Das Team der gemeinsamen Forschungskoordination von Demeter und Forschungsring arbeitet an der Schnittstelle zwischen Praxis und Forschung. Der Demeter e.V. war 2022 an insgesamt sechs öffentlich geförderten Forschungsvorhaben beteiligt – beispielsweise Nutrinet zum Nährstoffmanagement im Ökolandbau, KleeLuzPlus zur Förderung des Anbaus feinkörniger Leguminosen, oder Vitifit zur Kontrolle der Rebenperonospora im Weinbau.
Milchtaxi im Einsatz - im Projekt Nefertiti führte eine Feldexkursion zum Thema Milchviehmanagement die Teilnehmenden nach Südengland.
Gemeinsam mit dem Forschungsring wurden Projekte zu spezifischen Fragen der biodynamischen Bewirtschaftung durchgeführt. Themen waren u.a. Effekte unterschiedlicher Präparateanwendungen und Ausbringungsverfahren auf die Qualität der Präparate und physiologische Merkmale der Pflanzen, oder die Eignung von pilzwiderständigen Rebsorten (PiWis) für den biodynamischen Weinbau.
Eine Übersicht der aktuellen Projekte und weitere Informationen zu den Aktivitäten der Forschungskoordination gibt es hier und bald auf der Seite des Forschungsring e.V.
Gemeinsam mit Dr. Karin Stein-Bachinger (ZALF Müncheberg), Prof. Dr. Miriam Athmann und Milan Matouschek (beide Uni Kassel/Witzenhausen) haben wir uns der Frage gewidmet, wie die aktuelle Verbandsrichtlinie zur Förderung der Biodiversität auf den Betrieben umgesetzt wird und wie die Betriebe darin unterstützt werden können. Dabei zeigte sich, dass sich die Betriebe mehrheitlich effektiv und oft über die Vorgaben der Richtlinie hinaus für die Biodiversität engagieren. Der Ansatz der Richtlinie, die Förderung der Biodiversität im Wesentlichen der individuellen Gestaltung der durch die Betriebe zu überlassen, scheint zumindest im biodynamischen Landbau zielführend zu sein. Zugleich wurde aber auch deutlich, dass der Verband die Fachberatungskapazitäten und Infoangebot ausbauen sollte, um die Betriebe bei ihrer Arbeit zu unterstützen. Dazu erschien auch ein Bericht in der Demeter-Fachzeitschrift Lebendige Erde.
Passend dazu untersuchen Forschungsring und Demeter Beratung im BÖL-Projekt BienenHaltenHof, ob eine eigene, nicht-kommerzielle Bienenhaltung die Sensibilität landwirtschaftlicher Betriebsleitender für den Zustand der Biodiversität auf ihren Flächen stärkt und die Motivation zu einer effektiven Biodiversitätsarbeit fördert? Hierfür wird gemeinsam mit 12 Landwirt:innen in zwei Regionen ein Praxisversuch durchgeführt, der sich auch der Frage widmet, ob und ggf. mit welchem Aufwand eine solche Bienenhaltung überhaupt nebenher umsetzbar ist. Die ersten Ergebnisse sind jedenfalls vielversprechend…
Im ebenfalls durch das BÖL geförderte Projekt Zerti4.0 untersuchen wir gemeinsam mit der Uni Hohenheim und dem Büro für Lebensmittelkunde und -qualität, ob sich das entwicklungsorientierte Anerkennungsverfahren bewährt, welches der Demeter e.V. seit 2018 mit Erzeugerbetrieben erprobt. Zudem wird eine Übertragung auf den Bereich Verarbeitung gemeinsam mit Demeter-Bäckereien geprüft. Das Verfahren verschiebt den Fokus der verbandlichen Anerkennung (Zertifizierung) von der verstoß-orientierten Kontrolle auf die kollegiale Zusammenarbeit. Die Hypothese dabei ist, dass auf diese Weise ein offenerer Umgang mit betrieblichen Herausforderungen und zertifizierungsrelevanten Problemen gefördert und Entwicklung angestoßen wird. Zwischenergebnisse der Universität Hohenheim deuten darauf hin, dass die Hypothese grundsätzlich zutrifft, auch wenn Konflikte nicht gänzlich vermieden werden können.
Die kritische Aufarbeitung der Geschichte der biodynamischen Bewegung in der NS-Zeit ist ein weiteres wichtiges Forschungsthema, welches vom Forschungsring koordiniert und von unabhängigen Wissenschaftler:innen durchgeführt wird. Das Vorhaben ermöglicht erstmals eine fundierte Bewertung der Geschichte und Rolle der biodynamischen Bewegung in der NS-Zeit und bildet so die Grundlage für eine verantwortungsvolle Vergangenheitsbewältigung im Demeter-Verband. Diese ist auch für die Wahrnehmung der biodynamischen Bewegung in der Gesellschaft von großer Bedeutung.
In der Fachzeitschrift Lebendige Erde, dem deutschsprachigen Medium für Biodynamische Agrarkultur, erscheinen zweimonatlich Artikel, Hof-Porträts, Forschungsbeiträge, Meldungen, Terminhinweise und Buchbesprechungen zu verschiedenen Schwerpunkten und Themen. Wissensgrafiken vermitteln interessante Fakten rund um die Biodynamische Landwirtschaft und Demeter. In den Forschungsbeiträgen werden aktuelle wissenschaftliche Ergebnisse zu biologisch-dynamischen Themen aufgegriffen. Die Forschungsbeiträge, Wissensgrafiken und eine Auswahl an Artikeln stehen auf der Website von Lebendige Erde zum Download zur Verfügung. Als Beihefter ist der Gartenrundbrief für Hausgärtner eine informative Lektüre.
Neben der Zeitschrift gibt es auch den Verlag Lebendige Erde - hier wurden 2022 zwei neue Bücher publiziert:
Biodynamische Präparatepflanzen - Kulturanleitung für den Anbau und Die Kuh braucht ihre Hörner - Erfahrungen und Untersuchungen.