Eine Herausforderung für die gesamte Gesellschaft

Stellungnahme zur Corona-Krise

27.01.2021

Einer der Hauptaugenmerke unserer Demeter-Bewegung ist die Gesundheit von Boden, Pflanzen, Tier und Mensch. Dies versuchen wir durch einen ganzheitlichen und auf den Naturwissenschaften aufbauenden, erweiterten Blick zu erreichen. Deshalb liegt uns sehr viel daran, dass die durch COVID-19 verursachten körperlichen, seelischen und psychosozialen Leiden bekämpft werden.

Die Unterbrechung der Infektionsketten und die Impfung (dazu ein Link) sind wesentliche Maßnahmen, um dieses Ziel zu erreichen. Allerdings sind sie nicht alles. Für den Umgang mit dem Virus ist es auch wichtig, jetzt alles zu tun, was den Menschen konstitutionell stärkt: Rhythmus, Bewegung und Sport, gesunde Ernährung und soziales Miteinander – wenn auch mit Distanz. Zudem kennen wir aus der anthroposophischen Medizin Therapien, die diesen konstitutionellen Ansatz gut stützen und fördern.

Da wir kein medizinischer Fachverband sind, äußern wir uns nicht im Detail zu Erkenntnissen oder Maßnahmen bezüglich COVID-19. Aber die aktuelle Pandemie erfordert mehr als Fachdiskussionen, denn sie ist eine Herausforderung für die gesamte Gesellschaft. Die Krise wirkt wie ein Brennglas, sie bringt gesellschaftliche Brüche und krude Denkansätze zu Tage.

Aus diesem Grund sehen wir uns in der Verantwortung, hier Stellung zu beziehen:

Wir sehen die Corona-Pandemie als eine ernstzunehmende Herausforderung für die Gesellschaft und COVID-19 als eine Krankheit mit hohen Risiken. Die Zahlen der Infektionen, der belegten Krankenhausbetten und der Todesfälle sind täglich nachzulesen. Sie sind nicht nur „statistische Größen“ - zunehmend kennen die meisten in ihrem Bekanntenkreis Menschen mit unterschiedlich schweren Krankheitsverläufen, langanhaltenden Post-COVID-Symptomen oder haben gar tragische Todesfälle zu beklagen.

Von sektiererischen, antiaufklärerischen Strömungen wie etwa der Querdenken-Bewegung und Verschwörungstheorien zu COVID-19 distanzieren wir uns in aller Klarheit. Die globale Pandemie kann nur gestoppt werden, wenn wir auf die Erkenntnisse von gut vernetzten und aktiv forschenden Wissenschaftler*innen vertrauen können. Wir haben das Glück, dass sich hervorragende Wissenschaftler*innen für die Pandemiebekämpfung engagieren und dazu transparent kommunizieren.

Wissenschaft allein kann keine Pandemie besiegen – dafür braucht es auch vernünftige politische Entscheidungen und eine solidarische Gesellschaft. Sich über Einzelheiten der Maßnahmen zu streiten, gehört in einer Demokratie dazu. Wir befürworten jedoch mit aller Deutlichkeit die klare Richtung der Maßnahmen: Physische Kontakte soweit möglich vermindern, Abstand halten, Maske auf, Hygieneregeln, Impfkampagnen (dazu ein Link). Es geht darum, die Mitmenschen zu schützen, die Krankenhäuser zu entlasten, als Gesellschaft zusammenzustehen.

Als Mitgliedsorganisation der biologischen Land- und Lebensmittelwirtschaft sehen wir unsere Aufgabe in Krisenzeiten – wie auch der derzeitigen Corona-Krise – vor allem darin, dass die Menschen sicher, ausreichend und abwechslungsreich mit Lebensmitteln versorgt werden. Seit März wird unsere interne Kommunikation daher auch davon bestimmt, unsere Mitglieder zu informieren, wie sie ihren Arbeitsalltag so gestalten können, dass sie sich, ihre Mitarbeiter*innen und ihre Kund*innen vor Ansteckungen schützen können.

Der internationale Biodiversitätsrat IPBES warnt vor weiteren neuen Krankheiten, die von Tieren auf Menschen übergehen könnten. Die Expert*innen sehen vor allem die stetige Ausweitung und Intensivierung der Land- und Forstwirtschaft und die dahinterstehenden, auf Verschwendung und Überkonsum angelegten, Produktions- und Handelssysteme als Ursache für die Zerstörung der Natur und den erhöhten Kontakt zwischen Wildtieren, Vieh, Krankheitserregern und Menschen. Dies wird als ein Weg zu Zoonosen und Pandemien beurteilt. Hier sehen wir einen Ansatzpunkt für unsere weitere Arbeit – denn wir treten ein für ein Ernährungssystem, das auf Nachhaltigkeit setzt und mit der statt gegen die Natur arbeitet.