Nachruf

Demeter nimmt Abschied von zwei biodynamischen Pionieren

28.07.2021
Portraits von Peter Förster und Karl Tress in schwarz-weiß

links: Karl Tress | rechts: Peter Förster


Die Demeter-Gemeinschaft nimmt Abschied von zwei Pionieren, die die biodynamische Landwirtschaft wesentlich mitgeprägt haben:

Landwirt Karl Tress ist am 20. Juli in seinem 92. Lebensjahr eingeschlafen. Er stellte den elterlichen Hof im Lautertal auf der Schwäbischen Alb 1954 auf Demeter um, in einer Zeit, als bio und biodynamisch kaum bekannt waren.

Landwirt Peter Förster verstarb am 3.7. kurz vor Vollendung seines 86. Lebensjahres. Er baute als tatkräftiger Landwirt ab 1969 gemeinsam mit seiner Frau den biodynamischen Eichwaldhof bei Darmstadt zu einem eigenständigen Betrieb aus.

Biodynamisch von der Idee in die Praxis gebracht

Was hat diese beiden Menschen bewegt, in einer Zeit, als Modernisierung der Landwirtschaft mit neuer, größerer Technik und chemisch-synthetischen Hilfsstoffen verbunden wurde, den biodynamischen Weg voll Konsequenz zu gehen? Sie haben die Bedeutung einer nachhaltigen Landwirtschaft erkannt, lange bevor Klimakrise und Artensterben in allen Medien waren. Sicher waren sie auch streitbare Charaktere, die sich mit Leib und Seele für die biodynamische Idee einsetzen.

Von Karl Tress ist der Satz überliefert: „Mit Kunst-Dünger ist es eben keine Kunst, Bauer zu sein“. Aufgrund einer Erkrankung des Vaters musste er bereits mit 15 Jahren den elterlichen Hof gemeinsam mit seinem Bruder führen, was keine leichte Aufgabe war. Lag doch der Hof im Tal der Lauter und die Felder auf der Hochebene. Nebenbei  absolvierte er die landwirtschaftliche Ausbildung und später auch die Meisterprüfung. Gemeinsam mit seiner Frau stellte er den Hof 1954 auf Demeter um, bio und biodynamisch waren damals kaum bekannt. 1968/69 erfolgte die Aussiedlung auf die Hochebene, der Betrieb wird heute bereits von der dritten Generation biodynamisch bewirtschaftet. Karl Tress wurde bis zuletzt nicht müde, die Vorzüge der biodynamischen Landwirtschaft weiterzutragen. Er war ein gefragter Redner bei Einführungskursen für umstellungswillige Landwirt:innen, bei Demeter-Tagungen, bei zahlreichen Treffen der Hausgärtner:innen. Viele Jahre war er auch im ehrenamtlichen Vorstand der 1960 gegründeten biodynamischen Vereinigung in Baden-Württemberg aktiv. Er veröffentlichte zwei eigene Bücher und bildete mehr als dreißig Lehrlinge aus. Für herausragende Leistungen in der Landwirtschaft erhielt er 1989 die Staatsmedaille in Gold des Landes Baden-Württemberg.

Als Berliner Kind und Waldorfschüler ging Peter Förster nach einer soliden landwirtschaftlichen Ausbildung und höherer Landbauschule sechs Jahre nach Tansania. Hier, auf einer Kaffeeplantage brachte ihn der bedenkenlose Pestizidsatzes zur Abkehr von dieser Form der Landwirtschaft. Zunächst im Landhandel aktiv, übernahm Peter Förster dann den Eichwaldhof. Peter Försters Leidenschaft galt dem Rotvieh, das er züchtete, was ihm Auszeichnungen einbrachte. Für den vorbildlichen Landwirt war dies nicht die einzige Anerkennung: der Preis des Bundespräsidenten für beispielhafte Leistungen in der Landwirtschaft, der Schweisfurth-Stiftung für eine zukunftsweisende ökologische Landwirtschaft, der Umweltpreis der Stadt Darmstadt und der Hessische Staatsehrenpreis würdigten seine Aktivitäten. Zu denen gehörte auch die Ausbildung von 38 biodynamischen Lehrlingen. Er engagierte sich weit über seinen Hof hinaus, in vielen Fachgremien rund um die Landwirtschaft, im Bauernverband, in der AGÖL, dem Vorläufer des BÖLW, in der Rentenbank, aber auch im Lions Club, war Mitglied in der SPD. Für ihn galt: „Wenn wir das Biodynamische vernünftig machen, kann es Vorbild für die ganze Landwirtschaft sein. Wenn ich noch mal auf die Welt kommen sollte, möchte ich wieder Landwirt werden.“