Grundwasserschutz mit dem Verursacherprinzip angehen

Düngeverordnung muss Wasser wirksam schützen

10.04.2019
Küje auf der Weide vor einem See

Demeter fordert, Nitratauswaschungen ins Grundwasser dort zu bekämpfen, wo sie entstehen: Stickstoffüberschüsse kommen vor allem aus der Massentierhaltung und der intensiven Düngung mit Gülle und Kunstdünger. Dagegen fördert Festmist den Humusaufbau und verhindert damit Auswaschungsverluste.

Sauberes Wasser ist essentiell für unsere Gesellschaft – beim Wasserschutz kommt der Landwirtschaft eine große Verantwortung zu. „Es geht kein Weg daran vorbei – die Landwirtschaft muss jetzt entschieden zum Wasserschutz beitragen“, kommentiert Demeter-Vorstand Alexander Gerber die derzeitige Debatte um die Düngeverodnung. „Es kann aber nicht sein, dass diejenigen, die bisher bereits am meisten für den Grundwasserschutz tun – nämlich die Biobauern und extensiv wirtschaftenden Höfe – hierbei genauso belastet werden, wie konventionelle Betriebe mit zu viel Gülle für zu wenig Ausbringungsfläche.“ Deshalb fordert Demeter risikoorientiertes Denken und wirksames Vorgehen anlässlich der Agrarministerkonferenz der Länder an diesem Donnerstag und Freitag sowie der Beratungen der Staatssekretäre vom Bundesumwelt- und Landwirtschaftsministerium mit der EU-Kommission am Freitag in Brüssel.

„Statt mehr Bürokratie brauchen wir ein strukturelles Umdenken. Auf der Fläche dürfen nur so viele Tiere gehalten werden, wie der Boden trägt. Sonst können wir die massiven Nitratüberschüsse im Grundwasser nicht verhindern,“ ergänzt Gerber. „Die EU-Ökoverordnung schreibt fest, dass maximal zwei Großvieheinheiten pro Hektar gehalten werden dürfen und dass mehr als die Hälfte der Futtermittel aus der Region stammen muss. Jeder Biobetrieb wird jährlich kontrolliert. Dies muss als Beitrag zur Vermeidung von Nitratüberschüssen ohne zusätzliche Dokumentationspflichten anerkannt werden!“ Denn ein Großteil der Nitratüberschüsse in der konventionellen Landwirtschaft ist auf Gülle zurückzuführen, die letztlich mit Futtermitteln aus Übersee produziert wird.

„Zudem müssen auch leicht lösliche synthetische Stickstoffdünger im neuen Düngerecht geregelt werden, denn diese tragen wesentlich zur Nitratbelastung bei – sind aber bisher von den Verschärfungen ausgenommen,“ kritisiert der Demeter-Vorstand. „Hier müssen die Hebel angesetzt werden. Wir fordern eine Abstufung der Maßnahmen nach Risikostufen – Höfe, die das Wasser nicht be-lasten, müssen bei den Vorschriften ent-lastet werden.“

Hintergrund:

Zurzeit erfolgt die zweite Revision der Düngeverordnung. Grundlage ist die EU-Nitratrichtlinie von 1991. Deutschland erreicht die in der Richtlinie festgelegten Ziele bisher nicht.

Die ökologische Bewirtschaftung vermindert laut den im Rahmen des Thünen Report 65 ausgewerteten Untersuchungen die Stickstoffausträge deutlich. Durch den Verzicht auf chemisch‐synthetische Pflanzenschutzmittel wird der Eintrag von Wirkstoffen mit einer potenziell hohen Umwelttoxizität unterbunden. Thünen Report 65.