Demeter-Mythen auf der Spur

Die Biostreber

Igel mit Demeter-SchildIllustration: Julia Friese

Demeter, die wollen doch immer die Besten sein, das sind doch die Biostreber aus der ersten Reihe! Davon hat ein Igel jetzt aber dann doch genug…

Digel streckte die Pfötchen nach den ersten, frühlingverheißenden Sonnenstrahlen des Jahres aus und gähnte, bis sein Kiefergelenk knackte. Er blinzelte einige Male mit den Äuglein und rieb sich den Schlafsand heraus. Winterschlaf adé. Aus und vorbei. Die Erkenntnis erschütterte ihn. Denn was vor ihm lag, war ein Sommerhalbjahr voll strebsamer Perfektion. Die Ringelwürmchen, die er so gern aß: 1-a-Bioqualität. Kringelige, quicklebendige biodynamische Leckerbissen! Die nasse Luft, die er atmete: absolut feinstaubfrei. Sein Trinkwasser: eine garantiert phosphatfreie Pfütze. Und das urige Eichenhabitat, das ihn umgab: erschaffen ohne einen einzigen Arbeitssklaven aus Bangladesch. Alles war sauber, alles war richtig, alles war rein.

Digel hatte lange gebraucht, es sich einzugestehen, aber wenn er ehrlich zu sich war – und nichts anderes hatte Kanina, seine hoppelnde Therapeutin, empfohlen – gestaltete sich die Perfektion ein wenig anstrengend. Denn Digel war nicht irgendein Igel, der da draußen im Eichenlaubhaufen überwintert hatte. Nein, Digel war der erste zertifizierte Demeter-Igel überhaupt, mithin der Tesla unter den Igeln, das Triple A unter den Stachelsäugern, ein bühnentauglicher Braunbrustigel, um nicht zu sagen: ein Igel mit Siegel. Ihm selbst war dabei viel eher nach einem kleinen Makel zumute. Nach einem Anflug von Imperfektion. Manchmal, im Herbst, zutschelte er an einer vergorenen Feige. Aber selbst das war noch der reinste Bioalkohol. Es war zum Stachelausreißen. Warum musste er immer besser als alle anderen sein? Reichte es nicht, einfach nur richtig gut zu sein?

Hase ist Therapeut des Igels

Digel trat aus seinem Laubhaufen und verspeiste den ersten Ringelwurm des Jahres. Zum Dessert gab es eine zarte Schösslingswurzel. Er überlegte: Wenn er stets besser als die anderen Igel zu sein hatte, und die anderen Igel stets nachzogen, um auch besser zu werden, musste er seinerseits auch wieder besser werden, um überhaupt noch gut zu sein. Wo hörte das auf? Bei Gott? Dem Weltgeist? Es war teuflisch mit der Perfektion, eine existenzielle Zumutung, und vor allem: eine ewige Plackerei. Er fasste einen Plan. Er und sein Chef benötigten dringend einen Makel! Windschnittig legte Digel alle Stacheln an und eilte zum benachbarten Acker, auf dem der strebsame Biojungbauer eben mit dem Traktor die Saat ausbrachte. Heimlich, im Windschatten des Traktors, las Digel ein Weizenkorn nach dem anderen wieder auf. Körnerstreich hatten sie das in seiner Kindheit genannt. Er bunkerte die Körner in seinem Laubhaufen, der zu beachtlicher Größe anschwoll. Und Digel? Kicherte sich ins Pfötchen.

Strenge Richtlinien für beste Qualität

Demeter ist der älteste Bioverband, dessen Wurzeln bis 1924 reichen, und gilt als der mit den strengsten Richtlinien für die Erzeugung und Verarbeitung. Demeter-Landwirt*innen und -Hersteller*innen leisten mit der Biodynamischen Wirtschaftsweise erheblich mehr als die EU-Bio-Verordnung vorschreibt. Die Richtlinien verlangen unter anderem eine Gesamtbetriebsumstellung und eine obligatorische Tierhaltung für landwirtschaftliche Betriebe oder zumindest eine Kooperation mit Austausch von Futter und Mist sowie den Einsatz Biologisch-Dynamischer Präparate aus Kräutern, Mineralien und Kuhmist. Als einziger Verband verbietet er ausnahmslos das schmerzhafte Enthornen der Kühe sowie das Halten von auf Hornlosigkeit gezüchteter Rassen. Als erster Bioverband hat Demeter-Richtlinien für Pflanzenzüchtung entwickelt und zertifiziert biodynamisch gezüchtete Gemüse- und Getreidesorten. Bei der Verarbeitung sind nur wenige und absolut notwendige Zusatzstoffe und Prozesshilfsstoffe in der Verarbeitung erlaubt; Jodierung, Nitritpökelsalz und sogenannte „natür­liche Aromen“ sind verboten.

Mehr darüber, wie sich Demeter von EU-Bio unterscheidet

Fakt 15

Wir haben die strengsten Richtlinien. Alle Betei­ligten in der Wertschöpfungs­kette werden nach Demeter-Richtlinien zertifiziert und regelmäßig kontrolliert. Die Demeter-Gemein­schaft teilt aber auch ideelle Werte: Respekt vor der Natur, den höchsten Anspruch an Qualität sowie Ver­antwortung gegenüber Partner*innen und der Gesellschaft.

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