Ein Imkerleben

Honigschlecken und harte Arbeit

06.08.2018
Bienenwohnungen auf einer Wiese

Bilder: OND


Wie wird man Imker? Im Falle von Olaf Nils Dube lautet die Antwort: indem man sich neu erfindet.

Von Stephanie Eichler

Der gebürtige Sachse studierte Germanistik, Philosophie und Russistik. „Ich wollte ins Verlagswesen“, erzählt der 45-Jährige. Doch er fand den Berufseinstieg in der Wirtschaft und war bald Pressesprecher eines Immobilienverbands. Vor zehn Jahren hatte Olaf Dube genug – und wurde Imker. Dube, groß, blond, mit Schiebermütze, betreibt auf dem Stadtgut Blankenfelde im nördlichen Berlin seine Demeter-Imkerei. Auf dem Areal leben in einem alten Gutshaus aus Backstein und einem weiß getünchten Kurhaus rund 100 Personen. Dube ist für 150 Bienenvölker verantwortlich. „Im Frühsommer, wenn die Königinnen täglich bis zu 2 000 Eier legen, vergrößert sich der Bestand schlagartig und wächst pro Volk auf nahezu 50 000 Bienen an“, erzählt er. Dube arbeitet ohne Schutzkleidung – „Je weniger ich mich schütze, desto rücksichtsvoller verhalte ich mich“, weiß Dube; gestochen wird er kaum. Im Mai und Juni schaut er alle acht Tage nach den Völkern und kontrolliert die einzelnen Holzrähmchen mit den Waben. An den Weiselzellen, die wie ein Zapfen an den Waben hängen, erkennt Dube, ob die Bienen schon in Schwarmstimmung sind. In diesen Zellen reift aus einem Ei eine Königin heran. Um zu verhindern, dass Schwärme unkontrolliert ausziehen, führt Dube die Bienen in neue Völker über. „Meine Eingriffe sind nur pflegender Natur. Im Grunde können die Tiere alle ihre Anlagen ausleben“, berichtet er.

Olaf Dube
Olaf Dube hat ein Buch geschrieben: „Bienen und Menschen – eine Freundschaft“ erscheint im November 2018 im Inselverlag.

An seinen Händen hängt der Duft von Propolis, eine harzartige Substanz von Knospen, mit der die Bienen das Innere ihres Stocks auskleiden und desinfizieren. „Es riecht aromatisch-holzig und ist sehr heilsam“, sagt der Imker. „Ich bin ein sinnlicher Mensch“, sagt Dube lachend, „manchmal fühle ich mich bei der Arbeit wie im Paradies.“ Doch die Momente des Genießens sind kurz. Denn er muss sich oft beeilen: Um Sortenhonig zu produzieren, trägt er seine Stöcke zu den Pflanzen, die gerade blühen. Im Juni sind das beispielsweise die Robinien in der Märkischen Schweiz. Die Bäume mit brauner, tiefgefurchter Borke tragen dann ihre weißen, traubigen Blüten. Aus den nach Jasmin duftenden Schmetterlingsblüten sammeln die Bienen Nektar und verarbeiten ihn zu mildem und fruchtigem Akazienhonig. Doch „die Blüten sind sehr empfindlich, ein kräftiger Regenschauer kann ihre ohnedies schon kurze Blühdauer noch verknappen“, berichtet Dube.

Ein Neuanfang mit Bienen

„Ich habe eine Arbeit gefunden, die mir entspricht“, erzählt der Imker. Während einer Lebenskrise entschied er sich umzusatteln: „Krisen sind die wohl wichtigsten Zeiten. Sie sind genauso wertvoll wie schmerzhaft“, erinnert er sich. „Der Alltag im Büro wurde mir zum Verdruss.“ Dube wollte raus. Er und sein Arbeitgeber trennten sich im Guten und es begann eine Zeit der Besinnung. „Ich dachte häufig an meine Kindheit: Ich baute im Garten Kartoffeln an und hielt eine Horde Stallhasen“, sagt er. Sein Vater war Hobbyimker. So las Dube alle Bücher, die er zum Thema finden konnte und schaute Imkern bei der Arbeit über die Schulter. Dann legte er schließlich selbst los, mit sechs Bienenvölkern. Heute produziert der Imker Kornblumen-, Phacelia- und Obstblütenhonig. Auch den Nektar des gelb leuchtenden Raps veredeln seine Bienen zu mildem Rapshonig – „der ideale Kinderhonig“. Nicht für alle Sorten muss Dube wandern: Um minzig schmeckenden Lindenhonig herzustellen, lässt er seine Tiere direkt vom Stadtgut Blankenfelde aus losfliegen, zu den hellgelb blühenden, markant duftenden Linden der Umgebung – schlanke Bäume mit dick gerippter Borke und einer geschlossenen Krone aus herzförmigen Blättern. Dube liebt das Summen seiner Bienen; insgesamt wünscht er sich aber etwas mehr Ausgewogenheit. Mit einem Kompagnon oder einer Partnerin, um im Familienbetrieb zu imkern, könnte das gelingen. Um vom Imkern leben zu können, vertreibt Dube einen Großteil seines Honigs im Direktverkauf, samstags auf dem Wochenmarkt am Berliner Kollwitzplatz. Der Austausch mit seinen Kund*innen ist ihm wichtig.

„Es macht die Sache rund.“

Honig von glücklichen Bienen

Dube hält seine Bienen nach Demeter-Richtlinien „wesensgemäß“ und orientiert sich an ihren natürlichen Bedürfnissen: So greift der Imker nicht in den Wabenbau der Bienen ein, was einen höheren Drohnenanteil und damit einen etwas geringeren Ertrag zur Folge hat. Zudem vermehren sich die Bienenvölker natürlich über den Schwarmtrieb. Die Honiggewinnung verläuft schonend ohne den Einsatz von Wärme und die Lagerung in Plastikbehältern. So bleiben die Aromen und wertvollen Nährstoffe des Naturprodukts erhalten. Mehr dazu:

Dieser Artikel stammt aus dem Demeter Journal 38.

 
06.08.2018
Honigschlecken und harte Arbeit
Ein Imkerleben

Wie wird man Imker? Im Falle von Olaf Nils Dube lautet die Antwort: indem man sich neu erfindet.

Von Stephanie Eichler

Der gebürtige Sachse studierte Germanistik, Philosophie und Russistik. „Ich wollte ins Verlagswesen“, erzählt der 45-Jährige. Doch er fand den Berufseinstieg in der Wirtschaft und war bald Pressesprecher eines Immobilienverbands. Vor zehn Jahren hatte Olaf Dube genug – und wurde Imker. Dube, groß, blond, mit Schiebermütze, betreibt auf dem Stadtgut Blankenfelde im nördlichen Berlin seine Demeter-Imkerei. Auf dem Areal leben in einem alten Gutshaus aus Backstein und einem weiß getünchten Kurhaus rund 100 Personen. Dube ist für 150 Bienenvölker verantwortlich. „Im Frühsommer, wenn die Königinnen täglich bis zu 2 000 Eier legen, vergrößert sich der Bestand schlagartig und wächst pro Volk auf nahezu 50 000 Bienen an“, erzählt er. Dube arbeitet ohne Schutzkleidung – „Je weniger ich mich schütze, desto rücksichtsvoller verhalte ich mich“, weiß Dube; gestochen wird er kaum. Im Mai und Juni schaut er alle acht Tage nach den Völkern und kontrolliert die einzelnen Holzrähmchen mit den Waben. An den Weiselzellen, die wie ein Zapfen an den Waben hängen, erkennt Dube, ob die Bienen schon in Schwarmstimmung sind. In diesen Zellen reift aus einem Ei eine Königin heran. Um zu verhindern, dass Schwärme unkontrolliert ausziehen, führt Dube die Bienen in neue Völker über. „Meine Eingriffe sind nur pflegender Natur. Im Grunde können die Tiere alle ihre Anlagen ausleben“, berichtet er.

Olaf Dube
Olaf Dube hat ein Buch geschrieben: „Bienen und Menschen – eine Freundschaft“ erscheint im November 2018 im Inselverlag.

An seinen Händen hängt der Duft von Propolis, eine harzartige Substanz von Knospen, mit der die Bienen das Innere ihres Stocks auskleiden und desinfizieren. „Es riecht aromatisch-holzig und ist sehr heilsam“, sagt der Imker. „Ich bin ein sinnlicher Mensch“, sagt Dube lachend, „manchmal fühle ich mich bei der Arbeit wie im Paradies.“ Doch die Momente des Genießens sind kurz. Denn er muss sich oft beeilen: Um Sortenhonig zu produzieren, trägt er seine Stöcke zu den Pflanzen, die gerade blühen. Im Juni sind das beispielsweise die Robinien in der Märkischen Schweiz. Die Bäume mit brauner, tiefgefurchter Borke tragen dann ihre weißen, traubigen Blüten. Aus den nach Jasmin duftenden Schmetterlingsblüten sammeln die Bienen Nektar und verarbeiten ihn zu mildem und fruchtigem Akazienhonig. Doch „die Blüten sind sehr empfindlich, ein kräftiger Regenschauer kann ihre ohnedies schon kurze Blühdauer noch verknappen“, berichtet Dube.

Ein Neuanfang mit Bienen

„Ich habe eine Arbeit gefunden, die mir entspricht“, erzählt der Imker. Während einer Lebenskrise entschied er sich umzusatteln: „Krisen sind die wohl wichtigsten Zeiten. Sie sind genauso wertvoll wie schmerzhaft“, erinnert er sich. „Der Alltag im Büro wurde mir zum Verdruss.“ Dube wollte raus. Er und sein Arbeitgeber trennten sich im Guten und es begann eine Zeit der Besinnung. „Ich dachte häufig an meine Kindheit: Ich baute im Garten Kartoffeln an und hielt eine Horde Stallhasen“, sagt er. Sein Vater war Hobbyimker. So las Dube alle Bücher, die er zum Thema finden konnte und schaute Imkern bei der Arbeit über die Schulter. Dann legte er schließlich selbst los, mit sechs Bienenvölkern. Heute produziert der Imker Kornblumen-, Phacelia- und Obstblütenhonig. Auch den Nektar des gelb leuchtenden Raps veredeln seine Bienen zu mildem Rapshonig – „der ideale Kinderhonig“. Nicht für alle Sorten muss Dube wandern: Um minzig schmeckenden Lindenhonig herzustellen, lässt er seine Tiere direkt vom Stadtgut Blankenfelde aus losfliegen, zu den hellgelb blühenden, markant duftenden Linden der Umgebung – schlanke Bäume mit dick gerippter Borke und einer geschlossenen Krone aus herzförmigen Blättern. Dube liebt das Summen seiner Bienen; insgesamt wünscht er sich aber etwas mehr Ausgewogenheit. Mit einem Kompagnon oder einer Partnerin, um im Familienbetrieb zu imkern, könnte das gelingen. Um vom Imkern leben zu können, vertreibt Dube einen Großteil seines Honigs im Direktverkauf, samstags auf dem Wochenmarkt am Berliner Kollwitzplatz. Der Austausch mit seinen Kund*innen ist ihm wichtig.

„Es macht die Sache rund.“

Honig von glücklichen Bienen

Dube hält seine Bienen nach Demeter-Richtlinien „wesensgemäß“ und orientiert sich an ihren natürlichen Bedürfnissen: So greift der Imker nicht in den Wabenbau der Bienen ein, was einen höheren Drohnenanteil und damit einen etwas geringeren Ertrag zur Folge hat. Zudem vermehren sich die Bienenvölker natürlich über den Schwarmtrieb. Die Honiggewinnung verläuft schonend ohne den Einsatz von Wärme und die Lagerung in Plastikbehältern. So bleiben die Aromen und wertvollen Nährstoffe des Naturprodukts erhalten. Mehr dazu:

Dieser Artikel stammt aus dem Demeter Journal 38.