MittwochsBlog

Brauchen wir noch Bauern?

29.03.2017

Politisches Berlin im Januar, kurz vor der Internationalen Grünen Woche. Richard David Precht hält einen brillanten Vortrag über das Verhältnis des Menschen zum Tier in der Geschichte der Philosophie. Von der spirituellen Rolle des Tieres im alten Ägypten über eine zunehmende Versachlichung bis zu Descartes‘ Tier als „Maschine“. Heutzutage scheint unbestritten, dass Tiere fühlende Wesen sind – und trotzdem werden Tiere teilweise quälerisch behandelt. Es folgt die Frage, ob die logische Konsequenz daraus die völlige Abschaffung der Tierhaltung wäre oder doch ein konsequenter Umstieg auf wesensgemäße Tierhaltung. Dann geht es weiter in eine erstaunliche Richtung: Ersatzfleisch aus Zellkulturen, „cultured beef“, könnte in Zukunft das Schlachten ersetzen. Hoppla, und wer pflegt dann unsere Kulturlandschaft, wer verdaut struppiges Gras und macht daraus Nahrung? Und woher kommt die Nährlösung für die Zellkulturen? Zuletzt sagt der Philosoph provokant: Vielleicht sei der Beruf des Bauern überholt, man könnte ihn abschaffen.

Herr Precht, wir hoffen, das meinten Sie nicht ernst: Eine Welt ohne Bauern wäre ungefähr so öde wie eine Welt ohne Philosophen. Während die einen uns helfen, die Wesenheit der Dinge zu erkennen, durch denken zu Freiheit zu gelangen, geht ohne die anderen die Beziehung zu unseren Ernährungsgrundlagen flöten. Leider gibt es schon Ansätze, Bauern zu ersetzen: durch Vertragsmäster, durch Investoren ohne landwirtschaftlichen Bezug, durch Roboter. Auf dem Spiel stehen dabei die Zukunft unserer Ernährung, zahlreiche sinngebende Arbeitsplätze und die Lebendigkeit der ländlichen Räume. Trotz manchmal mieser Bedingungen gibt es noch zahlreiche Bäuerinnen und Bauern weltweit, die mutig weitermachen – zum Glück!

Den MittwochsBlog verfasst diesmal Antje Kölling, Leiterin der Abteilung Politik & Öffentlichkeitsarbeit.

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29.03.2017
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Politisches Berlin im Januar, kurz vor der Internationalen Grünen Woche. Richard David Precht hält einen brillanten Vortrag über das Verhältnis des Menschen zum Tier in der Geschichte der Philosophie. Von der spirituellen Rolle des Tieres im alten Ägypten über eine zunehmende Versachlichung bis zu Descartes‘ Tier als „Maschine“. Heutzutage scheint unbestritten, dass Tiere fühlende Wesen sind – und trotzdem werden Tiere teilweise quälerisch behandelt. Es folgt die Frage, ob die logische Konsequenz daraus die völlige Abschaffung der Tierhaltung wäre oder doch ein konsequenter Umstieg auf wesensgemäße Tierhaltung. Dann geht es weiter in eine erstaunliche Richtung: Ersatzfleisch aus Zellkulturen, „cultured beef“, könnte in Zukunft das Schlachten ersetzen. Hoppla, und wer pflegt dann unsere Kulturlandschaft, wer verdaut struppiges Gras und macht daraus Nahrung? Und woher kommt die Nährlösung für die Zellkulturen? Zuletzt sagt der Philosoph provokant: Vielleicht sei der Beruf des Bauern überholt, man könnte ihn abschaffen.

Herr Precht, wir hoffen, das meinten Sie nicht ernst: Eine Welt ohne Bauern wäre ungefähr so öde wie eine Welt ohne Philosophen. Während die einen uns helfen, die Wesenheit der Dinge zu erkennen, durch denken zu Freiheit zu gelangen, geht ohne die anderen die Beziehung zu unseren Ernährungsgrundlagen flöten. Leider gibt es schon Ansätze, Bauern zu ersetzen: durch Vertragsmäster, durch Investoren ohne landwirtschaftlichen Bezug, durch Roboter. Auf dem Spiel stehen dabei die Zukunft unserer Ernährung, zahlreiche sinngebende Arbeitsplätze und die Lebendigkeit der ländlichen Räume. Trotz manchmal mieser Bedingungen gibt es noch zahlreiche Bäuerinnen und Bauern weltweit, die mutig weitermachen – zum Glück!

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