Zweitägige Hoffahrt der Sarah Wiener Stiftung auf den Demeter-Hof zur Hellen

Zeit für hautnahe Begegnungen zwischen Mensch und Tier

28.10.2016
Hühner füttern auf dem Demeter-Hof zu Hellen

Hühner füttern auf dem Demeter-Hof zur Hellen (Foto: Kerstin Ahrens)


„Auf dem Bauernhof übernachten!“ Diesen Wunsch äußern fast alle Kinder nach einem erlebnisreichen Tag bei einer Hoffahrt der Sarah Wiener Stiftung. Das Hoffahrten-Programm existiert bereits seit 2009 als Teil der Ernährungsbildung der Sarah Wiener Stiftung. In diesem Zeitraum konnten jährlich rund 2.500 Kinder, die regelmäßig mit einem von der Stiftung ausgebildeten Genussbotschafter kochen, für einen Tag auf einem der Partnerhöfe erfahren, woher unsere Lebensmittel im Ursprung kommen.

Am 19. und 20. Oktober war es nun endlich soweit: Als Pilotprojekt durften elf Mädchen und Jungen zwei Tage lang auf dem Demeter-Betrieb Hof zur Hellen, einem von sechs Bio-Bauernhöfen im Windrather Tal unweit von Wuppertal, mithelfen und zuschauen und auf dem benachbarten Hof Fahrenscheidt übernachten. Die Sechs- bis Elfjährigen verbringen ihre Nachmittage üblicherweise im Kinder- und Jugendbereich des Dietrich-Keuning-Hauses in Dortmund, wo sie einmal pro Woche gemeinsam mit Genussbotschafter Anton Borghoff nach dem Konzept der Sarah Wiener Stiftung kochen.

Kinder auf Trekker Bettina Wamsler fährt die begeisterten Kinder mit dem Schlepper zur Apfelernte aufs Feld.
(Foto: Kerstin Ahrens)

Im Laufe dieser Hoffahrt der besonderen Art wurde den Kindern immer bewusster, dass sie eine besondere Aufgabe hatten – nämlich einen Bauernhofbesuch mit Übernachtung für die Sarah Wiener Stiftung zu testen. Sie spürten, dass es sich lohnt, langfristige und stetig wachsende Bindungen einzugehen. Dies ließ sich besonders an jenen Kindern beobachten, die nicht zum ersten Mal auf dem Hof zur Hellen waren und Bettina Wamsler, landwirtschaftliche Meisterin und Leiterin des pädagogischen Programms auf dem Hof, wie eine alte Bekannte begrüßten.

Doch eine gewisse Komplizenschaft für eine gemeinsame Sache entwickelte sich im Laufe der zwei Tage wunderbarerweise zwischen Wamsler und der gesamten Gruppe – und das, obwohl es sich um eine äußerst heterogene Gruppe handelte und viele der Kinder einen doppelten Migrationshintergrund haben.

Wie lässt sich diese gemeinsame Sache beschreiben? Sie begann mit dem ernsthaften Interesse aneinander und mit der aufmerksamen Beachtung der gegenseitigen Fragen. Sie wuchs am Interesse der Kinder, das sich im Laufe der zwei Tage auf dem Bauernhof ohne Druck von außen entfalten durfte. Und sie mündete schließlich in der Gewissheit, dass die Hoffahrt ihren Zweck erfüllen würde, ohne dass Erwachsene ein Ziel vorgeben.

So wurde die erste mehrtägige Hoffahrt der Sarah Wiener Stiftung zu einer Art Sternstunde für die Methode „Erfahrungsfeld Bauernhof“, welche darauf beruht, dass jegliches Lernen am Interesse der Beteiligten ausgerichtet werden sollte, um nachhaltige Lerneffekte zu erzielen. Denn zu viel frontale Wissensvermittlung verhindert die Erfahrung am eigenen Leib und damit auch das Begreifen von Zusammenhängen. Nach diesem Prinzip sind übrigens auch die Kochkurse der Sarah Wiener Stiftung aufgebaut.

Mädchen tragen ApfelkisteTrotz Dauerregens packen die Kinder bei der Apfelernte kraftvoll mit an. (Foto: Kerstin Ahrens)

Doch zurück zum Bauernhof! Eine zentrale Rolle bei der interessensgeleiteten Führung kommt dort den Sinnen zu. Während der beiden Tage auf dem Hof zur Hellen besuchten die Kinder beispielsweise drei Mal die Kälber im Stall. Bei ihrer ersten Begegnung standen sie einfach nur am Rand der Box, beobachteten, was passiert, und warteten, dass die Kälbchen von sich aus Kontakt aufnehmen. Beim zweiten Besuch am Abend durften sie die Tiere mit Muttermilch aus dem Kälbernuckeleimer tränken und dann streicheln.

Während die Kinder den Landwirt bei seiner Arbeit beobachteten, traten Fragen zum Alter und Charakter der Kühe auf. Beim Melken stellten die Kinder beispielsweise fest, dass manche Kühe dieser Prozedur mit Gleichmut begegnen, während andere ungeduldig darauf reagieren. Sie bemerkten auch die unterschiedlichen Körperumfänge bei den Tieren, vermuteten bei einer Kuh ein heranwachsendes Kalb im Leib und fragten, wie viele Kinder die Kuh „Saba“ denn schon bekommen habe. Im Gespräch mit Bettina Wamsler wurde dann auch die Frage interessant, wie viel Milch die 20 Kühe im Stall pro Tag geben und wie man dies wohl ausrechnen kann.

Nicht nur die Kinder haben die beiden Tage auf dem Hof zur Hellen genossen, auch die begleitenden Pädagogen freuten sich sehr über den Erfolg des Pilotprojektes – und  auf künftige zweitägige Hoffahrten der Sarah Wiener Stiftung. Auch die Übernachtung auf dem benachbarten Hof Fahrenscheidt hat allen gut gefallen. Nach getaner Arbeit sind die Kinder müde und glücklich in Tiefschlaf gefallen.

Bericht von Kerstin Ahrens, Sarah Wiener Stiftung

Hoffahrtenprogramm der Sarah Wiener Stiftung

Mehr über das Hoffahrtenprogramm der Sarah Wiener Stiftung erfahren Sie hier. Das Hoffahrten-Programm der Sarah Wiener Stiftung wird gefördert durch das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages im Rahmen des Bundesprogramms Ökologischer Landbau und andere Formen nachhaltiger Landwirtschaft (BÖLN).

Interessierte Pädagogen können sich unter https://ichkannkochen.de/mitmachen.html bundesweit zu einer kostenfreie Fortbildung zum Genussbotschafter anmelden.

28.10.2016
Zeit für hautnahe Begegnungen zwischen Mensch und Tier
Zweitägige Hoffahrt der Sarah Wiener Stiftung auf den Demeter-Hof zur Hellen

„Auf dem Bauernhof übernachten!“ Diesen Wunsch äußern fast alle Kinder nach einem erlebnisreichen Tag bei einer Hoffahrt der Sarah Wiener Stiftung. Das Hoffahrten-Programm existiert bereits seit 2009 als Teil der Ernährungsbildung der Sarah Wiener Stiftung. In diesem Zeitraum konnten jährlich rund 2.500 Kinder, die regelmäßig mit einem von der Stiftung ausgebildeten Genussbotschafter kochen, für einen Tag auf einem der Partnerhöfe erfahren, woher unsere Lebensmittel im Ursprung kommen.

Am 19. und 20. Oktober war es nun endlich soweit: Als Pilotprojekt durften elf Mädchen und Jungen zwei Tage lang auf dem Demeter-Betrieb Hof zur Hellen, einem von sechs Bio-Bauernhöfen im Windrather Tal unweit von Wuppertal, mithelfen und zuschauen und auf dem benachbarten Hof Fahrenscheidt übernachten. Die Sechs- bis Elfjährigen verbringen ihre Nachmittage üblicherweise im Kinder- und Jugendbereich des Dietrich-Keuning-Hauses in Dortmund, wo sie einmal pro Woche gemeinsam mit Genussbotschafter Anton Borghoff nach dem Konzept der Sarah Wiener Stiftung kochen.

Kinder auf Trekker Bettina Wamsler fährt die begeisterten Kinder mit dem Schlepper zur Apfelernte aufs Feld.
(Foto: Kerstin Ahrens)

Im Laufe dieser Hoffahrt der besonderen Art wurde den Kindern immer bewusster, dass sie eine besondere Aufgabe hatten – nämlich einen Bauernhofbesuch mit Übernachtung für die Sarah Wiener Stiftung zu testen. Sie spürten, dass es sich lohnt, langfristige und stetig wachsende Bindungen einzugehen. Dies ließ sich besonders an jenen Kindern beobachten, die nicht zum ersten Mal auf dem Hof zur Hellen waren und Bettina Wamsler, landwirtschaftliche Meisterin und Leiterin des pädagogischen Programms auf dem Hof, wie eine alte Bekannte begrüßten.

Doch eine gewisse Komplizenschaft für eine gemeinsame Sache entwickelte sich im Laufe der zwei Tage wunderbarerweise zwischen Wamsler und der gesamten Gruppe – und das, obwohl es sich um eine äußerst heterogene Gruppe handelte und viele der Kinder einen doppelten Migrationshintergrund haben.

Wie lässt sich diese gemeinsame Sache beschreiben? Sie begann mit dem ernsthaften Interesse aneinander und mit der aufmerksamen Beachtung der gegenseitigen Fragen. Sie wuchs am Interesse der Kinder, das sich im Laufe der zwei Tage auf dem Bauernhof ohne Druck von außen entfalten durfte. Und sie mündete schließlich in der Gewissheit, dass die Hoffahrt ihren Zweck erfüllen würde, ohne dass Erwachsene ein Ziel vorgeben.

So wurde die erste mehrtägige Hoffahrt der Sarah Wiener Stiftung zu einer Art Sternstunde für die Methode „Erfahrungsfeld Bauernhof“, welche darauf beruht, dass jegliches Lernen am Interesse der Beteiligten ausgerichtet werden sollte, um nachhaltige Lerneffekte zu erzielen. Denn zu viel frontale Wissensvermittlung verhindert die Erfahrung am eigenen Leib und damit auch das Begreifen von Zusammenhängen. Nach diesem Prinzip sind übrigens auch die Kochkurse der Sarah Wiener Stiftung aufgebaut.

Mädchen tragen ApfelkisteTrotz Dauerregens packen die Kinder bei der Apfelernte kraftvoll mit an. (Foto: Kerstin Ahrens)

Doch zurück zum Bauernhof! Eine zentrale Rolle bei der interessensgeleiteten Führung kommt dort den Sinnen zu. Während der beiden Tage auf dem Hof zur Hellen besuchten die Kinder beispielsweise drei Mal die Kälber im Stall. Bei ihrer ersten Begegnung standen sie einfach nur am Rand der Box, beobachteten, was passiert, und warteten, dass die Kälbchen von sich aus Kontakt aufnehmen. Beim zweiten Besuch am Abend durften sie die Tiere mit Muttermilch aus dem Kälbernuckeleimer tränken und dann streicheln.

Während die Kinder den Landwirt bei seiner Arbeit beobachteten, traten Fragen zum Alter und Charakter der Kühe auf. Beim Melken stellten die Kinder beispielsweise fest, dass manche Kühe dieser Prozedur mit Gleichmut begegnen, während andere ungeduldig darauf reagieren. Sie bemerkten auch die unterschiedlichen Körperumfänge bei den Tieren, vermuteten bei einer Kuh ein heranwachsendes Kalb im Leib und fragten, wie viele Kinder die Kuh „Saba“ denn schon bekommen habe. Im Gespräch mit Bettina Wamsler wurde dann auch die Frage interessant, wie viel Milch die 20 Kühe im Stall pro Tag geben und wie man dies wohl ausrechnen kann.

Nicht nur die Kinder haben die beiden Tage auf dem Hof zur Hellen genossen, auch die begleitenden Pädagogen freuten sich sehr über den Erfolg des Pilotprojektes – und  auf künftige zweitägige Hoffahrten der Sarah Wiener Stiftung. Auch die Übernachtung auf dem benachbarten Hof Fahrenscheidt hat allen gut gefallen. Nach getaner Arbeit sind die Kinder müde und glücklich in Tiefschlaf gefallen.

Bericht von Kerstin Ahrens, Sarah Wiener Stiftung

Hoffahrtenprogramm der Sarah Wiener Stiftung

Mehr über das Hoffahrtenprogramm der Sarah Wiener Stiftung erfahren Sie hier. Das Hoffahrten-Programm der Sarah Wiener Stiftung wird gefördert durch das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages im Rahmen des Bundesprogramms Ökologischer Landbau und andere Formen nachhaltiger Landwirtschaft (BÖLN).

Interessierte Pädagogen können sich unter https://ichkannkochen.de/mitmachen.html bundesweit zu einer kostenfreie Fortbildung zum Genussbotschafter anmelden.