Geschäftsführer des Demeter-Gebäckherstellers Erdmannhauser verstorben

Die Demeter-Gemeinschaft trauert um Karl Huober

27.05.2019
Karl Huober vor einem Feld

Karl Huober ist kurz nach seinem 70. Geburtstag am 9. Mai verstorben. Er war Geschäftsführer der Firmengemeinschaft, zu der neben Demeter-Gebäckhersteller Erdmannhauser auch Huober Brezel und BioGourmet zählt. Bis zu seinem Tod widmete Karl Huober seine ganze Willenskraft einer neuen Form des Wirtschaftslebens, dem Erneuerungsimpuls der biologisch-dynamischen Landwirtschaft sowie der bewussten Durchdringung der sozialen Gegenwartsfragen. Dabei gelang ihm der Spagat, sich bei der Herstellung eines eigentlich profanen Produkts wie Salzbrezeln mit hochphilosophischen Fragen des Lebens auseinanderzusetzen.

Ein kritischer Geist

Karl Huober war Gründer, Unternehmer und Impulsgeber der Firmengemeinschaft in Erdmannhausen. Dieser Tätigkeit ging er aber nicht nach, um Geld zu verdienen, denn materielle Dinge interessierten Huober nicht. Als Querdenker, der er war, arbeitete er daran, Wirtschaft neu und gerechter zu gestalten. So fuhr er 25 Jahre dasselbe Auto und war am liebsten nah an den Menschen, deren persönliche Entwicklung ihm am Herzen lag. Mit den Mitarbeitern am Fließband stand er im engen Austausch, am liebsten in seinem schwäbischen Heimatdialekt. Dabei war es ihm besonders wichtig, dass jeder Mitarbeiter den für sich richtigen Platz im Unternehmen findet.

Kalr Huober wuchs im ländlich geprägten Erdmannhausen, 30 km nördlich von Stuttgart, auf. Nach einer heilpädagogischen Ausbildung und dem Studium der Volkswirtschaft und Philosophie in Tübingen und Berlin war Karl Huober fünf Jahre am Institut für Soziale Gegenwartsfragen in Berlin tätig und Mitbegründer der TAZ. Gemeinsam mit seiner Frau Solvår übersetzte er außerdem Werke Rudolf Steiners ins Norwegische.

Karl Huober führt Familienunternehmen weiter

Obwohl er beruflich zunächst einen anderen Weg eingeschlagen hatte, übernahm Karl Huober 1980 in schwieriger wirtschaftlicher Lage die Aufgabe, den 1950 gegründeten elterlichen Betrieb Huober Brezel weiterzuführen. Schritt für Schritt wurde das Sortiment auf das Wesentliche der eigenen Produktion konzentriert, indem eine Rückbesinnung auf die eigenen Stärken in der Salz-Laugengebäckherstellung erfolgte. Kontinuierlich ließ er dabei heilpädagogische Gesichtspunkt in die Produktion der Salzbrezeln einfließen.

Umstellung der Firmengemeinschaft auf Bio

Seit 1996 ist Huober Brezel der erste Hersteller außerhalb des Naturkostbereichs, der sein gesamtes Sortiment komplett in Bio-Qualität herstellt. Dass es Karl Huober bei seinem Schaffen um die Sache ging und nicht Gewinnmaximierung, zeigt auch, dass er die Brezelfabrik zunächst auf Bio umstellte, ohne es überhaupt zu deklarieren. Denn er fürchtete, die Salzbrezeln würden mit dem Bio-Zertifikat schnell von Stammtischen verschwinden. Heute gilt Huober Brezel als einer der führenden Salz-Laugen-Gebäckhersteller in Deutschland und vertreibt seine Produkte in vielen Ländern Europas und darüber hinaus.

Die Bedürfnisse einer Kundschaft, die nach Lebensmittelalternativen fragt, wurden ernst genommen. So wurden seit 1982 Produkte für den Naturkosthandel und Reformhäuser, im Jahr 1983 die ersten Demeter-Erzeugnisse hergestellt.

Gründung Erdmannhauser

Nach dieser ersten Produktlinie gründete Karl Huober 1989 zusammen mit dem Ehepaar Annegret und Klaus Werder die Firma Erdmannhauser Getreideprodukte. Der selbständige Herstellungsbetrieb verstand sich als Partner der biologisch-dynamisch wirtschaftenden Bauern in der Region. Dieses Kooperationsmodell sollte die Beziehung zwischen Erzeugern landwirtschaftlicher Produkte und deren Verarbeitung gesunden. Hier arbeitete Huober daran, Ideen Rudolf Steiners und der Anthroposophie ganz technisch in die Tat umzusetzen. Aus dieser Arbeit heraus begründete sich die Erdmannhauser-Saatgutkampagne, die die Unterstützung der unabhängigen Getreidezüchtung zum Ziel hat.

Mit Anfang der Jahrtausendwende rufen Solvår und Karl Huober die ErdmannHAUSER Bildungsinitiative ins Leben, die sich vor allem an die jungen Menschen in der Firmengemeinschaft wendet: „Die Bildungs-Initiative möchte die geistige Spannkraft gegenüber den Fragen des modernen Gesellschaftslebens so anregen, dass niemand die Augen vor dessen erkennbaren Widersprüchen zu verschließen braucht” (Karl Huober).

2011 erfolgte die Übernahme der Feinkostmarke BioGourmet von Rapunzel. Karl Huober gelang es, die Firma innerhalb weniger Jahre wirtschaftlich zu konsolidieren und ein Hersteller-Netzwerk zu erschaffen, das weit über Deutschland hinausreicht. Dabei schwamm er gerne gegen den Strom und hielt nichts von BWL-Ratgebern. Unternehmensberater holte er sich nur in eine Firma, um im Anschluss das genaue Gegenteil ihrer Empfehlungen umzusetzen.

Mit Erfolg: 2012 rettete Karl Huober die Reformhaus-Mühle Donath aus Bad Wörishofen-Stockheim vor dem Aus, um sie anschließend wieder in die Selbstständigkeit zu führen. Damit schuf er die wirtschaftliche Grundlage für viele bewusst biologisch wirtschaftende Bauern im Unterallgäu.

Engagiert in den Verbänden Demeter und AöL

Karl Huober war in all den Jahrzehnten auch über seine eigene unternehmerische Tätigkeit hinaus aktiv. So war er bereits in den 80er Jahren im Demeter-Bund engagiert und gehörte 12 Jahre dem Vorstand der Assoziation ökologischer Lebensmittelhersteller (AöL) an. Dort hatte er die Möglichkeit, Wirtschaftsfragen auf einer anderen Ebene zu bearbeiten und organisierte spannende Tagungen.

Geheimnis der Brezel

Seine tiefe Verbindung zum „Geheimnis der Brezel“ führte zur Begründung des ersten deutschen BrezelMuseums, welches er 2016 mit seiner Frau in Erdmannhausen eröffnete.

Sein unternehmerisches Handeln verstand er als gesellschaftliche Entwicklungsaufgabe. Und so blieb er seiner Bemühung, jeden einzelnen Menschen in seiner persönlichen Entwicklung mitzunehmen, trotz schwerer Krankheit, bis zu seinem Tod treu.