Vielfalt bei der Tierhaltung

Gute Bedingungen auch für Insekten und Vögel

Vielfalt bei der Tierhaltung

11.04.2013
Insektenhotel auf dem Weingut Meinklang

Demeter-Bauernhöfe sind ohne Tiere nicht denkbar. Die meisten Biodynamiker halten Kühe. Aber auch viele andere Tierarten werden integriert.

Rudolf Steiner, der Impulsgeber für diese nachhaltigste Art der Agrarkultur, hatte schon 1924 zwölf Tierarten für den vielfäl­tigen Hoforganismus im Blick: Kuh, Pferd, Schwein, Schaf, Ziege, Taube, Huhn, Gans, Ente, Karpfen, Katze, Hund. Dazu kommen natürlich noch Vögel, Insekten, Wildtiere.

Dottenfelderhof: Schweine für das Kundenherz und die Forschung

Wer auf dem Dottenfelderhof in Bad Vilbel bei Frankfurt/ Main einkauft, macht fast immer noch den Schlenker in den Innenhof des historischen Gehöfts. Dort sind die Ferkel der Publikumsmagnet. Nicht nur die Kleinsten freuen sich über die sprintfreudigen neugierigen Winzlinge, die so schnell groß werden. Für die Landwirtschaftsgemeinschaft hat das Schweineprojekt, welches mit der Fertigstellung des neuen Stalls gerade einen Meilenstein setzt, besondere Bedeutung. Mo­dellhaft wird hier erforscht, wie Schweine in den Hoforganismus passen. „Uns geht es zum einen um die Verwertung aller anfallenden und nur durch das Schwein veredelbahren Reste aus dem landwirtsachlichen Betrieb“, erläutert Martin von Mackensen. Ausschließlich betriebseigene Futtermittel kommen vor den Rüssel: Schweinekartoffeln, frische Molke aus der Hofkäserei, Grünfutter, Silage von Luzerne, Futterrüben und Getreideausputz. Auch das andere Ende, den Mist, hat der Bauer im Blick. Der wird sinnvoll in die gesamte Düngerwirtschaft einbezogen. Die 60 Mastschweine und ihre sechs Zuchtkolleginnen samt Eber können sich beim Wühlen und Schlafen, ihren Lieblingsbeschäftigungen, ausleben. So haben wir nicht nur glücklichere, gesunde Schweine, sondern erreichen auch beste Fleisch- und Dün­gerqualität." Und eine robuste Hofrasse als integralen Bestandteil eines landwirt­schaftlichen Organismus versprechen sich die Initiatoren auch noch. Extensi­ve Aufzucht mit verdoppelter Säugezeit, Laktationsrausche (die Säue werden während der Säugezeit neu gedeckt, die Ferkel müssen deshalb nicht abrupt und sehr früh abgesetzt werden) sowie die Haltung in Zweiergruppen von Muttersäuen und Ferkeln, die dann gemein­sam säugen, werden dafür umgesetzt.

Hof Farrenau: Schafe zu zwölft im Melkstandt

Die 50 Hektar Fläche rund um Hof Far­renau in Mudenbach (Westerwald) bie­ten den 200 französischen Milchschafen von Peter Deimling beste Bedingungen. Das ganze Jahr über können sie über die Wiesen ziehen. Schon seit 1990 wird hier biodynamisch gewirtschaftet. Zu zwölft gehen die „Milkis" gemeinsam in den Melkstand. Zweimal pro Woche wird während der Saison von Februar bis Ende Oktober im 600-Liter-Kessel in der hofeigenen Käserei der begehrte fetaähnliche „Demetros" gekäst. Er ist bei der ÖMA (Ökologische Molkereien Allgäu) im Angebot und hat im Natur­kosthandel seine Fangemeinde. Im Drei­ländereck Rheinland-Pfalz, Hessen und Nordrhein-Westfalen sind die Voraussetzungen für eine Landwirtschaft, welche Menschen begeistert und mitnimmt. Möglich wird dies dank arrondierter Wiesen, Ackerland, eigener Wasser- und Energieversorgung, zahlreicher Gebäude und vitalem Tierbestand.

Bauckhof: vom Wintergarten bis zum Schlachthaus

Carsten Bauck und Rouven Bremer kön­nen denken wie ein Huhn. Gemeinsam mit ihren Partnerfamilien der Hofge­meinschaft Bauckhof Klein-Süstedt set­zen sie entschlossen um, was die Lege­hennen brauchen: saubere Grünflächen, sicheren Schutz dank mobiler Hühnerställe, wetterfeste Wintergärten. Kein Ei wie das andere, sondern authentische Lebensmittel mit Charakter, sind die Ziele der engagierten Hoftruppe. Kon­sequente Demeter-Fütterung aus bis zu 13 Bio-Einzelkomponenten schafft die Voraussetzung dafür. Im Frühjahr 2011 ist der Bauckhof auf seinem Weg wieder ein bedeutendes Stück vorangekommen. Die Bauckhof Fleischmanufaktur im Gerdautal in Klein-Süstedt hat das eige­ne Schlachthaus eröffnet, das eine trans­parente Durchsicht ermöglicht. „Die Schlachtung stellt den Abschluss eines komplexen Prozesses dar, der ak­zeptiert, dass Tiere für den menschlichen Verzehr aufgezogen werden. Da wir von Anfang an größten Wert darauf legen, mit unseren Tieren respektvoll umzu­gehen, haben wir uns dazu entschlossen, auch die Schlachtung hier bei uns auf dem Hof selbst in die Hand zu nehmen. Jetzt werden alle Arbeitsabläufe wie Auf­zucht und Fütterung, Schlachtung und Verarbeitung nach unseren Grundsätzen und Qualitätsmaßstäben optimiert", be­tonen Yanic Arndt und Christine Bre­mer. Es geht bei den Biodynamikern also auch darum, für das finale Thema „Schlachten“ eine eigene Kultur zu schaf­fen. Nicht zuletzt dafür ist die innere Einstellung bedeutsam. „Begleitung und stressfreier Ablauf sind das Mindeste, was wir dabei tun können", meint die Bauckhof-Gemeinschaft.

Imker Friedmann: Bienenwesen erkennen

Demeter-Imkern geht es um wesensge­mäße Bienenhaltung. Bereits 1995 einig­ten sie sich auf Richtlinien: Bienenkästen aus natürlichen Materialien mit Natur­waben sind vorgeschrieben. Vermehrung aus Schwarmtrieb. Flügelbeschneiden bei der Königin verboten. Verzicht auf künstliche Königinnenzucht und instrumentelle Besamungen. Einwinterung auf Honig angestrebt. Honig darf nicht über 35 °C erwärmt und muss vor dem Festwerden abgefüllt werden. Demeter-Imker Günter Friedmann, der mit dem Förderpreis Ökologischer Landbau aus­gezeichnet wurde, hat 500 Völker in zahlreichen Regionen Süddeutschlands stehen. Damit gehört er zu den großen Erwerbsimkern und kann von der Imkerei leben. Als Referent und Berater ist er weltweit im Einsatz. „Einerseits kommt mir von konventionellen Imkern Skepsis entgegen, ob unsere Art der Bienenpflege umsetzbar ist, andererseits spüre ich ein zunehmendes Interesse. Gut, dass wir in Deutschland mit einigen großen und vielen kleinen biodynamischen Imkereien beweisen, dass es funktioniert." Gerade das Thema Bienensterben hat die Sensibilität gesteigert. Nicht zuletzt deshalb sieht der Bienenfreund Demeter erneut als Pionier gefordert: „Wir müssen uns dynamisch weiterentwickeln und den Anforderungen der Bienen noch nachhaltiger gerecht werden." Obwohl die Bienen unaufhörlich in die Natur aus­schwärmen und nicht an Hofgrenzen haltmachen, sind sie doch auf die menschli­che Pflege angewiesen. Ihre Bedeutung hat schon Rudolf Steiner unterstrichen, der ihnen einen eigenen Vortragszyklus gewidmet hat. Viele Forscher betonen die Be­deutung der Insekten für die Bestäubung. Selbst Pflanzen, die vom Wind befruch­tet werden können, lassen in ihrer Fruchtbarkeit nach, wenn die Bienen wegbleiben.

Kurgestüt Hoher Odenwald Stutenmilch als Lebensmittel und für Kosmetika

Seit über 50 Jahren wird im Kurgestüt Hoher Odenwald gemolken - aber nicht etwa Kühe oder Ziegen, sondern Pferde. In der Idylle rund um Waldbrunn weiden 350 Pferde - darunter 150 Milchstuten - auf 440 Hektar biodynamisch gepflegter Wiesen. Familie Zollmann, die 1959 den ersten Stutenmilchbetrieb Deutschlands gründete, baut inzwischen schon in der zweiten Generation auf Demeter-Qualität. Alle ihre Stutenmilchprodukte werden schonend verarbeitet: pasteurisiert-gefrorene, gefriergetrocknete sowie vergorene Stutenmilch und Kosmetika. Gerade für Allergi­ker ist Stutenmilch eine vollwertige Alternative, sogar als Säuglingsnahrung geeignet, als Aufbaukost nach Krankheiten oder für ältere Menschen. 50.000 Liter werden im Hohen Odenwald jährlich gemolken. Modernste Technik im Melkstand und in der Verarbeitung optimiert Hygiene und Qualität. Tiergerechtigkeit hat Vorrang, so­dass während der sechsmonatigen Melkzeit einer Stute auch das Fohlen noch saugt.

Vielfalt bei der Tierhaltung
Gute Bedingungen auch für Insekten und Vögel

Demeter-Bauernhöfe sind ohne Tiere nicht denkbar. Die meisten Biodynamiker halten Kühe. Aber auch viele andere Tierarten werden integriert.

Rudolf Steiner, der Impulsgeber für diese nachhaltigste Art der Agrarkultur, hatte schon 1924 zwölf Tierarten für den vielfäl­tigen Hoforganismus im Blick: Kuh, Pferd, Schwein, Schaf, Ziege, Taube, Huhn, Gans, Ente, Karpfen, Katze, Hund. Dazu kommen natürlich noch Vögel, Insekten, Wildtiere.

Dottenfelderhof: Schweine für das Kundenherz und die Forschung

Wer auf dem Dottenfelderhof in Bad Vilbel bei Frankfurt/ Main einkauft, macht fast immer noch den Schlenker in den Innenhof des historischen Gehöfts. Dort sind die Ferkel der Publikumsmagnet. Nicht nur die Kleinsten freuen sich über die sprintfreudigen neugierigen Winzlinge, die so schnell groß werden. Für die Landwirtschaftsgemeinschaft hat das Schweineprojekt, welches mit der Fertigstellung des neuen Stalls gerade einen Meilenstein setzt, besondere Bedeutung. Mo­dellhaft wird hier erforscht, wie Schweine in den Hoforganismus passen. „Uns geht es zum einen um die Verwertung aller anfallenden und nur durch das Schwein veredelbahren Reste aus dem landwirtsachlichen Betrieb“, erläutert Martin von Mackensen. Ausschließlich betriebseigene Futtermittel kommen vor den Rüssel: Schweinekartoffeln, frische Molke aus der Hofkäserei, Grünfutter, Silage von Luzerne, Futterrüben und Getreideausputz. Auch das andere Ende, den Mist, hat der Bauer im Blick. Der wird sinnvoll in die gesamte Düngerwirtschaft einbezogen. Die 60 Mastschweine und ihre sechs Zuchtkolleginnen samt Eber können sich beim Wühlen und Schlafen, ihren Lieblingsbeschäftigungen, ausleben. So haben wir nicht nur glücklichere, gesunde Schweine, sondern erreichen auch beste Fleisch- und Dün­gerqualität." Und eine robuste Hofrasse als integralen Bestandteil eines landwirt­schaftlichen Organismus versprechen sich die Initiatoren auch noch. Extensi­ve Aufzucht mit verdoppelter Säugezeit, Laktationsrausche (die Säue werden während der Säugezeit neu gedeckt, die Ferkel müssen deshalb nicht abrupt und sehr früh abgesetzt werden) sowie die Haltung in Zweiergruppen von Muttersäuen und Ferkeln, die dann gemein­sam säugen, werden dafür umgesetzt.

Hof Farrenau: Schafe zu zwölft im Melkstandt

Die 50 Hektar Fläche rund um Hof Far­renau in Mudenbach (Westerwald) bie­ten den 200 französischen Milchschafen von Peter Deimling beste Bedingungen. Das ganze Jahr über können sie über die Wiesen ziehen. Schon seit 1990 wird hier biodynamisch gewirtschaftet. Zu zwölft gehen die „Milkis" gemeinsam in den Melkstand. Zweimal pro Woche wird während der Saison von Februar bis Ende Oktober im 600-Liter-Kessel in der hofeigenen Käserei der begehrte fetaähnliche „Demetros" gekäst. Er ist bei der ÖMA (Ökologische Molkereien Allgäu) im Angebot und hat im Natur­kosthandel seine Fangemeinde. Im Drei­ländereck Rheinland-Pfalz, Hessen und Nordrhein-Westfalen sind die Voraussetzungen für eine Landwirtschaft, welche Menschen begeistert und mitnimmt. Möglich wird dies dank arrondierter Wiesen, Ackerland, eigener Wasser- und Energieversorgung, zahlreicher Gebäude und vitalem Tierbestand.

Bauckhof: vom Wintergarten bis zum Schlachthaus

Carsten Bauck und Rouven Bremer kön­nen denken wie ein Huhn. Gemeinsam mit ihren Partnerfamilien der Hofge­meinschaft Bauckhof Klein-Süstedt set­zen sie entschlossen um, was die Lege­hennen brauchen: saubere Grünflächen, sicheren Schutz dank mobiler Hühnerställe, wetterfeste Wintergärten. Kein Ei wie das andere, sondern authentische Lebensmittel mit Charakter, sind die Ziele der engagierten Hoftruppe. Kon­sequente Demeter-Fütterung aus bis zu 13 Bio-Einzelkomponenten schafft die Voraussetzung dafür. Im Frühjahr 2011 ist der Bauckhof auf seinem Weg wieder ein bedeutendes Stück vorangekommen. Die Bauckhof Fleischmanufaktur im Gerdautal in Klein-Süstedt hat das eige­ne Schlachthaus eröffnet, das eine trans­parente Durchsicht ermöglicht. „Die Schlachtung stellt den Abschluss eines komplexen Prozesses dar, der ak­zeptiert, dass Tiere für den menschlichen Verzehr aufgezogen werden. Da wir von Anfang an größten Wert darauf legen, mit unseren Tieren respektvoll umzu­gehen, haben wir uns dazu entschlossen, auch die Schlachtung hier bei uns auf dem Hof selbst in die Hand zu nehmen. Jetzt werden alle Arbeitsabläufe wie Auf­zucht und Fütterung, Schlachtung und Verarbeitung nach unseren Grundsätzen und Qualitätsmaßstäben optimiert", be­tonen Yanic Arndt und Christine Bre­mer. Es geht bei den Biodynamikern also auch darum, für das finale Thema „Schlachten“ eine eigene Kultur zu schaf­fen. Nicht zuletzt dafür ist die innere Einstellung bedeutsam. „Begleitung und stressfreier Ablauf sind das Mindeste, was wir dabei tun können", meint die Bauckhof-Gemeinschaft.

Imker Friedmann: Bienenwesen erkennen

Demeter-Imkern geht es um wesensge­mäße Bienenhaltung. Bereits 1995 einig­ten sie sich auf Richtlinien: Bienenkästen aus natürlichen Materialien mit Natur­waben sind vorgeschrieben. Vermehrung aus Schwarmtrieb. Flügelbeschneiden bei der Königin verboten. Verzicht auf künstliche Königinnenzucht und instrumentelle Besamungen. Einwinterung auf Honig angestrebt. Honig darf nicht über 35 °C erwärmt und muss vor dem Festwerden abgefüllt werden. Demeter-Imker Günter Friedmann, der mit dem Förderpreis Ökologischer Landbau aus­gezeichnet wurde, hat 500 Völker in zahlreichen Regionen Süddeutschlands stehen. Damit gehört er zu den großen Erwerbsimkern und kann von der Imkerei leben. Als Referent und Berater ist er weltweit im Einsatz. „Einerseits kommt mir von konventionellen Imkern Skepsis entgegen, ob unsere Art der Bienenpflege umsetzbar ist, andererseits spüre ich ein zunehmendes Interesse. Gut, dass wir in Deutschland mit einigen großen und vielen kleinen biodynamischen Imkereien beweisen, dass es funktioniert." Gerade das Thema Bienensterben hat die Sensibilität gesteigert. Nicht zuletzt deshalb sieht der Bienenfreund Demeter erneut als Pionier gefordert: „Wir müssen uns dynamisch weiterentwickeln und den Anforderungen der Bienen noch nachhaltiger gerecht werden." Obwohl die Bienen unaufhörlich in die Natur aus­schwärmen und nicht an Hofgrenzen haltmachen, sind sie doch auf die menschli­che Pflege angewiesen. Ihre Bedeutung hat schon Rudolf Steiner unterstrichen, der ihnen einen eigenen Vortragszyklus gewidmet hat. Viele Forscher betonen die Be­deutung der Insekten für die Bestäubung. Selbst Pflanzen, die vom Wind befruch­tet werden können, lassen in ihrer Fruchtbarkeit nach, wenn die Bienen wegbleiben.

Kurgestüt Hoher Odenwald Stutenmilch als Lebensmittel und für Kosmetika

Seit über 50 Jahren wird im Kurgestüt Hoher Odenwald gemolken - aber nicht etwa Kühe oder Ziegen, sondern Pferde. In der Idylle rund um Waldbrunn weiden 350 Pferde - darunter 150 Milchstuten - auf 440 Hektar biodynamisch gepflegter Wiesen. Familie Zollmann, die 1959 den ersten Stutenmilchbetrieb Deutschlands gründete, baut inzwischen schon in der zweiten Generation auf Demeter-Qualität. Alle ihre Stutenmilchprodukte werden schonend verarbeitet: pasteurisiert-gefrorene, gefriergetrocknete sowie vergorene Stutenmilch und Kosmetika. Gerade für Allergi­ker ist Stutenmilch eine vollwertige Alternative, sogar als Säuglingsnahrung geeignet, als Aufbaukost nach Krankheiten oder für ältere Menschen. 50.000 Liter werden im Hohen Odenwald jährlich gemolken. Modernste Technik im Melkstand und in der Verarbeitung optimiert Hygiene und Qualität. Tiergerechtigkeit hat Vorrang, so­dass während der sechsmonatigen Melkzeit einer Stute auch das Fohlen noch saugt.