In Zeiten von Corona

Für Landwirt*innen gibt es kein Homeoffice

23.03.2020
Bei der Kartoffelernte

Bilder: Steigmiller


Unsere Welt dreht sich momentan anders, der Corona Virus sorgt für Einschränkungen im Alltag, wie sie zumindest in Deutschland zum Glück seit Bestehen der Bundesrepublik nicht vorgekommen sind. Viele Arbeitnehmer*innen sind mittlerweile im Homeoffice oder in Kurzarbeit, andere pflegen oder betreuen Familienangehörige.

Bäuerinnen und Bauern kümmern sich weiter darum, dass wir zu essen haben. Wir wollen Einblick geben in die Arbeit unserer Mitglieder in diesen besonderen Zeiten.

Heute berichten wir vom Süden Deutschlands: Max Steigmiller ist Junglandwirt und leitet gemeinsam mit seinem Bruder den Familienbetrieb im baden-württembergischen Ummendorf nahe Biberach.

Max

Welche Veränderungen gibt es nun durch Corona in deinem Betriebsalltag, Max?

Diese Woche war bestes Bauernwetter vorausgesagt und ich hatte meine Zeit auf unseren Wiesen und Äckern verplant. Nun kam es durch Corona anders. Ich bin heute um kurz vor 5 aufgestanden und erst abends um 8 wieder nach Hause gekommen. Am Montag wurden zwei Schweine geschlachtet, heute eines unserer Rinder. Normalerweise bin ich da nur beim Schlachten am Morgen dabei, aber dieses Mal auch beim ganzen Wurstprozess. Beim Wursten muss es immer ganz schnell und reibungslos laufen, da wir ja ohne Nitratpökelsalz arbeiten. 100 Kilogramm Wurst konnte ich dann am Abend mit in den Hofladen nehmen. Zusätzlich haben wir dann auch noch 2 Tonnen Kartoffeln in 2,5-Kilo-Tüten und 5-Kilo-Netze abgepackt, die Nachfrage ist sehr groß. Getreide bringe ich diese Woche auch noch zur Mühle und nehme von dort fertiges Dinkelmehl mit.

Traktor

Glücklicherweise arbeitet mein Vater im Betrieb mit, er ist draußen auf unseren Felder und Wiesen unterwegs. Grünlandpflege wie Wieseneggen, Walzen, Kalken und Schwefeln, sowie Mist- und Gülleausbringung findet gerade statt. Am Ende der Woche wollen wir dann auch noch Hafer und Ackerbohnen säen.

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Unsere Rinder, Schweine und Hühner bekommen relativ wenig mit von den ungewöhnlichen Umständen, die einen stehen im Offenstall und die anderen genießen ihren Auslauf im Mobilstall. Eine der wenigen positiven Veränderungen, für unseren Hof in Ortslage: freiere Straßen. Ich kann mit unseren Treckern leichter als sonst rangieren.

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Was macht ihr im Team, um euch zu schützen?

Wie alle natürlich: vermehrt Hände waschen und desinfizieren, Abstand halten. In unserem Hofladen desinfizieren wir viel, an der Kasse werden Handschuhe getragen und das Geld muss in ein Körbchen gelegt werden, um den direkten Kontakt zu vermeiden. Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben wir für die neue Situation sensibilisiert und geschult. Unser Kinderspielplatz und die Spieleecke im Laden sind gesperrt. Am Eingang unseres Hofladens steht Desinfektionsmittel für Einkaufswagen und Hände bereit – und das wird sehr gut angenommen. Das Bistro ist allerdings auch zu.

Wie ist die Situation im Hofladen?

Die Nachfrage ist groß: Mehl wandert in 25-Kilo-Säcken über das Verkaufsband und Kartoffeln ebenfalls. Wir bieten keine Verkostungen mehr im Laden an; bevor wir es schließen mussten, hatten wir im Bistro die Tische auseinandergerückt. Beim Obst und Gemüse ist aktuell noch Selbstbedienung möglich, wir wissen aber nicht wie lange das so bleibt und ab wann wir unsere Kundinnen und Kunden auch in diesem sensiblen Bereich bedienen.

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Was erhoffst du dir nun von der Politik?

Wir sind in der glücklichen Situation, dass alle unsere Angestellten aus dem nächsten Umfeld kommen und wir nicht auf ausländische Arbeitskräfte angewiesen sind. Diese besondere Situation zeigt mir und hoffentlich vielen anderen, wie wichtig eine solide Nahversorgung ist. Wir denken auch global und solidarisch, aber agieren gerade sehr regional und das kann in Zukunft noch intensiver werden. Vielfältige Betriebe mit eigener Veredlung helfen durch Krisen, weil sie in der Regel lieferfähig blieben, Verbraucherinnen und Verbraucher sollten jetzt und zukünftig stärker diese Betriebe unterstützen.

Als Demeter-Bauer arbeite ich auch auf meinen Feldern glücklicherweise relativ krisenresistent, ich bin auf keine externen Düngemittel oder Spritzmittel angewiesen und auf dem Traktor triffst du in der Regel niemanden. Bei Fragen stehen mir unsere Demeter-Beraterinnen und -Berater aus dem Homeoffice weiter zur Seite. Homeoffice gibt’s für mich gerade, wie sonst meist auch, nur in der Nacht oder bei Regenwetter.