Lebensmittelgipfel im Kanzleramt

Den Preiskrieg stoppen – und wahre Preise einführen

03.02.2020
Frau vor Kühlregal

Bild: Fotostudio Viscom


Was ist Landwirtschaft wert? Was ist die Arbeit der Bäuerinnen und Bauern wert? Beim Blick auf die mit Niedrigstpreisen ausgezeichneten Lebensmittel im Supermarktregal kommt man zu dem Schluss: Wenig. Anlässlich des Lebensmittelgipfels im Kanzleramt mit Vertretern aus Landwirtschaft, Handel und Politik fordert Demeter: Schluss mit dem Preiskrieg im Supermarktregal! Und: wahre Preise, bitte!

Ob Demeter- oder Bio-Landwirt*innen oder unsere konventionell wirtschaftenden Kollegen: Alle investieren viel Geld, Arbeit und Herzblut in die Produktion hochwertiger Lebensmittel. Doch nur wenn die Familien, die von den Betrieben leben, ein Auskommen und damit eine Existenz und Zukunft haben, werden wir auch künftig gute Lebensmittel haben. „Billigpreise führen dazu, dass die Lebensmittel nichts mehr wert sind – auch im übertragenen Sinn. Lebensmittel wertzuschätzen heißt auch, die Arbeit derer wertzuschätzen, die ganz an der Basis dafür sorgen, dass sie auf den Tisch kommen: die Bäuerinnen und Bauern. Sie sind die Grundlage unserer Gesundheit und tragen wesentlich zu unserem Wohlbefinden bei. Das wird durch Preisdumping mit Füßen getreten“, sagt Demeter-Vorstand Alexander Gerber.

Gut ist, dass Kanzlerin Merkel das Thema zur Chefsache gemacht hat. Jetzt müssen jedoch konkrete Schritte folgen. Gerber appelliert an die Teilnehmer*innen des Lebensmittelgipfels – Vertreter des Handels, unter anderem aus den vier großen Handelsketten Edeka, Rewe, Aldi und der Schwarz-Gruppe (Lidl, Kaufland), sowie der Politik, darunter Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner, die brandgefährliche Entwicklung bei den Lebensmittelpreisen zu stoppen. Denn sie führt nicht nur dazu, dass immer mehr Höfe aufgeben, sondern, dass Lebensmittelproduktion zu Lasten von Umwelt und Tierwohl gehen und sich tiefe Gräben zwischen den Bäuerinnen und Bauern und der restlichen Gesellschaft sowie zwischen Stadt und Land auftun. „Erzeuger dürfen nicht als letztes Glied in der Wertschöpfungskette von der Gnade des Handels abhängen, der die Preise existenzgefährdend drückt. Nicht nur der Anstand, sondern auch die Vernunft gebietet es, dass sie angemessene Preise für gute Arbeit bekommen müssen. Hört auf mit der ‚Geiz-ist-geil-Mentalität!‘“, fordert er von den großen Handelsketten. Von der Politik erwartet er, dass sie der heute gängigen Praxis einen Riegel vorschiebt, die eine Existenzen vernichtende Preisspirale nach unten zur Folge hat: „Nur wenn dieser Preiskrieg gestoppt wird, bekommen die Lebensmittel sowie ihre Erzeuger auch beim Verbraucher wieder die Wertschätzung, die sie verdienen – und eine Zukunftsperspektive. Sozialpolitik für Menschen mit niedrigem Einkommen muss an anderer Stelle und nicht mit niedrigen Lebensmittelpreisen auf dem Rücken der Bäuer*innen gemacht werden“.

Die Preise lügen

Die Niedrigstpreise bei konventionellen Produkten haben auch Auswirkungen auf das Bio-Segment. Gegenüber den konventionell erzeugten Produkten empfinden sie preissensible Verbraucher*innen oft als sehr hoch. Das Problem dabei: Auf dem Preisschild der konventionell erzeugten Produkte steht nicht der wahre Preis – und so ist der Wettbewerb verzerrt. „Die niedrigen Preise auf vielen Produkten lügen. Denn für sie bezahlt man die Kosten zweimal“, erklärt Gerber. „Einmal an der Supermarktkasse, und dann nochmals – nämlich für Umweltschäden, die bei der Produktion entstanden sind, darunter die Verschmutzung von Gewässern, Klimawandelfolgen, Artenverluste. „Es wäre nur fair – und das ist unsere Forderung an die Politik! –, dass diejenigen, die Pestizide herstellen oder anwenden, auch für die ökologischen und sozialen Folgekosten aufkommen müssen. Wenn die Preisschilder die Folgekosten mit eingepreist hätten, würden sich die Preise für Bio- und konventionell erzeugte Waren kaum unterscheiden“, so Gerber.

Weitere Informationen:

Die Proteste und Diskussionen des letzten Jahres zeigen im Brennglas: Landwirtschaft muss sozial und ökologisch nachhaltig gestaltet werden, dazu muss sich die Agrarpolitik neu ausrichten.