Landschaftspfleger auf vier Beinen

Unter Schafen

Die Familie auf die Alb

Eine Familie, drei Generationen: die von Mackensens mit ihrer Herde über dem schwäbischen Lautertal (Bilder: Fotostudio Viscom)


Die Familie von Mackensen auf der Schwäbischen Alb hat sich in einer Krise auf ihre innersten Wünsche besonnen und steht heute vor der Herausforderung, die Zukunft ihrer biodynamischen Hüteschäferei zu sichern.

Oben an der Steilhang-Kante der Eichhalde bei Buttenhausen im Lautertal warten Großvater, Vater und Sohn. Der Wind zerrt an ihren Kleidern, an ihren Haaren, die sich zwar in der Farbe – einer grau, einer braun, einer blond – nicht aber an ihrer ausladenden Beschaffenheit unterscheiden. Wolken sind aufgezogen, doch die Sonne findet noch besonders schöne Details am Hang, die sie wie mit Spotlights in Szene setzt: eine markante Felsnase, einige blaugrüne, zypressenförmige Wacholdersträucher und orangerot leuchtende Berberitzenbüsche, die sich bei jeder Böe biegen. Die Blicke der drei folgen dem Flug eines roten Milans, der sich in die Tiefe stürzt, wo sich die Lauter in kleinen Bogen schlängelt und dem Tal seinen Namen gab. „Da kommen sie endlich!“ – der neunjährige Ilja hat recht: Einige Dutzend Meter weiter unten erscheint Johanna von Mackensen in ihrem dunklen Schäferinnenkittel hinter einem Felsvorsprung, dunkle Haarsträhnen flattern unter ihrem großen Hut hervor. Die ersten Schafe folgen ihr dicht. Behände führt die 48-Jährige die Herde nach oben, rasch füllt sich der Steilhang mit immer mehr Schafen, die mit ihren Köpfen am Boden nach Kräutern und Gräsern suchen, rupfen, kauen, fressen.

Schäferei von Mackensen

Gegründet 1995 halten die von Mackensens heute 600 Mutterschafe und 400 Lammer. Acht Bocke gehören zur Herde, die Johanna von Mackensen mit Hunden hütet. Die Schafe weiden auf insgesamt 159 Hektar Weideflächen in und um Gomadingen, über 90 Prozent davon sind Magerrasen-Biotope.

Johanna von Mackensen

„Demeter ist enkelfähig und nachhaltig. Es ist für mich das konsequenteste Bio.“Johanna von Mackensen

Geschützte Kulturlandschaft

Die Schafe tun, was sie hier seit Gedenken getan haben und dadurch diese besondere Wacholderheiden- Landschaft mit den Kalkmagerweiden einst erst erschaffen haben. Sie suchen sich genau aus, was sie gerne fressen – und halten so die ihnen wohlschmeckenden Pflanzen kurz. Bittere und stachelige Pflanzen wie Silberdisteln, Wacholderbüsche oder Küchenschellen und Enziane lassen sie unberührt. So ist über die Jahrhunderte das für die Alb typische Landschaftsbild entstanden, eine einzigartige Kulturlandschaft mit einer sehr hohen Biodiversität. Heute ist diese Landschaft Teil des Biosphärengebiets Schwäbische Alb, eine von der UNESCO geadelte Modellregion für nachhaltige Entwicklung. Thomas von Mackensen, 55, erklärt die Besonderheit: „Auf vier Quadratmetern finden sich hier 67 Pflanzenarten, vor allem Kräuter wie Thymian, Wiesensalbei, Frühlingsenzian, Pimpernelle, Berberitze und Augentrost, aber auch seltene Orchideen. Die Felsköpfe und -nasen, die aus den steilen Kalkmagerwiesen ragen, sind heiße Flächen, in denen sich viele Eidechsen wohlfühlen; zudem gibt es hier eine Vielzahl an Faltern und Vögeln.“ Sein 26-jähriger Sohn Lukas macht klar, dass diese Flächen ohne die Beweidung rasch verbuschen und dann verwalden, und dieser besondere Lebensraum für Pflanzen und Tiere verloren gehen würde: „Ohne die Schäferei ist die Schwäbische Alb, wie wir sie heute kennen, undenkbar.“ Von der Landesregierung erhält der Schäfereibetrieb einen Fixbetrag für die Landschaftspflege und garantiert dafür eine dreimalige Beweidung der Flächen im Jahr. Allerdings ist an vielen Stellen auch eine maschinelle Nachbearbeitung notwendig, wenn die Büsche und Bäume auf den Weiden zu sehr überhandnehmen. Nach einem von Landschaftsarchitekten vorgegebenen Plan nimmt Lukas mit Motorsense und -säge ganze Büsche heraus – Schlehe, Kiefer, Fichte und Wacholdersträucher – um das typische offene Landschaftsbild der Schwäbischen Alb wiederherzustellen.

Thomas von Mackensen im Schafstall in GomadingenThomas von Mackensen im Schafstall in Gomadingen. Hier kommen im Frühjahr die Lammer zur Welt.

Wenn, dann richtig

Mit der gemeinsamen Schäferei haben Johanna und Thomas von Mackensen 1995 begonnen, als sie eine kleine Herde des alten Gomadinger Schäfers übernahmen und sich 250 weitere hinzukauften. Mit der Zeit waren es bis zu 1 000 Muttertiere mit ebenso vielen Lämmern geworden. Vor zwanzig Jahren bauten sie den Schafstall, der rund vier Kilometer von ihrem Zuhause am anderen Ortsende liegt. Leicht hatten sie es nie; vor allem die vielen Biogasanlagen konkurrierten mehr und mehr um die Weideflächen. Wer aber nie eine Bedrohung war: der Wolf. Bei der Frage nach ihm, lachen Johanna und Thomas nur. Obwohl ihre Schafe über Nacht auf Weideplätzen bleiben, die nur durch einen abends gespannten Elektrozaun geschützt sind, sind sie entspannt: „Der Wolf gehört zur Natur! Wir Weidehalter sind am meisten betroffen davon, dass der Wolf wieder durch die Region wandert. Aber bisher haben wir hier kein Rudelproblem, sondern es handelte sich bisher nur um einzelne Wölfe, die durch diese Landschaft von Osten nach Westen durchziehen. Der Wolf ist schon da, wir müssen uns arrangieren und dürfen weder in Hysterie verfallen, noch das Tier stigmatisieren“, findet Johanna, die unter Schäfer- Kolleginnen und -Kollegen mit dieser Meinung manchmal alleine dasteht.

Andere Probleme sind weitaus größer – und existenzbedrohend. Es gab immer wieder Zeiten, in denen die Familie ans Aufgeben gedacht hat, und nach dem ungewöhnlich trockenen Sommer 2015 wäre es fast so weit gekommen: Es gab auf den Weiden nichts mehr zu fressen, der letzte finanzielle Puffer wurde für den Zukauf von Futter aufgebraucht – und der Verkauf des Lammfleischs brachte kaum Geld ein. Harte Arbeit, wenig Lohn und die ständige Sorge, wie es weitergehen soll. „Wir standen mit dem Rücken zur Wand und wagten die Flucht nach vorn. Es hieß: Entweder wir geben auf oder wir machen jetzt endlich das, was wir immer schon wollten, nämlich nach biodynamischen Richtlinien wirtschaften“, erinnert sich Thomas. Wenn, dann richtig, entschieden sie und stellten ihren Betrieb auf Demeter um und starteten mit einer weitaus kleineren Herde durch. Ein „Geschenk des Himmels“ in dieser schwierigen Zeit war für sie die Förderung der Alnatura Bio-Bauern-Initiative (ABBI), die die Umstellung auf Demeter unterstützt. Heute hält die Schäferei von Mackensen eine Herde von knapp 600 Merinolandschaf- Muttertieren und deren Lämmern, insgesamt rund 1 000 Tiere. Dazu kommen acht Böcke der Rassen Merinolandschaf und „Île de France“. Zudem haben sie um die sechzig Ziegen verschiedener alter Rassen. Von April bis Dezember wird die Herde durchgängig draußen auf den Weiden gehütet und kommt eine Woche vor Weihnachten in den Stall zum Überwintern zurück.

Arbeitspartner auf vier Beinen

Johanna von Mackensen mit ihren Schafen und HundenDie Wolle der Schafe geht an die Schäfereigenossenschaft Finkhof in Bad Wurzach und wird zu Bio-Strickwolle verarbeitet.

Die Herde hat inzwischen die Weidefläche unterhalb der Hangkante erreicht. Unter dem langen schwarzen Kittel ist Johanna beim Aufstieg warm geworden, doch für eine Pause ist noch keine Zeit. Die Schäferin lockt, gestikuliert – zügig folgen ihr ein paar Leitschafe, ohne die die Herde nicht zu bewegen ist. „Sie haben einen engen Bezug zum Menschen und deswegen auch Namen“, erklärt Johanna von Mackensen, und ruft Emma, Lotta und Lara. Sobald sie sich in Gang setzen, folgen auch die weiteren. Von oben betrachtet ist die Herde ein großer Organismus, mit Schattierungen von weiß bis braun.

Die vielen Tiere wirken wie von einer unsichtbaren Leine zusammengehalten. Bewegt sich eines, überträgt sich seine Bewegung auf die anderen in seiner Nähe und so strömt die Ganzheit der Tiere wellenartig ihrer Schäferin hinterher. Bevor diese sich nach dem anstrengenden Aufstieg setzen kann, um ihren Proviant auszupacken, stellt sie sicher, dass ihre drei Hunde – „meine unverzichtbaren Arbeitspartner!“ – wissen, auf welcher Stelle sie die Herde halten sollen. Es gibt immer wieder einzelne Tiere, die ausbrechen, doch sie werden sofort wieder von Lasalle, Oda und Motte zurück zur Herde getrieben. „Ohne unsere Altdeutschen Hütehunde könnte ich diese Arbeit nicht machen. Ich brauche sie, um unsere Schafherde zu führen, zu lenken, oder auch, um sie an einer Stelle zu halten. Ich gebe den Hunden eine Linie vor, auf der sie auf und ab gehen und so verhindern, dass die Schafe diese unsichtbare Linie übertreten. So ist es, als wäre ein mobiler Zaun um die Herde gezogen.“ Acht Stunden täglich arbeiten die Hunde eng an ihrer Seite. „Jeder meiner Hütehunde hat einen ganz eigenen Charakter, der die Arbeitsbeziehung natürlich prägt. So wird unsere sehr schlaue, aber faule Oda wohl immer nur so viel arbeiten wie nötig, während die junge Motte auch dann noch arbeiten will, wenn es schon lange keine Aufgabe und Notwendigkeit mehr gibt“, sagt sie und krault gemeinsam mit Enkel Ilja der noch ganz jungen Milo am Kopf. Sie hat diese Weidesaison die Ausbildung zum Hütehund erst begonnen – und stellt sich dabei schon ganz gut an.

Endlich Demeter

Die Schafe sind am rechten Ort, die Hunde sorgen dafür, dass sie da auch bleiben. Johanna legt ihr wichtigstes Werkzeug, die Schäferschippe, neben sich auf den Boden und setzt sich zu Thomas, Lukas und Ilja. Sie tauschen sich darüber aus, was als nächstes getan werden muss: eine Reparatur am Stall, Salatköpfe aus Thomas’ Gemüsegarten zum Restaurant ins Nachbardorf bringen, eine Autofahrt zum Demeter-Kollegen ins nahe gelegene Bremelau organisieren, um dort das gute Brot zu kaufen. Ilja erzählt von seinem Schultag und von vergangenen Abenteuern mit den Ziegen und Schafen. Thomas, der sich ums Marketing des Lammfleischs kümmert, hingegen vom „Connect!“- Festival vor ein paar Wochen, wo er an einem Stand Demeter-Lammburger angeboten hat – das bunte Eintritts-Armbändchen trägt er noch an seinem Handgelenk. Hat die Umstellung auf Demeter mehr Vermarktungsmöglichkeiten gebracht? „Natürlich können wir Demeter-Lammfleisch anders vermarkten, doch dagegen steht der höhere Aufwand und die anfallenden Mehrkosten. Es war eine Herzensentscheidung: Biodynamisches Wirtschaften war von Beginn an das, was wir uns eigentlich immer wünschten“, erklärt Thomas. „Die Präparate-Arbeit ist uns wichtig. Dadurch beschäftigen wir uns intensiv mit unseren Weideflächen und verstehen die Böden besser, indem wir etwa genau hinschauen, welche Beikräuter wir da finden. Die selbst hergestellten Präparate, die wir auf den Weiden ausbringen – etwa Fladenpräparate, Hornmist und Hornkiesel – unterstützen die Artenvielfalt und sorgen dafür, dass die Formkräfte der Pflanze gestärkt werden.“ Er ist überzeugt, dass das auch bei seinen Tieren ankommt: „Seitdem wir Demeter- Heu und -Silage über den Winter füttern, haben wir deutlich weniger Krankheitsfälle.“

Das bestätigt auch Johanna: „Wir verstehen Pflanzen, Tiere und Boden als Organismus, der zusammengehört. Demeter hat für uns einen ideellen Wert. Wenn wir schon Fleisch essen und anbieten, dann möchten wir damit Gutes tun: den Tieren mit wesensgemäßer Tierhaltung, den Menschen, dem Boden, der Landschaft.“ Sie hat ihre Lehre zur Schäferin in der Schäferei Finkhof absolviert. Der Wunsch nach einer Demeter- Schäferei war immer da – aber das Winterfutter für die Herde damals eben noch nicht. „Heute haben wir eine Futter-Mist-Kooperation mit einem benachbarten Bauern, der nach rund dreißig Jahren Verbands-Bio auf Demeter umgestellt hat und der nun für uns Gras, Klee und etwas Getreide anbaut.“

Romantik versus Realität

Die Schafe haben die neue Weidefläche ein- und angenommen. Sie halten ihre Köpfe dicht über dem Boden und grasen um die Familie herum. Zu hören ist ein hundertfaches Rupfen, Schmatzen, Kauen, durchbrochen von einzelnen leisen „Mähs“. Hebt eins den Kopf, um sich die Menschen oder einen Berberitzen- oder Schlehenbusch kurz anzuschauen, tun es ihm mehrere gleich. Kauend, natürlich. Eine perfekte Geräuschkulisse für Ruhesuchende, die schnell jedes Gefühl für Zeit verlieren. Mehr Entspannung scheint nicht möglich, jeder Tinnitus- und Stressgeplagte würde hier schnell zur Ruhe finden. „Ja, das ist das romantische Bild, das viele von den Schäfern haben: gemütlich sinnierend, ein Pfeifchen rauchend“, lacht Thomas. Die Realität ist, wie immer bei solchen Klischees, eine andere. „Die Schäferei ist schlecht bezahlte, harte körperliche Arbeit“, sagt Johanna. Sie ist bei jedem Wetter draußen und trägt die Verantwortung für die Herde. Dabei muss sie täglich auch viele stressige Momente meistern. Mit Blick auf den Steilhang, der ein paar Meter über ihr endet, sagt sie: „Obwohl ich die schönen Momente mit meinen Schafen sehr genieße und ich bei jeder Geburt eines neuen Lamms einfach nur über das Wunder des Lebens staune, muss ich sagen: Wir führen im wahrsten Sinne des Wortes ein Leben ‚an der Kante‘ .“ Der Trend bestätigt das: Die Jahrtausende alte Kultur der Schäferei ist heutzutage vom Aussterben bedroht. Es gibt immer weniger junge Menschen, die sich vorstellen können, die Verantwortung und Arbeit auf sich zu nehmen. Und nicht wenige der heutigen Schäferinnen und Schäfer kommen körperlich und finanziell an ihre Grenzen – so sehr sie das Miteinander mit den Tieren und das selbstbestimmte Leben draußen an der frischen Luft auch lieben.

Lukas von Mackensen

„Damit unsere beiden Familien von der Landschaftspflege, der Schäferei und dem Lammfleisch- Vertrieb leben können, müssen wir uns etwas einfallen lassen. Da sind wir dran.“Lukas von Mackensen

Neue Ideen

Auch die von Mackensens sind wieder an einem Scheideweg angelangt: Wenn beide Familien – also einmal Johanna und Thomas und dann noch die Familie ihres Sohnes Lukas mit Freundin Salomé und Sohn Ilja – vom Betrieb leben sollen, muss etwas passieren, da sind sich alle einig. Geld ist immer knapp, für alle reicht es derzeit nicht. Doch es gibt Ideen, die vor allem der 26-jährige Lukas zum Leben erwecken möchte. Dabei setzt er vor allem auf die Verarbeitung und den Vertrieb des Lammfleischs. Derzeit läuft der weitestgehend über kraeuterlamm.de, den Onlineshop der Schäferei. Je nach Vorbestellung wird in der nahegelegenen Bio- Metzgerei geschlachtet. Das Problem: „Derzeit verdienen wir über den Fleischverkauf kaum etwas, da das Schlachten ausgelagert ist. Diesen Schritt möchten wir in Zukunft gerne in unsere Wertschöpfungskette mit aufnehmen, indem wir von der Schlachtung über das Kühlen und Zerlegen bis zum verkaufsfertigen Teilstück alles selber machen. Dafür brauchen wir ein neues Gebäude, in dem auch die Produkte für den Versand vorbereitet werden können. Idealerweise würde am Stall auch gleich eine Wohnung für Johanna und Thomas entstehen, damit sie gleich neben den Schafen leben. Das würde den beiden täglich viel Zeit sparen, die sie zwischen Stall und Wohnsitz hin- und herfahren. Vor allem zur Lammzeit im Frühjahr wäre das eine große Erleichterung.“ Gerade erst haben sie ihren Stall vollständig abbezahlt, den sie 1995 gebaut haben. Lukas‘ Idee ist, über Genussrechte einen Teil der Investitionen abzudecken, „nebenbei binden wir so Verbraucher direkt in unseren Betrieb mit ein.“

„G’scheides“ aus dem Biosphärengebiet

Hoffnung setzt die Familie Mackensen beim Vertrieb ihres Lammfleisches auch in die Regionalvermarktung. Unter dem Label „ALBGEMACHT“ mit dem Untertitel „G'scheides aus dem Biosphärengebiet Schwäbische Alb“, das im November 2018 in die regionalen Läden kam, vermarktet eine Gruppe von konventionellen und biologisch wirtschaftenden Landwirtinnen und Landwirten sowie verarbeitenden Betrieben ihre Produkte, die mehr sind als „nur“ regional. Die Produkte stammen nicht bloß selbst aus dem Biosphärengebiet. Wer sie kauft, unterstützt damit die Artenvielfalt in der Natur, im Fall des „albgemachten“ Lammfleischs der von Mackensens zum Beispiel die Wacholderheiden. „Mit der ALBGEMACHT-Regionalmarke wird deutlich, dass wir mit unserer Art der Weidenbewirtschaftung der Biosphäre etwas zurückgeben und den Lebensraum von Tieren und Pflanzen sichern“, sagt Johanna. „Denn das ist genau das, was wir mit unserer täglichen Arbeit tun – da, wo wir leben.“ Knapp unter dem höchsten Punkt des Naturschutzgebiets Eichhalde sitzen nun die drei Generationen, scherzen und schmieden Pläne, der Enkel zwischen den Knien des Großvaters, in beiden Mündern steckt ein Grashalm. Über die Schafe hinweg betrachten sie das dramatische Ringen zwischen Sonne und Wolken über dem Lautertal – „wird es gleich regnen?“ – die Gesichter hart im Wind, aber voller Zuversicht.

Kräuterlamm von der Schwäbischen Alb

In traditioneller, aber selten gewordener Hütehaltung ziehen die von Mackensens mit der Herde über die Steilhänge der Schwäbischen Alb bei Gomadingen, die den Tieren ein abwechslungsreiches Leben und eine große Nahrungsvielfalt mit zahlreichen Wildkräutern bieten. „Unsere Lämmer haben ein abwechslungsreiches, erfülltes Leben draußen in der Herde bei ihren Muttertieren. Sie werden bis zu eineinhalb Jahre alt. Dann sind sie fast so groß wie ein ausgewachsenes Mutterschaf. Sie wachsen langsam und das schmeckt man“, ist Lukas überzeugt. „Unsere Lämmer ‚bockeln‘ nicht, haben also nicht den von einigen als zu streng empfundenen Bock-Geschmack.“ Geschlachtet wird auf Bestellung in einer 20 Kilometer entfernten Bio-Metzgerei. Ob Lammfleisch, Lammsalami oder Lammschinken in Demeter-Qualität: Wer bei Kräuterlamm bestellt, der bekommt die Produkte in einem Bio- Strohpaket, das Fleisch wird mit Strohpads isoliert und von einem wiederverwendbaren Kühlakku gekühlt.

Zum Kräuterlamm