Projekt Anerkennung

Entwicklung als Alternative zur Zertifizierung

Foto: Uli Hampl, Projekt Anerkennung


Projektinfos

Projektlaufzeit: 01.01.2018 – 31.12.2022

Projektwebsite: Projekt Anerkennung

Ansprechpartnerin: Schirin Oeding, schirin [ / dot \ ] oeding[ / at \ ]demeter [ / dot \ ] de

Ziele

  • Eines der zentralen Projektziele ist die detaillierte Evaluierung inwiefern und bis zu welcher Ausprägung in diesem Zielkonflikt zwischen den einzelnen Gliedern der Wertschöpfungskette die landwirtschaftliche Kontrolle umgestaltet werden kann, ohne die Zustimmung einer der genannten Parteien im Grundsatz zu verlieren. 
  • Die Struktur des Demeter e.V. lebt von dem gemeinsamen Werdegang der Mitglieder: Das Leitbild des Verbandes weist darauf hin, dass die Richtlinien ein „selbstgeschaffenes Regelwerk von Mitgliedern für Mitglieder“ sind. Die Zusammenarbeit im Projekt Anerkennung zwischen dem Demeter Bundesverband, regionalen Erzeugervereinen und Betrieben ermöglicht im Sinne dieser Grundlage auch das Feststellen und Umsetzen gemeinsamer Ziele.

Basierend auf dem Leitbild des Demeter e.V. wird Folgendes entwickelt:

  1. Ein erweiterter, länderübergreifender Leitfaden für erweiterte Betriebsentwicklungsgespräche (eBEG) mit einem Methodenset zur gruppenbasierten Reflektion („Erzeugerhandbuch“)
  2. Eine Selbstauskunft und ein Richtlinien-Check der Betriebe mit Indikatoren und regulativen Mechanismen basierend auf einer überarbeiteten Demeter-Richtlinie und vor allem Demeter Grundsätzen aus dem Leitbild.
  3. Ein dynamisches Auswertungsverfahren für die Selbstauskunft.
  • Der Projektfokus ist die partizipative Entwicklung einer neuen Anerkennung für Demeter-Betriebe, die durch Selbstauskunft, Richtlinien-Check, dem Setzen von betriebsspezifischen Entwicklungszielen und dem Betriebsentwicklungsgespräch stattfindet.
  • Während des Projektes fließen jedes Jahr mehr Betriebe aus den jetzigen Regelkontrollen in die neue Anerkennung. Somit kann im Rahmen des Projektes und nach dem erfolgreichen Ablauf des Projektes die Regelkontrolle allgemein reduziert werden und die alternative Anerkennung mehr und mehr zur Regel werden.

Nutzen des Projektes für die biodynamische Bewegung

Ein tieferes Verständnis der biodynamischen Wirtschaftsweise als Grundlage der Gestaltung und Entwicklung von Betrieben erfordert natürlich eine Beschäftigung mit den geisteswissenschaftlichen Grundlagen dieser Art der Landwirtschaft. Es erfordert aber ebenso ein Erlebnis der Bewirtschaftungspraxis selber, um zu einer eigenen Motivation und Urteilsfähigkeit zu gelangen. Der Aufbau einer biodynamischen Bewirtschaftung stellt daher eine besondere Anstrengung mit Blick auf den eigenen Einsatz und Lernprozess dar. Unsere Arbeitshypothesen im Rahmen des Projektes stellen dar, dass das Verfahren einen Beitrag zur biodynamischen Bewirtschaftung von Betrieben leisten kann, da die Beschäftigung mit der Wirtschaftsweise hier zum intrinsischen Bestandteil des Anerkennungsverfahrens gemacht wird – aber eben nicht als Kontrollvorgabe, sondern als gemeinsame Aufgabe der Entwicklungsgemeinschaft aus Verband und Betrieben.

Projektbeschreibung

Die Fähigkeiten der Menschen, die unsere Höfe fordern, fördern und in die Zukunft bringen, müssen im Fokus jeglicher Entwicklung, die wir anstreben, stehen. Im Rahmen des Projektes Anerkennung testen wir ein Instrument, welches nicht nur für eine zukunftsfähige Agrikultur, sondern auch für eine robuste Gemeinschaftskultur im Einsatz ist.  

Um die zunehmende Stagnation des bestehenden Bio-Kontrollsystems aufzubrechen, brauchen wir ein umfangreiches Verständnis von möglichen Alternativen. Was müssen wir tun, um das Potential des einzelnen Betriebs in den Fokus zu bringen und den Menschen mit seinen Fähigkeiten in den Mittelpunkt zu rücken? Wie machen wir das, ohne die Qualitätssteigerung und -garantie aus dem Auge zu verlieren? Im Rahmen dieses Projektes wird nach Alternativen gesucht, diese werden weiterentwickelt und in der Praxis getestet.

Eine Richtlinienentwicklung, die immer wieder die detaillierte Richtschnur für den deutschen Biosektor neu ausrichtet, sowie ein vertrauensbildender Kontroll- und Zertifizierungsapparat haben Vorteile für den landwirtschaftlichen Betrieb. Sie werden von breiten Teilen der Mitgliedschaft in Verarbeitung und Handel sowie den Verbrauchern als wertvoll und Demeter spezifisch erlebt.

Es herrscht jedoch der Druck, insbesondere auf die Marke Demeter, sich durch immer enger gefasste Richtlinien, insbesondere gegenüber anderen Anbauverbänden, zu profilieren. Das führt bei Kontrollen zur Rationalisierung des Bewusstseins für den eigenen Hof und nicht zur Bewusstseinsbildung für den Hoforganismus. Außerdem besteht die Erwartung, durch den Ausbau der EU-Öko-Verordnung sowie der Demeter-Richtlinien, jedes Detail über Richtlinien zu regeln und zu kontrollieren. So ergibt sich eine Scheinsicherheit, da es für niemanden möglich ist, alle Regeln zu überblicken bzw. zu kontrollieren. Diese Gegebenheit führt dazu, dass das, was die biodynamische Wirtschaftsweise eigentlich ausmacht – Verantwortung, Initiative und Innovationskraft des Einzelnen und der Gruppe – immer mehr in den Hintergrund gerät.

Projektpartner / beteiligte Institutionen

 
 

Demeter e.V. (DeV), Deutschland; Vereinigung der Arbeitsgemeinschaften für Biologisch-Dynamische Wirtschaftsweise Baden-Württemberg e.V. (Demeter Baden-Württemberg), Deutschland

Auftraggeber: Vereinigung der Arbeitsgemeinschaften für Biologisch-Dynamische Wirtschaftsweise Baden-Württemberg e.V.

Förderung: Software AG Stiftung, www.sagst.de