Ernährung geht jeden an

Demeter-Jahrestagung in Ulm: Auf die Energiewende muss die Ernährungswende folgen!

Ernährung geht jeden an

25.11.2013
 „Die Menschen im Land wollen wissen, unter welchen Bedingungen ihre Lebensmittel produziert und die Tiere gehalten werden.“betont Landwirtschaftsminister Alexander Bonde bei der Demeter-Fachtagung in Ulm. Dem ökologischen Landbau in Baden-Württemberg komme hierbei eine entscheidende Rolle zu.
„Die Menschen im Land wollen wissen, unter welchen Bedingungen ihre Lebensmittel produziert und die Tiere gehalten werden.“betont Landwirtschaftsminister Alexander Bonde bei der Demeter-Fachtagung in Ulm. Dem ökologischen Landbau in Baden-Württemberg komme hierbei eine entscheidende Rolle zu.

Martin Schäfer, Vorstand von Demeter Baden-Württemberg konnte am Sonntag, den 17. November 2013 über 200 Konsumenten, Landwirte und Gärtner bei der Demeter-Jahrestagung „Alles eine Frage der Ernährung?“ im Haus der Begegnung (HdB) in Ulm begrüßen. Eingeladen hatte Demeter Baden-Württemberg e.V. gemeinsam mit dem Beratungsdienst Ökologischer Landbau und dem Haus der Begegnung. Im Mittelpunkt stand das Thema „Agrar- und Ernährungswende“, das Fachleute aus Landwirtschaft, Wissenschaft und Forschung in mehreren Vorträgen erörterten.

Eigens für die Eröffnungsrede war Landwirtschaftsminister Alexander Bonde angereist. Darin betonte er, dass die Landesregierung die Weiterentwicklung des Ökolandbaus fördere: „Um die Umstellung und Beibehaltung des Ökolandbaus, den Wissenstransfer in Bildung und Beratung sowie die Forschung an den landwirtschaftlichen Landesanstalten auszubauen und weiter zu entwickeln, hat die Landesregierung 2012 den Aktionsplan „Bio aus Baden-Württemberg“ aufgelegt. Die Nachfrage nach Bio-Lebensmitteln steige stetig an. Mit den heimischen Produkten ließe sich derzeit der Bedarf aber nicht decken. Baden-Württemberg als Pionier- und Stammland des Ökolandbaus müsse diese Potenzial nutzen. „Die Landesregierung unterstützt Landwirtinnen und Landwirte dabei, gut gerüstet den Ökolandbau in ihrem Betrieb umzusetzen und ihre Erzeugnisse optimal zu vermarkten“, so Bonde.

Jetzt in die Umsetzung

Die Forderung „100 % Bio – jetzt“ unterstrich Dr. Alexander Gerber, seit Juli 2013 neuer Demeter-Vorstand, konkret und anschaulich mit fünf Thesen zur Ernährungswende: Recht auf Nahrung, Nachhaltige Ernährung, Artgerechte Tierhaltung, Kreislaufwirtschaft und öko-soziale Marktwirtschaft sind seiner Ansicht nach Eckpfeiler einer erfolgreichen Ernährungswende notwendig. Für jeden dieser Bereiche schlug Gerber konkrete, sofort umsetzbare politische Maßnahmen vor. Kernforderung ist, dass die Lebensmittelpreise die ökologische Wahrheit sprechen: „Es kann nicht sein, dass ein Unternehmen bei der Produktion von Lebensmitteln direkt oder indirekt Umweltschäden verursacht, und die gesamte Gesellschaft dann dafür aufkommen muss. Die ökologische Ernährungswirtschaft verdeutlicht seit Jahren, wie die Herausforderungen gemeistert werden können“, meint Gerber.

Alle wollen Billig-Lebensmittel?

Den Vorwurf der Allgemeinheit, dass die Menschen im Land eben nur Billig-Lebensmittel kaufen wollen, weist Prof. Dr. Alois Heißenhuber zurück. „ Es sind die Unternehmen der Lebensmittelindustrie die große Mengen an billigst hergestellten Lebensmitteln auf den Markt bringen,“ meint der Inhaber des Lehrstuhls für Wirtschaftslehre des Landbaus der TU München in Weihenstephan. "Wenn dauernd Billigprodukte angeboten werden, dann können wir nicht davon ausgehen, dass die Mehrzahl der Käufer daran vorbeigeht.“ Hier liege ein großer Teil der Verantwortung.

Für die niedrigen Preise, speziell im Bereich Fleisch, nennt Prof. Dr. Heißenhuber folgende Ursachen: “Deutschland hat gegenüber den Mitbewerbern wie Dänemark und Niederlande, niedrigere Standards bezüglich des Menschenschutzes. Dem Thema Dumpinglöhne kommt hierbei eine zentrale Rolle zu. Anscheinend sind auch die gesetzlichen Bestimmungen im Bereich des Tierschutzes und beim Umweltschutzes für maximal profitorientierte Agrarunternehmen in Deutschland vergleichsweise gerade zu paradiesisch.“ Deutschland habe die Erzeugung an Schweine- und Geflügelfleisch deutlich ausgeweitet. Zwischenzeitlich sei Deutschland hier Nettoexporteur. Das sei auch die Folge der niedrigeren Standards.

In seinem Vortrag „Marktwirtschaft öko-sozial gestalten“ weist er daraufhin dass bei der Forschung eine transdisziplinäre Zusammenarbeit notwendig sei: „Aufeinander abgestimmte Maßnahmen in den sieben Bereichen Boden, Wasser, Klima, Biodiversität, Energie, Tier und Mensch sind erforderlich, um eine öko-soziale und zukunftsfähige Landwirtschaft zu gestalten.“ So sei beispielsweise auch eine angemessene Entlohnung der Arbeitskräfte notwendig.

Die beiden Referenten und Pfarrer Dr. Michael Hauser vom HdB beantworteten anschließend in einer anregenden Diskussionsrunde Fragen rund um das Thema „Warum brauchen wir eine Agrar- und Ernährungswende?“.

„Mit der Wahl des Tagungsthemas haben wir den „Nagel auf den Kopf “ getroffen“, so das Fazit von Johannes Ell-Schnurr (Geschäftsführer von Demeter Baden-Württemberg), der sich durch das große Publikumsinteresse und die Anwesenheit von Landwirtschaftsminister Alexander Bonde bestätigt fühlt.

Weitere ausführliche Informationen entnehmen Sie den Tagungsunterlagen (Vortrags-Manuskripte) im Anhang.

25.11.2013
Ernährung geht jeden an
Demeter-Jahrestagung in Ulm: Auf die Energiewende muss die Ernährungswende folgen!

Martin Schäfer, Vorstand von Demeter Baden-Württemberg konnte am Sonntag, den 17. November 2013 über 200 Konsumenten, Landwirte und Gärtner bei der Demeter-Jahrestagung „Alles eine Frage der Ernährung?“ im Haus der Begegnung (HdB) in Ulm begrüßen. Eingeladen hatte Demeter Baden-Württemberg e.V. gemeinsam mit dem Beratungsdienst Ökologischer Landbau und dem Haus der Begegnung. Im Mittelpunkt stand das Thema „Agrar- und Ernährungswende“, das Fachleute aus Landwirtschaft, Wissenschaft und Forschung in mehreren Vorträgen erörterten.

Eigens für die Eröffnungsrede war Landwirtschaftsminister Alexander Bonde angereist. Darin betonte er, dass die Landesregierung die Weiterentwicklung des Ökolandbaus fördere: „Um die Umstellung und Beibehaltung des Ökolandbaus, den Wissenstransfer in Bildung und Beratung sowie die Forschung an den landwirtschaftlichen Landesanstalten auszubauen und weiter zu entwickeln, hat die Landesregierung 2012 den Aktionsplan „Bio aus Baden-Württemberg“ aufgelegt. Die Nachfrage nach Bio-Lebensmitteln steige stetig an. Mit den heimischen Produkten ließe sich derzeit der Bedarf aber nicht decken. Baden-Württemberg als Pionier- und Stammland des Ökolandbaus müsse diese Potenzial nutzen. „Die Landesregierung unterstützt Landwirtinnen und Landwirte dabei, gut gerüstet den Ökolandbau in ihrem Betrieb umzusetzen und ihre Erzeugnisse optimal zu vermarkten“, so Bonde.

Jetzt in die Umsetzung

Die Forderung „100 % Bio – jetzt“ unterstrich Dr. Alexander Gerber, seit Juli 2013 neuer Demeter-Vorstand, konkret und anschaulich mit fünf Thesen zur Ernährungswende: Recht auf Nahrung, Nachhaltige Ernährung, Artgerechte Tierhaltung, Kreislaufwirtschaft und öko-soziale Marktwirtschaft sind seiner Ansicht nach Eckpfeiler einer erfolgreichen Ernährungswende notwendig. Für jeden dieser Bereiche schlug Gerber konkrete, sofort umsetzbare politische Maßnahmen vor. Kernforderung ist, dass die Lebensmittelpreise die ökologische Wahrheit sprechen: „Es kann nicht sein, dass ein Unternehmen bei der Produktion von Lebensmitteln direkt oder indirekt Umweltschäden verursacht, und die gesamte Gesellschaft dann dafür aufkommen muss. Die ökologische Ernährungswirtschaft verdeutlicht seit Jahren, wie die Herausforderungen gemeistert werden können“, meint Gerber.

Alle wollen Billig-Lebensmittel?

Den Vorwurf der Allgemeinheit, dass die Menschen im Land eben nur Billig-Lebensmittel kaufen wollen, weist Prof. Dr. Alois Heißenhuber zurück. „ Es sind die Unternehmen der Lebensmittelindustrie die große Mengen an billigst hergestellten Lebensmitteln auf den Markt bringen,“ meint der Inhaber des Lehrstuhls für Wirtschaftslehre des Landbaus der TU München in Weihenstephan. "Wenn dauernd Billigprodukte angeboten werden, dann können wir nicht davon ausgehen, dass die Mehrzahl der Käufer daran vorbeigeht.“ Hier liege ein großer Teil der Verantwortung.

Für die niedrigen Preise, speziell im Bereich Fleisch, nennt Prof. Dr. Heißenhuber folgende Ursachen: “Deutschland hat gegenüber den Mitbewerbern wie Dänemark und Niederlande, niedrigere Standards bezüglich des Menschenschutzes. Dem Thema Dumpinglöhne kommt hierbei eine zentrale Rolle zu. Anscheinend sind auch die gesetzlichen Bestimmungen im Bereich des Tierschutzes und beim Umweltschutzes für maximal profitorientierte Agrarunternehmen in Deutschland vergleichsweise gerade zu paradiesisch.“ Deutschland habe die Erzeugung an Schweine- und Geflügelfleisch deutlich ausgeweitet. Zwischenzeitlich sei Deutschland hier Nettoexporteur. Das sei auch die Folge der niedrigeren Standards.

In seinem Vortrag „Marktwirtschaft öko-sozial gestalten“ weist er daraufhin dass bei der Forschung eine transdisziplinäre Zusammenarbeit notwendig sei: „Aufeinander abgestimmte Maßnahmen in den sieben Bereichen Boden, Wasser, Klima, Biodiversität, Energie, Tier und Mensch sind erforderlich, um eine öko-soziale und zukunftsfähige Landwirtschaft zu gestalten.“ So sei beispielsweise auch eine angemessene Entlohnung der Arbeitskräfte notwendig.

Die beiden Referenten und Pfarrer Dr. Michael Hauser vom HdB beantworteten anschließend in einer anregenden Diskussionsrunde Fragen rund um das Thema „Warum brauchen wir eine Agrar- und Ernährungswende?“.

„Mit der Wahl des Tagungsthemas haben wir den „Nagel auf den Kopf “ getroffen“, so das Fazit von Johannes Ell-Schnurr (Geschäftsführer von Demeter Baden-Württemberg), der sich durch das große Publikumsinteresse und die Anwesenheit von Landwirtschaftsminister Alexander Bonde bestätigt fühlt.

Weitere ausführliche Informationen entnehmen Sie den Tagungsunterlagen (Vortrags-Manuskripte) im Anhang.