MittwochsBlog

Von reitenden Boten

19.04.2017
Regal im Bioladen

Amazone – bevor das Internet in jeden Haushalt kam, stand das noch für reitende Bogenschützinnen in der Antike, die jenseits von üblichen Geschlechterstereotypen Städte gründeten und wehrhaft waren. Frauen, die selbstständig und entschlossen handeln. Und Amazonas war der Inbegriff eines riesigen, vielarmigen Flusses, unergründlicher Waldgebiete, biologischer Vielfalt. Gebe ich „amazo...“ heute bei Google ein, kommen solche Informationen vielleicht auf Seite 5. Neulich stand in der Berliner Zeitung: „Amazon bringt bald auch das Abendessen“. Leider kommen die Boten da wohl weder auf dem Pferderücken, noch geht es um biologische Vielfalt. Sondern eher um einen weiteren Schritt in Richtung Konzentration auf dem Lebensmittelmarkt.

Auch die großen Lebensmitteleinzelhändler setzen zunehmend auf Lieferservice. Essen nach Hause liefern zu lassen muss nicht schlecht sein. Immerhin waren ja viele Biohöfe mit ihren Gemüse-Abo-Kisten Pioniere der Essensanlieferung. Aber diese Abokisten schafften Wertschöpfung in der Region und ein direkteres Band zwischen Hof und Endkunden. Essen liefern lassen ist eine Alternative für Alltagsgestresste zum Taschen-schleppen und oft auch zur Parkplatzssuche. Trotzdem haben Wochenmarkt und Bio- oder Lebensmittelladen weiter ihre Rolle gespielt. Doch wenn jetzt „die ganz Großen“ –  alles aus einer Hand vor die Haustür – das Essen bringen: Werden noch mehr Geschäfte in den Innenstädten schließen, und dafür unsere Straßen von noch mehr Lieferwagen vollgestellt sein?

Im Buchgeschäft stöbern, sich im Bioladen vom Gemüse zum Kochen inspirieren lassen oder im Klamottenladen prüfen, ob der schöne Pullover auch angezogen gut aussieht – ist durchaus ein Stück Lebensqualität. „Support your local store“ – Einkaufen gehen statt bestellen wird zunehmend ein Statement für eine auch lokal verankerte Wirtschaft.

Den MittwochsBlog verfasst diesmal Antje Kölling, Leiterin der Abteilung Politik & Öffentlichkeitsarbeit.

Weiterführende Links:

19.04.2017
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Amazone – bevor das Internet in jeden Haushalt kam, stand das noch für reitende Bogenschützinnen in der Antike, die jenseits von üblichen Geschlechterstereotypen Städte gründeten und wehrhaft waren. Frauen, die selbstständig und entschlossen handeln. Und Amazonas war der Inbegriff eines riesigen, vielarmigen Flusses, unergründlicher Waldgebiete, biologischer Vielfalt. Gebe ich „amazo...“ heute bei Google ein, kommen solche Informationen vielleicht auf Seite 5. Neulich stand in der Berliner Zeitung: „Amazon bringt bald auch das Abendessen“. Leider kommen die Boten da wohl weder auf dem Pferderücken, noch geht es um biologische Vielfalt. Sondern eher um einen weiteren Schritt in Richtung Konzentration auf dem Lebensmittelmarkt.

Auch die großen Lebensmitteleinzelhändler setzen zunehmend auf Lieferservice. Essen nach Hause liefern zu lassen muss nicht schlecht sein. Immerhin waren ja viele Biohöfe mit ihren Gemüse-Abo-Kisten Pioniere der Essensanlieferung. Aber diese Abokisten schafften Wertschöpfung in der Region und ein direkteres Band zwischen Hof und Endkunden. Essen liefern lassen ist eine Alternative für Alltagsgestresste zum Taschen-schleppen und oft auch zur Parkplatzssuche. Trotzdem haben Wochenmarkt und Bio- oder Lebensmittelladen weiter ihre Rolle gespielt. Doch wenn jetzt „die ganz Großen“ –  alles aus einer Hand vor die Haustür – das Essen bringen: Werden noch mehr Geschäfte in den Innenstädten schließen, und dafür unsere Straßen von noch mehr Lieferwagen vollgestellt sein?

Im Buchgeschäft stöbern, sich im Bioladen vom Gemüse zum Kochen inspirieren lassen oder im Klamottenladen prüfen, ob der schöne Pullover auch angezogen gut aussieht – ist durchaus ein Stück Lebensqualität. „Support your local store“ – Einkaufen gehen statt bestellen wird zunehmend ein Statement für eine auch lokal verankerte Wirtschaft.

Den MittwochsBlog verfasst diesmal Antje Kölling, Leiterin der Abteilung Politik & Öffentlichkeitsarbeit.

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