Routinen treffen. Diese Leitplanken gelten auch für ihre Kosmetik: „Ich habe meine Cremes und Lotionen so entwickelt, dass nichts als Inhaltsstoff enthalten ist, was Mensch oder Umwelt schädigen könnte. 100 % natürlich sind die Rohstoffe, die zu mehr als 95 % aus Demeter- oder kontrolliert biologischem Anbau stammen. Alles Synthetische ist ebenso tabu wie Inhaltsstoffe, die am Tier getestet wurden.“ Wenn die Unternehmerin von etwas überzeugt ist, dann möchte sie keine Kompromisse eingehen. Deswegen ließ sie 2010 ihre gesamte Kosmetiklinie Demeter-zertifizieren. Für ihr Unternehmen ein großer Schritt: „Wir haben die Demeter-Produkte von elf auf 85 gesteigert. Das war viel Arbeit und hat uns auch einiges an Umsatz gekostet, da wir einige Cremes, die sich wirklich gut verkauft haben, aus dem Programm nahmen.“

KräuterGetrocknete Dahlien, Kornblumen und Färbercoreopsis – klösterliche Zutaten für historische Salben, aber auch Farben.

Ihre Leidenschaft für Heilpflanzen – heimische wie solche in anderen Regionen – führten Martina Gebhardt nach Nordamerika, aber auch nach Afrika, Peru und Chile, wo sie mit Schamaninnen und Schamanen und Medizinfrauen und -männern im Gebirge unterwegs war. In der Art und Weise, wie sie der Natur begegnen, sieht sie Parallelen zum Biodynamischen: Hier wie dort geht es um die Achtung allen Lebens und auch darum, immer das Ganze zu betrachten und nicht nur einen kleinen Teil für sich. Beide Weltanschauungen passen gut zu ihrer Kosmetik, die denselben Anspruch hat.

Demeter-Naturkosmetik

  • Demeter-Rohstoffanteil von 90 Prozent bei pflanzlichen Bestandteilen
  • beste Rohstoffqualität durch die biodynamische Erzeugung mit Einsatz der Präparate, die fruchtbare Böden und beste Reifequalität ermöglichen
  • hohe biologische Abbaubarkeit
  • werterhaltende Verarbeitung ohne chemisch-synthetische Zusatzstoffe und Mineralöle sowie Rohstoffe, die aus Tieren gewonnen wurden; Verzicht auf Gentechnik und Nanopartikel, radioaktive Bestrahlung oder Begasung
  • absolute Transparenz in der Deklaration

www.demeter.de/naturkosmetik

Achtung allen Lebens

„Zu sehen, wie Medizinmänner und -frauen der Natur begegnen, hat mich zutiefst berührt“, erzählt sie. In ihrem zweiten Zuhause in Taos war sie mit TucTac in den Bergen, der überzeugt ist, dass Pflanzen Lebewesen sind, die fühlen und spüren. „Bevor er Heilkräuter oder Wurzeln gepflückt oder ausgegraben hat, suchte er die zugehörige ‚Großmutter‘-Pflanze. Diese ‚fragte‘ er auf seine Art, welche Pflanze er mitnehmen darf und bedankte sich dafür. Davon kann man halten, was man will, doch ich habe die Verbundenheit des Medizinmanns gefühlt, seine Behutsamkeit der Natur gegenüber gespürt, seine Liebe zu ihr, seine Achtung.“

Martina Gebhardt und Susanne Kielber unterwegs im KlosterViel zu erzählen: Kaum zu glauben, was alles in 59 Jahre Leben passt! Martina Gebhardt im Gespräch mit Redakteurin Susanne Kiebler.

Kloster Wessobrunn

Das Kloster Wessobrunn gilt als Heimat der „Wessobrunner Schule“: Mehr als 600 Künstler des südbayerischen Barocks schwärmten von hier aus und bauten in Europa fast 3.000 Kirchen, Klöster und Schlösser oder schmückten sie mit Wessobrunner Stuck und Malerei. Das Benediktinerkloster wurde 753 von Herzog Tassilo III. gestiftet. Der Legende nach schlief dieser unter einer Linde ein und träumte von einer Himmelsleiter an einer dreigeteilten Quelle – die heute noch existiert. 2014 erwarb Martina Gebhardt das Kloster Wessobrunn. Heute dient es als neue Heimat für die Firma Martina Gebhardt Naturkosmetik GmbH, wo 2019 auch die Produktion einziehen wird. Der historische Klostergarten hat mit seinem biodynamischen, Demeter-zertifizierten Heilpflanzenanbau wieder seine alte Bestimmung bekommen.

Voranschreiten und innehalten

Bei einem solch bewegten Leben und so vielen Interessen und Forschungsdrang – wo bleiben da Momente des Innehaltens? Für Martina Gebhardt gibt es hier keinen Widerspruch im Spannungsfeld zwischen diesen beiden Polen. Für sie gibt es ohne Stillhalten kein Voranschreiten, und gleichzeitig ist es ihr Ansatz, „innezuhalten im Prozess des Gehens“. Sie erklärt: „Damit meine ich eine bestimmte Haltung, die man Achtsamkeit nennt.“ Und diese müsse man in jedem Moment üben – eine bestimmte Art der Meditation. Natürlich gebe es Situationen, in denen wir beherzt Entscheidungen treffen müssten: Wenn Gefahr in Verzug sei, bräuchten wir schnell einen Plan und müssen handeln: „Den fasse ich jedoch nicht kopflos, sondern ich hole tief Luft, bleibe kurz stehen, nehme mein Ziel ins Auge und gehe darauf zu. Das hat mich auch das Fliegen gelehrt: Bei meinem Flug über den Atlantik hatte ich wenig Benzin für sehr lange Strecken. Da konnte ich keine unnötigen Kurven fliegen, sonst wäre mir irgendwo über dem Meer oder über der Eiswüste das Benzin ausgegangen. Mein Ziel forderte jede Sekunde meine Aufmerksamkeit. So ist es auch im Alltag. Es ist eine Kunst, sich leiten zu lassen von den eigenen Leitlinien.“

Zurück zum Ursprung

Die Unternehmerin ist überzeugt, dass man seine Wurzeln finden und kennen muss: Nur wenn wir wissen, wo wir stehen, können wir auch wissen, wie wir von dort an unser Ziel kommen. Achtsamkeit spielt dabei eine zentrale Rolle, um beispielsweise auch wahrzunehmen, wenn wir Glück haben. „Ich glaube, dass wir aus der Dankbarkeit darüber, Glück zu haben, die Kraft schöpfen, den nächsten Schritt zu tun.“

KräutergartenBlick hinaus auf den Klostergarten, in dem Kräuter für die Kosmetik, aber auch Gemüse für die Mitarbeiterküche wachsen.

Sein Ziel zu verfolgen, heißt für Martina Gebhardt jedoch nicht, dass man nicht auch mal die Richtung ändern kann. Nachdem sich ihr Blick früher oft auf andere Teile der Erde fokussierte, richtet er sich heute auf die direkte Umgebung: „In den 1990er- Jahren habe ich mit all meiner Energie ferne Länder bereist, um den Bio-Gedanken und die biodynamische Idee zu vermitteln und zu verbreiten. Dort habe ich Vorträge gehalten und Überzeugungsarbeit geleistet mit dem Ziel, dass Bäuerinnen und Bauern umstellen – und ich für meine Kosmetik gute Rohstoffe von dort bekommen kann. Heute ist es fast umgekehrt, denn das Gute liegt so nah! Ich bin mit dem Standort am Kloster Wessobrunn zu meinen ganz frühen Wurzeln zurückgekehrt: Meine Kosmetik besteht zum großen Teil aus Heilpflanzen, die besonders in Klöstern angebaut wurden; dort wurden früher auch Salben hergestellt. Der Klostergarten ist übrigens wie das gesamte Gelände ein schöner Ort der Ruhe – das Kloster Wessobrunn war und ist für viele ein Ort des Innehaltens.“ Aber natürlich gibt es in einem international agierenden Unternehmen einen Arbeitsalltag, der zu Zeiten auch darin bestehen kann, ein Telefonat nach dem anderen zu führen. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben viel zu tun. Und trotzdem, darauf legt ihre Chefin wert, gibt es immer wieder Zeit für Stille und Kontemplation. Die Mittagspause im Garten etwa, mit Blumenduft und Spaziergängen zu den Schafen und Schweinen. Oder auch beim gemeinsamen Mittagessen mit gutem, selbst gezogenem Demeter-Gemüse aus dem Klostergarten. Martina Gebhardts Lieblingsort zum Entspannen ist übrigens der Bienenstock: „Die schönste Meditation für mich ist es, vor dem Flugloch zu sitzen und zuzusehen, wie die fleißigen Tiere rein- und rausfliegen.“

Martina Gebhardt Naturkosmetik

  • 100 % der Produkte sind Demeter-zertifiziert
  • gegründet 1986
  • rund 60 Mitarbeiter
  • mehr als 140 Kosmetikprodukte werden hergestellt, verpackt und vertrieben in rund 30 Länder
  • Rohstoffe aus aller Welt

www.martina-gebhardt-naturkosmetik.de

Dieser Artikel stammt aus dem Demeter Journal 40.

19.11.2018
Die Wurzelsucherin
Martina Gebhardt

Martina Gebhardt öffnet Tür im KlosterZu Besuch: Martina Gebhardt führt durchs Kloster Wessobrunn, Firmensitz ihrer Naturkosmetik-Marke.

Was mit etwas Negativem begann, führte Martina Gebhardt nicht nur zu ihrer Berufung, sondern auch rund um die Welt – und schließlich zum Kloster Wessobrunn, wo sie für ihre Naturkosmetik eine neue Heimat fand. Sie ist überzeugt: Um weiterzukommen, muss man seine eigenen Wurzeln kennen.

Sanft fällt der Hügel ab und gibt den Blick frei auf die Alpen, eine Landschaft wie in einem Bilderbuch, ganz in der Nähe des Ammersees im oberbayerischen Pfaffenwinkel. Zwei ältere Herren in traditionellen Lederhosen gehen über die Straße, zwei Wanderinnen schauen ihnen nach. Kirchenglocken läuten und ihr Klang trägt weit über den Klosterhof. Hinter der Eingangstür des Klosters Wessobrunn schreitet Martina Gebhardt durch den Stuckgang im ersten Stock des beeindruckend weitläufigen Kloster-Gebäudes, das sie 2014 erworben hat. Auch nach über vier Jahren gibt es Momente, da kann sie es kaum fassen. Dann blickt sie auf die weltberühmten Ranken, Blumen und Früchte über ihr, auf die abwechselnd rosa und gelben Deckenbilder des Fürstentrakts, Zeugnisse der berühmten Wessobrunner Stuck-Kunst. Seit 2014 ist das ehemalige Benediktinerkloster, das 753 gegründet wurde, das Zuhause ihrer Naturkosmetiklinie. Seit 2014 ist dort der Vertrieb angesiedelt, 2019 folgt auch die Produktion der biodynamischen Cremes, Lotionen und Gesichtswässer. Dass ihre Kosmetik genauso heißt wie sie selbst, ist nur logisch. Denn Martina Gebhardt steht mit ihrer ganzen Person, mit ihren Ideen und ihrer Weltanschauung hinter den Produkten.

Am Anfang war ein Hundebiss ...

Die Bayerin mit ihren vielen Interessen und Leidenschaften hatte eigentlich Architektur studiert. Dass sie in der Naturkosmetik ihre Berufung gefunden hat, liegt an ihrer ungebrochenen Neugier und an einem sehr negativen Ereignis in ihrer Kindheit. „Mit drei Jahren habe ich Nachbars Hund umarmt, obwohl der das nicht wollte – und der hat dann ordentlich zugebissen und meine Wange erwischt“, erzählt die 59-Jährige. Sie selbst erinnert sich später nicht an den Vorfall, doch mit sechzehn, siebzehn Jahren stört sie die Narbe an ihrer linken Wange. Ihr Arzt verschrieb ihr dafür eine Salbe, die der alte Apotheker damals selbst anrührte und die zum Großteil aus Wollwachs bestand.

Die Narbe verschwand zwar nicht sofort, doch die Schülerin bemerkte bald positive Auswirkungen auf ihre Akne. „Da ich die Salbe nur links auftrug, konnte ich das im direkten Vergleich mit der rechten Gesichtshälfte gut beobachten“, so Gebhardt. Ihre Neugier war geweckt. Sie fragte den alten Apotheker nach den Inhaltsstoffen der Salbe und begann, ihn täglich nach der Schule zu besuchen, ihm zuzuschauen und ihm Löcher in den Bauch zu fragen.

Damit nicht genug – Martina Gebhardt wollte die Rezeptur ihrer Narbensalbe gar noch verbessern: Weniger klebrig sollte sie bitte sein, und: Was muss rein, damit sie gut riecht?

Den Dingen auf den Grund gehen

Bald schon war die Apotheke ganz ihre Welt, ihr Refugium und Experimentierfeld. Nach einer Zeit des Beobachtens kaufte sie dem Apotheker Rohstoffe ab und mischte ihre eigenen Cremes. Die verbesserten nicht nur ihre eigene Akne, sondern auch die ihrer Freundinnen und Mitschülerinnen: „Ich hatte bald einen ganz guten Absatz!“ Dabei war und blieb ihr Antrieb für das Kreieren neuer Salben und Cremes immer ihre ausgeprägte Neugier, der Wunsch, Dingen auf den Grund zu gehen: „Ich möchte die Wurzeln finden: Wie hat man Dinge früher gemacht? Wie hat man zum Beispiel Pflanzen-Extrakte hergestellt? Wie waren die Rezepturen? Wie hat man dann die Landwirtschaft betrieben – ohne den Einsatz von Gift und schweren Maschinen?“

Nach ihren ersten Vertriebserfolgen als Schülerin finanzierte Martina Gebhardt sich auch ihr Architekturstudium durch das Mischen von Cremes in ihrer Küche – ihre Kosmetik verkaufte sie auf kleinen Märkten und im Freundeskreis. Dass sie sich nach dem Ende ihres Architekturstudiums dafür entschied, die Kosmetik auch beruflich zu machen, war ihr „innerstes Bedürfnis, historische Salben anzubieten“.

Dabei setzte sie von Anfang an auf Bio-Rohstoffe – und schätzte von Beginn an Produkte aus der biodynamischen Landwirtschaft. Mit 20 lebte sie zeitweise mit einem Freund in Italien, der dort eine der ersten Bio-Kooperativen mit betrieb. „Dort haben wir alles selbst angebaut und hergestellt: Gemüse, Käse, Wolle. Der biodynamische Kreislaufgedanke hat mich voll und ganz überzeugt. Ich habe mich dort auch an ein anthroposophisches Buch erinnert, das mir mit 12 in die Hände gefallen war und das mich in seinen Bann gezogen hat: ‚Die Signatur des Mondes in der Pflanzenwelt‘.“

Es war ein weitaus schlimmeres Ereignis als ein Hundebiss, das den Start ihres eigenen Unternehmens beeinflusste: der Super- GAU von Tschernobyl. Die frisch diplomierte Architektin hatte sich mit ihrer Kosmetik auf einer Gesundheitsmesse in München angemeldet, die vier Tage nach dem tragischen Reaktorunfall stattfand.

Zur richtigen Zeit am richtigen Ort

Auf einem mit einem Bettlaken behängten Tapeziertisch und unter blühenden Apfelblüten aus dem Garten ihrer Nachbarin präsentierte Martina Gebhardt ganz unscheinbar ihre Cremes. Die Messebesucher aus Bayern, das schwer von der radioaktiven Strahlung belastet war, waren aufgewühlt angesichts der Gefahren und die Messe hatte großen Zulauf. Eine Journalistin interessierte sich für ihre Naturkosmetik, vor allem für die Tatsache, dass sie komplett ohne Konservierungsstoffe auskam. Im Anschluss an die Messe testete die Redaktion mehrere (Natur-)Kosmetikmarken auf solche Haltbarmacher. Mit dem Ergebnis: Martina Gebhardts Cremes und Lotionen waren die einzigen, die ohne auskamen. „Nach Veröffentlichung des Beitrags gingen die Bestellungen durch die Decke – und so konnte ich direkt ein paar Mitarbeiter anstellen!“, erzählt sie.

das LagerGetrocknete Blüten, Kräuter und Destillate in historischen Gefäßen und Behältnissen – in der Ausstellung erfahren Besucher, wie früher etwa Salben, Medikamente und Farben hergestellt wurden.

Ab dann wuchs das kleine Unternehmen, das seine Produkte heute in rund 30 Länder verkauft: Martina Gebhardt verlagerte die Produktion aus der Küche ins Labor – und kümmerte sich darum, dass der rasant wachsende Bedarf an biologischen und biodynamischen Rohstoffen in größeren Mengen gedeckt werden konnte. Eine aufregende Zeit begann, in der Martina Gebhardt nicht nur einheimische Bauern davon überzeugen musste, auf „Bio“ oder gar auf Demeter umzustellen. Sie reiste auch in viele ferne Länder in Afrika oder Asien oder Südamerika, um Bäuerinnen und Bauern für den Anbau von Rohstoffen zu gewinnen. Lange lebte sie die Hälfte des Jahres in Utah, USA, wo sie eine Farm hatte und viele Pflanzen selbst anbaute und mit Kräutern experimentierte. Sie liebt den Südwesten Amerikas, die Natur, die Wüste, die Berge, die indianische Kultur – die Begeisterung spürt man in jedem Satz. Nach dem Verkauf der Farm – ihr Sohn hatte dort keine High- School in der Nähe – zog sie nach Taos in New Mexico (USA). Ganz die Architektin, die darin aufgeht, mit historischen Naturstoffen zu arbeiten, widmete sie sich sechs Jahre lang dem Wiederaufbau von „Old Martina’s Hall“, einem 230 Jahre alten Lehmgebäude. Dort finden heute Veranstaltungen statt; die Einwohner von Taos treffen sich etwa zum Tanzen und zum „Theater Dinner“. In New Mexico hat Martina Gebhardt eine weitere große Leidenschaft gewonnen: Das Fliegen! Sie flog für Bauern über die weite Landschaft, um nach deren Tieren zu sehen; Fahrten mit dem Pickup-Truck über dieses teils ganz unwegige Gelände würden halbe Tage dauern. „Eine tolle Erfahrung, die mich gelehrt hat, wie man Ängste überwinden kann“ schwärmt sie; früher litt sie unter Flugangst und den vielen berufsbedingten Flügen. Am Ende ließ sie sich gar zur Fluglehrerin ausbilden und überführte ihre eigene kleine Maschine im letzten Winter von New Mexico nach Deutschland. „Ich flog nördlich vom Polarkreis, wo in dieser Zeit die Sonne weder auf- noch untergeht. Das einzige Licht – eine bizarre Mischung aus Rosa-, Grau- und Violett- Tönen – ließ die kurze Zeit, die nicht in kompletter Dunkelheit lag, wie eine mystische Zwischenwelt erscheinen.“

Martina Gebhardt

„Weniger ist mehr – davon bin ich fest überzeugt. Die Haut braucht grundsätzlich überhaupt keine Kosmetik. Manchmal können wir sie aber unterstützen. Wir sollen uns erlauben, so zu sein, wie wir sind. Doch wenn unsere Haut nicht im Gleichgewicht ist, dann ist meine Kosmetik ideal.“

Martina Gebhardt

Sich selbst treu bleiben

Taos, Wessobrunn, Architektur und Kosmetik – so verschieden ihre Projekte auch sind, tragen sie die persönliche Handschrift ihrer Schöpferin, die sich selbst treu geblieben ist. Martina Gebhardt lässt sich leiten von ihren eigenen Richtlinien und Prinzipien, die man, wie sie sagt, „selbst für sich erspüren und erfahren muss“. Nur dann lassen sie sich einhalten, selbst wenn sie im Alltag auf Widerstände wie etwa Ängste oder Routinen treffen. Diese Leitplanken gelten auch für ihre Kosmetik: „Ich habe meine Cremes und Lotionen so entwickelt, dass nichts als Inhaltsstoff enthalten ist, was Mensch oder Umwelt schädigen könnte. 100 % natürlich sind die Rohstoffe, die zu mehr als 95 % aus Demeter- oder kontrolliert biologischem Anbau stammen. Alles Synthetische ist ebenso tabu wie Inhaltsstoffe, die am Tier getestet wurden.“ Wenn die Unternehmerin von etwas überzeugt ist, dann möchte sie keine Kompromisse eingehen. Deswegen ließ sie 2010 ihre gesamte Kosmetiklinie Demeter-zertifizieren. Für ihr Unternehmen ein großer Schritt: „Wir haben die Demeter-Produkte von elf auf 85 gesteigert. Das war viel Arbeit und hat uns auch einiges an Umsatz gekostet, da wir einige Cremes, die sich wirklich gut verkauft haben, aus dem Programm nahmen.“

KräuterGetrocknete Dahlien, Kornblumen und Färbercoreopsis – klösterliche Zutaten für historische Salben, aber auch Farben.

Ihre Leidenschaft für Heilpflanzen – heimische wie solche in anderen Regionen – führten Martina Gebhardt nach Nordamerika, aber auch nach Afrika, Peru und Chile, wo sie mit Schamaninnen und Schamanen und Medizinfrauen und -männern im Gebirge unterwegs war. In der Art und Weise, wie sie der Natur begegnen, sieht sie Parallelen zum Biodynamischen: Hier wie dort geht es um die Achtung allen Lebens und auch darum, immer das Ganze zu betrachten und nicht nur einen kleinen Teil für sich. Beide Weltanschauungen passen gut zu ihrer Kosmetik, die denselben Anspruch hat.

Demeter-Naturkosmetik

  • Demeter-Rohstoffanteil von 90 Prozent bei pflanzlichen Bestandteilen
  • beste Rohstoffqualität durch die biodynamische Erzeugung mit Einsatz der Präparate, die fruchtbare Böden und beste Reifequalität ermöglichen
  • hohe biologische Abbaubarkeit
  • werterhaltende Verarbeitung ohne chemisch-synthetische Zusatzstoffe und Mineralöle sowie Rohstoffe, die aus Tieren gewonnen wurden; Verzicht auf Gentechnik und Nanopartikel, radioaktive Bestrahlung oder Begasung
  • absolute Transparenz in der Deklaration

www.demeter.de/naturkosmetik

Achtung allen Lebens

„Zu sehen, wie Medizinmänner und -frauen der Natur begegnen, hat mich zutiefst berührt“, erzählt sie. In ihrem zweiten Zuhause in Taos war sie mit TucTac in den Bergen, der überzeugt ist, dass Pflanzen Lebewesen sind, die fühlen und spüren. „Bevor er Heilkräuter oder Wurzeln gepflückt oder ausgegraben hat, suchte er die zugehörige ‚Großmutter‘-Pflanze. Diese ‚fragte‘ er auf seine Art, welche Pflanze er mitnehmen darf und bedankte sich dafür. Davon kann man halten, was man will, doch ich habe die Verbundenheit des Medizinmanns gefühlt, seine Behutsamkeit der Natur gegenüber gespürt, seine Liebe zu ihr, seine Achtung.“

Martina Gebhardt und Susanne Kielber unterwegs im KlosterViel zu erzählen: Kaum zu glauben, was alles in 59 Jahre Leben passt! Martina Gebhardt im Gespräch mit Redakteurin Susanne Kiebler.

Kloster Wessobrunn

Das Kloster Wessobrunn gilt als Heimat der „Wessobrunner Schule“: Mehr als 600 Künstler des südbayerischen Barocks schwärmten von hier aus und bauten in Europa fast 3.000 Kirchen, Klöster und Schlösser oder schmückten sie mit Wessobrunner Stuck und Malerei. Das Benediktinerkloster wurde 753 von Herzog Tassilo III. gestiftet. Der Legende nach schlief dieser unter einer Linde ein und träumte von einer Himmelsleiter an einer dreigeteilten Quelle – die heute noch existiert. 2014 erwarb Martina Gebhardt das Kloster Wessobrunn. Heute dient es als neue Heimat für die Firma Martina Gebhardt Naturkosmetik GmbH, wo 2019 auch die Produktion einziehen wird. Der historische Klostergarten hat mit seinem biodynamischen, Demeter-zertifizierten Heilpflanzenanbau wieder seine alte Bestimmung bekommen.

Voranschreiten und innehalten

Bei einem solch bewegten Leben und so vielen Interessen und Forschungsdrang – wo bleiben da Momente des Innehaltens? Für Martina Gebhardt gibt es hier keinen Widerspruch im Spannungsfeld zwischen diesen beiden Polen. Für sie gibt es ohne Stillhalten kein Voranschreiten, und gleichzeitig ist es ihr Ansatz, „innezuhalten im Prozess des Gehens“. Sie erklärt: „Damit meine ich eine bestimmte Haltung, die man Achtsamkeit nennt.“ Und diese müsse man in jedem Moment üben – eine bestimmte Art der Meditation. Natürlich gebe es Situationen, in denen wir beherzt Entscheidungen treffen müssten: Wenn Gefahr in Verzug sei, bräuchten wir schnell einen Plan und müssen handeln: „Den fasse ich jedoch nicht kopflos, sondern ich hole tief Luft, bleibe kurz stehen, nehme mein Ziel ins Auge und gehe darauf zu. Das hat mich auch das Fliegen gelehrt: Bei meinem Flug über den Atlantik hatte ich wenig Benzin für sehr lange Strecken. Da konnte ich keine unnötigen Kurven fliegen, sonst wäre mir irgendwo über dem Meer oder über der Eiswüste das Benzin ausgegangen. Mein Ziel forderte jede Sekunde meine Aufmerksamkeit. So ist es auch im Alltag. Es ist eine Kunst, sich leiten zu lassen von den eigenen Leitlinien.“

Zurück zum Ursprung

Die Unternehmerin ist überzeugt, dass man seine Wurzeln finden und kennen muss: Nur wenn wir wissen, wo wir stehen, können wir auch wissen, wie wir von dort an unser Ziel kommen. Achtsamkeit spielt dabei eine zentrale Rolle, um beispielsweise auch wahrzunehmen, wenn wir Glück haben. „Ich glaube, dass wir aus der Dankbarkeit darüber, Glück zu haben, die Kraft schöpfen, den nächsten Schritt zu tun.“

KräutergartenBlick hinaus auf den Klostergarten, in dem Kräuter für die Kosmetik, aber auch Gemüse für die Mitarbeiterküche wachsen.

Sein Ziel zu verfolgen, heißt für Martina Gebhardt jedoch nicht, dass man nicht auch mal die Richtung ändern kann. Nachdem sich ihr Blick früher oft auf andere Teile der Erde fokussierte, richtet er sich heute auf die direkte Umgebung: „In den 1990er- Jahren habe ich mit all meiner Energie ferne Länder bereist, um den Bio-Gedanken und die biodynamische Idee zu vermitteln und zu verbreiten. Dort habe ich Vorträge gehalten und Überzeugungsarbeit geleistet mit dem Ziel, dass Bäuerinnen und Bauern umstellen – und ich für meine Kosmetik gute Rohstoffe von dort bekommen kann. Heute ist es fast umgekehrt, denn das Gute liegt so nah! Ich bin mit dem Standort am Kloster Wessobrunn zu meinen ganz frühen Wurzeln zurückgekehrt: Meine Kosmetik besteht zum großen Teil aus Heilpflanzen, die besonders in Klöstern angebaut wurden; dort wurden früher auch Salben hergestellt. Der Klostergarten ist übrigens wie das gesamte Gelände ein schöner Ort der Ruhe – das Kloster Wessobrunn war und ist für viele ein Ort des Innehaltens.“ Aber natürlich gibt es in einem international agierenden Unternehmen einen Arbeitsalltag, der zu Zeiten auch darin bestehen kann, ein Telefonat nach dem anderen zu führen. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben viel zu tun. Und trotzdem, darauf legt ihre Chefin wert, gibt es immer wieder Zeit für Stille und Kontemplation. Die Mittagspause im Garten etwa, mit Blumenduft und Spaziergängen zu den Schafen und Schweinen. Oder auch beim gemeinsamen Mittagessen mit gutem, selbst gezogenem Demeter-Gemüse aus dem Klostergarten. Martina Gebhardts Lieblingsort zum Entspannen ist übrigens der Bienenstock: „Die schönste Meditation für mich ist es, vor dem Flugloch zu sitzen und zuzusehen, wie die fleißigen Tiere rein- und rausfliegen.“

Martina Gebhardt Naturkosmetik

  • 100 % der Produkte sind Demeter-zertifiziert
  • gegründet 1986
  • rund 60 Mitarbeiter
  • mehr als 140 Kosmetikprodukte werden hergestellt, verpackt und vertrieben in rund 30 Länder
  • Rohstoffe aus aller Welt

www.martina-gebhardt-naturkosmetik.de

Dieser Artikel stammt aus dem Demeter Journal 40.