Die Freie Landbauschule Bodensee feierte ihre 40jährige Entwicklung

Individuelle Potenziale entfalten mit der biodynamischen Ausbildung

19.06.2018
Gruppenfoto der Gratulant*innen

Gratulant*innen v.l.n.r.: Jakob Ganten, Anja Frey, Stephan Bauck, Viola Langner, Brigitte von Wistinghausen, Tim Kiesler, Florian Reyer, Markus Knösel, Thorsten Krug, Simone Helmle, Geraldine Winter, Sascha Damaschun, Friedlinde Gurr-Hirsch, Martin Hahn, Ilsabé Zucker, Thomas Müller, Alexander Gerber, Thomas Schmid, Klaus Burger, Dr. Hermann Gabele, Helmy Abouleish, Walter Solms


Unmögliches möglich zu machen, das hieß vor 40 Jahren für eine Gruppe von Demeter-Bäuerinnen und Bauern am Bodensee, mit einer eigenständigen Berufsausbildung für biologisch-dynamische Landwirtschaft zu beginnen. Seither lernen junge Menschen die Kunst der biodynamischen Agrikultur direkt auf den Höfen der Region, begleitet und unterrichtet von Praktikern in einer Schule ohne Klassenzimmer, in der Freien Landbauschule Bodensee. In den 40 Jahren hat die Freie Landbauschule etwa 600 biodynamische Landwirte und Gärtner ausgebildet. Aktuell schließen pro Jahrgang ca. 25 Menschen ihre frei gestaltete Lehre mit der staatlichen Gesellenprüfung ab. Betont werden dabei nicht nur die außergewöhnlich guten Prüfungsergebnisse, sondern vor allem die Reife, die Selbstständigkeit und die Willenskraft der jungen Menschen. Zum Jubiläum würdigten dies insbesondere Friedlinde Gurr-Hirsch, Parlamentarische Staatssekretärin im Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz, Martin Hahn vom Bündnis 90/Die Grünen, Sarah Klein, Ausbildungsberaterin im Bodenseekreis, Helmy Abouleish, Geschäftsführer der ägyptischen SEKEM Initiative und Mitglied im Vorstand von Demeter-International, sowie Alexander Gerber, Vorstand des Demeter e.V.

Die AuszubildendenDie Auszubildenden

Individuellen Raum zu geben für die Entwicklung und Entfaltung individueller Potenziale, dies ermöglicht die Freie Landbauschule Bodensee den jungen Menschen in ihrer Fachausbildung. „Die Landbauschule ist wichtig für die biologisch-dynamische Entwicklung am Bodensee“, so eröffnete Martin Hahn vom Bündnis 90/Die Grünen und Vorsitzender des Ausschuss ländlicher Raum und Verbraucherschutz mit dem ersten Grußwort am Abend den Festakt zum 40 jährigen Jubiläum. Dass diese Form der Landbewirtschaftung heute Maßstäbe setzt für die Entwicklung der gesamten Landwirtschaft, führt Friedlinde Gurr-Hirsch, Parlamentarische Staatssekretärin in ihrer Festansprache stellvertretend für Minister Hauck weiter aus. 30% Ökolandbau bis 2030 sind Entwicklungsziel für Baden-Württemberg, davon soll ein großer Anteil Demeter-Landwirtschaft sein, so die Staatssekretärin.

Staatsekretärin Friedlinde Gurr-Hirsch im Gespräch mit Ausbilder Markus KnöselStaatsekretärin Friedlinde Gurr-Hirsch im Gespräch mit Ausbilder Markus Knösel

Welche Herausforderung dies für die Aus- und Weiterbildung in der biodynamischen Bewegung ist, lässt sich im Moment erst erahnen. „Junge, bereits sehr gut ausgebildete Menschen, klopfen bei uns an und fragen nach einem Ausbildungsplatz“, skizziert Thomas Müller, Vorstand, Ausbilder und Kollegium der Landbauschule. „Sie möchten erfahren, wie wir im Biodynamischen arbeiten. D.h. wir üben uns täglich in der Wahrnehmung, wir lernen, uns als ganzer Mensch in die Zusammenhänge im Arbeiten mit der Natur zu stellen. Theorie und Praxis befruchten sich bei uns gegenseitig, so kann Ausbildung gelingen und so finden wir in der Fülle der Anregungen immer wieder den roten Faden, der das Gesamte in der Ausbildung verbindet.“ Engagement, Eigeninitiative, Ehrenamt, Begeisterung, Herzenswärme – all das prägt die Landbauschule. Adressiert an die Politik ist der Wunsch formuliert, dass die Ausbildung auf den Höfen ebenso selbstverständlich staatlich gefördert werden kann, wie bspw. Umweltmaßnahmen gefördert werden.

Staatsekretärin Friedlinde Gurr-Hirsch im Gespräch mit Alexander GerberStaatsekretärin Friedlinde Gurr-Hirsch im Gespräch mit Alexander Gerber

Vom Bodensee nach Ägypten, ein Blickwechsel zum Höhepunkt des Festabends. Ebenso 40 Jahre Initiative feiert die Sekem-Gemeinschaft nördlich von Kairo. „Ich komme hierher, weil hier am Bodensee ein Wunder entstanden ist,“ mit diesen Worten spannt Helmy Abouleish, Geschäftsführer der ägyptischen SEKEM Initiative und Mitglied im Vorstand von Demeter-International den Bogen zwischen dem Bodensee und Ägypten. Viele Herausforderungen Ägyptens, genannt seien Wassermangel, Luftverschmutzung, Bildungs- oder Demokratieverständnis, sind zum Bodensee nicht direkt übertragbar. Gemeinsam jedoch, und das verbindet die Festgesellschaft, das Verständnis, einer Agrikultur als Lebensgrundlage für jede menschliche Entwicklung. Landbewirtschaftung ist Kulturarbeit mit der Erde, Wirtschaft, in der sich Liebe und Respekt ausdrücken, Gemeinschaft und soziale Beziehungen, die gesellschaftlich wirksam werden. „Ich bin froh, dass all dies hier am Bodensee in modernen Formen auf den Höfen gelebt wird und mit der Bildungsarbeit entfalten wir Licht in den Herzen, Köpfen und Händen unserer Mitarbeiter. Wenn wir in der Bildung all die Fachfragen, die uns beschäftigen, auch künstlerisch bewegen, unsere Sprache gestalten, singen und Theater spielen, helfen wir Menschen in ihrer persönlichen Entwicklung. Junge Menschen erleben hier, wie sie wachsen und dies mag das Wertvollste in ihrer Ausbildung sein.“

Würdigungen aus ganz verschiedenen Perspektiven, Zuversicht und Visionen am Ende eines jeden Danks. Gerahmt durch Musik, mit denen die Landbauschüler selbst ihre Freude und Hingabe ausdrückten. Es ist zu spüren, wie in den jungen Menschen das aus der Zukunft entgegenkommende Licht schon leuchtet. Zum Ende des Abends stehen alle Ausbilder und Kolleginnen zusammen auf der Bühne. Demeter-Vorstand Alexander Gerber drückt seinen Dank aus, in dem er jedem Betrieb ein Hofschild überreicht, mit dem Nachbarn, Gäste und Besucher erkennen können, dass hier biodynamische Landwirte und Gärtner ausgebildet werden. Der Dank für das große Engagement der Landbauschule Bodensee, kann gar nicht groß genug sein.

Von Simone Helmle, Leiterin der Demeter Akademie

19.06.2018
Individuelle Potenziale entfalten mit der biodynamischen Ausbildung
Die Freie Landbauschule Bodensee feierte ihre 40jährige Entwicklung

Unmögliches möglich zu machen, das hieß vor 40 Jahren für eine Gruppe von Demeter-Bäuerinnen und Bauern am Bodensee, mit einer eigenständigen Berufsausbildung für biologisch-dynamische Landwirtschaft zu beginnen. Seither lernen junge Menschen die Kunst der biodynamischen Agrikultur direkt auf den Höfen der Region, begleitet und unterrichtet von Praktikern in einer Schule ohne Klassenzimmer, in der Freien Landbauschule Bodensee. In den 40 Jahren hat die Freie Landbauschule etwa 600 biodynamische Landwirte und Gärtner ausgebildet. Aktuell schließen pro Jahrgang ca. 25 Menschen ihre frei gestaltete Lehre mit der staatlichen Gesellenprüfung ab. Betont werden dabei nicht nur die außergewöhnlich guten Prüfungsergebnisse, sondern vor allem die Reife, die Selbstständigkeit und die Willenskraft der jungen Menschen. Zum Jubiläum würdigten dies insbesondere Friedlinde Gurr-Hirsch, Parlamentarische Staatssekretärin im Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz, Martin Hahn vom Bündnis 90/Die Grünen, Sarah Klein, Ausbildungsberaterin im Bodenseekreis, Helmy Abouleish, Geschäftsführer der ägyptischen SEKEM Initiative und Mitglied im Vorstand von Demeter-International, sowie Alexander Gerber, Vorstand des Demeter e.V.

Die AuszubildendenDie Auszubildenden

Individuellen Raum zu geben für die Entwicklung und Entfaltung individueller Potenziale, dies ermöglicht die Freie Landbauschule Bodensee den jungen Menschen in ihrer Fachausbildung. „Die Landbauschule ist wichtig für die biologisch-dynamische Entwicklung am Bodensee“, so eröffnete Martin Hahn vom Bündnis 90/Die Grünen und Vorsitzender des Ausschuss ländlicher Raum und Verbraucherschutz mit dem ersten Grußwort am Abend den Festakt zum 40 jährigen Jubiläum. Dass diese Form der Landbewirtschaftung heute Maßstäbe setzt für die Entwicklung der gesamten Landwirtschaft, führt Friedlinde Gurr-Hirsch, Parlamentarische Staatssekretärin in ihrer Festansprache stellvertretend für Minister Hauck weiter aus. 30% Ökolandbau bis 2030 sind Entwicklungsziel für Baden-Württemberg, davon soll ein großer Anteil Demeter-Landwirtschaft sein, so die Staatssekretärin.

Staatsekretärin Friedlinde Gurr-Hirsch im Gespräch mit Ausbilder Markus KnöselStaatsekretärin Friedlinde Gurr-Hirsch im Gespräch mit Ausbilder Markus Knösel

Welche Herausforderung dies für die Aus- und Weiterbildung in der biodynamischen Bewegung ist, lässt sich im Moment erst erahnen. „Junge, bereits sehr gut ausgebildete Menschen, klopfen bei uns an und fragen nach einem Ausbildungsplatz“, skizziert Thomas Müller, Vorstand, Ausbilder und Kollegium der Landbauschule. „Sie möchten erfahren, wie wir im Biodynamischen arbeiten. D.h. wir üben uns täglich in der Wahrnehmung, wir lernen, uns als ganzer Mensch in die Zusammenhänge im Arbeiten mit der Natur zu stellen. Theorie und Praxis befruchten sich bei uns gegenseitig, so kann Ausbildung gelingen und so finden wir in der Fülle der Anregungen immer wieder den roten Faden, der das Gesamte in der Ausbildung verbindet.“ Engagement, Eigeninitiative, Ehrenamt, Begeisterung, Herzenswärme – all das prägt die Landbauschule. Adressiert an die Politik ist der Wunsch formuliert, dass die Ausbildung auf den Höfen ebenso selbstverständlich staatlich gefördert werden kann, wie bspw. Umweltmaßnahmen gefördert werden.

Staatsekretärin Friedlinde Gurr-Hirsch im Gespräch mit Alexander GerberStaatsekretärin Friedlinde Gurr-Hirsch im Gespräch mit Alexander Gerber

Vom Bodensee nach Ägypten, ein Blickwechsel zum Höhepunkt des Festabends. Ebenso 40 Jahre Initiative feiert die Sekem-Gemeinschaft nördlich von Kairo. „Ich komme hierher, weil hier am Bodensee ein Wunder entstanden ist,“ mit diesen Worten spannt Helmy Abouleish, Geschäftsführer der ägyptischen SEKEM Initiative und Mitglied im Vorstand von Demeter-International den Bogen zwischen dem Bodensee und Ägypten. Viele Herausforderungen Ägyptens, genannt seien Wassermangel, Luftverschmutzung, Bildungs- oder Demokratieverständnis, sind zum Bodensee nicht direkt übertragbar. Gemeinsam jedoch, und das verbindet die Festgesellschaft, das Verständnis, einer Agrikultur als Lebensgrundlage für jede menschliche Entwicklung. Landbewirtschaftung ist Kulturarbeit mit der Erde, Wirtschaft, in der sich Liebe und Respekt ausdrücken, Gemeinschaft und soziale Beziehungen, die gesellschaftlich wirksam werden. „Ich bin froh, dass all dies hier am Bodensee in modernen Formen auf den Höfen gelebt wird und mit der Bildungsarbeit entfalten wir Licht in den Herzen, Köpfen und Händen unserer Mitarbeiter. Wenn wir in der Bildung all die Fachfragen, die uns beschäftigen, auch künstlerisch bewegen, unsere Sprache gestalten, singen und Theater spielen, helfen wir Menschen in ihrer persönlichen Entwicklung. Junge Menschen erleben hier, wie sie wachsen und dies mag das Wertvollste in ihrer Ausbildung sein.“

Würdigungen aus ganz verschiedenen Perspektiven, Zuversicht und Visionen am Ende eines jeden Danks. Gerahmt durch Musik, mit denen die Landbauschüler selbst ihre Freude und Hingabe ausdrückten. Es ist zu spüren, wie in den jungen Menschen das aus der Zukunft entgegenkommende Licht schon leuchtet. Zum Ende des Abends stehen alle Ausbilder und Kolleginnen zusammen auf der Bühne. Demeter-Vorstand Alexander Gerber drückt seinen Dank aus, in dem er jedem Betrieb ein Hofschild überreicht, mit dem Nachbarn, Gäste und Besucher erkennen können, dass hier biodynamische Landwirte und Gärtner ausgebildet werden. Der Dank für das große Engagement der Landbauschule Bodensee, kann gar nicht groß genug sein.

Von Simone Helmle, Leiterin der Demeter Akademie