Trotz staatlicher Aufstallpflicht von Geflügel

Eier bleiben Demeter-zertifiziert

08.02.2017
Huhn im Stall mit Eiern

Stellungnahme des Demeter e.V. zur aktuellen Geflügelpest

Ein wesentliches Merkmal der Demeter-Geflügelhaltung ist die Gewährung von Grünauslauf – vier Quadratmeter pro Tier sind dafür vorgeschrieben.  Wenn jedoch das Geflügel – wie aktuell - aufgrund eines behördlichen Erlasses zum Schutz vor der Weiterverbreitung von Geflügelpest eingestallt werden muss – sind dann die Eier noch Bio und Demeter? Solche Fragen werden je länger die Stallpflicht andauert immer häufiger von Verbraucherschützern und Kunden an den Demeter e.V. herangetragen.

„Selbstverständlich sind die Eier weiterhin Demeter-Eier“, so Jörg Hütter, Geflügelexperte des Demeter e.V. „Schließlich werden ja sonst alle Maßnahmen beibehalten, die die Demeter-Geflügelhaltung ausmachen. Der Auslauf ist zwar ein wichtiger Baustein, aber eben  einer unter vielen, der die Demeter-Geflügelhaltung von konventionellen Haltungen unterscheidet: Futter aus Demeter-Getreide, mehr Platz am Futtertrog und auf den Sitzstangen, ein zusätzlicher Wintergarten, der seitlich Frischluft und Sonne durchlässt – all das wird  den Tieren angeboten. Im Stall dürfen bis zu sechs Tiere pro Quadratmeter gehalten werden. Effektiv werden sogar nur 4,4 Tiere gehalten, da der Wintergarten auch während der Stallpflicht von den Tieren mitgenutzt werden darf.“

„Es wäre unangemessen und unangebracht, wenn unsere Landwirte jetzt ihre biodynamisch erzeugten Eier nicht mehr als Demeter vermarkten dürften, denn es handelt sich um behördliche Maßnahme, die den Auslauf der Tiere verbieten“, so Hütter weiter. „Sie müssten dann Einbußen hinnehmen, obwohl sie gar nicht die Verursacher des Problems sind und weiterhin denselben Aufwand in ihrer Tierhaltung haben.“

Experten des Wissenschaftsforums Aviäre Influenza (WAI) sehen die Primärausbrüche der Geflügelpest in Europa durch den internationalen Geflügelhandel mit infizierten Tieren als wahrscheinlichste Ursache an. Unterstützung findet diese These durch die namhafte Virologen S. Krauss und M.J. Poen die erst kürzlich nachweisen konnten, dass der Erreger in Wildvogelpopulationen gar nicht lange persistiert und daher eine wochenlange Verschleppung von Asien bis nach Europa sehr unwahrscheinlich ist. Infizierte Vögel müssten dann weite Strecken mit dem Erreger im Körper fliegen können.

Die Geflügelpest in kommerziellen Beständen ist bisher ausschließlich in geschlossenen Haltungssystemen ausgebrochen – was auch nicht weiter verwundert, denn hermetisch abriegeln kann man solche Anlagen nicht. Es ist bekannt, dass Geflügel, das Auslauf hat, an der Frischluft ein besseres Immunsystem ausbildet. Tiere, die nie Kontakt mit der Außenwelt haben, sind viel leichter angreifbar für den Erreger – man muss daher nicht die robusteren Freilandbestände einsperren um die Ausbreitung des Erregers zu verhindern, sondern umgekehrt die geschlossenen Bestände durch Freilandgewährung robuster und das Hühnerleben artgerechter machen, um langfristig solche Ausbrüche zu verhindern, denn der Erreger ist nun mal in der Umwelt und kann sich durch Geflügeltransporte, Futtermittel, Kot, Lüftung und Bestandsbetreuer auch in geschlossenen Systemen ausbreiten.

„Die Stallpflicht ist daher eine völlig ungeeignete Maßnahme“, so Hütter weiter, „um die Krankheit langfristig einzudämmen. Wir brauchen Tiere mit robusterem Immunsystem wie sie die Bio-Geflügelhaltung vielfach hervorbringt und müssen gleichzeitig den internationalen Geflügeltransport stärker als Verursacher unter die Lupe nehmen.“ Demeter-Vorstandssprecher Alexander Gerber fordert daher das Friedrich-Löffler Institut (FLI) auf, endlich Klarheit in Bezug auf  die Übertragungswege zu schaffen und die Faktenlage allumfassend zu untersuchen. Dabei müssen wissenschaftliche Untersuchungen wie die der Virologen Krauss und Poen und die Recherchen des WAI miteinbezogen werden. Es sei auf jeden Fall nicht zielführend, Bio-Freilandhaltungen als besonders gefährliche Übertragungsquellen zu bezeichnen und sie zur Stallhaltung zu zwingen, obwohl gerade sie die robusteren Tiere hervorbringen.

Der Demeter e.V. empfiehlt Verbrauchern, auch weiterhin Demeter-Eier zu kaufen, auch wenn die Tiere kurzzeitig in den Stall müssen. Mit Demeter-Eiern erhalten Konsumenten auch in solchen Zeiten immer noch Eier in vergleichsweise bester Qualität. „Unsere Landwirte geben sich alle Mühe, den Tieren auch in diesen für sie stressigen Zeiten Abwechslung zu bieten und leisten ein Beitrag, dass zukünftig solche Ausbrüche sich weniger stark verbreiten können“, unterstreichen Gerber und Hütter.

08.02.2017
Eier bleiben Demeter-zertifiziert
Trotz staatlicher Aufstallpflicht von Geflügel

Stellungnahme des Demeter e.V. zur aktuellen Geflügelpest

Ein wesentliches Merkmal der Demeter-Geflügelhaltung ist die Gewährung von Grünauslauf – vier Quadratmeter pro Tier sind dafür vorgeschrieben.  Wenn jedoch das Geflügel – wie aktuell - aufgrund eines behördlichen Erlasses zum Schutz vor der Weiterverbreitung von Geflügelpest eingestallt werden muss – sind dann die Eier noch Bio und Demeter? Solche Fragen werden je länger die Stallpflicht andauert immer häufiger von Verbraucherschützern und Kunden an den Demeter e.V. herangetragen.

„Selbstverständlich sind die Eier weiterhin Demeter-Eier“, so Jörg Hütter, Geflügelexperte des Demeter e.V. „Schließlich werden ja sonst alle Maßnahmen beibehalten, die die Demeter-Geflügelhaltung ausmachen. Der Auslauf ist zwar ein wichtiger Baustein, aber eben  einer unter vielen, der die Demeter-Geflügelhaltung von konventionellen Haltungen unterscheidet: Futter aus Demeter-Getreide, mehr Platz am Futtertrog und auf den Sitzstangen, ein zusätzlicher Wintergarten, der seitlich Frischluft und Sonne durchlässt – all das wird  den Tieren angeboten. Im Stall dürfen bis zu sechs Tiere pro Quadratmeter gehalten werden. Effektiv werden sogar nur 4,4 Tiere gehalten, da der Wintergarten auch während der Stallpflicht von den Tieren mitgenutzt werden darf.“

„Es wäre unangemessen und unangebracht, wenn unsere Landwirte jetzt ihre biodynamisch erzeugten Eier nicht mehr als Demeter vermarkten dürften, denn es handelt sich um behördliche Maßnahme, die den Auslauf der Tiere verbieten“, so Hütter weiter. „Sie müssten dann Einbußen hinnehmen, obwohl sie gar nicht die Verursacher des Problems sind und weiterhin denselben Aufwand in ihrer Tierhaltung haben.“

Experten des Wissenschaftsforums Aviäre Influenza (WAI) sehen die Primärausbrüche der Geflügelpest in Europa durch den internationalen Geflügelhandel mit infizierten Tieren als wahrscheinlichste Ursache an. Unterstützung findet diese These durch die namhafte Virologen S. Krauss und M.J. Poen die erst kürzlich nachweisen konnten, dass der Erreger in Wildvogelpopulationen gar nicht lange persistiert und daher eine wochenlange Verschleppung von Asien bis nach Europa sehr unwahrscheinlich ist. Infizierte Vögel müssten dann weite Strecken mit dem Erreger im Körper fliegen können.

Die Geflügelpest in kommerziellen Beständen ist bisher ausschließlich in geschlossenen Haltungssystemen ausgebrochen – was auch nicht weiter verwundert, denn hermetisch abriegeln kann man solche Anlagen nicht. Es ist bekannt, dass Geflügel, das Auslauf hat, an der Frischluft ein besseres Immunsystem ausbildet. Tiere, die nie Kontakt mit der Außenwelt haben, sind viel leichter angreifbar für den Erreger – man muss daher nicht die robusteren Freilandbestände einsperren um die Ausbreitung des Erregers zu verhindern, sondern umgekehrt die geschlossenen Bestände durch Freilandgewährung robuster und das Hühnerleben artgerechter machen, um langfristig solche Ausbrüche zu verhindern, denn der Erreger ist nun mal in der Umwelt und kann sich durch Geflügeltransporte, Futtermittel, Kot, Lüftung und Bestandsbetreuer auch in geschlossenen Systemen ausbreiten.

„Die Stallpflicht ist daher eine völlig ungeeignete Maßnahme“, so Hütter weiter, „um die Krankheit langfristig einzudämmen. Wir brauchen Tiere mit robusterem Immunsystem wie sie die Bio-Geflügelhaltung vielfach hervorbringt und müssen gleichzeitig den internationalen Geflügeltransport stärker als Verursacher unter die Lupe nehmen.“ Demeter-Vorstandssprecher Alexander Gerber fordert daher das Friedrich-Löffler Institut (FLI) auf, endlich Klarheit in Bezug auf  die Übertragungswege zu schaffen und die Faktenlage allumfassend zu untersuchen. Dabei müssen wissenschaftliche Untersuchungen wie die der Virologen Krauss und Poen und die Recherchen des WAI miteinbezogen werden. Es sei auf jeden Fall nicht zielführend, Bio-Freilandhaltungen als besonders gefährliche Übertragungsquellen zu bezeichnen und sie zur Stallhaltung zu zwingen, obwohl gerade sie die robusteren Tiere hervorbringen.

Der Demeter e.V. empfiehlt Verbrauchern, auch weiterhin Demeter-Eier zu kaufen, auch wenn die Tiere kurzzeitig in den Stall müssen. Mit Demeter-Eiern erhalten Konsumenten auch in solchen Zeiten immer noch Eier in vergleichsweise bester Qualität. „Unsere Landwirte geben sich alle Mühe, den Tieren auch in diesen für sie stressigen Zeiten Abwechslung zu bieten und leisten ein Beitrag, dass zukünftig solche Ausbrüche sich weniger stark verbreiten können“, unterstreichen Gerber und Hütter.