Symposium auf dem Demeter-Hofgut Oberfeld

Wenn man lange genug wartet, wird aus Gras Milch... oder Käse!

27.09.2016

Bankett im Kuhstall (Foto: Anja Christinck)

Bankett im Kuhstall (Foto: Anja Christinck)

Was eigentlich ein Symposium sei, fragten gleich am Anfang mehrere Gäste, als sie auf dem Demeter-Hofgut Oberfeld in Darmstadt auf Traktoranhängern hinaus auf das Feld mitfahren durften und dabei erst mal ordentlich durchgeschüttelt wurden.

Um die Antwort gleich zu geben: das Wort „Symposium“ geht auf die griechische Tradition geselliger Zusammenkünfte zurück, bei denen es Wein und gutes Essen gab und improvisierte Reden zum Thema des Abends gehalten wurden. So ähnlich lief es auch auf dem Oberfeld ab ─ nur dass die Gäste nicht in steinernen Hallen tagten, sondern auf Äckern, in der Heubergehalle und zuletzt im Kuhstall. Und außer neuen Gedanken nahm darum jeder noch etwas anderes mit nach Hause: Ackerboden an den Schuhen, Stallgeruch im Haar und vor allem: einen selbst gemachten kleinen Käse.

Auf dem Feld angekommen, führte die Journalistin Tanja Busse aus Hamburg in die globale Perspektive ein: Weltweit befindet sich die Landwirtschaft in einem Wandel, der ökonomisch gesehen zu Effizienzsteigerung führt, zugleich aber die gewachsenen lokalen und regionalen Bezüge zwischen Ackerbau, Tierhaltung, Lebensmittelverarbeitung und dem Bedarf der Menschen vor Ort auflöst. So werden z.B. in Deutschland mit Ackerfutter aus Südamerika Fleisch und Milch produziert, die nur zum Teil hier gebraucht werden. Ein anderer Teil macht als „Billigexport“ den Bäuerinnen und Bauern in Afrika die Preise kaputt, so dass ihre Produkte vor Ort nicht gekauft werden und die Armut in ländlichen Gegenden wächst.

Dem gegenüber stehen Modelle wie das des Hofguts Oberfeld und ähnlicher Betriebe, in denen neue Arten von Beziehungen erprobt werden: Zwischen Boden und Pflanze, zwischen Mensch und Tier – und zwischen der Landwirtschaft und ihrem sozialen Umfeld.

In verschiedenen „Tat- und Themengruppen“ konnten die Gäste hautnah erfahren, wie diese Beziehungen funktionieren – und was Landwirtinnen und Landwirte tun, damit aus Gras Milch werden kann. Nach einem ausgiebigen Picknick auf dem Feld ging es dann in der Heubergehalle weiter mit dem „Kuhbauern-Talk“: Die drei Preisträger des diesjährigen Bundespreis Ökologischer Landbau, allesamt innovationsfreudige Kuhbauern, kamen durch die Moderation von Tanja Busse ins Gespräch miteinander ─ und schließlich auch mit dem Publikum.

Im Gespräch Journalistin Tanja Busse mit den diesjährigen Preisträgern des Bundespreis Ökologischer Landbau Kathrin Goebel (Hofgut Oberfeld), Bioland-Kuhbauer Bernhard Kaemena aus Bremen (2. von rechts) und Daniel Wehmeyer aus Osterode/Harz (ganz rechts).(Foto: Anja Christinck)

Bei allen dreien stellte die Spannung zwischen den eigenen Werten und dem, wie es üblicherweise „läuft“ in der Landwirtschaft, die entscheidende Motivation dafür dar, einen anderen Weg zu versuchen: „Ich wollte morgens in den Spiegel gucken können“, sagte zum Beispiel Daniel Wehmeyer, der mit seinen Mutterkühen auf Naturschutzflächen im Harzvorland Landschaftspflege betreibt. In dieser Gegend gebe es vor allem „alte Menschen, kaputte Straßen und wenig Kaufkraft“. Dennoch zeigt sein Beispiel, dass es nicht nur in der Nähe von Großstädten möglich ist, eigene Wege zu gehen. Kathrin Goebel vom Hofgut Oberfeld sah es als ein Ziel an, dass Menschen in der globalisierten Wirtschaft direkte Beziehungen zueinander pflegen können: Zu wissen, wo etwas herkommt und wer es herstellt sei heutzutage eine neue Art von Luxus. Bernhard Kaemena, Kuhbauer und Künstler aus der Gegend von Bremen, sieht den Ökologischen Landbau als die Landwirtschaft der Zukunft. Jedoch müsse die Nachfrage der Verbraucher Hand in Hand gehen mit politischem Handlungswillen, um Rückschläge zu vermeiden. Die einzelnen Landwirte könnten sich nur teilweise aus der Spirale von höheren Kosten und dem Zwang zur ständigen Effizienzsteigerung befreien. Er wandte sich direkt an das Publikum mit der Bitte: „Wir brauchen dafür Euch!“

Zum Abschluss gab Siegfried Helbert vom biodynamischen Dottenfelderhof in Bad Vilbel einen Einblick in die traditionelle handwerkliche Käseherstellung. Den Moment, in dem der Käsebruch aus dem Kessel in die Formen gegeben wird, bezeichnete er als „schöpferischen Akt“ – den zu vollziehen am Ende allen Teilnehmern gelungen war.

Während alle an einer langen, blumengeschmückten Tafel auf dem Futtertisch der Kühe saßen, andächtig in den Kupferkesseln rührten, leckeres Essen, Käse und Wein genossen und sich in Gespräche vertieften, ging die Sonne unter und tauchte alles ein letztes Mal in rotgoldenes Licht. So ähnlich könnte es auch damals bei den Griechen gewesen sein – wenn eingeladen wurde zum Symposium. Nur wahrscheinlich ohne die Kühe, die rechts und links vom Tisch der Verwandlung „ihrer“ Milch in Käse zusehen konnten.

Disclaimer

Diese Meldung beruht auf einer Pressemitteilung vom Demeter-Hofgut Oberfeld.

27.09.2016
Wenn man lange genug wartet, wird aus Gras Milch... oder Käse!
Symposium auf dem Demeter-Hofgut Oberfeld

Was eigentlich ein Symposium sei, fragten gleich am Anfang mehrere Gäste, als sie auf dem Demeter-Hofgut Oberfeld in Darmstadt auf Traktoranhängern hinaus auf das Feld mitfahren durften und dabei erst mal ordentlich durchgeschüttelt wurden.

Um die Antwort gleich zu geben: das Wort „Symposium“ geht auf die griechische Tradition geselliger Zusammenkünfte zurück, bei denen es Wein und gutes Essen gab und improvisierte Reden zum Thema des Abends gehalten wurden. So ähnlich lief es auch auf dem Oberfeld ab ─ nur dass die Gäste nicht in steinernen Hallen tagten, sondern auf Äckern, in der Heubergehalle und zuletzt im Kuhstall. Und außer neuen Gedanken nahm darum jeder noch etwas anderes mit nach Hause: Ackerboden an den Schuhen, Stallgeruch im Haar und vor allem: einen selbst gemachten kleinen Käse.

Auf dem Feld angekommen, führte die Journalistin Tanja Busse aus Hamburg in die globale Perspektive ein: Weltweit befindet sich die Landwirtschaft in einem Wandel, der ökonomisch gesehen zu Effizienzsteigerung führt, zugleich aber die gewachsenen lokalen und regionalen Bezüge zwischen Ackerbau, Tierhaltung, Lebensmittelverarbeitung und dem Bedarf der Menschen vor Ort auflöst. So werden z.B. in Deutschland mit Ackerfutter aus Südamerika Fleisch und Milch produziert, die nur zum Teil hier gebraucht werden. Ein anderer Teil macht als „Billigexport“ den Bäuerinnen und Bauern in Afrika die Preise kaputt, so dass ihre Produkte vor Ort nicht gekauft werden und die Armut in ländlichen Gegenden wächst.

Dem gegenüber stehen Modelle wie das des Hofguts Oberfeld und ähnlicher Betriebe, in denen neue Arten von Beziehungen erprobt werden: Zwischen Boden und Pflanze, zwischen Mensch und Tier – und zwischen der Landwirtschaft und ihrem sozialen Umfeld.

In verschiedenen „Tat- und Themengruppen“ konnten die Gäste hautnah erfahren, wie diese Beziehungen funktionieren – und was Landwirtinnen und Landwirte tun, damit aus Gras Milch werden kann. Nach einem ausgiebigen Picknick auf dem Feld ging es dann in der Heubergehalle weiter mit dem „Kuhbauern-Talk“: Die drei Preisträger des diesjährigen Bundespreis Ökologischer Landbau, allesamt innovationsfreudige Kuhbauern, kamen durch die Moderation von Tanja Busse ins Gespräch miteinander ─ und schließlich auch mit dem Publikum.

Im Gespräch Journalistin Tanja Busse mit den diesjährigen Preisträgern des Bundespreis Ökologischer Landbau Kathrin Goebel (Hofgut Oberfeld), Bioland-Kuhbauer Bernhard Kaemena aus Bremen (2. von rechts) und Daniel Wehmeyer aus Osterode/Harz (ganz rechts).(Foto: Anja Christinck)

Bei allen dreien stellte die Spannung zwischen den eigenen Werten und dem, wie es üblicherweise „läuft“ in der Landwirtschaft, die entscheidende Motivation dafür dar, einen anderen Weg zu versuchen: „Ich wollte morgens in den Spiegel gucken können“, sagte zum Beispiel Daniel Wehmeyer, der mit seinen Mutterkühen auf Naturschutzflächen im Harzvorland Landschaftspflege betreibt. In dieser Gegend gebe es vor allem „alte Menschen, kaputte Straßen und wenig Kaufkraft“. Dennoch zeigt sein Beispiel, dass es nicht nur in der Nähe von Großstädten möglich ist, eigene Wege zu gehen. Kathrin Goebel vom Hofgut Oberfeld sah es als ein Ziel an, dass Menschen in der globalisierten Wirtschaft direkte Beziehungen zueinander pflegen können: Zu wissen, wo etwas herkommt und wer es herstellt sei heutzutage eine neue Art von Luxus. Bernhard Kaemena, Kuhbauer und Künstler aus der Gegend von Bremen, sieht den Ökologischen Landbau als die Landwirtschaft der Zukunft. Jedoch müsse die Nachfrage der Verbraucher Hand in Hand gehen mit politischem Handlungswillen, um Rückschläge zu vermeiden. Die einzelnen Landwirte könnten sich nur teilweise aus der Spirale von höheren Kosten und dem Zwang zur ständigen Effizienzsteigerung befreien. Er wandte sich direkt an das Publikum mit der Bitte: „Wir brauchen dafür Euch!“

Zum Abschluss gab Siegfried Helbert vom biodynamischen Dottenfelderhof in Bad Vilbel einen Einblick in die traditionelle handwerkliche Käseherstellung. Den Moment, in dem der Käsebruch aus dem Kessel in die Formen gegeben wird, bezeichnete er als „schöpferischen Akt“ – den zu vollziehen am Ende allen Teilnehmern gelungen war.

Während alle an einer langen, blumengeschmückten Tafel auf dem Futtertisch der Kühe saßen, andächtig in den Kupferkesseln rührten, leckeres Essen, Käse und Wein genossen und sich in Gespräche vertieften, ging die Sonne unter und tauchte alles ein letztes Mal in rotgoldenes Licht. So ähnlich könnte es auch damals bei den Griechen gewesen sein – wenn eingeladen wurde zum Symposium. Nur wahrscheinlich ohne die Kühe, die rechts und links vom Tisch der Verwandlung „ihrer“ Milch in Käse zusehen konnten.