Glosse: Demeter-Mythen auf der Spur

Das Küken-Yoga

26.03.2018
Küken in verschiedenen Yoga-Positionen

Illustration: Julia Friese


„…Demeter? Da machen doch Küken Yoga, oder? Oder zumindest tanzen die Bauern ihre Namen? Auch nicht? Aber dann wenigstens weißgewandete Jungfrauen im Mondlicht?!“ – keine Frage, nicht ganz ernst gemeinte Klischees über Demeter begegnen uns immer wieder. In unserer neuen Rubrik „Demeter-Mythen auf der Spur“ gehen wir ihnen mit viel Augenzwinkern auf den Grund. Wer welche kennt, erzählt sie uns bitte über demeterjournal[ / at \ ]demeter [ / dot \ ] de (subject: Demeter-Mythen) , wir freuen uns darauf!

Küken macht YogaAus dem Tagtraum einer Demeter-Henne. Nennen wir sie Henna. Henna hat nicht nur Vorteile davon, dass ihr Hof nicht nur Demeter-zertifiziert ist, sondern auch noch Bruderhähne aufzieht. Zumindest nicht als junge Mutter. Neben Henne-Küken- Schwimmen, Klangschalenmassage und musikalischer Früherziehung steht nun auch noch Neugeschlüpften- Yoga auf dem Stundenplan ihres Sohnes. Und da steht heute tatsächlich „Mittwoch vierzehn Uhr: zwei Stunden Küken-Yoga. Einzelunterricht“. Sie packt Kikos Schafsfellmatte und seine mit klarem Wasser gefüllte Schnabelflasche in den Strohbeutel und macht sich mit ihm auf den Weg. Dieser führt neuerdings durch die extra angelegte Kükenallee aus Getreiderispen, die Henna und Kiko im Gehen herabpicken. Auch an eine Kükenbank auf dem Kükenhügel samt Kükenaussicht ist gedacht. Henna ist unentschlossen. Sie sieht den guten Willen hinter all dem und fürchtet doch, dieses Demeter-Wohlfühlprogramm wird ihren Sohn nur verweichlichen und verderben. Schließlich erreichen sie das Wohlfühlstudio. Die Yogalehrerin wartet schon. Sie bettet Kiko sanft auf die Matte und verpasst ihm eine ausgiebige Massage, er plustert sich auf, als sei er schon auf der Balz. Alles in allem bedenklich, findet Henna, die nur deswegen nicht aus der Rolle fällt, da sie den Demeter-Stempel auf ihrem Ei nicht verlieren will. Die Yogalehrerin schaltet sphärische Klänge hinzu. Dunkelt den Raum ab. Küken macht YogaErbittet Hennas gute Gedanken. Entzündet allerlei entspannendes Räucherwerk. Kiko liegt auf seiner Matte wie der Kaiser von China. Bräsig und bewegungslos. Zu alten Zeiten, grübelt Henna, wäre er, männlicher Nachkomme, schon nicht mehr am Leben. Nun lebt er in totaler Dekadenz. Dann geht’s los: Hund, Krähe, Kuhgesicht – Yoga-Asanas wollen gelernt sein. Sieht man an Kiko – keinerlei Körperspannung! Nachdem die beiden Stunden mit einem gemeinsamen Ooooooooom beendet sind, bekommt Kiko junge, mehlfeuchte Körner auf einem Silbertablett gereicht. Er schnappt sie nonchalant und ein wenig gelangweilt vom Blech. Henna deutet auf ihre Armbanduhr, es stehen noch „Prager Henne Kind Konvention“ (ein gemeinsames Dampfbad) und Wirtschaftschinesisch auf dem Programm. Denn auch im Biosektor gilt: Die Konkurrenz schläft nicht. Wenn die Kundschaft singende Küken wünschte, sangen die Küken. Wenn die Kundschaft besungene Eier wünschte, wurden die Eier besungen. Henna zieht Kiko eine wenig adrett aus dem Kleid stehende Feder heraus. Netzt seinen Scheitel mit Küken macht YogaHennenspeichel. Mahnt zur Eile. Mondtanz und Ackerküssen, Kükenfußball und Gruppenbasteln mit Naturmaterialien dürfen keinesfalls verpasst werden. Doch Kiko weigert sich mitzugehen. Er hat genug von frischer Luft und sauberem Wasser. Er langweilt sich. Sehnt sich nach dem echten Leben. Er hatte von Fabriken gehört, in denen seine Generationsgenossen zusammen in ganz engen Käfigen schliefen! Das stellte er sich laut, lustig und spannend vor.

Henna schüttelt den Kopf, als der Tagtraum droht, in einen Albtraum umzuschlagen, und öffnet ihre kleinen, runden Augen. Ruckartig dreht sie den Hals in alle Richtungen. Kiko, wo bist du? Gott sei Dank – da ist der kleine Flausch. Hochkonzentriert steht er auf einem Bein, mit nach oben gestreckten Flügeln. Seine Augen hat Kiko fest geschlossen, Henna glaubt ein kaum wahrnehmbares, noch helles Oooooom aus seinem Schnäbelchen zu vernehmen. Der macht doch gerade nicht etwa …?

Einen Bruderhahn zum Osterfest

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An Ostern dreht sich alles um das Ei. Oft dabei vergessen und verdrängt wird der Bruderhahn der Legehenne. Demeter und die Ökologische Tierzucht gGmbH (ÖTZ), eine gemeinsame Initiative von Demeter und Bioland, fordern: Die Bruderhähne – wie Kiko in unserer Glosse links – sollen leben dürfen! Fakt ist: Damit der Bruderhahn leben kann, muss er gegessen werden. Ein Bruderhahn-Braten ist nicht nur lecker, sondern eignet sich hervorragend für bewussten Fleischkonsum ohne Reue. Ein perfektes Gericht für die Ostertage! Männliche Küken aus der ÖTZ von Bioland und Demeter werden aufgezogen und dürfen leben. „Damit die Hahn-Henne- Ei-Bilanz ausgeglichen ist, müssten Familien, die wöchentlich rund zehn Eier verbrauchen, zwei Bruderhähne jährlich essen, damit die Rechnung aufgeht. Dies hat unser Partner, die Bruderhahn-Initiative Deutschland ausgerechnet“, erklärt ÖTZ-Geschäftsführerin Inga Günther. Bruderhähne haben etwas weniger auf den Rippen als herkömmliche Masthähne. Dafür schmecken sie aber hervorragend – Qualität statt Masse ist die Devise. Sie schmecken wie Hähnchenfleisch früher geschmeckt hat: intensiv und nach festem Fleisch, das deswegen auch etwas länger im Ofen bleiben sollte. Leckere Rezepte wie den „Bruderhahn im Römertopf“ mit Äpfeln oder den Klassiker „Coq au Vin“ finden Sie unter www.bruderhahn.de und www.oekotierzucht.de.

Die Ökologische Tierzucht gGmbH (ÖTZ), eine Kooperation von Demeter und Bioland, möchte das Ökohuhn von morgen züchten. Das kann beides: Eier und Fleisch. Das heißt, die Hühner legen Eier, die Hähne werden gemästet. – Kein Kükentöten mehr!

Dieser Artikel stammt aus dem Demeter Journal 37.

26.03.2018
Das Küken-Yoga
Glosse: Demeter-Mythen auf der Spur

„…Demeter? Da machen doch Küken Yoga, oder? Oder zumindest tanzen die Bauern ihre Namen? Auch nicht? Aber dann wenigstens weißgewandete Jungfrauen im Mondlicht?!“ – keine Frage, nicht ganz ernst gemeinte Klischees über Demeter begegnen uns immer wieder. In unserer neuen Rubrik „Demeter-Mythen auf der Spur“ gehen wir ihnen mit viel Augenzwinkern auf den Grund. Wer welche kennt, erzählt sie uns bitte über demeterjournal[ / at \ ]demeter [ / dot \ ] de (subject: Demeter-Mythen) , wir freuen uns darauf!

Küken macht YogaAus dem Tagtraum einer Demeter-Henne. Nennen wir sie Henna. Henna hat nicht nur Vorteile davon, dass ihr Hof nicht nur Demeter-zertifiziert ist, sondern auch noch Bruderhähne aufzieht. Zumindest nicht als junge Mutter. Neben Henne-Küken- Schwimmen, Klangschalenmassage und musikalischer Früherziehung steht nun auch noch Neugeschlüpften- Yoga auf dem Stundenplan ihres Sohnes. Und da steht heute tatsächlich „Mittwoch vierzehn Uhr: zwei Stunden Küken-Yoga. Einzelunterricht“. Sie packt Kikos Schafsfellmatte und seine mit klarem Wasser gefüllte Schnabelflasche in den Strohbeutel und macht sich mit ihm auf den Weg. Dieser führt neuerdings durch die extra angelegte Kükenallee aus Getreiderispen, die Henna und Kiko im Gehen herabpicken. Auch an eine Kükenbank auf dem Kükenhügel samt Kükenaussicht ist gedacht. Henna ist unentschlossen. Sie sieht den guten Willen hinter all dem und fürchtet doch, dieses Demeter-Wohlfühlprogramm wird ihren Sohn nur verweichlichen und verderben. Schließlich erreichen sie das Wohlfühlstudio. Die Yogalehrerin wartet schon. Sie bettet Kiko sanft auf die Matte und verpasst ihm eine ausgiebige Massage, er plustert sich auf, als sei er schon auf der Balz. Alles in allem bedenklich, findet Henna, die nur deswegen nicht aus der Rolle fällt, da sie den Demeter-Stempel auf ihrem Ei nicht verlieren will. Die Yogalehrerin schaltet sphärische Klänge hinzu. Dunkelt den Raum ab. Küken macht YogaErbittet Hennas gute Gedanken. Entzündet allerlei entspannendes Räucherwerk. Kiko liegt auf seiner Matte wie der Kaiser von China. Bräsig und bewegungslos. Zu alten Zeiten, grübelt Henna, wäre er, männlicher Nachkomme, schon nicht mehr am Leben. Nun lebt er in totaler Dekadenz. Dann geht’s los: Hund, Krähe, Kuhgesicht – Yoga-Asanas wollen gelernt sein. Sieht man an Kiko – keinerlei Körperspannung! Nachdem die beiden Stunden mit einem gemeinsamen Ooooooooom beendet sind, bekommt Kiko junge, mehlfeuchte Körner auf einem Silbertablett gereicht. Er schnappt sie nonchalant und ein wenig gelangweilt vom Blech. Henna deutet auf ihre Armbanduhr, es stehen noch „Prager Henne Kind Konvention“ (ein gemeinsames Dampfbad) und Wirtschaftschinesisch auf dem Programm. Denn auch im Biosektor gilt: Die Konkurrenz schläft nicht. Wenn die Kundschaft singende Küken wünschte, sangen die Küken. Wenn die Kundschaft besungene Eier wünschte, wurden die Eier besungen. Henna zieht Kiko eine wenig adrett aus dem Kleid stehende Feder heraus. Netzt seinen Scheitel mit Küken macht YogaHennenspeichel. Mahnt zur Eile. Mondtanz und Ackerküssen, Kükenfußball und Gruppenbasteln mit Naturmaterialien dürfen keinesfalls verpasst werden. Doch Kiko weigert sich mitzugehen. Er hat genug von frischer Luft und sauberem Wasser. Er langweilt sich. Sehnt sich nach dem echten Leben. Er hatte von Fabriken gehört, in denen seine Generationsgenossen zusammen in ganz engen Käfigen schliefen! Das stellte er sich laut, lustig und spannend vor.

Henna schüttelt den Kopf, als der Tagtraum droht, in einen Albtraum umzuschlagen, und öffnet ihre kleinen, runden Augen. Ruckartig dreht sie den Hals in alle Richtungen. Kiko, wo bist du? Gott sei Dank – da ist der kleine Flausch. Hochkonzentriert steht er auf einem Bein, mit nach oben gestreckten Flügeln. Seine Augen hat Kiko fest geschlossen, Henna glaubt ein kaum wahrnehmbares, noch helles Oooooom aus seinem Schnäbelchen zu vernehmen. Der macht doch gerade nicht etwa …?

Einen Bruderhahn zum Osterfest

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An Ostern dreht sich alles um das Ei. Oft dabei vergessen und verdrängt wird der Bruderhahn der Legehenne. Demeter und die Ökologische Tierzucht gGmbH (ÖTZ), eine gemeinsame Initiative von Demeter und Bioland, fordern: Die Bruderhähne – wie Kiko in unserer Glosse links – sollen leben dürfen! Fakt ist: Damit der Bruderhahn leben kann, muss er gegessen werden. Ein Bruderhahn-Braten ist nicht nur lecker, sondern eignet sich hervorragend für bewussten Fleischkonsum ohne Reue. Ein perfektes Gericht für die Ostertage! Männliche Küken aus der ÖTZ von Bioland und Demeter werden aufgezogen und dürfen leben. „Damit die Hahn-Henne- Ei-Bilanz ausgeglichen ist, müssten Familien, die wöchentlich rund zehn Eier verbrauchen, zwei Bruderhähne jährlich essen, damit die Rechnung aufgeht. Dies hat unser Partner, die Bruderhahn-Initiative Deutschland ausgerechnet“, erklärt ÖTZ-Geschäftsführerin Inga Günther. Bruderhähne haben etwas weniger auf den Rippen als herkömmliche Masthähne. Dafür schmecken sie aber hervorragend – Qualität statt Masse ist die Devise. Sie schmecken wie Hähnchenfleisch früher geschmeckt hat: intensiv und nach festem Fleisch, das deswegen auch etwas länger im Ofen bleiben sollte. Leckere Rezepte wie den „Bruderhahn im Römertopf“ mit Äpfeln oder den Klassiker „Coq au Vin“ finden Sie unter www.bruderhahn.de und www.oekotierzucht.de.

Die Ökologische Tierzucht gGmbH (ÖTZ), eine Kooperation von Demeter und Bioland, möchte das Ökohuhn von morgen züchten. Das kann beides: Eier und Fleisch. Das heißt, die Hühner legen Eier, die Hähne werden gemästet. – Kein Kükentöten mehr!

Dieser Artikel stammt aus dem Demeter Journal 37.