Weichenstellung für weitere Entwicklung beschlossen

Qualität zentrales Thema der Demeter-Delegiertenversammlung:

Weichenstellung für weitere Entwicklung beschlossen

06.05.2013

Demeter, die Organisation aller an der Biodynamischen Wirtschaftsweise beteiligten Akteure, nimmt für sich die Qualitätsführerschaft im Bio-Bereich in Anspruch. Folgerichtig stellten die Delegierten des Demeter e. V. bei ihrer Jahresversammlung Qualitätsfragen in den Mittelpunkt. Dabei ging es um Lebensmittelqualität, Qualität der Zusammenarbeit und im Bereich der Landwirtschaft um Tierwohl und Biodiversität.

Der Potsdamer Tierarzt Christian Fidelak sieht im Demeter-Ideal einer wesensgemäßen Tierhaltung den Schlüssel für optimales Tierwohl: „Wer die ganze Kuh sieht erkennt, dass es über die reinen Nutzungsparameter hinausgehende Qualitätsmerkmale gibt, deren Beachtung letztlich dem Tier und dem Produkt zu Gute kommen.“ Aus Respekt vor der Integrität des Lebewesens bleiben zum Beispiel bei den Demeter-Kühen die Hörner bewusst dran. Fidelak verwies jedoch auf ökonomische Zwänge, die Druck auf Tierhalter ausüben und spannte deshalb den Bogen vom Tierwohl bis zum fairen Milchpreis. Mit seinen Kollegen von Bovicare untersucht er den Gesundheitsstatus von Kühen und baut ein Gesundheitsmonitoring über die gesamte Wertschöpfungskette auf. Er fordert die verstärkte Zusammenarbeit zwischen Tierärzten und Öko-Bauern, „damit wir mehr tun als Tiere zu behandeln.“ In einer den Bedürfnissen der Kuh angepassten Tierhaltung sieht Fidelak noch Potential, die Gesundheit und das Wohlergehen der Bio-Tiere zu verbessern. Demeter arbeitet mit dem forschenden Veterinär im Rahmen seiner Beratungsangebote zusammen und wird dies noch weiter ausbauen. „Tierwohl ist ein Schwerpunktthema in der Demeter-Verbandsarbeit und verbandsübergreifend mit den Öko-Kollegen“, betonte Vorstand Klemens Fischer.

Bereichernd waren die Ansätze zu Biodiversität, die Thea Clostermann als Apfelbäuerin am Niederrhein den Delegierten vorstellte. Auch und gerade ein auf Monokultur ausgerichteter Betrieb müsse alle Möglichkeiten zur Förderung von Vielfalt nutzen. „Wir haben uns dem Thema über die Schädlingsfrage genähert“, erläuterte sie. So kamen neben den Hühnern samt Hahn - „eine Geste die wir Tierhaltung nennen“ – immer mehr Bienen auf den Betrieb, die in einer Imkergemeinschaft betreut werden. Damit die fleißigen Insekten auch nach Obstbaum- und Rosenblüte genug Nahrung finden, wurden 1,5 Hektar Bienenweiden eingesät und zwei Hektar Hecken mit Blühsträuchern gepflanzt. „Das ist nicht nur eine Freude, sondern auch eine Bereicherung für den gesamten Betrieb und da aus Freiwilligkeit heraus entstanden ein nachhaltiger Impuls“, betonte die engagierte Demeter-Obstbäuerin.

Die Qualität in der Verarbeitung betrachtete Alexander Beck ganz grundlegend. Dabei ging er weit über die stoffliche Dimension von Lebensmitteln hinaus und ermutigte dazu, der eigenen Wahrnehmung wieder zu trauen und zu fragen: Was bekommt mir? Was esse ich wann aus welcher Motivation? Erst wenn Esser und Lebensmittel sich auf einander beziehen können, so seine These, die er mit Überlegungen von Rudolf Steiner untermauerte, entsteht wirkliche Nahrungsqualität. „Alles, was das Lebensmittel in seinem Werdeprozess an Information gesammelt hat, das ernährt mich.“ Deshalb sei eine „entwickelnde Verarbeitung“ das Leitbild der Demeter-Richtlinien, die sich eben nicht einfach nur auf das Ausschließen von Zusatzstoffen oder Verfahren beschränken. In einer Qualitätsgemeinschaft werde letztlich der Verbraucher zum Co-Produzenten und bleibe nicht einfaches Zielobjekt wirtschaftlicher Aktivitäten.

Ähnlich ging Thomas Schmid sein Thema „Qualität der Zusammenarbeit“ an. Sein Ansatz: In der Wertschöpfungskette wird auf jeder Stufe das Produkt als Wirtschaftsgut für sich betrachtet. In einer Wertschätzungskette steht dagegen der Mensch mit seiner jeweiligen Aufgabe im Focus. „Das verlangt Brüderlichkeit, Nächstenliebe, Interesse und Akzeptanz der Bedürfnisse des anderen mit in den Blick von Handelsbeziehungen zu nehmen“, betonte der Demeter-Landwirt vom Bodensee. „Und das funktioniert nur, wenn alle mitziehen.“  

Der designierte Demeter-Vorstand Alexander Gerber, der sich den Delegierten als „Heimkehrender“ in die biodynamische Gemeinschaft vorstellte, sieht reichlich Potential, eine ganzheitlich verstandene Qualität weiterzuentwickeln. „Dabei werden wir nicht in erster Linie auf detaillierte Richtlinien, sondern auf einzelbetriebliche Initiativen setzen. Diese erzeugen besonders viel Wirkung, weil sie freie Impulse der Beteiligten sind“, betonte Gerber. „Über die grundsätzliche Verpflichtung zur Weiterentwicklung lässt sich so Verbindlichkeit herstellen. Die individuellen Entwicklungsschritte können dann etwa  im Rahmen der Betriebsentwicklungsgespräche reflektiert werden.“ Diese Demeter-spezifische Form kollegialer Beratung soll künftig auf allen Ebenen der Wertschöpfungskette durchgeführt werden. Neben diesem Beschluss vereinbarten die Delegierten weitere konkrete Schritte der Qualitätssicherung: Dazu zählen ein Tierwohlprojekt und ein Kriterienkatalog für faire Handelsbeziehungen.

06.05.2013
Weichenstellung für weitere Entwicklung beschlossen
Qualität zentrales Thema der Demeter-Delegiertenversammlung:

Demeter, die Organisation aller an der Biodynamischen Wirtschaftsweise beteiligten Akteure, nimmt für sich die Qualitätsführerschaft im Bio-Bereich in Anspruch. Folgerichtig stellten die Delegierten des Demeter e. V. bei ihrer Jahresversammlung Qualitätsfragen in den Mittelpunkt. Dabei ging es um Lebensmittelqualität, Qualität der Zusammenarbeit und im Bereich der Landwirtschaft um Tierwohl und Biodiversität.

Der Potsdamer Tierarzt Christian Fidelak sieht im Demeter-Ideal einer wesensgemäßen Tierhaltung den Schlüssel für optimales Tierwohl: „Wer die ganze Kuh sieht erkennt, dass es über die reinen Nutzungsparameter hinausgehende Qualitätsmerkmale gibt, deren Beachtung letztlich dem Tier und dem Produkt zu Gute kommen.“ Aus Respekt vor der Integrität des Lebewesens bleiben zum Beispiel bei den Demeter-Kühen die Hörner bewusst dran. Fidelak verwies jedoch auf ökonomische Zwänge, die Druck auf Tierhalter ausüben und spannte deshalb den Bogen vom Tierwohl bis zum fairen Milchpreis. Mit seinen Kollegen von Bovicare untersucht er den Gesundheitsstatus von Kühen und baut ein Gesundheitsmonitoring über die gesamte Wertschöpfungskette auf. Er fordert die verstärkte Zusammenarbeit zwischen Tierärzten und Öko-Bauern, „damit wir mehr tun als Tiere zu behandeln.“ In einer den Bedürfnissen der Kuh angepassten Tierhaltung sieht Fidelak noch Potential, die Gesundheit und das Wohlergehen der Bio-Tiere zu verbessern. Demeter arbeitet mit dem forschenden Veterinär im Rahmen seiner Beratungsangebote zusammen und wird dies noch weiter ausbauen. „Tierwohl ist ein Schwerpunktthema in der Demeter-Verbandsarbeit und verbandsübergreifend mit den Öko-Kollegen“, betonte Vorstand Klemens Fischer.

Bereichernd waren die Ansätze zu Biodiversität, die Thea Clostermann als Apfelbäuerin am Niederrhein den Delegierten vorstellte. Auch und gerade ein auf Monokultur ausgerichteter Betrieb müsse alle Möglichkeiten zur Förderung von Vielfalt nutzen. „Wir haben uns dem Thema über die Schädlingsfrage genähert“, erläuterte sie. So kamen neben den Hühnern samt Hahn - „eine Geste die wir Tierhaltung nennen“ – immer mehr Bienen auf den Betrieb, die in einer Imkergemeinschaft betreut werden. Damit die fleißigen Insekten auch nach Obstbaum- und Rosenblüte genug Nahrung finden, wurden 1,5 Hektar Bienenweiden eingesät und zwei Hektar Hecken mit Blühsträuchern gepflanzt. „Das ist nicht nur eine Freude, sondern auch eine Bereicherung für den gesamten Betrieb und da aus Freiwilligkeit heraus entstanden ein nachhaltiger Impuls“, betonte die engagierte Demeter-Obstbäuerin.

Die Qualität in der Verarbeitung betrachtete Alexander Beck ganz grundlegend. Dabei ging er weit über die stoffliche Dimension von Lebensmitteln hinaus und ermutigte dazu, der eigenen Wahrnehmung wieder zu trauen und zu fragen: Was bekommt mir? Was esse ich wann aus welcher Motivation? Erst wenn Esser und Lebensmittel sich auf einander beziehen können, so seine These, die er mit Überlegungen von Rudolf Steiner untermauerte, entsteht wirkliche Nahrungsqualität. „Alles, was das Lebensmittel in seinem Werdeprozess an Information gesammelt hat, das ernährt mich.“ Deshalb sei eine „entwickelnde Verarbeitung“ das Leitbild der Demeter-Richtlinien, die sich eben nicht einfach nur auf das Ausschließen von Zusatzstoffen oder Verfahren beschränken. In einer Qualitätsgemeinschaft werde letztlich der Verbraucher zum Co-Produzenten und bleibe nicht einfaches Zielobjekt wirtschaftlicher Aktivitäten.

Ähnlich ging Thomas Schmid sein Thema „Qualität der Zusammenarbeit“ an. Sein Ansatz: In der Wertschöpfungskette wird auf jeder Stufe das Produkt als Wirtschaftsgut für sich betrachtet. In einer Wertschätzungskette steht dagegen der Mensch mit seiner jeweiligen Aufgabe im Focus. „Das verlangt Brüderlichkeit, Nächstenliebe, Interesse und Akzeptanz der Bedürfnisse des anderen mit in den Blick von Handelsbeziehungen zu nehmen“, betonte der Demeter-Landwirt vom Bodensee. „Und das funktioniert nur, wenn alle mitziehen.“  

Der designierte Demeter-Vorstand Alexander Gerber, der sich den Delegierten als „Heimkehrender“ in die biodynamische Gemeinschaft vorstellte, sieht reichlich Potential, eine ganzheitlich verstandene Qualität weiterzuentwickeln. „Dabei werden wir nicht in erster Linie auf detaillierte Richtlinien, sondern auf einzelbetriebliche Initiativen setzen. Diese erzeugen besonders viel Wirkung, weil sie freie Impulse der Beteiligten sind“, betonte Gerber. „Über die grundsätzliche Verpflichtung zur Weiterentwicklung lässt sich so Verbindlichkeit herstellen. Die individuellen Entwicklungsschritte können dann etwa  im Rahmen der Betriebsentwicklungsgespräche reflektiert werden.“ Diese Demeter-spezifische Form kollegialer Beratung soll künftig auf allen Ebenen der Wertschöpfungskette durchgeführt werden. Neben diesem Beschluss vereinbarten die Delegierten weitere konkrete Schritte der Qualitätssicherung: Dazu zählen ein Tierwohlprojekt und ein Kriterienkatalog für faire Handelsbeziehungen.