Getreide züchten

In Darzau forscht Karl-Josef Müller an biodynamischer Gerste

Getreide züchten

05.03.2012

Es ist immer wieder beeindruckend, wie aus kleinen Samenkörnern innerhalb weniger Wochen neue Getreideähren sprießen. Wer für die menschliche Ernährung und den biodynamischen Anbau die besten Getreidesorten entwickeln will, braucht Geduld, denn die Züchtung einer neuen Getreidesorte dauert rund zwölf Jahre. Karl-Josef Müller von der Getreidezüchtungsforschung in Darzau im Wendland bereitet jetzt zum Ende des Winters die Aussaat für sein Gerstenzuchtprojekt vor.

Gerade mal ein bis fünf Quadratmeter groß sind die 2 000 Parzellen, auf denen an neuen Sommergersten für den Demeter-Anbau gearbeitet wird. Der aufmerksame Züchterblick des 52-jährigen Agrarbiologen begleitet die Gerste vom Korn über den ersten Keim bis zur fertigen Ähre. Aus seinen Kreuzungen verschiedener Gerstenlinien soll eine neue Sorte entstehen. Sie muss optimale Ernährungsqualität bieten, gegen diverse Pilzerkrankungen wie Flugbrand oder Mehltau resistent sein, Beikraut durch Wüchsigkeit und entsprechenden Schatten regulieren, Ertrag bringen, gut zu verarbeiten sein und natürlich auch schmecken. Doch bis dahin ist es noch ein langer Weg. Die erste Generation von zwei gekreuzten Sorten hat ihre Reise nach Neuseeland schon hinter sich. Dort kooperiert Karl-Josef Müller mit seinem Demeter-Kollegen Ian Henderson, der die Züchtungsgenerationen des deutschen Züchters anbaut. „Dank der versetzten Jahreszeiten sparen wir ein Jahr“, erläutert Müller. Er bekommt von Henderson bis zu 300 Ähren zurück, die sorgsam gedroschen werden. Jedes einzelne Korn nimmt sich der erfahrene Demeter-Pionier genau vor. Nur die besten werden weiterverwendet. Die Prozedur mit Anbau in Neuseeland, Rückkehr als Ähren, Selektion in Darzau wiederholt sich ein weiteres Mal, bis schließlich das Kultivieren in Verwandtschaftsreihen hier im Norden Deutschlands ansteht. Diese F4-Generation wird nach Anschauung selektiert: Wie ist die Jugendentwicklung, wann erfolgt das Ährenschieben, wie verhalten sich die Gerstenprobanden bei Krankheiten? Ab der F5-Generation kommt zur Sinneswahrnehmung die schriftliche Dokumentation von Daten. Und mit der F7-Generation kann die Vorbereitung zur Anmeldung für die Sortenanerkennung beim Bundessortenamt anlaufen.

Züchter Müller hat bereits eine Gerstensorte durch diesen Prozess begleitet. Seine Arbeit wird im Wesentlichen durch Forschungsaufträge auch aus dem Bundesprogramm Ökologischer Landbau und Zuschüsse aus dem Saatgutfonds der Zukunftsstiftung Landwirtschaft finanziert. Bis eine Sorte verkehrsfähig ist, müssen mehr als 500 000 Euro investiert werden. Dann geht es darum, die Nutzbarmachung des gewonnenen Schatzes zu organisieren. Manche Demeter-Bäcker greifen schon gern auf biodynamisch gezüchtete Sorten zurück. Aber noch gibt es nicht genügend Anbauer und Verarbeiter. „Die Kette muss geschlossen werden“, fordert Karl-Josef Müller. Von seiner Getreidezüchtungsforschung Darzau wurde zum Beispiel die Sommerspeisegerste „Lawina“ entwickelt und 2003 zugelassen. Sie kann schmecken und genießen, wer Tsampa von ErdmannHAUSER probiert. Dynamik und Spannkraft sind für mich die besten Begriffe, um die Eigenart der Gerste zu charakterisieren“, sagt Karl-Josef Müller, der Gerste in der Ernährung besonders schätzt. Für seine Arbeit als Züchter ist die Bildekräfteforschung, welche die Wirkung von Nahrungsmitteln im Körper beobachtet, überaus hilfreich und wichtig. Durch entsprechende Versuche zeigte sich, dass Gerste mehr als andere Getreide das Potenzial hat, Tatkraft und innere Aufrichtung über Sehnen, Bänder, Gelenke und Muskulatur zu befördern und zu durchwärmen. „Dazu bedarf es aber entsprechender Sorten, denn die am häufigsten verwendeten konventionell gezüchteten Sorten sind heute unter ökologischen Anbaubedingungen statt von Dynamik und Elastizität von Erstarrung gekennzeichnet. Sonst könnten sie die hohen Mineraldüngergaben im konventionellen Landbau gar nicht vertragen. Die Verhärtungstendenzen finden sich eindrücklich in Bildekräfteuntersuchungen, lassen sich aber auch an der Gestaltentwicklung der Gerste ablesen“, erläutert Müller. Ihm ist es wichtig, das für den Menschen förderliche Potenzial der Gerste mit ökologisch angepassten Sorten herauszuarbeiten. Für seine gerade neu entwickelte Sommernacktgerste Pirona, die derzeit noch im Zulassungsverfahren des Bundessortenamts steht, sieht er beste Chancen für die Verwendung in Mischbroten mit Weizen, Dinkel oder Roggen.

Jetzt im Frühling muss sich die Gerste nach der Saat erst einmal als Spross entfalten, bis dann die Unterschiede zwischen den Sorten immer deutlicher werden. Bis dahin sind die Versuchsflächen zu pflegen und die biologisch-dynamischen Spritzpräparate auszubringen. Beim Besuchstag am letzten Sonntag im Juni können dann auch interessierte Laien mehr über die Unterschiede und die in Darzau verfolgten Ziele und angewandten Methoden erfahren.

www.speisegerste.de, www.darzau.de

 

 

Getreide züchten
In Darzau forscht Karl-Josef Müller an biodynamischer Gerste

Es ist immer wieder beeindruckend, wie aus kleinen Samenkörnern innerhalb weniger Wochen neue Getreideähren sprießen. Wer für die menschliche Ernährung und den biodynamischen Anbau die besten Getreidesorten entwickeln will, braucht Geduld, denn die Züchtung einer neuen Getreidesorte dauert rund zwölf Jahre. Karl-Josef Müller von der Getreidezüchtungsforschung in Darzau im Wendland bereitet jetzt zum Ende des Winters die Aussaat für sein Gerstenzuchtprojekt vor.

Gerade mal ein bis fünf Quadratmeter groß sind die 2 000 Parzellen, auf denen an neuen Sommergersten für den Demeter-Anbau gearbeitet wird. Der aufmerksame Züchterblick des 52-jährigen Agrarbiologen begleitet die Gerste vom Korn über den ersten Keim bis zur fertigen Ähre. Aus seinen Kreuzungen verschiedener Gerstenlinien soll eine neue Sorte entstehen. Sie muss optimale Ernährungsqualität bieten, gegen diverse Pilzerkrankungen wie Flugbrand oder Mehltau resistent sein, Beikraut durch Wüchsigkeit und entsprechenden Schatten regulieren, Ertrag bringen, gut zu verarbeiten sein und natürlich auch schmecken. Doch bis dahin ist es noch ein langer Weg. Die erste Generation von zwei gekreuzten Sorten hat ihre Reise nach Neuseeland schon hinter sich. Dort kooperiert Karl-Josef Müller mit seinem Demeter-Kollegen Ian Henderson, der die Züchtungsgenerationen des deutschen Züchters anbaut. „Dank der versetzten Jahreszeiten sparen wir ein Jahr“, erläutert Müller. Er bekommt von Henderson bis zu 300 Ähren zurück, die sorgsam gedroschen werden. Jedes einzelne Korn nimmt sich der erfahrene Demeter-Pionier genau vor. Nur die besten werden weiterverwendet. Die Prozedur mit Anbau in Neuseeland, Rückkehr als Ähren, Selektion in Darzau wiederholt sich ein weiteres Mal, bis schließlich das Kultivieren in Verwandtschaftsreihen hier im Norden Deutschlands ansteht. Diese F4-Generation wird nach Anschauung selektiert: Wie ist die Jugendentwicklung, wann erfolgt das Ährenschieben, wie verhalten sich die Gerstenprobanden bei Krankheiten? Ab der F5-Generation kommt zur Sinneswahrnehmung die schriftliche Dokumentation von Daten. Und mit der F7-Generation kann die Vorbereitung zur Anmeldung für die Sortenanerkennung beim Bundessortenamt anlaufen.

Züchter Müller hat bereits eine Gerstensorte durch diesen Prozess begleitet. Seine Arbeit wird im Wesentlichen durch Forschungsaufträge auch aus dem Bundesprogramm Ökologischer Landbau und Zuschüsse aus dem Saatgutfonds der Zukunftsstiftung Landwirtschaft finanziert. Bis eine Sorte verkehrsfähig ist, müssen mehr als 500 000 Euro investiert werden. Dann geht es darum, die Nutzbarmachung des gewonnenen Schatzes zu organisieren. Manche Demeter-Bäcker greifen schon gern auf biodynamisch gezüchtete Sorten zurück. Aber noch gibt es nicht genügend Anbauer und Verarbeiter. „Die Kette muss geschlossen werden“, fordert Karl-Josef Müller. Von seiner Getreidezüchtungsforschung Darzau wurde zum Beispiel die Sommerspeisegerste „Lawina“ entwickelt und 2003 zugelassen. Sie kann schmecken und genießen, wer Tsampa von ErdmannHAUSER probiert. Dynamik und Spannkraft sind für mich die besten Begriffe, um die Eigenart der Gerste zu charakterisieren“, sagt Karl-Josef Müller, der Gerste in der Ernährung besonders schätzt. Für seine Arbeit als Züchter ist die Bildekräfteforschung, welche die Wirkung von Nahrungsmitteln im Körper beobachtet, überaus hilfreich und wichtig. Durch entsprechende Versuche zeigte sich, dass Gerste mehr als andere Getreide das Potenzial hat, Tatkraft und innere Aufrichtung über Sehnen, Bänder, Gelenke und Muskulatur zu befördern und zu durchwärmen. „Dazu bedarf es aber entsprechender Sorten, denn die am häufigsten verwendeten konventionell gezüchteten Sorten sind heute unter ökologischen Anbaubedingungen statt von Dynamik und Elastizität von Erstarrung gekennzeichnet. Sonst könnten sie die hohen Mineraldüngergaben im konventionellen Landbau gar nicht vertragen. Die Verhärtungstendenzen finden sich eindrücklich in Bildekräfteuntersuchungen, lassen sich aber auch an der Gestaltentwicklung der Gerste ablesen“, erläutert Müller. Ihm ist es wichtig, das für den Menschen förderliche Potenzial der Gerste mit ökologisch angepassten Sorten herauszuarbeiten. Für seine gerade neu entwickelte Sommernacktgerste Pirona, die derzeit noch im Zulassungsverfahren des Bundessortenamts steht, sieht er beste Chancen für die Verwendung in Mischbroten mit Weizen, Dinkel oder Roggen.

Jetzt im Frühling muss sich die Gerste nach der Saat erst einmal als Spross entfalten, bis dann die Unterschiede zwischen den Sorten immer deutlicher werden. Bis dahin sind die Versuchsflächen zu pflegen und die biologisch-dynamischen Spritzpräparate auszubringen. Beim Besuchstag am letzten Sonntag im Juni können dann auch interessierte Laien mehr über die Unterschiede und die in Darzau verfolgten Ziele und angewandten Methoden erfahren.

www.speisegerste.de, www.darzau.de