Verbraucherschutzminister Alexander Bonde informiert sich über Ökoweinbau

Fachgespräch im Demeter-Weingut Zähringer

Verbraucherschutzminister Alexander Bonde informiert sich über Ökoweinbau

09.08.2013

Alexander Bonde, Minister für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz in Baden-Württemberg, informierte sich bei einem Besuch im Heitersheimer Weingut Zähringer über aktuelle Fragen des Bioweinbaus. Im Mittelpunkt standen die Arbeitsweise des mit dem Förderpreis Ökologischer Landbau ausgezeichneten Weingutes sowie speziell die Punkte Marktentwicklung für Bioweine und der Einsatz pilzwiderstandsfähiger Rebsorten (PIWIs).

Anlass für den Besuch des Ministers im Heitersheimer Weingut war der Förderpreis, den das Weingut Zähringer im Frühjahr 2013 für mehr als 25 Jahre ökologische Leistungen erhielt. Darunter fallen nicht nur Innovationen in der biologischen Bodenpflege und Begrünungsstrategien, sondern auch umfangreiche Arbeiten mit PIWIs und die erste abgeschlossene Klimastudie eines deutschen Weingutes.

Weiter anwesend bei diesem Besuch waren auch Peter Wohlfahrt, Geschäftsführer des Badischen Weinbauverbandes, Matthias Sickmann vom Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz in Baden-Württemberg und Johannes Ell-Schnurr, Geschäftsführer des Demeter-Landesverbandes Baden-Württemberg.

Fabian Zähringer stellte Bonde - im Beisein von drei Zähringer-Generationen - den Familienbetrieb vor, von der Gründung 1844 über die Umstellung auf Bioweinbau durch seinen Vater Wolfgang Zähringer in den 1980er Jahren bis zum heutigen Stand. Aktuell werden 10 Hektar selbst biologisch bewirtschaftet, außerdem werden die Trauben von weiteren 15 anliefernden Biowinzern und weiteren 40 Hektar ausgebaut.

Interessiert zeigte sich Minister Bonde speziell an der Marktentwicklung: Das Weingut Zähringer erzeugt und vermarktet Bioweine vor allem im Top-Segment, mit Preisen zwischen 8 und 30 Euro pro Flasche. „Wir verkaufen unsere Bioweine einzig über die Qualität. Im Preiseinstiegssegment des Biobereichs, wie wir es im Supermarkt finden, können wir keine Angebote machen”, so Zähringer. Dennoch verzeichne man im Weingut Zähringer gute Zuwächse: ”Nach unserer Ansicht ist der Bioweinbau eine Riesenchance für den deutschen Weinbau”.

Zugespitzter formulierte es Betriebsleiter Paulin Köpfer: „Am allgemeinen Bio-Markt können wir aufgrund unserer Preisstruktur kaum teilnehmen”, urteilte er: „Kriterien für unsere Kunden sind zuerst die Qualität, dann die Rebsorte und der Preis und erst danach kommt irgendwann als Zusatznutzen die Tatsache, dass wir biologisch-dynamisch arbeiten.” Er plädierte deswegen für ein stärkeres Miteinander von Verbrauchern und Produzenten, das auf Verständnis und Aufklärung über die Arbeitsweise basiere. Auch Peter Wohlfahrt vom Badischen Weinbauverband bestätigte, dass im Billig-Bio-Segment für deutsche Weinerzeuger nichts zu verdienen ist.

Minister Bonde erkundigte sich auch nach der Bedeutung des Schweizer Marktes, der für das Weingut Zähringer sozusagen vor der Haustüre liege. Doch Fabian Zähringer musste abwinken: Hier im Grenzgebiet zur Schweiz sei der Anteil der Verkäufe in die Schweiz zwar stark wachsend, aber auf niedrigem Niveau. Bedeutender als der Verkauf in der Schweiz seien die Einkäufe der Schweizer, die über die Grenze kommen.  

Bei den Vertriebswegen, so berichtete er, komme dem Direktverkauf mit rund einem Drittel die größte Bedeutung zu, auch die Gastronomie spiele mit und 20 Prozent noch eine wichtige Rolle. Der Rest gehe zum größten Teil über den Handel, Internetverkäufe sieht er lediglich als eine Dienstleistung für seine Kunden.

Große Erfahrung konnte man bei den PIWIs vorweisen. Bis zu 15 pilzwiderstandsfähige Rebsorten sind beim Weingut Zähringer im Einsatz, viele schon seit langer Zeit. Auf dem Markt spielten sie derzeit eine noch untergeordnete Rolle. Einige dieser Sorten sind vielversprechend. Ein Cuvée Cabernet und der Johanniter hätten es bereits zu einigermaßen Bekanntheit gebracht. Dies liegt an den Verbrauchergewohnheiten. Der Weintrinker ist traditionell geprägt, er greife im Zweifel lieber zu den Sorten, die er seit langem kenne. „Wir verwenden viele sehr gute Weine dieser PIWI-Sorten in Cuvées, zusammen mit konventionellen Rebsorten”, berichtete Paulin Köpfer. Diese würden vom Verbraucher - auch mit wohlklingenden Phantasienamen - besser akzeptiert: Im Zähringer „Edelgräfler-Wein” sei ebenso ein hoher PIWI-Anteil wie im Zähringer „Prikkler-Sekt”, beides komme bei den Kunden ausgesprochen gut an.

„Pilzwiderstandsfähige Rebsorten sind eine Innovation im Weinbau und für die Ökologisierung des Weinbaus von zentraler Bedeutung. Die Freiburger Züchtungen werden in immer mehr Anbaugebieten in ganz Europa angebaut. Die Qualität der Weine spricht dafür, dass sich dieser Siegeszug fortsetzen wird“, sagte Verbraucherminister Alexander Bonde.

Der Vorteil der pilzwiderstandsfähigen Rebsorten, der sie bei Biowinzer so beliebt macht, ist der geringere Arbeitsaufwand durch weniger Spritzungen. Doch diese Zeitersparnis gehe, zumindest momentan noch, bei den Vermarktungsbemühungen wieder verloren, so Köpfers Urteil.

Dennoch sei der Nutzen der neuen Sorten für die Praxis enorm: „Nicht nur ökologisch wirtschaftende Weinbaubetriebe haben wirtschaftliche Vorteile durch geringere Kosten für Pflanzenschutz und einen geringeren Arbeitsaufwand, da die Reben weniger behandlungsbedürftig sind. Auch konventionell arbeitende Weinbaubetriebe nutzten die entsprechenden Sorten für sensible Weinbaulagen oder zum Erhalt des Weinbaus in sehr schwierig zu bewirtschaftendem Rebgelände. „Einzelne Betriebe haben zwischenzeitlich ihre Rebfläche nahezu komplett auf den Anbau mit pilzwiderstandsfähigen Rebsorten umgestellt. Das ist ein großer Schritt im Sinne der Nachhaltigkeit“, so Bonde.

Positive Trends im Weingut Zähringer seien auch die guten Erfolge und rasante Zuwächse, die man bei den traditionellen Rebsorten Grau- und Weißburgunder verzeichne, so Fabian Zähringer. Hinzu kämen Trendsorten wie Sauvignon Blanc und Chardonnay, die  sich wachsender Beliebtheit erfreuten, während Sorten wie der Müller-Thurgau im Niedergang begriffen seien.

Im abschließenden Gespräch ging es vor allem um das Wachstum der Bio-Anteile: In Baden werden rund fünf Prozent der Weinbaufläche ökologisch bewirtschaftet, berichtete Paulin Köpfer in seiner Eigenschaft als Vorsitzender von ECOVIN Baden. Während hier im Südwesten zu Beginn die Pionierarbeit geleistet wurde und ein rasantes Wachstum zu verzeichnen gewesen sei, hätten heute die Kollegen in Württemberg aufgeholt. Und im Elsass betrage der Biowein-Anteil mittlerweile sogar runde 18 Prozent.

Generell, darin waren sich alle Betroffenen einig, dominiere heute ein gutes Miteinander nicht nur der Bio-Erzeuger in den verschiedenen Landesteilen und Nachbarländern, sondern auch mit den konventionellen Winzer-Kollegen: Die Gemeinsamkeiten der Winzer seien heute größer als die Unterschiede, die Herausforderungen am Markt für alle gleich.

www.weingut-zaehringer.de

 

09.08.2013
Verbraucherschutzminister Alexander Bonde informiert sich über Ökoweinbau
Fachgespräch im Demeter-Weingut Zähringer

Alexander Bonde, Minister für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz in Baden-Württemberg, informierte sich bei einem Besuch im Heitersheimer Weingut Zähringer über aktuelle Fragen des Bioweinbaus. Im Mittelpunkt standen die Arbeitsweise des mit dem Förderpreis Ökologischer Landbau ausgezeichneten Weingutes sowie speziell die Punkte Marktentwicklung für Bioweine und der Einsatz pilzwiderstandsfähiger Rebsorten (PIWIs).

Anlass für den Besuch des Ministers im Heitersheimer Weingut war der Förderpreis, den das Weingut Zähringer im Frühjahr 2013 für mehr als 25 Jahre ökologische Leistungen erhielt. Darunter fallen nicht nur Innovationen in der biologischen Bodenpflege und Begrünungsstrategien, sondern auch umfangreiche Arbeiten mit PIWIs und die erste abgeschlossene Klimastudie eines deutschen Weingutes.

Weiter anwesend bei diesem Besuch waren auch Peter Wohlfahrt, Geschäftsführer des Badischen Weinbauverbandes, Matthias Sickmann vom Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz in Baden-Württemberg und Johannes Ell-Schnurr, Geschäftsführer des Demeter-Landesverbandes Baden-Württemberg.

Fabian Zähringer stellte Bonde - im Beisein von drei Zähringer-Generationen - den Familienbetrieb vor, von der Gründung 1844 über die Umstellung auf Bioweinbau durch seinen Vater Wolfgang Zähringer in den 1980er Jahren bis zum heutigen Stand. Aktuell werden 10 Hektar selbst biologisch bewirtschaftet, außerdem werden die Trauben von weiteren 15 anliefernden Biowinzern und weiteren 40 Hektar ausgebaut.

Interessiert zeigte sich Minister Bonde speziell an der Marktentwicklung: Das Weingut Zähringer erzeugt und vermarktet Bioweine vor allem im Top-Segment, mit Preisen zwischen 8 und 30 Euro pro Flasche. „Wir verkaufen unsere Bioweine einzig über die Qualität. Im Preiseinstiegssegment des Biobereichs, wie wir es im Supermarkt finden, können wir keine Angebote machen”, so Zähringer. Dennoch verzeichne man im Weingut Zähringer gute Zuwächse: ”Nach unserer Ansicht ist der Bioweinbau eine Riesenchance für den deutschen Weinbau”.

Zugespitzter formulierte es Betriebsleiter Paulin Köpfer: „Am allgemeinen Bio-Markt können wir aufgrund unserer Preisstruktur kaum teilnehmen”, urteilte er: „Kriterien für unsere Kunden sind zuerst die Qualität, dann die Rebsorte und der Preis und erst danach kommt irgendwann als Zusatznutzen die Tatsache, dass wir biologisch-dynamisch arbeiten.” Er plädierte deswegen für ein stärkeres Miteinander von Verbrauchern und Produzenten, das auf Verständnis und Aufklärung über die Arbeitsweise basiere. Auch Peter Wohlfahrt vom Badischen Weinbauverband bestätigte, dass im Billig-Bio-Segment für deutsche Weinerzeuger nichts zu verdienen ist.

Minister Bonde erkundigte sich auch nach der Bedeutung des Schweizer Marktes, der für das Weingut Zähringer sozusagen vor der Haustüre liege. Doch Fabian Zähringer musste abwinken: Hier im Grenzgebiet zur Schweiz sei der Anteil der Verkäufe in die Schweiz zwar stark wachsend, aber auf niedrigem Niveau. Bedeutender als der Verkauf in der Schweiz seien die Einkäufe der Schweizer, die über die Grenze kommen.  

Bei den Vertriebswegen, so berichtete er, komme dem Direktverkauf mit rund einem Drittel die größte Bedeutung zu, auch die Gastronomie spiele mit und 20 Prozent noch eine wichtige Rolle. Der Rest gehe zum größten Teil über den Handel, Internetverkäufe sieht er lediglich als eine Dienstleistung für seine Kunden.

Große Erfahrung konnte man bei den PIWIs vorweisen. Bis zu 15 pilzwiderstandsfähige Rebsorten sind beim Weingut Zähringer im Einsatz, viele schon seit langer Zeit. Auf dem Markt spielten sie derzeit eine noch untergeordnete Rolle. Einige dieser Sorten sind vielversprechend. Ein Cuvée Cabernet und der Johanniter hätten es bereits zu einigermaßen Bekanntheit gebracht. Dies liegt an den Verbrauchergewohnheiten. Der Weintrinker ist traditionell geprägt, er greife im Zweifel lieber zu den Sorten, die er seit langem kenne. „Wir verwenden viele sehr gute Weine dieser PIWI-Sorten in Cuvées, zusammen mit konventionellen Rebsorten”, berichtete Paulin Köpfer. Diese würden vom Verbraucher - auch mit wohlklingenden Phantasienamen - besser akzeptiert: Im Zähringer „Edelgräfler-Wein” sei ebenso ein hoher PIWI-Anteil wie im Zähringer „Prikkler-Sekt”, beides komme bei den Kunden ausgesprochen gut an.

„Pilzwiderstandsfähige Rebsorten sind eine Innovation im Weinbau und für die Ökologisierung des Weinbaus von zentraler Bedeutung. Die Freiburger Züchtungen werden in immer mehr Anbaugebieten in ganz Europa angebaut. Die Qualität der Weine spricht dafür, dass sich dieser Siegeszug fortsetzen wird“, sagte Verbraucherminister Alexander Bonde.

Der Vorteil der pilzwiderstandsfähigen Rebsorten, der sie bei Biowinzer so beliebt macht, ist der geringere Arbeitsaufwand durch weniger Spritzungen. Doch diese Zeitersparnis gehe, zumindest momentan noch, bei den Vermarktungsbemühungen wieder verloren, so Köpfers Urteil.

Dennoch sei der Nutzen der neuen Sorten für die Praxis enorm: „Nicht nur ökologisch wirtschaftende Weinbaubetriebe haben wirtschaftliche Vorteile durch geringere Kosten für Pflanzenschutz und einen geringeren Arbeitsaufwand, da die Reben weniger behandlungsbedürftig sind. Auch konventionell arbeitende Weinbaubetriebe nutzten die entsprechenden Sorten für sensible Weinbaulagen oder zum Erhalt des Weinbaus in sehr schwierig zu bewirtschaftendem Rebgelände. „Einzelne Betriebe haben zwischenzeitlich ihre Rebfläche nahezu komplett auf den Anbau mit pilzwiderstandsfähigen Rebsorten umgestellt. Das ist ein großer Schritt im Sinne der Nachhaltigkeit“, so Bonde.

Positive Trends im Weingut Zähringer seien auch die guten Erfolge und rasante Zuwächse, die man bei den traditionellen Rebsorten Grau- und Weißburgunder verzeichne, so Fabian Zähringer. Hinzu kämen Trendsorten wie Sauvignon Blanc und Chardonnay, die  sich wachsender Beliebtheit erfreuten, während Sorten wie der Müller-Thurgau im Niedergang begriffen seien.

Im abschließenden Gespräch ging es vor allem um das Wachstum der Bio-Anteile: In Baden werden rund fünf Prozent der Weinbaufläche ökologisch bewirtschaftet, berichtete Paulin Köpfer in seiner Eigenschaft als Vorsitzender von ECOVIN Baden. Während hier im Südwesten zu Beginn die Pionierarbeit geleistet wurde und ein rasantes Wachstum zu verzeichnen gewesen sei, hätten heute die Kollegen in Württemberg aufgeholt. Und im Elsass betrage der Biowein-Anteil mittlerweile sogar runde 18 Prozent.

Generell, darin waren sich alle Betroffenen einig, dominiere heute ein gutes Miteinander nicht nur der Bio-Erzeuger in den verschiedenen Landesteilen und Nachbarländern, sondern auch mit den konventionellen Winzer-Kollegen: Die Gemeinsamkeiten der Winzer seien heute größer als die Unterschiede, die Herausforderungen am Markt für alle gleich.

www.weingut-zaehringer.de