Deutschlands beste Bio-Läden 2019 gekürt

Bester Hofladen: Demeter-Hof Klostersee

14.02.2019
Gruppenfoto bei Preisübergabe

Auf der BIOFACH in Nürnberg wurden die besten Bioläden Deutschlands 2019 gekürt. Fast 48.000 Verbraucher*innern wählten die Gewinner im Rahmen einer Leserwahl der Schrot&Korn. Bewertet wurden insgesamt 2.728 Läden. Es gibt Urkunden in vier Ladenkategorien, damit jede Ladengröße eine Chance hat: Hofläden, kleine Bio-Läden (bis 99 m2), mittlere Bio-Fachgeschäfte (bis 399 m2) sowie Bio-Supermärkte (ab 400 m2).

Bester Hofladen – wo andere Urlaub machen

Der Gewinner in der Kategorie „Hofladen“ ist der Hofladen Klostersee in Grömitz an der Ostsee (Schleswig-Holstein). In der Lübecker Bucht gelegen, ist der Hofladen eingebunden in den landwirtschaftlichen Demeter-Betrieb Klostersee mit Ackerbau und Viehwirtschaft auf 150 Hektar Land. So stammen Käse und Milchprodukte im Laden aus der eigenen Käserei, Brot, Kuchen und Gebäck aus der eigenen Backstube. Auch Wurst- und Fleischprodukte kommen vom Hof. Gut 35 Prozent im Sortiment sind Produkte aus eigener Herstellung, der Rest ist ein Bio-Vollsortiment.

Für den Laden verantwortlich sind Gerlinde und Alberto Ariberti, Mitglieder der 5-köpfigen Betriebsgemeinschaft, die den Hof zusammen mit zahlreichen Mitarbeitern betreibt. Gerlinde Ariberti kam bereits 1987 auf den Hof, im Jahr 1988 startete der erste Hofladen auf 10 qm. Heute sind es 150 qm in einem alten Wirtschaftsgebäude des etwa 150 Jahre alten Hofensembles. Dem Besucher erstreckt sich ein ästhetischer, heller Verkaufsraum mit schönen alten Holzbalken. Blickfang ist die riesige Frische-Theke für Käse, Fleisch und Backwaren. Der Laden besitzt ein kleines angeschlossenes Hof-Café mit Außengastronomie. Bei milden Temperaturen lässt es sich hier bestens draußen sitzen. Kulinarisches Geheimnis sind sicher die von Alberto Ariberti ausgesuchten italienischen Spezialitäten, Antipastis sowie die Vielfalt hausgemachter Kuchen.

Auch das Brot zeichnet etwas Besonderes aus: die lange Teigführung. Dem Teig wird mehr Zeit gelassen, sodass er bekömmlicher werde. Auch Backkurse kommen daher gut an. Kunden und Feriengäste können den Hof besichtigen, sich umgucken, mit ihren Kindern die Tiere besuchen wie Kühe, Schweine oder Hühner.

Den Menschen auf dem Hof ist artgerechte Haltung sehr wichtig. So gibt es beispielsweise eine muttergebundene Kälberaufzucht. Hier können die Kälber 12 Wochen bei ihrer Mutter trinken – viel länger als anderswo. Der Hof wird nach anthroposophischen Grundsätzen geführt. Von Anfang an war es das Ziel, den 1990 auf Demeter umgestellten Hof aus dem Erbstrom herauszulösen und in die Gemeinnützigkeit zu überführen. Seit 1997 ist der Eigentümer von Hof Klostersee daher der „Verein zur Förderung der biologisch-dynamischen Landwirtschaft, der Kultur und der Sozialarbeit auf dem Land“.

„Unser Antrieb ist nicht die Gewinnm­aximierung“, so die Aribertis. Die direkte Nähe zwischen Landbewirtschaftung, Tierhaltung und Menschen ist allen aus der Betriebsgemeinschaft wichtig. „Die Leute sollen sehen, wo ihre Lebensmittel herkommen, wer sie macht.“

Neben dem Laden und der Landwirtschaft gibt es auch Ferienwohnungen sowie das Wohnprojekt „Altenscheune“ mit aktiver Teilhabe der Bewohner am bäuerlichen Gemeinschaftsleben. Mittlerweile ist der Hof Klostersee auch ein Demonstrationsbetrieb Ökologischer Landbau. Hofläden wie Klostersee verkörpern Authentizität und unmittelbar erlebbare Grundwerte eines ökologischen und sozialen Wirtschaftens im Einklang mit der Natur. Die persönliche Überzeugung und das Engagement der Betreiber für eine lebenswerte Zukunft sind im Laden besonders spürbar. Neben einheimischen Stammkunden wie junge Familien, Waldorfeltern, Senioren und Menschen aus umliegenden Dörfern kommen im Sommer auch zahlreiche Feriengäste aus der Umgebung.

 „Die Leserwahl hat einmal mehr gezeigt, dass erfolgreiche Bioläden sehr stark von persönlichen und standortspezifischen Konzepten geprägt sind“, sagt Dietmar Ingenbleek, Vertriebsleiter beim bio verlag. Und weiter: „Die Bio-Geschäfte haben in vielerlei Hinsicht mehr zu bieten, als reine Bio-Lebensmittel zu verkaufen. Ihnen gelingt es, sich deutlich von eher unpersönlichen Supermärkten und deren Bio-Sortimenten zu differenzieren.“ Bei der Leserwahl zeichnete sich ab, dass auf die Kundengeneration, die mit dem Fachhandel aufgewachsen ist und ihn gestärkt hat, nun zunehmend eine jüngere Generation der „Millenials“ nachwächst. Dieser geht es vor allem darum, Individualität und persönlichen Lifestyle mit sozialer Verantwortung zu verbinden. „Es geht ihnen um ethischen Konsum“, erläutert Ingenbleek. „Wer also ein authentisches, faires Bio-Einkaufserlebnis suche, wird auch in Zukunft den Fachhandel aufsuchen“. 

Weitere Gewinner

In der Kategorie kleinen Bio-Läden (bis 99 m2) hat die Kornecke,  Naturkostladen in Höhr-Grenzhausen (Rheinland-Pfalz) gewonnen. Die Goldmedaille für das beste mittelgroße Bio-Fachgeschäft (100 bis 399 m2) geht an den Berghofer Biostadl in Halblech/ Ostallgäu (Bayern). Der Gold-Gewinner bei den Bio-Supermärkten ist kein Unbekannter: Bereits zum dritten Mal geht die Schrot&Korn-Ähre an ebl Laufamholz in Nürnberg.