Demeter-Delegiertenversammlung

Wachsen mit Klasse

23.04.2019
Keimlinge

Die Delegierten des Demeter-Verbandes haben sich auf ihrer Versammlung vom 16. – 17. April in Oberursel mit großer Mehrheit dafür ausgesprochen, das Profil von Demeter zu stärken und wo nötig die Richtlinien für die biodynamische Wirtschaftsweise nachzuschärfen.

Im Demeter-Verband stehen viele starke und individuelle Persönlichkeiten dafür ein, beste biodynamische Lebensmittelqualitäten zu erzeugen. Die Vermarktungswege und damit auch die Interessen der Mitglieder unterliegen einem weiten Spannungsfeld. Große Einigkeit besteht jedoch darin, dass das Profil des Demeter-Landbaus und der Demeter-Lebensmittel weiter geschärft wird. Auch der eingeschlagene Weg, den Vertrieb von Demeter-Produkten an qualitative Kriterien zu binden, wird als richtig angesehen. „Auf der Delegiertenversammlung wurde gemeinsam und in gegenseitigem Respekt sehr konstruktiv daran gearbeitet, Wachstum mit Qualitätssicherung und einer weiteren Schärfung der Marke Demeter zu verbinden. Dies ist nicht nur wichtig für die Weiterentwicklung der biodynamischen Wirtschaftsweise, sondern auch ein positives Signal an Verbraucherinnen und Verbraucher, die uns vertrauen“, freut sich Demeter-Vorstand Johannes Kamps-Bender.

Sein Vorstandskollege Alexander Gerber ergänzt: „Die Demeter-Marke wurde durch die Abstimmungen gestärkt, denn die Delegierten haben sich dafür eingesetzt, dass die Ideale, die uns leiten, noch klarer in den Richtlinien umgesetzt werden. Das ist Demeter: Pionier sein heißt, den hohen Standard zu halten, aber auch genau hinzuschauen, Herausforderungen zu erkennen und beständig das eigene Tun und Wirken zu verbessern.“ Neben dem Beschluss, spätestens ab 2023 alles frische Obst und Gemüse nicht mehr oder nur noch plastikfrei zu verpacken, wurde für Erzeugung und Vertrieb in folgenden Punkten mehr Klarheit geschaffen:

  • Neben den landwirtschaftlichen Betrieben müssen in Zukunft auch Gärtnereien ab einer Größe von zunächst 40 ha und in zehn Jahren ab 10 ha Raufutterfresser im Betrieb halten, denn im Ideal des Hoforganismus wirken Mensch, Pflanze, Tier und Boden zusammen. Mist bzw. Mistkompost gelten in der biodynamischen Landwirtschaft als wichtige Basis für die Bodenfruchtbarkeit.
  • Bisher werden im biodynamischen Landbau auch stickstoffhaltige Naturdünger wie Hornspäne aus konventionellen Herkünften verwendet, da sie aus rein biologischer Landwirtschaft nur begrenzt verfügbar sind. Hier suchen wir neue Wege – ab 2030 dürfen bei Demeter nur noch stickstoffhaltige organische Handelsdünger aus ökologischen Herkünften verwendet werden (mineralische Stickstoffdünger sind im Ökolandbau ohnehin ausgeschlossen).
  • In der Schweinemast sollen zunehmend Demeter-Ferkel verwendet werden. Daher müssen Betriebe, die andere Bio-zertifizierte Ferkel zukaufen, ab 2020 eine Lenkungsabgabe entrichten.
  • Biogasanlagen auf Demeter-Betrieben dürfen bisher bis zu 30% Gras/Kleegras und Grünschnitt auch aus konventioneller Herkunft verwenden – ab 1.6.2019 dürfen nur noch Neuanlagen zugelassen werden, die zu 100% mit Biosubstrat beschickt werden.
  • Um sicherzustellen, dass Demeter-Produkte nur in solchen Geschäften vertrieben werden dürfen, die sich im Biobereich ausreichend engagieren, wurde die Mindestschwelle für das Biosortiment, das ein Händler vorhalten muss, um Demeter-Produkte listen zu dürfen, auf 1200 Bioprodukte angehoben.
  • Weiterhin wurde sichergestellt, dass die Mindest-Sortimentsgröße auch dann gilt, wenn ein landwirtschaftlicher Betrieb an einen Filialisten oder Großhändler liefert.

Für Begeisterung sorgte ein Vortrag von Gerald Häfner, Leiter der Sozialwissenschaftlichen Sektion am Goetheanum. Der Initiator von Mehr Demokratie und Democracy International und ehemalige Bundesstags- und Europaabgeordnete betonte, dass echte Demokratie ein Mitdenken, Mitnehmen und Mitreden in kontinuierlichen Prozessen braucht. Als den konsequentesten Ansatz für eine demokratische Gestaltung des Ernährungssystems beschrieb er die solidarische Landwirtschaft – hierbei entstehen enge Partnerschaften zwischen Verbraucher*innen und Bäuerinnen oder Bauern, weitreichende Entscheidungen werden gemeinsam getroffen.

Zum Thema Profilschärfung war auch die Agentur WIGWAM eingeladen – „wir wollen Euch kämpfen sehen“ forderten sie den Verband auf. Denn der Verband leiste bereits so viel zu Themen wie Nachhaltigkeit und seine Themen seien hochpolitisch, vieles davon sei aber in der Öffentlichkeit noch nicht ausreichend sichtbar. Die Agentur präsentierte Ansätze für starke Botschaften in der Kommunikation.

Die Berichte des Demeter-Aufsichtsrates und des Sprecherkreises für das Projekt „Organisationsentwicklung“ zeigten: Hier wird zusammen gedacht, geredet, gesungen, gelacht, manchmal auch gezankt, aber immer wieder konstruktiv auf einen Konsens hingearbeitet. Das ist Demeter.

Hintergrund

Die Delegiertenversammlung ist das höchste Entscheidungsgremium des Demeter e.V. Sie setzt sich folgendermaßen zusammen: 30 Erzeuger*innen (Bäuerinnen und Bauern, Gärtner*innen, Imker*innen), 18 Verarbeiter*innen (Bäcker*innen, Müller*innen, Molker*innen und andere Hersteller*innen von Lebensmitteln oder Kosmetik), 6 Händler*innen, 4 Forscher*innen bzw. Züchter*innen und 2 Verbraucher*innen. Die Delegierten werden von ihren jeweiligen Fachgruppen gewählt. In den Fachgruppen sind alle Demeter-Mitglieder vertreten. Die Fachgruppe Erzeuger*innen ist regional aufgestellt und unterteilt sich in neun Länderarbeitsgemeinschaften.