Eigene Zuchtlinien sind nötig

Fragen an den Tierarzt Jörg Spranger

Eigene Zuchtlinien sind nötig

12.01.2012
Tiere auf einem Demeter-Hof
Ganz oben auf der Tagesordnung muss jedoch die Züchtung von Tieren stehen, die der ökologischen Wirtschaftsweise angepasst sind

Der Schweizer Tierarzt Jörg Spranger war lange Jahre für die veterinärmedizinische Arbeit im FiBL (Forschungsinstitut für biologischen Landbau) verantwortlich. Er kennt Bio- und Demeter-Höfe in Europa, berät Bäuerinnen und Bauern und hat genaue Vorstellungen davon, wie sich die Tierhaltung noch besser gestalten lässt.

Herr Spranger, Sie fordern, dass ökologische Tierhaltung konsequenter am Tierwohl ausgerichtet sein muss. Welche Schwachpunkte sehen Sie?

Eins vorweg: Gerade den biodynamischen Demeter-Landwirten sind ihre Tiere wirklich wichtig. Tiere spielen in der Bio-Dynamischen Wirtschaftsweise ja eine wichtige Rolle und das ist auch gut so, denn nur auf Höfen mit Tieren kann der geschlossene Kreislauf oder gar der Organismusgedanke umgesetzt werden. Vorrang für Laufställe und Weidehaltung, aber auch für Natursprung statt künstlicher Besamung sowie eine Entwicklung in Richtung muttergebundener Kälberaufzucht erscheinen mir wichtig. Ganz oben auf der Tagesordnung muss jedoch die Züchtung von Tieren stehen, die der ökologischen Wirtschaftsweise angepasst sind. Allzu oft greifen Bio-Bauern noch auf diejenigen Rassen zurück, die als Hochleistungstiere entwickelt wurden. Das passt nicht zusammen. Konkret müssen wir mit den betriebseigenen weiblichen Linien eine Kuhfamilienzucht betreiben, anstatt uns auf  entseelte Samen unpassender Stiere zu verlassen.

Wo lässt sich am ehesten ansetzen?

Züchtung ist natürlich ein Schema, das sich nicht im Handumdrehen erledigen lässt. Da gibt es schon Ansätze, aber hier sollte man richtig Gas geben. Aus meiner Beratungstätigkeit weiß ich, dass die Hinwendung zu Auslauf und Weidegang am schnellsten zu bewerkstelligen ist. Auch eine Kälberaufzucht, die nicht in sogenannten Iglus isoliert, sondern von Anfang an ein Herdenleben ermöglicht, lässt sich bei entsprechendem Willen gut umsetzen.

Was antworten Sie, wenn Bauern vor der finanziellen Belastung für die entsprechenden Maßnahmen zurückschrecken?

Ich zeige dann einfach meine Berechnungen. Sie beweisen, dass eine solche Haltung sogar wirtschaftlicher ist. Das überzeugt dann natürlich am besten.

Eigene Zuchtlinien sind nötig
Fragen an den Tierarzt Jörg Spranger

Der Schweizer Tierarzt Jörg Spranger war lange Jahre für die veterinärmedizinische Arbeit im FiBL (Forschungsinstitut für biologischen Landbau) verantwortlich. Er kennt Bio- und Demeter-Höfe in Europa, berät Bäuerinnen und Bauern und hat genaue Vorstellungen davon, wie sich die Tierhaltung noch besser gestalten lässt.

Herr Spranger, Sie fordern, dass ökologische Tierhaltung konsequenter am Tierwohl ausgerichtet sein muss. Welche Schwachpunkte sehen Sie?

Eins vorweg: Gerade den biodynamischen Demeter-Landwirten sind ihre Tiere wirklich wichtig. Tiere spielen in der Bio-Dynamischen Wirtschaftsweise ja eine wichtige Rolle und das ist auch gut so, denn nur auf Höfen mit Tieren kann der geschlossene Kreislauf oder gar der Organismusgedanke umgesetzt werden. Vorrang für Laufställe und Weidehaltung, aber auch für Natursprung statt künstlicher Besamung sowie eine Entwicklung in Richtung muttergebundener Kälberaufzucht erscheinen mir wichtig. Ganz oben auf der Tagesordnung muss jedoch die Züchtung von Tieren stehen, die der ökologischen Wirtschaftsweise angepasst sind. Allzu oft greifen Bio-Bauern noch auf diejenigen Rassen zurück, die als Hochleistungstiere entwickelt wurden. Das passt nicht zusammen. Konkret müssen wir mit den betriebseigenen weiblichen Linien eine Kuhfamilienzucht betreiben, anstatt uns auf  entseelte Samen unpassender Stiere zu verlassen.

Wo lässt sich am ehesten ansetzen?

Züchtung ist natürlich ein Schema, das sich nicht im Handumdrehen erledigen lässt. Da gibt es schon Ansätze, aber hier sollte man richtig Gas geben. Aus meiner Beratungstätigkeit weiß ich, dass die Hinwendung zu Auslauf und Weidegang am schnellsten zu bewerkstelligen ist. Auch eine Kälberaufzucht, die nicht in sogenannten Iglus isoliert, sondern von Anfang an ein Herdenleben ermöglicht, lässt sich bei entsprechendem Willen gut umsetzen.

Was antworten Sie, wenn Bauern vor der finanziellen Belastung für die entsprechenden Maßnahmen zurückschrecken?

Ich zeige dann einfach meine Berechnungen. Sie beweisen, dass eine solche Haltung sogar wirtschaftlicher ist. Das überzeugt dann natürlich am besten.