Vorbild für andere Frauen sein

Was sich die Studentinnen des Agricultural Training Center Krumhuk zum Weltfrauentag wünschen

Vorbild für andere Frauen sein

07.03.2014
Die Studentinnen am ATCK
Die Studentinnen am ATCK äußern ihre Wünsche zum Weltfrauentag: Fransina Simson, Maria Josef, Juliana Herero, Norris Afrikaner, Wendy Rooinasie, Erenstin Hoes und Tresia Angula (vorne, von links) sowie Linea N Kamati, Pauline Kayambu, Elli Mupetami, Bianca Kufuna, Merry-Gold Metirua, Martha Amweelo, Laina Iita, Lucretia Ontshiametse und Desiree Dawids (hinten, von links).

Biodynamisch lebt auf allen Kontinenten dieser Erde nicht zuletzt vom Engagement der Frauen. Ein bewundernswertes Projekt in Afrika – Namibia Krumhuk – fördert nicht nur die Biodynamische Wirtschaftsweise auf den Äckern, sondern auch die Entwicklung der Afrikanerinnen durch Bildung. Die Journalistin Julia Trinkle war vor Ort und hat mit den jungen Frau gesprochen. Lest selbst, was sich diese Afrikanerinnen für ihre  Zukunft wünschen.

Ein Leben in Freiheit, ohne Angst, Gewalt, Diskriminierung und Hunger – das wünscht die 24-jährige Elli Mupetami aus Ondangwa im Norden Namibias zum Weltfrauentag allen Frauen auf der Welt, ganz gleich, woher sie stammen. Sie hofft, dass Frauen es schaffen, gemeinsam für Gleichberechtigung von Frauen und Männern zu kämpfen. Zentral dabei ist Bildung. Elli Mupetami will daher ihren Abschluss Ende dieses Jahres am ATCK machen, um eine gute Arbeitsstelle zu finden und ihrer Tochter so ein gutes Leben ermöglichen zu können. Wie sie haben weitere sechs der insgesamt 16 Studentinnen am ATCK bereits ein Kind. Ein paar von ihnen sind alleinerziehend, die engen Familienbande in Namibia greifen in diesen Fällen: Die meisten der Kinder wachsen bei den Eltern der jungen Mütter auf, während diese ihre Ausbildung am ATCK machen und dort im Internat leben.

Die 16 Studentinnen sind dankbar dafür, dass sie sich am ATCK in praktischem und theoretischem Farm- und Haushaltsmanagement ausbilden lassen können, dies wird auch bei ihren Wünschen zum Weltfrauentag deutlich: Die 21-jährige Wendy Rooinasie aus Rehoboth in Zentralnamibia etwa will am ATCK studieren und einen gut bezahlten Beruf ergreifen oder einen eigenen Gastbetrieb führen, auch um Vorbild für ihre jüngeren Schwestern und Brüder zu sein und ihre Eltern und Großeltern unterstützen zu können, wenn diese ihre Hilfe brauchen. In welchem Sektor sie arbeiten möchte, weiß sie derzeit noch nicht genau, möglicherweise im Gästebetrieb einer Lodge in Namibia, denn Tourismus ist einer von mehreren Bereichen, für den die Studentinnen am ATCK ausgebildet werden. Farmwirtschaft, Haushaltsmanagement und Handarbeit in Praxis und Theorie sind weitere Fächer im Lehrplan am ATCK. Zur Handarbeit zählen der Umgang mit verschiedenen Stoffen sowie Design. Das ist es, was Desiree Dawids besonders interessiert. Die 26-Jährige aus Gobabis, einer Kleinstadt im Osten Namibias, kann sich gut vorstellen, nach ihrem Abschluss als Designerin zu arbeiten.

Tresier Angula aus Windhoek würde sich gerne mit einem eigenen Cateringservice selbstständig machen und ist froh, dass sie am ATCK auch Management und Buchführung lernt. Die 23-Jährige, die im März ihr Studium am ATCK begonnen hat, möchte Vorbild für andere junge Frauen sein, die ihr Leben selbst in die Hand nehmen wollen. Genauso Lucratia Ontshiametse, die sehr kreativ und sprachbegabt ist. Sie findet die abwechslungsreiche und umfassende Ausbildung am ATCK gut und freut sich stets auf den Englisch- und Deutschunterricht. Nach ihrem Abschluss möchte die 23-Jährige aus Gobabis an einer Universität studieren, um Journalistin zu werden.

Merry-Gold Metirua aus Okakarara in der Otjozondjupa Region in Zentralnamibia liegt hingegen eher die praktische Arbeit. Die 23-Jährige würde nach ihrem Abschluss am ATCK gerne ihren eigenen Laden für Molkereiprodukte eröffnen oder aber in einem Molkereiunternehmen arbeiten. Dass zum Farmbetrieb des ATCK Milchkühe gehören und die Studenten selbst Milch zu Käse, Quark oder Joghurt verarbeiten, kommt ihr demnach sehr gelegen. Fest steht für sie allerdings auch, dass sie auf jeden Fall eine Familie gründen will. Sie und ihr Freund haben bereits einen zweijährigen Jungen, nun wünscht sie sich noch ein Mädchen. Dass Familie und Beruf vereinbar sein müssen, steht für die meisten der Studentinnen fest: Sie wünschen sich neben einer guten Arbeitsstelle Kinder und einen Mann, der sie gut behandelt.

Gewalt gegen Frauen ist ein Thema, das Juliana Herero aus Rehoboth beschäftigt, denn Zeitungen in Namibia berichten derzeit mindestens einmal in der Woche, dass wieder eine namibische Frau von ihrem Mann oder von männlichen Familienmitgliedern umgebracht wurde: „Behandelt eure Frauen mit Respekt und stoppt Gewalt gegen sie“, fordert Juliana Herero, „denn ohne eure Frauen seid ihr nichts“. Die Liebe und der Halt, den Mütter, Großmütter oder Schwestern den Kindern in ihrer Familie geben, schaffen die Grundlage für deren ganzes Leben, ist die 25-jährige Paulina Kayambu aus Ondangwa in der Region Oshana im Norden Namibias überzeugt.

Dazu, sich selbst wichtig zu nehmen und zu respektieren, ruft die 18-jährige Linea N Kamati aus Ondangwa in der Oshana Region in Nordnamibia, alle Frauen auf der Welt auf. „Lasst nicht zu, dass andere auf euch herabsehen“, meint die 18-jährige Erenstin Hoes aus Windhoek. Und die 23-jährige Fransina Simson aus Opuwo in der Kunene Region im Nordwesten von Namibia fordert: „Lasst uns stolz sein, dass wir Frauen sind, denn wir können alles, was Männer auch können.“ Die 24- jährige Bianca Kufuna aus Katima Mulilo in der Caprivi Region im Nordosten des Landes wünscht allen Frauen zum Weltfrauentag, dass sie mehr an sich selbst glauben können, stolz auf sich sind und sich von niemandem ihre Träume zerstören lassen – insbesondere nicht von Männern. Wenn es manchmal schwer fällt zu bestehen, dann sollten sich alle Frauen auf der Welt sagen: „Was uns nicht umbringt, macht uns nur stärker“, rät die 19-jährige Norris Afrikaner aus Windhoek.

Ihr Glaube spielt für viele der Studentinnen am ATCK eine große Rolle: Jeder Mensch schmiedet Pläne für sein Leben, meint Merry-Gold Metirua. Doch letztlich liege doch alles in Gottes Händen. Die reichsten Menschen sind nicht unbedingt die glücklichsten, ist Desiree Dawids überzeugt: Das Glück liegt vielmehr in der Seele und in den Herzen der Menschen.

(Text/Foto: Julia Trinkle)

Info

Das Agricultural Training Center Krumhuk (ATCK) liegt auf dem 8540 Hektar großen Farmgelände von Krumhuk, 25 Kilometer südlich von Windhoek, und ist Namibias erste und einzige Ausbildungsstätte für praktische und theoretische Farm- und Hauswirtschaft in dieser Form. Das Schulzentrum mit Internat wurde 2008 als gemeinnütziger Verein gegründet und nimmt Menschen aus allen Bevölkerungsschichten Namibias auf. Um den Studenten und Studentinnen eine hochwertige Ausbildung in Haushaltsmanagement und in Farmwirtschaft bieten zu können, setzt der Vorstand auf Qualität statt auf Quantität und beschränkt die Anzahl der Plätze in den jeweils zweijährigen Studiengängen. Derzeit studieren acht Frauen im ersten Jahr und acht im zweiten Jahr Haushaltsmanagement. Im April startet der neue Landwirtschaftskurs mit rund 15 Studenten. Zu jedem Semesterbeginn gibt es einen dreimonatigen Grundkurs, bei dem das ATCK mehr Studenten aufnimmt. An dessen Ende entscheidet sich, wer von ihnen weitermachen will und die nötigen Fähigkeiten dazu hat. Zudem sind mehrere Praktika Teil des Studiums.

Um allen jungen motivierten Namibiern diese Ausbildung unabhängig von ihrer Herkunft zu ermöglichen, ist das Schulgeld sozialverträglich festgelegt und deckt bei Weitem nicht die Kosten für den Schulbetrieb samt Internat. Daher ist das ATCK auf Spenden angewiesen.

Bankdaten

Agricultural Training Center Krumhuk (ATCK)
Bank Windhoek Kudu Branch 482172
Account No. 800 187 89 61

www.atckrumhuk.org

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Weltfrauentag
ATCK
Vorbild für andere Frauen sein
Was sich die Studentinnen des Agricultural Training Center Krumhuk zum Weltfrauentag wünschen

Biodynamisch lebt auf allen Kontinenten dieser Erde nicht zuletzt vom Engagement der Frauen. Ein bewundernswertes Projekt in Afrika – Namibia Krumhuk – fördert nicht nur die Biodynamische Wirtschaftsweise auf den Äckern, sondern auch die Entwicklung der Afrikanerinnen durch Bildung. Die Journalistin Julia Trinkle war vor Ort und hat mit den jungen Frau gesprochen. Lest selbst, was sich diese Afrikanerinnen für ihre  Zukunft wünschen.

Ein Leben in Freiheit, ohne Angst, Gewalt, Diskriminierung und Hunger – das wünscht die 24-jährige Elli Mupetami aus Ondangwa im Norden Namibias zum Weltfrauentag allen Frauen auf der Welt, ganz gleich, woher sie stammen. Sie hofft, dass Frauen es schaffen, gemeinsam für Gleichberechtigung von Frauen und Männern zu kämpfen. Zentral dabei ist Bildung. Elli Mupetami will daher ihren Abschluss Ende dieses Jahres am ATCK machen, um eine gute Arbeitsstelle zu finden und ihrer Tochter so ein gutes Leben ermöglichen zu können. Wie sie haben weitere sechs der insgesamt 16 Studentinnen am ATCK bereits ein Kind. Ein paar von ihnen sind alleinerziehend, die engen Familienbande in Namibia greifen in diesen Fällen: Die meisten der Kinder wachsen bei den Eltern der jungen Mütter auf, während diese ihre Ausbildung am ATCK machen und dort im Internat leben.

Die 16 Studentinnen sind dankbar dafür, dass sie sich am ATCK in praktischem und theoretischem Farm- und Haushaltsmanagement ausbilden lassen können, dies wird auch bei ihren Wünschen zum Weltfrauentag deutlich: Die 21-jährige Wendy Rooinasie aus Rehoboth in Zentralnamibia etwa will am ATCK studieren und einen gut bezahlten Beruf ergreifen oder einen eigenen Gastbetrieb führen, auch um Vorbild für ihre jüngeren Schwestern und Brüder zu sein und ihre Eltern und Großeltern unterstützen zu können, wenn diese ihre Hilfe brauchen. In welchem Sektor sie arbeiten möchte, weiß sie derzeit noch nicht genau, möglicherweise im Gästebetrieb einer Lodge in Namibia, denn Tourismus ist einer von mehreren Bereichen, für den die Studentinnen am ATCK ausgebildet werden. Farmwirtschaft, Haushaltsmanagement und Handarbeit in Praxis und Theorie sind weitere Fächer im Lehrplan am ATCK. Zur Handarbeit zählen der Umgang mit verschiedenen Stoffen sowie Design. Das ist es, was Desiree Dawids besonders interessiert. Die 26-Jährige aus Gobabis, einer Kleinstadt im Osten Namibias, kann sich gut vorstellen, nach ihrem Abschluss als Designerin zu arbeiten.

Tresier Angula aus Windhoek würde sich gerne mit einem eigenen Cateringservice selbstständig machen und ist froh, dass sie am ATCK auch Management und Buchführung lernt. Die 23-Jährige, die im März ihr Studium am ATCK begonnen hat, möchte Vorbild für andere junge Frauen sein, die ihr Leben selbst in die Hand nehmen wollen. Genauso Lucratia Ontshiametse, die sehr kreativ und sprachbegabt ist. Sie findet die abwechslungsreiche und umfassende Ausbildung am ATCK gut und freut sich stets auf den Englisch- und Deutschunterricht. Nach ihrem Abschluss möchte die 23-Jährige aus Gobabis an einer Universität studieren, um Journalistin zu werden.

Merry-Gold Metirua aus Okakarara in der Otjozondjupa Region in Zentralnamibia liegt hingegen eher die praktische Arbeit. Die 23-Jährige würde nach ihrem Abschluss am ATCK gerne ihren eigenen Laden für Molkereiprodukte eröffnen oder aber in einem Molkereiunternehmen arbeiten. Dass zum Farmbetrieb des ATCK Milchkühe gehören und die Studenten selbst Milch zu Käse, Quark oder Joghurt verarbeiten, kommt ihr demnach sehr gelegen. Fest steht für sie allerdings auch, dass sie auf jeden Fall eine Familie gründen will. Sie und ihr Freund haben bereits einen zweijährigen Jungen, nun wünscht sie sich noch ein Mädchen. Dass Familie und Beruf vereinbar sein müssen, steht für die meisten der Studentinnen fest: Sie wünschen sich neben einer guten Arbeitsstelle Kinder und einen Mann, der sie gut behandelt.

Gewalt gegen Frauen ist ein Thema, das Juliana Herero aus Rehoboth beschäftigt, denn Zeitungen in Namibia berichten derzeit mindestens einmal in der Woche, dass wieder eine namibische Frau von ihrem Mann oder von männlichen Familienmitgliedern umgebracht wurde: „Behandelt eure Frauen mit Respekt und stoppt Gewalt gegen sie“, fordert Juliana Herero, „denn ohne eure Frauen seid ihr nichts“. Die Liebe und der Halt, den Mütter, Großmütter oder Schwestern den Kindern in ihrer Familie geben, schaffen die Grundlage für deren ganzes Leben, ist die 25-jährige Paulina Kayambu aus Ondangwa in der Region Oshana im Norden Namibias überzeugt.

Dazu, sich selbst wichtig zu nehmen und zu respektieren, ruft die 18-jährige Linea N Kamati aus Ondangwa in der Oshana Region in Nordnamibia, alle Frauen auf der Welt auf. „Lasst nicht zu, dass andere auf euch herabsehen“, meint die 18-jährige Erenstin Hoes aus Windhoek. Und die 23-jährige Fransina Simson aus Opuwo in der Kunene Region im Nordwesten von Namibia fordert: „Lasst uns stolz sein, dass wir Frauen sind, denn wir können alles, was Männer auch können.“ Die 24- jährige Bianca Kufuna aus Katima Mulilo in der Caprivi Region im Nordosten des Landes wünscht allen Frauen zum Weltfrauentag, dass sie mehr an sich selbst glauben können, stolz auf sich sind und sich von niemandem ihre Träume zerstören lassen – insbesondere nicht von Männern. Wenn es manchmal schwer fällt zu bestehen, dann sollten sich alle Frauen auf der Welt sagen: „Was uns nicht umbringt, macht uns nur stärker“, rät die 19-jährige Norris Afrikaner aus Windhoek.

Ihr Glaube spielt für viele der Studentinnen am ATCK eine große Rolle: Jeder Mensch schmiedet Pläne für sein Leben, meint Merry-Gold Metirua. Doch letztlich liege doch alles in Gottes Händen. Die reichsten Menschen sind nicht unbedingt die glücklichsten, ist Desiree Dawids überzeugt: Das Glück liegt vielmehr in der Seele und in den Herzen der Menschen.

(Text/Foto: Julia Trinkle)

Info

Das Agricultural Training Center Krumhuk (ATCK) liegt auf dem 8540 Hektar großen Farmgelände von Krumhuk, 25 Kilometer südlich von Windhoek, und ist Namibias erste und einzige Ausbildungsstätte für praktische und theoretische Farm- und Hauswirtschaft in dieser Form. Das Schulzentrum mit Internat wurde 2008 als gemeinnütziger Verein gegründet und nimmt Menschen aus allen Bevölkerungsschichten Namibias auf. Um den Studenten und Studentinnen eine hochwertige Ausbildung in Haushaltsmanagement und in Farmwirtschaft bieten zu können, setzt der Vorstand auf Qualität statt auf Quantität und beschränkt die Anzahl der Plätze in den jeweils zweijährigen Studiengängen. Derzeit studieren acht Frauen im ersten Jahr und acht im zweiten Jahr Haushaltsmanagement. Im April startet der neue Landwirtschaftskurs mit rund 15 Studenten. Zu jedem Semesterbeginn gibt es einen dreimonatigen Grundkurs, bei dem das ATCK mehr Studenten aufnimmt. An dessen Ende entscheidet sich, wer von ihnen weitermachen will und die nötigen Fähigkeiten dazu hat. Zudem sind mehrere Praktika Teil des Studiums.

Um allen jungen motivierten Namibiern diese Ausbildung unabhängig von ihrer Herkunft zu ermöglichen, ist das Schulgeld sozialverträglich festgelegt und deckt bei Weitem nicht die Kosten für den Schulbetrieb samt Internat. Daher ist das ATCK auf Spenden angewiesen.

Bankdaten

Agricultural Training Center Krumhuk (ATCK)
Bank Windhoek Kudu Branch 482172
Account No. 800 187 89 61

www.atckrumhuk.org