Für Klimaschutz und bäuerliche, nachhaltige Landwirtschaft

Flagge zeigen!

Die Wir haben es satt-Demo vor dem Reichstagsgebäude

Bild: Fabian Melber


Ob bei den „Fridays for Future“-Demos oder bei der großen „Wir haben es satt“-Demo zur Grünen Woche in Berlin – auch auf der Straße wird Politik gemacht.

Von Antje Kölling und Alexander Gerber

Bei „Farmers for Future“ solidarisieren sich Biobäuer*innen mit den streikenden Schülerinnen und Schülern von „Fridays for Future“ und tauschen sich aus, wie die Biolandwirtschaft zum Klimaschutz beitragen kann. Die Farmers for Future fordern von der Bundesregierung eine entschlossene Klima­politik. Das langfristige Ziel der Reduktion der Treibhausgasemissionen um 95 Prozent bis 2050 darf keinesfalls aufgeweicht werden. Konkret fordern sie eine CO2-Besteuerung, einen schnellen Kohleausstieg sowie eine insgesamt nachhaltigere Mobilität und Energieversorgung. Mittlerweile haben sich mehr als 1 000 Öko-Landwirt*innen, -Gärtner*innen, -Winzer*innen und -Imker*innen aus ganz Deutschland angeschlossen, die Demeter-Bauer Jakob Schererz vom Bauckhof Stütensen mit Unterstützung des Demeter Verbands ins Leben gerufen hat.

Für Klimaschutz in der Landwirtschaft …

Die Farmers for Future sehen sich als Landwirt*innen auch selbst in der Pflicht, noch mehr zum Klimaschutz beizutragen. Deshalb entwickeln sie auf vielen Höfen klimafreundliche Praktiken wie Kompostierung und Untersaaten weiter, auch im Austausch untereinander oder mit Wissenschaftler*innen. Für die Landwirtschaft insgesamt fordern die Farmers for Future wichtige Schritte zu mehr Klimanachhaltigkeit, darunter die Reduktion der Emissionen aus der Tierhaltung durch eine flächengebundene Tierhaltung, ein CO2-Besteuerung auch für synthetischen Stickstoffdünger und eine Ausweitung des Ökolandbaus als bewährtes Verfahren für eine umwelt- und klimafreundliche Landwirtschaft.

Eine aktuelle Studie des Thünen-Instituts zeigt: Der ökologische Landbau ist pro Fläche betrachtet um 1 082 kg CO2-Äquivalente pro Hektar und Jahr „besser“ als der konventionelle Landbau: Der Boden speichert weitaus mehr Kohlenstoff und emittiert ein Viertel weniger klimaschädliches Lachgas. Misst man allerdings pro Produkteinheit, lässt sich kaum ein Vorsprung feststellen – ein Hinweis, dass auch im Ökolandbau noch Verbesserungen möglich sind, aber auch darauf, dass neben der Umstellung auf ökologische Landwirtschaft ebenso ein Umdenken im Lebensstil erforderlich ist: mehr Gemüse, weniger Verschwendung und mehr Biolebensmittel bei Gemeinschaftsverpflegungen.

… und gutes Essen für alle!

Ein fester Termin für viele Bäuerinnen und Bauern, die sich für eine zukunftsfähige EU-Agrarreform, einen klimagerechten Umbau der Landwirtschaft und gutes Essen für alle einsetzen, ist die jährliche „Wir haben es satt“-Demo durch die Berliner Innenstadt. Unter dem Motto „Wir haben Agrarindustrie satt!“ senden die Land­wirt*innen am 18. Januar 2020 zum Auftakt der weltgrößten Agrarmesse „Grüne Woche“ gemeinsam mit der Zivilbevölkerung ein starkes Signal an die nächste Landesregierung – für eine bäuerliche, ökologischere und fairer bezahlte Landwirtschaft. Wie in den letzten Jahren werden auch dieses Mal wieder Zehntausende Demonstrantinnen und Demonstranten und mehr als 100 Traktoren aus ganz Deutschland erwartet. Auch Demeter ist natürlich wieder dabei!

Demo am Samstag, 18. Januar 2020, in Berlin

Demonstriert an unserer Seite bei der Wir haben es satt-Demo oder unterstützt die teilnehmenden Bäuerinnen und Bauern, indem ihr eine Treckerpatenschaft übernehmt.

Farmers for Future

Zahlreiche Bio-Bäuer*­­innen, -Gärtner*­innen, -Winzer*innen und -Imker*innen haben bereits die Erklärung unterzeichnet und sich den Farmers for ­Future angeschlossen.

Geht das: Das Klima retten mit Humusaufbau?

„Das allein reicht natürlich nicht, doch Humusaufbau kann einer der Hebel für uns Landwirte sein, das Klima zu schützen. Denn lebendiger und guter Humus voller Kleinstlebewesen bringt nicht nur beste Lebensmittel hervor, sondern bindet CO2 aus der Atmo­sphäre. Das tut er – im Gegensatz zur umstrit­ten­en CO2-Verpressung – in einer vollkommen ungefährlichen Art und Weise“, erklärt Jakob Schererz.

Jakob SchererzDemeter-­Landwirt Jakob ­Schererz, bekennender ­Kompostliebhaber und Gründer der ­Farmers for Future (Bild: Annett Melzer Photographie)