Technische Lösung allein reicht nicht

Bioverbände für mehr Tierwohl beim Geflügel

Technische Lösung allein reicht nicht

09.07.2015
Bruderhähne
Die Bio-Branche arbeite seit Jahren an Lösungen um auch männliche Tier aus der Legehennenzucht aufzuziehen (Foto: Geflügelhof Peter Schubert)

Das Töten männlicher Küken aus der Legehennenbrüterei ist ein Auswuchs eines aus dem Ruder geratenen Tierhaltungssystems und muss beendet werden. Dieser Aussage von  Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt stimmt auch die Bio-Branche zu. Was er aber als Meilenstein in Sachen Tierwohl verkündet, ist für die ökologische Bewegung letztlich ein unzureichendes Signal. So kommentiert die Geschäftsführerin der frisch gegründeten Gemeinnützigen „Ökologischen Tierzucht gGmbH“ Inga Günther die heute verkündete verbindliche Freiwilligkeit zu mehr Tierwohl, die Schmidt und die Geflügelwirtschaft vereinbart haben. 

Die Geschlechts-Selektion im Ei allein greife zu kurz. „Hier zeigt sich die Unvereinbarkeit von herkömmlicher Zuchtpraxis und dem Wertedenken ökologischer Prozessqualität“, betont die Geflügelexpertin. Die Folge sei eine weitere Zentralisierung der Strukturen unter dem Deckmantel der ethisch vertretbaren Geflügelzucht. Die Bio-Branche arbeite seit Jahren an Lösungen für Aufzucht, Nutzung und Vermarktung der männlichen Tiere. Genau diese Bestrebungen müssten finanziell unterstützt, intensiviert und ausgebaut werden. Wenn Minister Schmidt nachhaltige Verbesserungen anstoßen wolle, müsse er für ökologische Züchtung ausreichende Forschungsmittel bereitstellen. Ein Umbau der Tierhaltung könne nicht ohne die Züchtung robuster Rassen gelingen. Forschungsgelder für die Züchtung von  Alternativen  benötigt die neue Tierzucht-Organisation, um verstärkt Legehennen und Masthähnchen mit optimaler Anpassung an ökologische Wirtschaftsformen anbieten zu können. „Erst wenn die Zuchtziele artgerecht und nachhaltig sind, kann es in der Praxis wirkliches Tierwohl geben“, erklärt Inga Günther. 

Hintergrund

Die von Bioland und Demeter gegründete gemeinnützige „Ökologischen Tierzucht gGmbH“ sorgt für eine wichtige Weichenstellung, um die zuchtbedingten Probleme in der ökologischen Eierproduktion und bei der Hähnchen-Mast zu lösen. Die durch einseitige Hochleistungszucht entstandene geschlechterspezifische Nutzung, bei der männliche Küken bei der Zucht von Legehennen direkt nach der Geburt getötet werden und die Abhängigkeit von Rassen, die den Prinzipien des ökologischen Landbaus kaum entsprechen, kann nur durch eigenständige Züchtung beendet werden.

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09.07.2015
Technische Lösung allein reicht nicht
Bioverbände für mehr Tierwohl beim Geflügel

Das Töten männlicher Küken aus der Legehennenbrüterei ist ein Auswuchs eines aus dem Ruder geratenen Tierhaltungssystems und muss beendet werden. Dieser Aussage von  Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt stimmt auch die Bio-Branche zu. Was er aber als Meilenstein in Sachen Tierwohl verkündet, ist für die ökologische Bewegung letztlich ein unzureichendes Signal. So kommentiert die Geschäftsführerin der frisch gegründeten Gemeinnützigen „Ökologischen Tierzucht gGmbH“ Inga Günther die heute verkündete verbindliche Freiwilligkeit zu mehr Tierwohl, die Schmidt und die Geflügelwirtschaft vereinbart haben. 

Die Geschlechts-Selektion im Ei allein greife zu kurz. „Hier zeigt sich die Unvereinbarkeit von herkömmlicher Zuchtpraxis und dem Wertedenken ökologischer Prozessqualität“, betont die Geflügelexpertin. Die Folge sei eine weitere Zentralisierung der Strukturen unter dem Deckmantel der ethisch vertretbaren Geflügelzucht. Die Bio-Branche arbeite seit Jahren an Lösungen für Aufzucht, Nutzung und Vermarktung der männlichen Tiere. Genau diese Bestrebungen müssten finanziell unterstützt, intensiviert und ausgebaut werden. Wenn Minister Schmidt nachhaltige Verbesserungen anstoßen wolle, müsse er für ökologische Züchtung ausreichende Forschungsmittel bereitstellen. Ein Umbau der Tierhaltung könne nicht ohne die Züchtung robuster Rassen gelingen. Forschungsgelder für die Züchtung von  Alternativen  benötigt die neue Tierzucht-Organisation, um verstärkt Legehennen und Masthähnchen mit optimaler Anpassung an ökologische Wirtschaftsformen anbieten zu können. „Erst wenn die Zuchtziele artgerecht und nachhaltig sind, kann es in der Praxis wirkliches Tierwohl geben“, erklärt Inga Günther. 

Hintergrund

Die von Bioland und Demeter gegründete gemeinnützige „Ökologischen Tierzucht gGmbH“ sorgt für eine wichtige Weichenstellung, um die zuchtbedingten Probleme in der ökologischen Eierproduktion und bei der Hähnchen-Mast zu lösen. Die durch einseitige Hochleistungszucht entstandene geschlechterspezifische Nutzung, bei der männliche Küken bei der Zucht von Legehennen direkt nach der Geburt getötet werden und die Abhängigkeit von Rassen, die den Prinzipien des ökologischen Landbaus kaum entsprechen, kann nur durch eigenständige Züchtung beendet werden.