UN-Biodiversitätskonferenz

Biologische Vielfalt schützen, Vorsorgeprinzip stärken!

23.11.2018
Hummel auf dem Acker

Blühstreifen neben einem Acker. Wenigstens zehn Prozent der Betriebsfläche widmen Demeter-Höfe dafür, die Artenvielfalt zu fördern. (Bild: Eva Müller, Demeter e.V.)


Auf der UN-Biodiversitätskonferenz im ägyptischen Sharm El Sheikh diskutieren Vertretrer*innen von mehr als 190 Staaten darüber, wie der weltweite Verlust der biologischen Vielfalt gestoppt werden kann. Die biologische Vielfalt ist auch die Basis der Ernährung für zukünftige Generationen – deshalb fordert Demeter, die Vielfalt zu schützen. Das Vorsorgeprinzip muss gestärkt werden, um Kontaminationen mit Gentechnik zu verhindern!

Was werden unsere Enkel essen? „Das können wir im Detail nicht wissen – aber klar ist: Die Vielfalt an Pflanzensorten, die von Bäuerinnen und Bauern weltweit gepflegt werden, ist eine Absicherung für die Ernährung der Zukunft. Eigenschaften wie Robustheit gegen bestimmte Krankheiten liegen einigen Pflanzen in den Genen, diese können bei Bedarf genutzt werden. Wir müssen die Vielfalt erhalten, um gegen zukünftige Herausforderungen gewappnet zu sein,“ fordert Antje Kölling, politische Sprecherin bei Demeter.

„In der Bio-Pflanzenzüchtung wird sorgsam mit diesem Erbe umgegangen. Hier setzen wir auf biologische Vielfalt, um Pflanzen für die Zukunft zu züchten. Diese Vielfalt muss vor Kontaminationen mit gentechnisch veränderten Organismen geschützt werden!“, ergänzt Kölling. Der Europäische Gerichtshof hat gerade bestätigt, dass auch neue Gentechnikverfahren wie Crispr/Cas dem Vorsorgeprinzip unterliegen. „Auch auf internationaler Ebene muss nun das Vorsorgeprinzip gestärkt werden, um zu verhindern, dass gentechnisch veränderte Organismen mit unabsehbaren Folgen ohne Regulierung in die Umwelt freigesetzt werden!“

Insekten und Wildpflanzen sind durch Ackergifte und monokulturelle Landschaften in ihrer Vielfalt bedroht. „Bio-Bäuerinnen und -Bauern verzichten auf den Einsatz von Ackergiften und setzen sich damit für mehr biologische Vielfalt ein. Demeter geht noch einen Schritt weiter: Wenigstens zehn Prozent der Betriebsfläche widmen Demeter-Höfe dafür, die Artenvielfalt zu fördern“, erklärt Alexander Gerber, Demeter Vorstand. „Deshalb muss die Ausweitung des ökologischen Landbaus sowie gezielter Umweltmaßnahmen bei der Neugestaltung der EU-Agrarpolitik Priorität haben. Öffentliche Gelder müssen in gesellschaftlich relevante Ziele investiert und den Höfen Entwicklungsperspektiven gegeben werden. Wir fordern: 70 Prozent des milliardenschweren EU-Agrarbudgets müssen ab 2021 verpflichtend in den Umwelt- und Klimaschutz fließen!“

Mehr zur Bio-Pflanzenzüchtung

Unsere Forderungen zur EU-Agrarpolitik

Hintergrund

Die UN-Biodiversitätskonferenz findet vom 17. bis 29. November 2018 im ägyptischen Sharm El Sheikh statt. Abgesandte aus mehr als 160 Ländern beraten hier über weitere Schritte im Rahmen der Biodiversitätskonvention (Convention on Biological Diversity, CBD), einem Umweltabkommen, das 1993 in Kraft getreten ist. Ziele des Abkommens sind unter anderem die Erhaltung der biologischen Vielfalt (genetische Vielfalt, Artenvielfalt, Vielfalt der Lebensräume) und die nachhaltige Nutzung der biologischen Vielfalt. Auf der Konferenz wird unter anderem auch die Regulierung von Freisetzungen von Organismen in die Umwelt, die mit neuen gentechnischen Verfahren hergestellt wurden, diskutiert (synthetische Biologie, Gene-Drive, CRISPR/Cas etc.).

Die Gefährdung der biologischen Vielfalt ist auch in Deutschland für uns alle spürbar: Heute gibt es dramatisch weniger Bienen, Fliegen und Schmetterlinge; der Krefelder-Studie nach sind es 75 Prozent weniger Fluginsekten als noch 1995. Dies hängt auch mit der Abnahme der Vielfalt an Wildpflanzen zusammen. Gründe für die Eintönigkeit auf den Wiesen und Feldern liegen auch im wachsenden Einsatz von chemisch-synthetischen Düngern und Pestiziden wie etwa Glyphosat. Im Jahr 2016 wurden in Deutschland 56.889 Tonnen chemisch-synthetische Pestizide gespritzt. Die Verwendung von auf maximalen Ertrag gezüchteten Pflanzensorten, monokulturelle Landschaften statt vielfältiger Fruchtfolgen und der Einsatz von Pestiziden sind Folgen einer Landwirtschaft, die unter enormem Druck steht, Gewinne zu maximieren, wobei die negativen Effekte für Umwelt und Gesellschaft nicht in der Kostenrechnung auftauchen.

Die biodynamische und die Bio-Pflanzenzüchtung setzen auf eine breite genetische Basis, um robuste Landbausysteme zu unterstützen, die mit wenig Input auskommen. Neben der Züchtung spielen Fruchtfolgen und die Förderung von Nützlingen beispielsweise durch Landschaftselemente eine wichtige Rolle im Ökolandbau. Die Bio-Züchtung verfolgt einen ganzheitlichen Ansatz, auch bei der Vorbeugung von Pflanzenkrankheiten: Robuste Pflanzen und vielfältige Agrarsysteme können Krankheits- und Schädlingswellen besser überstehen.

23.11.2018
Biologische Vielfalt schützen, Vorsorgeprinzip stärken!
UN-Biodiversitätskonferenz

Auf der UN-Biodiversitätskonferenz im ägyptischen Sharm El Sheikh diskutieren Vertretrer*innen von mehr als 190 Staaten darüber, wie der weltweite Verlust der biologischen Vielfalt gestoppt werden kann. Die biologische Vielfalt ist auch die Basis der Ernährung für zukünftige Generationen – deshalb fordert Demeter, die Vielfalt zu schützen. Das Vorsorgeprinzip muss gestärkt werden, um Kontaminationen mit Gentechnik zu verhindern!

Was werden unsere Enkel essen? „Das können wir im Detail nicht wissen – aber klar ist: Die Vielfalt an Pflanzensorten, die von Bäuerinnen und Bauern weltweit gepflegt werden, ist eine Absicherung für die Ernährung der Zukunft. Eigenschaften wie Robustheit gegen bestimmte Krankheiten liegen einigen Pflanzen in den Genen, diese können bei Bedarf genutzt werden. Wir müssen die Vielfalt erhalten, um gegen zukünftige Herausforderungen gewappnet zu sein,“ fordert Antje Kölling, politische Sprecherin bei Demeter.

„In der Bio-Pflanzenzüchtung wird sorgsam mit diesem Erbe umgegangen. Hier setzen wir auf biologische Vielfalt, um Pflanzen für die Zukunft zu züchten. Diese Vielfalt muss vor Kontaminationen mit gentechnisch veränderten Organismen geschützt werden!“, ergänzt Kölling. Der Europäische Gerichtshof hat gerade bestätigt, dass auch neue Gentechnikverfahren wie Crispr/Cas dem Vorsorgeprinzip unterliegen. „Auch auf internationaler Ebene muss nun das Vorsorgeprinzip gestärkt werden, um zu verhindern, dass gentechnisch veränderte Organismen mit unabsehbaren Folgen ohne Regulierung in die Umwelt freigesetzt werden!“

Insekten und Wildpflanzen sind durch Ackergifte und monokulturelle Landschaften in ihrer Vielfalt bedroht. „Bio-Bäuerinnen und -Bauern verzichten auf den Einsatz von Ackergiften und setzen sich damit für mehr biologische Vielfalt ein. Demeter geht noch einen Schritt weiter: Wenigstens zehn Prozent der Betriebsfläche widmen Demeter-Höfe dafür, die Artenvielfalt zu fördern“, erklärt Alexander Gerber, Demeter Vorstand. „Deshalb muss die Ausweitung des ökologischen Landbaus sowie gezielter Umweltmaßnahmen bei der Neugestaltung der EU-Agrarpolitik Priorität haben. Öffentliche Gelder müssen in gesellschaftlich relevante Ziele investiert und den Höfen Entwicklungsperspektiven gegeben werden. Wir fordern: 70 Prozent des milliardenschweren EU-Agrarbudgets müssen ab 2021 verpflichtend in den Umwelt- und Klimaschutz fließen!“

Mehr zur Bio-Pflanzenzüchtung

Unsere Forderungen zur EU-Agrarpolitik

Hintergrund

Die UN-Biodiversitätskonferenz findet vom 17. bis 29. November 2018 im ägyptischen Sharm El Sheikh statt. Abgesandte aus mehr als 160 Ländern beraten hier über weitere Schritte im Rahmen der Biodiversitätskonvention (Convention on Biological Diversity, CBD), einem Umweltabkommen, das 1993 in Kraft getreten ist. Ziele des Abkommens sind unter anderem die Erhaltung der biologischen Vielfalt (genetische Vielfalt, Artenvielfalt, Vielfalt der Lebensräume) und die nachhaltige Nutzung der biologischen Vielfalt. Auf der Konferenz wird unter anderem auch die Regulierung von Freisetzungen von Organismen in die Umwelt, die mit neuen gentechnischen Verfahren hergestellt wurden, diskutiert (synthetische Biologie, Gene-Drive, CRISPR/Cas etc.).

Die Gefährdung der biologischen Vielfalt ist auch in Deutschland für uns alle spürbar: Heute gibt es dramatisch weniger Bienen, Fliegen und Schmetterlinge; der Krefelder-Studie nach sind es 75 Prozent weniger Fluginsekten als noch 1995. Dies hängt auch mit der Abnahme der Vielfalt an Wildpflanzen zusammen. Gründe für die Eintönigkeit auf den Wiesen und Feldern liegen auch im wachsenden Einsatz von chemisch-synthetischen Düngern und Pestiziden wie etwa Glyphosat. Im Jahr 2016 wurden in Deutschland 56.889 Tonnen chemisch-synthetische Pestizide gespritzt. Die Verwendung von auf maximalen Ertrag gezüchteten Pflanzensorten, monokulturelle Landschaften statt vielfältiger Fruchtfolgen und der Einsatz von Pestiziden sind Folgen einer Landwirtschaft, die unter enormem Druck steht, Gewinne zu maximieren, wobei die negativen Effekte für Umwelt und Gesellschaft nicht in der Kostenrechnung auftauchen.

Die biodynamische und die Bio-Pflanzenzüchtung setzen auf eine breite genetische Basis, um robuste Landbausysteme zu unterstützen, die mit wenig Input auskommen. Neben der Züchtung spielen Fruchtfolgen und die Förderung von Nützlingen beispielsweise durch Landschaftselemente eine wichtige Rolle im Ökolandbau. Die Bio-Züchtung verfolgt einen ganzheitlichen Ansatz, auch bei der Vorbeugung von Pflanzenkrankheiten: Robuste Pflanzen und vielfältige Agrarsysteme können Krankheits- und Schädlingswellen besser überstehen.