Mensch-Tier-Beziehung im Modelldorf Hirschfelde

Vom ersten bis zum letzten Tag

Mensch-Tier-Beziehung im Modelldorf Hirschfelde

12.01.2012
Sonja Moor auf der Weide
Sonja Moor auf der Weide

Für Sonja Moor, Gründerin des Demeter-Betriebs im Modelldorf Hirschfelde, ist die gute Beziehung zu ihren Tieren genauso wichtig wie die würdige Tötungszeremonie und die achtsame Entwicklung von Fleisch und Wurst zum wohlschmeckenden Lebensmittel. "Das gehört doch zusammen“, sagt sie aus vollster Überzeugung.

Ramses hängt am Haken. 269 Kilogramm Fleisch und Knochen. Sonja Moor und ihre Freundin, Köchin und Kochbuchautorin Sabine Schneider, Metzger Lutz Lehmann und Moor-Gatte Dieter stehen um den Wasserbüffel-Bullen herum. Sie fachsimpeln - Abenteuerreise durch die Anatomie des Tieres. Wo steckt der Bürgermeisterbraten? Wie nennen die Österreicher (Sonja), Bayern (Sabine), Schweizer (Dieter) und Brandenburger (Lutz) dieses Stück Fleisch und jenes? Liebevoll spricht Sonja Moor über das tote Tier und die Lebensmittel, die daraus entstehen werden. Genauso liebevoll begleitet sie in Hirschfelde in der Mark Brandenburg ihre 80 Galloway-Rinder, Wasserbüffel und 50 Schafe. Die 52-jährige ist Quereinsteigerin. Längst hat die ehemalige TV-Produzentin die Anerkennung der Bauern-Kollegen im Dorf und darüber hinaus erworben.

Noch bevor das erste Tier 2004 auf den Hof kam, wollte die energische Frau den Befähigungsnachweis für das Schlachten machen. „Mir war von Anfang an wichtig, dass unsere Tiere, die hier ein gutes Leben haben, zum Sterben nicht erst noch durch die Gegend gekarrt werden müssen“, betont sie. Fasziniert vom Inneren eines Rindes, schwärmt sie vom Pansen als Universum für sich, vom Blättermagen als ästhetischem Kunstwerk. Entschlossen wühlt sie in der Schlachttonne und inspiziert den Darm. „Der sagt mir alles – war das Futter artgerecht, das Leben wesensgemäß.“ Ihre Herden haben Tag und Nacht, Winter und Sommer Weidegang und einen trockenen Unterstand. Sie kennen weder Silage noch Kraftfutter und leben im Herdenverband  - souverän geführt vom neunjährigen Leitbullen, der auch dem temperamentvollen Jungvolk erklärt, wie die Ordnung funktioniert. So sozialisiert durch die Elterntiere, hat es Sonja Moor leicht, ihre Herde zu führen. Das Alphatier nehmen ihr alle ab.

Kein Wunder also, dass sie die Behörden überzeugen konnte und per Kugelschuss das Töten auf der Weide praktizieren darf. Ramses hat seinen Lebenszyklus gelebt, mit allem, was für ein Tier in 2,5 bis drei Jahren dazu gehört. Erst tot und ausgeblutet wird er zum Metzger gefahren. Der eigens dafür entwickelte Anhänger macht´s möglich. Alles wird verwendet, damit der Tod Sinn macht: Aus den Knochen wird Leim für Restauratoren gekocht. Häute werden zu Leder, die Hörner bleiben auf dem Hof für das biodynamische Hornmist-Präparat, das den Boden fruchtbar und die Pflanzen vital macht. Basiswissen hat Sonja Moor die landwirtschaftliche Ausbildung: „Mein sechstes Berufsdiplom – und das mit Mitte 40 !“ vermittelt. Innere Einstellung, Überzeugung und Verve beim Durchsetzen hat die Wienerin schon mitgebracht.

Als Genießerin ist Qualität ihre oberste Maxime. Für bestes Fleisch gehört bei ihr das Abhängen dazu. Vier Wochen bleiben die Tiere am Stück hängen, da lässt Sonja Moor nicht mit sich diskutieren. Die Begeisterung ihrer Kunden bis hin zum Koch des Bundespräsidenten gibt ihr recht. Jahrzehntelang hatte die Neubrandenburgerin Bratwurst verweigert. Mit Lutz Lehmann hat sie lang getüftelt, bis beide Hirschfelde-Varianten ihrem Gaumen zusagt: In die eine kommt Sonnenblumenöl, in die andere Fett vom eigenen Schwein. Die Kunden dürfen sich freuen, denn bei Sonja Moor heißt es immer: Was uns schmeckt, machen wir weiter.

www.modelldorf-hirschfelde.de,
www.afznetz.de
www.hirschfelder-genossenschaft.de
 

Mensch-Tier-Beziehung im Modelldorf Hirschfelde
Vom ersten bis zum letzten Tag

Für Sonja Moor, Gründerin des Demeter-Betriebs im Modelldorf Hirschfelde, ist die gute Beziehung zu ihren Tieren genauso wichtig wie die würdige Tötungszeremonie und die achtsame Entwicklung von Fleisch und Wurst zum wohlschmeckenden Lebensmittel. "Das gehört doch zusammen“, sagt sie aus vollster Überzeugung.

Ramses hängt am Haken. 269 Kilogramm Fleisch und Knochen. Sonja Moor und ihre Freundin, Köchin und Kochbuchautorin Sabine Schneider, Metzger Lutz Lehmann und Moor-Gatte Dieter stehen um den Wasserbüffel-Bullen herum. Sie fachsimpeln - Abenteuerreise durch die Anatomie des Tieres. Wo steckt der Bürgermeisterbraten? Wie nennen die Österreicher (Sonja), Bayern (Sabine), Schweizer (Dieter) und Brandenburger (Lutz) dieses Stück Fleisch und jenes? Liebevoll spricht Sonja Moor über das tote Tier und die Lebensmittel, die daraus entstehen werden. Genauso liebevoll begleitet sie in Hirschfelde in der Mark Brandenburg ihre 80 Galloway-Rinder, Wasserbüffel und 50 Schafe. Die 52-jährige ist Quereinsteigerin. Längst hat die ehemalige TV-Produzentin die Anerkennung der Bauern-Kollegen im Dorf und darüber hinaus erworben.

Noch bevor das erste Tier 2004 auf den Hof kam, wollte die energische Frau den Befähigungsnachweis für das Schlachten machen. „Mir war von Anfang an wichtig, dass unsere Tiere, die hier ein gutes Leben haben, zum Sterben nicht erst noch durch die Gegend gekarrt werden müssen“, betont sie. Fasziniert vom Inneren eines Rindes, schwärmt sie vom Pansen als Universum für sich, vom Blättermagen als ästhetischem Kunstwerk. Entschlossen wühlt sie in der Schlachttonne und inspiziert den Darm. „Der sagt mir alles – war das Futter artgerecht, das Leben wesensgemäß.“ Ihre Herden haben Tag und Nacht, Winter und Sommer Weidegang und einen trockenen Unterstand. Sie kennen weder Silage noch Kraftfutter und leben im Herdenverband  - souverän geführt vom neunjährigen Leitbullen, der auch dem temperamentvollen Jungvolk erklärt, wie die Ordnung funktioniert. So sozialisiert durch die Elterntiere, hat es Sonja Moor leicht, ihre Herde zu führen. Das Alphatier nehmen ihr alle ab.

Kein Wunder also, dass sie die Behörden überzeugen konnte und per Kugelschuss das Töten auf der Weide praktizieren darf. Ramses hat seinen Lebenszyklus gelebt, mit allem, was für ein Tier in 2,5 bis drei Jahren dazu gehört. Erst tot und ausgeblutet wird er zum Metzger gefahren. Der eigens dafür entwickelte Anhänger macht´s möglich. Alles wird verwendet, damit der Tod Sinn macht: Aus den Knochen wird Leim für Restauratoren gekocht. Häute werden zu Leder, die Hörner bleiben auf dem Hof für das biodynamische Hornmist-Präparat, das den Boden fruchtbar und die Pflanzen vital macht. Basiswissen hat Sonja Moor die landwirtschaftliche Ausbildung: „Mein sechstes Berufsdiplom – und das mit Mitte 40 !“ vermittelt. Innere Einstellung, Überzeugung und Verve beim Durchsetzen hat die Wienerin schon mitgebracht.

Als Genießerin ist Qualität ihre oberste Maxime. Für bestes Fleisch gehört bei ihr das Abhängen dazu. Vier Wochen bleiben die Tiere am Stück hängen, da lässt Sonja Moor nicht mit sich diskutieren. Die Begeisterung ihrer Kunden bis hin zum Koch des Bundespräsidenten gibt ihr recht. Jahrzehntelang hatte die Neubrandenburgerin Bratwurst verweigert. Mit Lutz Lehmann hat sie lang getüftelt, bis beide Hirschfelde-Varianten ihrem Gaumen zusagt: In die eine kommt Sonnenblumenöl, in die andere Fett vom eigenen Schwein. Die Kunden dürfen sich freuen, denn bei Sonja Moor heißt es immer: Was uns schmeckt, machen wir weiter.

www.modelldorf-hirschfelde.de,
www.afznetz.de
www.hirschfelder-genossenschaft.de