Demeter-Jahrestagung 2012 in Bad Boll

„Wem gehört das Land? Wem gehört die Landwirtschaft?“

Demeter-Jahrestagung 2012 in Bad Boll

30.11.2012

Vom 15. bis 16. November 2012 fand die diesjährige Jahrestagung von Demeter Baden-Württemberg in der Evangelischen Akademie in Bad Boll statt. Rund 50 Teilnehmer beschäftigten sich mit der brisanten Frage: „Wem gehört das Land? Wem gehört die Landwirtschaft?“ Mit Experten-Vorträgen und in gemeinsamen Workshops widmeten sich Öko-Landwirte sowie interessiertes Fachpublikum dem wichtigen Thema und formulierten abschließend Lösungsansätze.

Vier Impulsvorträge zeigten zu Beginn der Demeter-Jahrestagung 2012 die verschiedenen aktuellen Herausforderungen landwirtschaftlicher Unternehmen im Umgang mit gestiegenen Pacht- und Bodenpreisen auf und beschrieben alternative Gestaltungsmöglichkeiten für landwirtschaftlicher Betriebe: Am Beispiel der Regionalwert AG zeigte Christian Hiß, welchen Einfluss eine „Bürgeraktiengesellschaft“ auf die Regionalwirtschaft haben kann.Bei der Gestaltung der Finanzierung eines Landwirtschaftsbetriebs spielen außerlandwirtschaftliche Eigentümer eine zunehmend wichtige Rolle. Uwe Greff von der GLS Gemeinschaftsbank beschrieb diese und verwies auf bereits bestehende Modelle wie die GLS-Treuhand und den Bio-Bodenfonds.

Kaufen statt Pachten

In der Frage, wie bäuerliche Betriebe in Zukunft den stark steigenden Pachtpreisen begegnen können, stellte MSc. agr. Elmar Blanc, Demeter-Junglandwirt in Wolpertshausen-Hassfelden, die Ergebnisse seiner Untersuchungen über die Ursachen von Pachtpreissteigerungen vor. Sein Fazit: „Kaufen statt Pachten! Landwirte sollten die Option Landkauf öfters erwägen!“

Thomas Schmid, Landwirt vom Heggelbachhof am Bodensee, stellte die Studie „Land[frei]kauf “ der International Biodynamic Association (IBDA) vor, die im Oktober 2012 fertig gestellt wurde. Im Rahmen dieser Studie wurde eine Befragung von Öko-Betrieben zum aktuellen Bodenmarkt durchgeführt und deren Motive für Landkauf oder Pacht analysiert. Die in der Studie vorgestellten und untersuchten Initiativen zum »erneuten Bodenfreikauf« im ökologischen Landbau zielen darauf ab, Alternativen zur familiengebundenen Vererblichkeit aufzuzeigen und den Boden von Spekulationsinteressen zu befreien.

Wahrnehmung und aktive Gestaltung

Drei Arbeitsgruppen (Bild: Workshop mit Christian Hiß) vertieften die Themenschwerpunkte aus den Vorträgen und formulierten folgende Ergebnisse: Landwirtschaftliche Betriebe können isoliert von ihrem regionalen Umfeld nicht dauerhaft eigenständig existieren. Daher ist die Wahrnehmung und aktive Gestaltung gegenseitiger Beziehungen mit Pächtern und potentiellen Verkäufern landwirtschaftlicher Flächen von großer Bedeutung. Diese Beziehungspflege ist auch wichtig bei der Ansprache von Menschen, die sich in der Landwirtschaft finanziell beteiligen wollen. Die damit verbundene Aufgabe ist mit Transparenz (Kommunikation) und „Wärme“ erlebbar und schafft somit die Grundlagen für eine Förderung von Kulturlandwirtschaft, regionaler Integration und wertstabiler Kapitalanlagen.

Carolin Callenius, Beraterin bei Brot für die Welt für das Recht auf Nahrung, rundete schließlich die Tagung ab – mit einem „Blick über den Tellerrand“. In Ihrem Vortrag wies sie auf grundsätzliche Zusammenhänge hin, die das Recht auf freien Zugang zu Boden weltweit einschränken oder behindern.

Beteiligen!

Ergänzender Hinweis: Am 22. November 2012 fand in Berlin eine gemeinsame Veranstaltung von Demeter e. V. und Slowfood mit dem Titel „Wem gehört die Landwirtschaft“ statt. Aus diesem Anlass wurde eine Broschüre mit dem Titel „Beteiligen! Landwirte und Bürger als Partner“ herausgegeben. Sie informiert über bestehende Kooperationen und Beteiligungsmöglichkeiten wie z. B. die Höfe mit solidarischer Landwirtschaft (CSA), Kapitalgesellschaften oder gemeinnützige Bio-Höfe. Auch Genussscheine als Finanzierungsmittel sowie der Bio-Bodenfonds der GLS-Gemeinschaftsbank werden vorgestellt, ebenso eine Zusammenfassung der IBDA-Studie. „Land[frei]kauf.“

Weitere Informationen sowie die Broschüre und die Studie zum Herunterladen finden Sie hier.

Demeter-Jahrestagung 2012 in Bad Boll
„Wem gehört das Land? Wem gehört die Landwirtschaft?“

Vom 15. bis 16. November 2012 fand die diesjährige Jahrestagung von Demeter Baden-Württemberg in der Evangelischen Akademie in Bad Boll statt. Rund 50 Teilnehmer beschäftigten sich mit der brisanten Frage: „Wem gehört das Land? Wem gehört die Landwirtschaft?“ Mit Experten-Vorträgen und in gemeinsamen Workshops widmeten sich Öko-Landwirte sowie interessiertes Fachpublikum dem wichtigen Thema und formulierten abschließend Lösungsansätze.

Vier Impulsvorträge zeigten zu Beginn der Demeter-Jahrestagung 2012 die verschiedenen aktuellen Herausforderungen landwirtschaftlicher Unternehmen im Umgang mit gestiegenen Pacht- und Bodenpreisen auf und beschrieben alternative Gestaltungsmöglichkeiten für landwirtschaftlicher Betriebe: Am Beispiel der Regionalwert AG zeigte Christian Hiß, welchen Einfluss eine „Bürgeraktiengesellschaft“ auf die Regionalwirtschaft haben kann.Bei der Gestaltung der Finanzierung eines Landwirtschaftsbetriebs spielen außerlandwirtschaftliche Eigentümer eine zunehmend wichtige Rolle. Uwe Greff von der GLS Gemeinschaftsbank beschrieb diese und verwies auf bereits bestehende Modelle wie die GLS-Treuhand und den Bio-Bodenfonds.

Kaufen statt Pachten

In der Frage, wie bäuerliche Betriebe in Zukunft den stark steigenden Pachtpreisen begegnen können, stellte MSc. agr. Elmar Blanc, Demeter-Junglandwirt in Wolpertshausen-Hassfelden, die Ergebnisse seiner Untersuchungen über die Ursachen von Pachtpreissteigerungen vor. Sein Fazit: „Kaufen statt Pachten! Landwirte sollten die Option Landkauf öfters erwägen!“

Thomas Schmid, Landwirt vom Heggelbachhof am Bodensee, stellte die Studie „Land[frei]kauf “ der International Biodynamic Association (IBDA) vor, die im Oktober 2012 fertig gestellt wurde. Im Rahmen dieser Studie wurde eine Befragung von Öko-Betrieben zum aktuellen Bodenmarkt durchgeführt und deren Motive für Landkauf oder Pacht analysiert. Die in der Studie vorgestellten und untersuchten Initiativen zum »erneuten Bodenfreikauf« im ökologischen Landbau zielen darauf ab, Alternativen zur familiengebundenen Vererblichkeit aufzuzeigen und den Boden von Spekulationsinteressen zu befreien.

Wahrnehmung und aktive Gestaltung

Drei Arbeitsgruppen (Bild: Workshop mit Christian Hiß) vertieften die Themenschwerpunkte aus den Vorträgen und formulierten folgende Ergebnisse: Landwirtschaftliche Betriebe können isoliert von ihrem regionalen Umfeld nicht dauerhaft eigenständig existieren. Daher ist die Wahrnehmung und aktive Gestaltung gegenseitiger Beziehungen mit Pächtern und potentiellen Verkäufern landwirtschaftlicher Flächen von großer Bedeutung. Diese Beziehungspflege ist auch wichtig bei der Ansprache von Menschen, die sich in der Landwirtschaft finanziell beteiligen wollen. Die damit verbundene Aufgabe ist mit Transparenz (Kommunikation) und „Wärme“ erlebbar und schafft somit die Grundlagen für eine Förderung von Kulturlandwirtschaft, regionaler Integration und wertstabiler Kapitalanlagen.

Carolin Callenius, Beraterin bei Brot für die Welt für das Recht auf Nahrung, rundete schließlich die Tagung ab – mit einem „Blick über den Tellerrand“. In Ihrem Vortrag wies sie auf grundsätzliche Zusammenhänge hin, die das Recht auf freien Zugang zu Boden weltweit einschränken oder behindern.

Beteiligen!

Ergänzender Hinweis: Am 22. November 2012 fand in Berlin eine gemeinsame Veranstaltung von Demeter e. V. und Slowfood mit dem Titel „Wem gehört die Landwirtschaft“ statt. Aus diesem Anlass wurde eine Broschüre mit dem Titel „Beteiligen! Landwirte und Bürger als Partner“ herausgegeben. Sie informiert über bestehende Kooperationen und Beteiligungsmöglichkeiten wie z. B. die Höfe mit solidarischer Landwirtschaft (CSA), Kapitalgesellschaften oder gemeinnützige Bio-Höfe. Auch Genussscheine als Finanzierungsmittel sowie der Bio-Bodenfonds der GLS-Gemeinschaftsbank werden vorgestellt, ebenso eine Zusammenfassung der IBDA-Studie. „Land[frei]kauf.“

Weitere Informationen sowie die Broschüre und die Studie zum Herunterladen finden Sie hier.