Veterinär Jörg Spranger fordert eigene Zuchtlinien und Abkehr von künstlicher Besamung

Tierisch gut

Veterinär Jörg Spranger fordert eigene Zuchtlinien und Abkehr von künstlicher Besamung

11.04.2013

Der Schweizer Tierarzt Jörg Spranger war lange Jahre für die veterinärmedizinische Arbeit im FiBL (Forschungsinstitut für biologischen Landbau) verantwortlich. Er kennt Bio- und Deme­ter-Höfe in Europa, berät Bäuerinnen und Bauern und hat genaue Vorstellungen davon, wiesich die Tierhaltung noch besser gestalten lässt.

Herr Spranger, Sie fordern, dass ökologische Tierhaltung konsequenter am Tierwohl ausgerichtet sein muss. Welche Schwachpunkte sehen Sie?

Eins vorweg: Gerade den biodynamischen Demeter-Landwir­ten sind ihre Tiere wirklich wichtig. Tiere spielen in der Bio­dynamischen Wirtschaftsweise ja eine wichtige Rolle und das ist auch gut so, denn nur auf Höfen mit Tieren kann der ge­schlossene Kreislauf oder gar der Organismusgedanke umgesetzt werden. Vorrang für Laufställe und Weidehaltung, aber auch für Natursprung statt künstlicher Besamung sowie eine Entwicklung in Richtung muttergebundener Kälberaufzucht erscheinen mir wichtig. Ganz oben auf der Tagesordnung muss jedoch die Züchtung von Tieren stehen, die der öko­logischen Wirtschaftsweise angepasst sind. Allzu oft greifen Bio-Bauern noch auf diejenigen Rassen zurück, die als Hoch­leistungstiere entwickelt wurden. Das passt nicht zusammen. Konkret müssen wir mit den betriebseigenen weiblichen Lini­en eine Kuhfamilienzucht betreiben, anstatt uns auf entseelte Samen unpassender Stiere zu verlassen.

Wo lässt sich am ehesten ansetzen?

Züchtung ist natürlich ein Thema, das sich nicht im Hand­umdrehen erledigen lässt. Da gibt es schon Ansätze, aber hier sollte man richtig Gas geben. Aus meiner Beratungstätigkeit weiß ich, dass die Hinwendung zu Auslauf und Weidegang am schnellsten zu bewerkstelligen ist. Auch eine Kälberaufzucht, die nicht in so genannten Iglus isoliert, sondern von Anfang an ein Herdenleben ermöglicht, lässt sich bei entsprechendem Willen gut umsetzen.

Was antworten Sie, wenn Bauern vor der finanziellen Belas­tung für die entsprechenden Maßnahmen zurückschrecken?

Ich zeige dann einfach meine Berechnungen. Sie beweisen, dass eine solche Haltung sogar wirtschaftlicher ist. Das über­zeugt dann natürlich am besten.

Demeter, der Verband für die Biologisch-Dynamische Wirtschaftsweise, will den Stier bei den Hörnern packen.

Richtlinien verschärft: kein Sperma von Tieren aus Embryotransfer

Mit ei­nem Stierzuchtprojekt unterstützen die Bio-Dynamiker zum einen die Praktiker auf den Höfen und schaffen zum anderen bei Verbrauchern ein Bewusstsein für das Thema. Außerdem wurden die Richtlinien verschärft. Embryotransfer ist bei Demeter ohnehin ausgeschlossen. Auch Tiefkühlsperma der Stiere, die mit reichlich Hormoneinsatz und Leihmüttern aus Embryotransfer entstanden sind, ist tabu. Demeter-Lebensmittel entwickeln ihre Qualität im individuellen Hoforganismus auf fruchtbaren Böden dank Biodynamischer Präparate und der Hinwendung des Menschen zu Tier und Pflanze.

Authentische Lebensmittel ohne Zusatzstoffe

Auch in der Verarbeitung werden gesundheitsbe­denkliche Stoffe oder Verfahren nicht eingesetzt. Die Integrität des Lebensmittels wird ebenso gewahrt wie seine Authentizität. Deshalb sind Isolate und das Herauslösen von Einzelstoffen ebenso tabu wie Aromastoffe, Mikrowellen, Strahlung oder Gentechnik, extremer Druck oder extrem hohe Temperaturen.

Veterinär Jörg Spranger fordert eigene Zuchtlinien und Abkehr von künstlicher Besamung
Tierisch gut

Der Schweizer Tierarzt Jörg Spranger war lange Jahre für die veterinärmedizinische Arbeit im FiBL (Forschungsinstitut für biologischen Landbau) verantwortlich. Er kennt Bio- und Deme­ter-Höfe in Europa, berät Bäuerinnen und Bauern und hat genaue Vorstellungen davon, wiesich die Tierhaltung noch besser gestalten lässt.

Herr Spranger, Sie fordern, dass ökologische Tierhaltung konsequenter am Tierwohl ausgerichtet sein muss. Welche Schwachpunkte sehen Sie?

Eins vorweg: Gerade den biodynamischen Demeter-Landwir­ten sind ihre Tiere wirklich wichtig. Tiere spielen in der Bio­dynamischen Wirtschaftsweise ja eine wichtige Rolle und das ist auch gut so, denn nur auf Höfen mit Tieren kann der ge­schlossene Kreislauf oder gar der Organismusgedanke umgesetzt werden. Vorrang für Laufställe und Weidehaltung, aber auch für Natursprung statt künstlicher Besamung sowie eine Entwicklung in Richtung muttergebundener Kälberaufzucht erscheinen mir wichtig. Ganz oben auf der Tagesordnung muss jedoch die Züchtung von Tieren stehen, die der öko­logischen Wirtschaftsweise angepasst sind. Allzu oft greifen Bio-Bauern noch auf diejenigen Rassen zurück, die als Hoch­leistungstiere entwickelt wurden. Das passt nicht zusammen. Konkret müssen wir mit den betriebseigenen weiblichen Lini­en eine Kuhfamilienzucht betreiben, anstatt uns auf entseelte Samen unpassender Stiere zu verlassen.

Wo lässt sich am ehesten ansetzen?

Züchtung ist natürlich ein Thema, das sich nicht im Hand­umdrehen erledigen lässt. Da gibt es schon Ansätze, aber hier sollte man richtig Gas geben. Aus meiner Beratungstätigkeit weiß ich, dass die Hinwendung zu Auslauf und Weidegang am schnellsten zu bewerkstelligen ist. Auch eine Kälberaufzucht, die nicht in so genannten Iglus isoliert, sondern von Anfang an ein Herdenleben ermöglicht, lässt sich bei entsprechendem Willen gut umsetzen.

Was antworten Sie, wenn Bauern vor der finanziellen Belas­tung für die entsprechenden Maßnahmen zurückschrecken?

Ich zeige dann einfach meine Berechnungen. Sie beweisen, dass eine solche Haltung sogar wirtschaftlicher ist. Das über­zeugt dann natürlich am besten.

Demeter, der Verband für die Biologisch-Dynamische Wirtschaftsweise, will den Stier bei den Hörnern packen.

Richtlinien verschärft: kein Sperma von Tieren aus Embryotransfer

Mit ei­nem Stierzuchtprojekt unterstützen die Bio-Dynamiker zum einen die Praktiker auf den Höfen und schaffen zum anderen bei Verbrauchern ein Bewusstsein für das Thema. Außerdem wurden die Richtlinien verschärft. Embryotransfer ist bei Demeter ohnehin ausgeschlossen. Auch Tiefkühlsperma der Stiere, die mit reichlich Hormoneinsatz und Leihmüttern aus Embryotransfer entstanden sind, ist tabu. Demeter-Lebensmittel entwickeln ihre Qualität im individuellen Hoforganismus auf fruchtbaren Böden dank Biodynamischer Präparate und der Hinwendung des Menschen zu Tier und Pflanze.

Authentische Lebensmittel ohne Zusatzstoffe

Auch in der Verarbeitung werden gesundheitsbe­denkliche Stoffe oder Verfahren nicht eingesetzt. Die Integrität des Lebensmittels wird ebenso gewahrt wie seine Authentizität. Deshalb sind Isolate und das Herauslösen von Einzelstoffen ebenso tabu wie Aromastoffe, Mikrowellen, Strahlung oder Gentechnik, extremer Druck oder extrem hohe Temperaturen.