Hohenloher Öko-Landessortenversuch vor neuen Herausforderungen

Neue Bio-Getreidesorten für moderne Bäcker

Hohenloher Öko-Landessortenversuch vor neuen Herausforderungen

10.07.2013
Reiner Schmidt vom Beratungsdienst Ökolandbau Schwäbisch-Hall e.V. hat bei den Öko-Sortenversuchen die Ansprüche der modernen Bäcker im Blick.
Reiner Schmidt vom Beratungsdienst Ökolandbau Schwäbisch-Hall e.V. hat bei den Öko-Sortenversuchen die Ansprüche der modernen Bäcker im Blick.

Bio-Bäcker stellen zunehmend andere Anforderungen an das Getreide als früher. So sollten zum Beispiel Bio-Getreidesorten auch mit weißem Mehl eine hohe Backqualität liefern oder der Teig schon nach kurzem Kneten ein großes Volumen bilden. Manche Bäcker setzen ihren Teig aus Zeitersparnis schon am Abend vorher an. Er sollte dann am Morgen noch stabil sein. „Heutige Bio-Bäcker wünschen sich einen normaleren Arbeitstag. Das verändert die Anforderungen an das Getreide der Zukunft“, berichtet Reiner Schmidt vom Beratungsdienst Ökolandbau Schwäbisch-Hall e.V.

Welche Bio-Sorten diesen Qualitätsansprüchen gerecht werden können, zeigte er kürzlich rund 100 Bio-Bauern, Vertretern aus dem Handel, der Verarbeitung und Saatgutvermehrung im Ökobereich anhand der neuesten Öko-Landessortenversuche in Hohenlohe. Sie werden vom Landwirtschaftlichen Technologiezentrum Augustenberg (LTZ) koordiniert und von Reiner Schmidt betreut.

Verbesserte Backergebnisse, Frostbeständigkeit und Krankheitsresistenz

Auf den Feldern des Demeter-Betriebs von Johanna Faure aus Crailsheim-Beuerlbach wachsen seit vier Jahren auf Versuchsparzellen 18 Sorten von Soja, Ackerbohnen, Futtererbsen und mehr als fünfzig verschiedene Getreidesorten wie Winterweizen, Winterroggen, Dinkel, Einkorn und Emmer. Die Sorten stammen zum Großteil aus biologisch-dynamischer Züchtung. „Besonders auf den schlechteren Standorten erfüllen die konventionellen Sorten im Bio-Anbau die heutigen Qualitätskriterien nicht mehr. In der Regel bekommen wir mit biodynamischen Züchtungen bessere Backergebnisse, dazu eine sehr gute Frostbeständigkeit und Krankheitsresistenz“, so die Erfahrung von Reiner Schmidt aus 21 Jahren Sortenversuchen in Hohenlohe.

Biodynamische Sorten - attraktiv bei schwierigen Anbaubedingungen

Im biodynamischen Anbau werden zusätzlich von den Landwirten selbst hergestellte Heilkräuterpräparate angewendet. Beikräuter werden nur mechanisch eingedämmt, und die Kulturen wachsen ohne chemisch-synthetische Dünge- und Spritzmittel heran. Dieses Jahr waren die Pflanzen besonderen Wetterbedingungen ausgesetzt. Durch die lange Kälte, Nässe und zwei Drittel weniger Sonne in diesem Frühjahr, war weniger Stickstoff für die Pflanzen verfügbar. Außerdem verhärtete der viele Regen im Mai die Bodenkruste so sehr, dass ein Hacken oder Striegeln in dem stark verdichteten Boden kaum mehr möglich war. Das Ergebnis: Die Halme der Getreidesorten sind etwas kürzer als normal und die Sojabohnen einige Wochen im Wachstum zurück. Ob die Pflanzen dies noch aufholen können, ist sich Reiner Schmidt nicht sicher. Der hohe Eiweißgehalt von Sojabohnen macht ihren Anbau auch in Hohenlohe attraktiv, obwohl sie relativ wärmeliebende Pflanzen sind. Drei neue Sorten im Versuch scheinen im Hohenlohischen besser zu wachsen als die bisher getesteten.

Den Wetterkapriolen trotzten dagegen Ackerbohnen und Futtererbsen. Sie sind sehr schön gewachsen. Oft haben lange und standfestere Sorten einen etwas geringeren Ertrag, kurze ertragreichere dafür mehr Beikräuter. Auch hier liefern die Versuchsergebnisse wichtige Anhaltspunkte. Drei biodynamische Züchter waren bei der Führung anwesend und stellten die Eigenschaften ihrer Getreidesorten vor. So gibt es solche mit gutem Ertrag und zugleich guten Protein- und Klebergehalt, was sich im Normalfall ausschließt. Andere liefern dazu auch bei schwierigen Anbaubedingungen,wie Wetterextremen oder schlechteren Böden, eine gute Backqualität. Genauso wichtig ist eine elastische und standfeste Ähre. Die Sorten des biodynamischen Züchters Hartmut Spieß vom Dottenfelderhof bei Frankfurt zeichneten sich durch eine sehr gute Frostbeständigkeit, viele Resistenzen und einen guten Umgang mit Extremen aus. Drei Winterweizensorten vom biodynamischen Züchter Peter Kunz aus der Schweiz liefern durch ihr höheres Gewicht sogar eine höhere Mehlausbeute, das heißt, zwei Kilo mehr Mehl von 100 Kilo Weizen.

Einen auffällig dicken Halm zeigte der Lichtkornroggen, ebenfalls eine biodynamische Züchtung. Das Besondere: Er ergibt ein sehr helles Mehl, obwohl Roggenmehl normalerweise dunkel ist. Auch beim Dinkel stellte Peter Kunz eine interessante Züchtung vor. Das Mehl daraus kann sechs Prozent mehr Wasser aufnehmen ohne dass der Teig klebrig wird.

(Text von Iris Mühlberger)

Hohenloher Öko-Landessortenversuch vor neuen Herausforderungen
Neue Bio-Getreidesorten für moderne Bäcker

Bio-Bäcker stellen zunehmend andere Anforderungen an das Getreide als früher. So sollten zum Beispiel Bio-Getreidesorten auch mit weißem Mehl eine hohe Backqualität liefern oder der Teig schon nach kurzem Kneten ein großes Volumen bilden. Manche Bäcker setzen ihren Teig aus Zeitersparnis schon am Abend vorher an. Er sollte dann am Morgen noch stabil sein. „Heutige Bio-Bäcker wünschen sich einen normaleren Arbeitstag. Das verändert die Anforderungen an das Getreide der Zukunft“, berichtet Reiner Schmidt vom Beratungsdienst Ökolandbau Schwäbisch-Hall e.V.

Welche Bio-Sorten diesen Qualitätsansprüchen gerecht werden können, zeigte er kürzlich rund 100 Bio-Bauern, Vertretern aus dem Handel, der Verarbeitung und Saatgutvermehrung im Ökobereich anhand der neuesten Öko-Landessortenversuche in Hohenlohe. Sie werden vom Landwirtschaftlichen Technologiezentrum Augustenberg (LTZ) koordiniert und von Reiner Schmidt betreut.

Verbesserte Backergebnisse, Frostbeständigkeit und Krankheitsresistenz

Auf den Feldern des Demeter-Betriebs von Johanna Faure aus Crailsheim-Beuerlbach wachsen seit vier Jahren auf Versuchsparzellen 18 Sorten von Soja, Ackerbohnen, Futtererbsen und mehr als fünfzig verschiedene Getreidesorten wie Winterweizen, Winterroggen, Dinkel, Einkorn und Emmer. Die Sorten stammen zum Großteil aus biologisch-dynamischer Züchtung. „Besonders auf den schlechteren Standorten erfüllen die konventionellen Sorten im Bio-Anbau die heutigen Qualitätskriterien nicht mehr. In der Regel bekommen wir mit biodynamischen Züchtungen bessere Backergebnisse, dazu eine sehr gute Frostbeständigkeit und Krankheitsresistenz“, so die Erfahrung von Reiner Schmidt aus 21 Jahren Sortenversuchen in Hohenlohe.

Biodynamische Sorten - attraktiv bei schwierigen Anbaubedingungen

Im biodynamischen Anbau werden zusätzlich von den Landwirten selbst hergestellte Heilkräuterpräparate angewendet. Beikräuter werden nur mechanisch eingedämmt, und die Kulturen wachsen ohne chemisch-synthetische Dünge- und Spritzmittel heran. Dieses Jahr waren die Pflanzen besonderen Wetterbedingungen ausgesetzt. Durch die lange Kälte, Nässe und zwei Drittel weniger Sonne in diesem Frühjahr, war weniger Stickstoff für die Pflanzen verfügbar. Außerdem verhärtete der viele Regen im Mai die Bodenkruste so sehr, dass ein Hacken oder Striegeln in dem stark verdichteten Boden kaum mehr möglich war. Das Ergebnis: Die Halme der Getreidesorten sind etwas kürzer als normal und die Sojabohnen einige Wochen im Wachstum zurück. Ob die Pflanzen dies noch aufholen können, ist sich Reiner Schmidt nicht sicher. Der hohe Eiweißgehalt von Sojabohnen macht ihren Anbau auch in Hohenlohe attraktiv, obwohl sie relativ wärmeliebende Pflanzen sind. Drei neue Sorten im Versuch scheinen im Hohenlohischen besser zu wachsen als die bisher getesteten.

Den Wetterkapriolen trotzten dagegen Ackerbohnen und Futtererbsen. Sie sind sehr schön gewachsen. Oft haben lange und standfestere Sorten einen etwas geringeren Ertrag, kurze ertragreichere dafür mehr Beikräuter. Auch hier liefern die Versuchsergebnisse wichtige Anhaltspunkte. Drei biodynamische Züchter waren bei der Führung anwesend und stellten die Eigenschaften ihrer Getreidesorten vor. So gibt es solche mit gutem Ertrag und zugleich guten Protein- und Klebergehalt, was sich im Normalfall ausschließt. Andere liefern dazu auch bei schwierigen Anbaubedingungen,wie Wetterextremen oder schlechteren Böden, eine gute Backqualität. Genauso wichtig ist eine elastische und standfeste Ähre. Die Sorten des biodynamischen Züchters Hartmut Spieß vom Dottenfelderhof bei Frankfurt zeichneten sich durch eine sehr gute Frostbeständigkeit, viele Resistenzen und einen guten Umgang mit Extremen aus. Drei Winterweizensorten vom biodynamischen Züchter Peter Kunz aus der Schweiz liefern durch ihr höheres Gewicht sogar eine höhere Mehlausbeute, das heißt, zwei Kilo mehr Mehl von 100 Kilo Weizen.

Einen auffällig dicken Halm zeigte der Lichtkornroggen, ebenfalls eine biodynamische Züchtung. Das Besondere: Er ergibt ein sehr helles Mehl, obwohl Roggenmehl normalerweise dunkel ist. Auch beim Dinkel stellte Peter Kunz eine interessante Züchtung vor. Das Mehl daraus kann sechs Prozent mehr Wasser aufnehmen ohne dass der Teig klebrig wird.

(Text von Iris Mühlberger)