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Der wahre Bodenschatz

Lebewesen Boden atmet Emissionen einer Fabrik ein

Illustrationen: Juliane Pieper


Guter Boden ist die Grundlage allen Lebens. Für unsere Lebensmittel, für die Natur, aber auch für unser Klima, denn Boden speichert in hohem Maße Kohlenstoff. Höchste Zeit, ihn zu schützen!

Boden gehört auf den Acker. Wenn die oberste Schicht, der wertvolle, lebendige Humus, durch Wind oder Starkregen fortgeschwemmt oder zerstört wird, geht dort das Wertvollste verloren. Die vergangenen Dürre-Sommer brachten den Ackerboden ins Blickfeld vieler Menschen. Für manche im wörtlichen Sinn – denn er landete auf ihrer Windschutzscheibe. Teilweise wirbelten Stürme gar so viel Erde auf, dass Autobahnen gesperrt wurden. Boden, der wiederum auf dem Acker fehlt. „Damit der Boden nicht fortgeweht wird, helfen Hecken und Feldgehölze, da sie dem Wind die Wucht nehmen. Nebenbei sind sie wahre Horte der Artenvielfalt und zahlreichen Pflanzen- und Tierarten eine Heimat, darunter auch vielen Nützlingen wie Florfliegen, Raubmilben oder Marienkäfern“, erklärt Antje Kölling, politische Sprecherin des Demeter e. V.

Bodenschutz ist Klimaschutz

Neben der Tatsache, dass Humus die Grundlage für unsere Lebensmittel ist, gibt es auch komplexe Wechselbeziehungen zwischen dem Boden und dem Klima. Einerseits beeinflusst der Klimawandel den Boden – siehe die bereits erwähnten Starkregengüsse und Dürreperioden. „Doch Humus trägt seinerseits zur Stabilität des Bodens bei, sodass bei Starkregen weniger Ackerkrume abgeschwemmt wird, für Trockenzeiten mehr Wasser gespeichert werden kann“, so Antje Kölling. Dadurch, dass er Wasser für die Pflanzen speichert, steuert der Boden mittels Verdunstung über die Pflanzen ganz wesentlich das Mikroklima vor Ort mit – und kann wie eine Klimaanlage wirken. Wenn Boden versiegelt ist – das merkt man in heißen Sommern vor allem in den Städten –, fehlt diese Kühlungsfunktion. Deswegen wird es in den Städten auch vergleichsweise heißer als im Grünen. Die Demeter-Sprecherin erklärt einen weiteren Zusammenhang: „Zum anderen schützt Humus ganz aktiv unser Klima: Ein Boden, der viel organisches Material gebunden hat, ist ein guter CO2-Speicher. Das macht deutlich: Wenn wir den Boden schützen, schützen wir also direkt auch das Klima.“ Nach den Ozeanen sind die Böden die zweitgrößten CO2-Speicher – oder die CO2-Senke, wie es oft genannt wird – der Erde. Die Böden der Welt enthalten so viel Kohlenstoff wie Pflanzen und Atmosphäre zusammen.

Grafik vom Inneren des Bodens

Boden vor!

Guter Boden braucht gute Politik. Deswegen fordert Demeter, entschieden zu handeln – auf nationaler wie auf europäischer Ebene. Die Zeit dafür ist längst reif. „Mit der neuen ‚Farm-to-Fork‘-Strategie hat die EU-Kommission einen Aufschlag für mehr Nachhaltigkeit in der Lebensmittelproduktion gemacht. Hier muss der Boden als wichtige Ressource voranstehen!“, fordert Antje Kölling. Unsere Regierung sieht sie in der Verantwortung, sich dafür einzusetzen, dass die EU die Arbeit an einer EU-Bodenschutzrichtlinie wieder aufnimmt. Denn die zunehmende Bodenversiegelung zerstört Böden fast unwiederbringlich und muss entschieden eingedämmt werden: durch umsichtige Siedlungsplanung und Flächenrecycling, also beispielsweise die Wiederbebauung nicht mehr genutzter Industrieflächen, statt auf der grünen Wiese zu bauen.„Auch ist es unerlässlich, dass die EU-Agrarpolitik radikal umsteuert“, so Antje Kölling: „Wir fordern, dass 70 Prozent der Agrarsubventionen der Umwelt und dem Klima zugutekommen. Damit werden Landwirtinnen und Landwirte dazu motiviert und darin unterstützt, in die Bodenfruchtbarkeit zu investieren – vor allem durch Ökolandbau. Dieser trägt gleichzeitig zu weiteren Nachhaltigkeitszielen bei und erhält lebendige Landschaften mit einer Artenvielfalt an Pflanzen und Tieren.“

Lebendige Lebensgrundlage

Für Demeter-Bäuerinnen und -Bauern ist ein lebendiger Boden die Basis ihrer Arbeit. Durch die Ausbringung von Kompost, die Nutzung biodynamischer Präparate, weite Fruchtfolgen, den Anbau von Zwischenfrüchten und Leguminosen fördern sie das Bodenleben und die Humusbildung. Ein zentraler Faktor ist dabei das biodynamische Prinzip der Haltung von Tieren, insbesondere Wiederkäuern. Der Humusaufbau ist auf den biodynamischen Flächen höher als in allen anderen Formen der Landwirtschaft, das zeigt der seit 1978 laufende DOK-Versuch des FiBL in der Schweiz. Durch den Verzicht auf energieintensiv hergestellte Stickstoffdünger leisten Demeter-Landwirt*innen außerdem einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz, zudem setzen biodynamisch bewirtschaftete Äcker unter anderem weniger Lachgas frei.

Dieser Artikel stammt aus der Herbstausgabe 2020 des Demeter Journals.

Cover des Demeter Journal 47 zeigt das Geischt einer Frau umgeben von Erde