Tierschutz braucht Empathie des Menschen

Die Kühe sind die Seele des Demeter-Hofs

Tierschutz braucht Empathie des Menschen

11.04.2013

Vielfalt ist Ausdruck des Lebendigen. Für Biodynamiker ist dieses Urprinzip Fixstern. Während fast überall Spezialisierung herrscht, arbeiten Demeter-Landwirte an ihrem Ideal. Deshalb prägen Tiere das Bild der biodynamischen Bauernhöfe. „Vor allem Kühe sind die Seele des Betriebs", meint Nikolai Fuchs, lange Leiter der Sektion für Landwirtschaft an der Freien Hochschule für Geisteswissenschaft, dem Goetheanum in Dornach (Schweiz).

Keiner ermöglicht die Weiterentwick­lung des Hofs zu einem individuellen Organismus nach dem Impuls des genialen Vordenkers Rudolf Steiner besser als Kühe. Die Wiederkäuer verwandeln das Pflanzliche, veredeln Gras zu wertvoller Milch und Fleisch. Und spenden ihren Mist, der dank Biodynamischer Prä­parate bester Dünger wird und Humus aufbaut. Er erreicht wirkliche Bodenbe­lebung. Nur im belebten Boden kann die Pflanze aktiv Nährstoffmobilisierung be­treiben, was weit mehr ist als Düngung. Aber über dieses vorrangig Nützliche hinaus prägen Tiere mit ihrer seelischen Klangfarbe die Beziehungsstrukturen ei­nes Hofs. Die Berührung einer feuchten Kuhnase, die Geruchsfahne vom damp­fenden Misthaufen, das zärtliche Muh zwischen Kuh und Kalb, ein Vogelzwit­schern aus der blühenden Hecke am frü­hen Morgen - all das bringt in uns Men­schen etwas zum Schwingen. Für den Landwirt gibt es diese Ebene — und dazu die Herausforderungen, welche Tierhal­tung heute häufig zu einer Management­aufgabe machen. Hygieneverordnungen, Gesetze und Arbeitszeitbelastungen ha­ben nicht zuletzt zur Massentierhaltung geführt. Da gilt das Lebewesen auf vier Beinen für viele als Produktionsmittel, ist Tierleid systembedingt.

Das Vermeiden von Schmerz und Schä­den allein reicht den Demeter-Bäuerin­nen und -Bauern nicht. Sie achten die Würde des Tieres und lassen den Kühen zum Beispiel deshalb ihre Hörner. „Die Beziehungsfähigkeit des Menschen bildet die

Eine Landwirtschaft ist gesund, wenn sie sich den Mist, Dünger durch ihren eigenen Tierbestand geben kann (Rudolf Steiner im Landwirtschaftlichen Kurs)

wirkliche Basis für Tierschutz", betont Nikolai Fuchs. Wer sich dem Tier empathisch gegenüberstellt und fragt: „Wer bist du, was brauchst du?", begnügt sich auch nicht mit guter artgerechter Tierhaltung, sondern entwickelt eine we­sensgemäße Form. Das ist Aufgabe und Herausforderung, denn der Arbeits- und Lebensrhythmus wird bestimmt von der Sorge um die Tiere. Das kann die Men­schen auf den Höfen belasten. Der Kuh­bauer ist auch seelisch sehr angebunden. „Die Emanzipation zur Freiheit entfernt den Menschen vom Tier. Häufig erleben wir heute sogar Furcht vor dem Leben­digen", analysiert Nikolai Fuchs ein Phä­nomen, das nicht nur die Verbraucher betrifft.

Deshalb wird die Frage, in welches so­ziale Umfeld wir die Tierhaltung ein­betten müssen, in der biodynamischen Gemeinschaft intensiv diskutiert. Knut Ellenberg von Hof Klostersee an der Ostsee hat genau beobachtet: „Ich kann wahrnehmen, wie stark die Kuhherde ei­nes Hofs von dem abhängig ist, was in der Gemeinschaft, die den Hof prägt, an gegenseitiger Begegnung und Harmonie oder eben Disharmonie lebt." Die innere Haltung des Menschen zum Tier wirkt, das bestätigen selbst Veterinäre in Be­zug auf die Tiergesundheit. Der Mensch muss als Leiter und Begleiter der Tier­welt seiner Verantwortung gerecht wer­den. „Ursprünglich hatten wir Haustiere, dann nannten wir sie Nutztiere und ich denke, es ist an der Zeit, wie von Kultur­pflanzen eben auch von Kulturtieren zu sprechen", regt Nikolai Fuchs an.

Tierschutz braucht Empathie des Menschen
Die Kühe sind die Seele des Demeter-Hofs

Vielfalt ist Ausdruck des Lebendigen. Für Biodynamiker ist dieses Urprinzip Fixstern. Während fast überall Spezialisierung herrscht, arbeiten Demeter-Landwirte an ihrem Ideal. Deshalb prägen Tiere das Bild der biodynamischen Bauernhöfe. „Vor allem Kühe sind die Seele des Betriebs", meint Nikolai Fuchs, lange Leiter der Sektion für Landwirtschaft an der Freien Hochschule für Geisteswissenschaft, dem Goetheanum in Dornach (Schweiz).

Keiner ermöglicht die Weiterentwick­lung des Hofs zu einem individuellen Organismus nach dem Impuls des genialen Vordenkers Rudolf Steiner besser als Kühe. Die Wiederkäuer verwandeln das Pflanzliche, veredeln Gras zu wertvoller Milch und Fleisch. Und spenden ihren Mist, der dank Biodynamischer Prä­parate bester Dünger wird und Humus aufbaut. Er erreicht wirkliche Bodenbe­lebung. Nur im belebten Boden kann die Pflanze aktiv Nährstoffmobilisierung be­treiben, was weit mehr ist als Düngung. Aber über dieses vorrangig Nützliche hinaus prägen Tiere mit ihrer seelischen Klangfarbe die Beziehungsstrukturen ei­nes Hofs. Die Berührung einer feuchten Kuhnase, die Geruchsfahne vom damp­fenden Misthaufen, das zärtliche Muh zwischen Kuh und Kalb, ein Vogelzwit­schern aus der blühenden Hecke am frü­hen Morgen - all das bringt in uns Men­schen etwas zum Schwingen. Für den Landwirt gibt es diese Ebene — und dazu die Herausforderungen, welche Tierhal­tung heute häufig zu einer Management­aufgabe machen. Hygieneverordnungen, Gesetze und Arbeitszeitbelastungen ha­ben nicht zuletzt zur Massentierhaltung geführt. Da gilt das Lebewesen auf vier Beinen für viele als Produktionsmittel, ist Tierleid systembedingt.

Das Vermeiden von Schmerz und Schä­den allein reicht den Demeter-Bäuerin­nen und -Bauern nicht. Sie achten die Würde des Tieres und lassen den Kühen zum Beispiel deshalb ihre Hörner. „Die Beziehungsfähigkeit des Menschen bildet die

Eine Landwirtschaft ist gesund, wenn sie sich den Mist, Dünger durch ihren eigenen Tierbestand geben kann (Rudolf Steiner im Landwirtschaftlichen Kurs)

wirkliche Basis für Tierschutz", betont Nikolai Fuchs. Wer sich dem Tier empathisch gegenüberstellt und fragt: „Wer bist du, was brauchst du?", begnügt sich auch nicht mit guter artgerechter Tierhaltung, sondern entwickelt eine we­sensgemäße Form. Das ist Aufgabe und Herausforderung, denn der Arbeits- und Lebensrhythmus wird bestimmt von der Sorge um die Tiere. Das kann die Men­schen auf den Höfen belasten. Der Kuh­bauer ist auch seelisch sehr angebunden. „Die Emanzipation zur Freiheit entfernt den Menschen vom Tier. Häufig erleben wir heute sogar Furcht vor dem Leben­digen", analysiert Nikolai Fuchs ein Phä­nomen, das nicht nur die Verbraucher betrifft.

Deshalb wird die Frage, in welches so­ziale Umfeld wir die Tierhaltung ein­betten müssen, in der biodynamischen Gemeinschaft intensiv diskutiert. Knut Ellenberg von Hof Klostersee an der Ostsee hat genau beobachtet: „Ich kann wahrnehmen, wie stark die Kuhherde ei­nes Hofs von dem abhängig ist, was in der Gemeinschaft, die den Hof prägt, an gegenseitiger Begegnung und Harmonie oder eben Disharmonie lebt." Die innere Haltung des Menschen zum Tier wirkt, das bestätigen selbst Veterinäre in Be­zug auf die Tiergesundheit. Der Mensch muss als Leiter und Begleiter der Tier­welt seiner Verantwortung gerecht wer­den. „Ursprünglich hatten wir Haustiere, dann nannten wir sie Nutztiere und ich denke, es ist an der Zeit, wie von Kultur­pflanzen eben auch von Kulturtieren zu sprechen", regt Nikolai Fuchs an.