Sarah Wiener Stiftung kürt Hof zur Hellen zum „Bio-Hof des Jahres“

Demeter - Hof zur Hellen „Bio-Hof des Jahres“

Sarah Wiener Stiftung kürt Hof zur Hellen zum „Bio-Hof des Jahres“

18.02.2013
von links nach rechts: Bettina Wamsler, Daniela Trepte, Sarah Wiener, Stephan Illi

Der Hof zur Hellen in Velbert (Nordrhein-Westfalen) ist „Bio-Hof des Jahres“. Sarah Wiener prämiert mit diesem Titel einen der Bio-Bauernhöfe, den ihre Stiftung im Rahmen des Projektes „Öko-Landbau zum Anfassen“ mit Kindern besucht hat. Das Projekt wurde gefördert durch das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) im Rahmen des Bundesprogramms Ökologischer Landbau und andere Formen nachhaltiger Landwirtschaft (BÖLN).

Sarah Wiener und Demeter-Vorstand Stephan Illi zeichneten Bettina Wamsler und Daniela Trepte vom Hof zur Hellen auf der BioFach in Nürnberg am Stand des Demeter-Verbandes aus.

Der Hof zur Hellen wurde von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Sarah Wiener Stiftung auf der Basis der Rückmeldungen zu den Hoffahrten unter 30 besuchten Bauernhöfen zum Sieger gekürt. Die Auswahl erfolgte anhand eines zuvor festgelegten Kriterienkatalogs. Den Ausschlag für die Wahl des Hofes zur Hellen gab unter anderem das außerordentliche Engagement von Frau Wamsler, die den Kindern im Rahmen ihrer pädagogischen Arbeit Zugang zu intensiven Naturerlebnissen schafft. Der Demeter-Betrieb Hof zur Hellen gehört zum Netzwerk Demonstrationsbetriebe Ökologischer Landbau.

HINTERGRUND
Der Sieger: Hof zur Hellen – Bio-Hof des Jahres 2012
Ziel der Hoffahrten der Sarah Wiener Stiftung ist es, den Zusammenhang zwischen Landwirtschaft und Lebensmittelerzeugung darzustellen. Das heißt, die teilnehmenden Kinder erleben bei den Hoffahrten, woher die Lebensmittel kommen. Bei der Auswahl des „Bio-Hofs des Jahres 2012“ stand dieser Aspekt im Mittelpunkt: Welche Höfe waren in der Lage, diesen Zusammenhang den beteiligten Kindern besonders anschaulich, eindrucksvoll und nachhaltig zu vermitteln?

Der Hof zur Hellen aus dem Bergischen Land (Velbert, NRW) hatte am Ende die Nase vorn. Der Demeter-Betrieb überzeugte durch die herausragende Qualität seiner pädagogischen Arbeit - vor allem im Bereich der tiergestützten Pädagogik, die die Sarah Wiener Stiftung besonders würdigen möchte. Darüber hinaus erfüllt der Hof zur Hellen alle Kriterien, die die Sarah Wiener Stiftung für die Bewertung einer Hoffahrt entwickelt hat:
- Beteiligungsorientierung: Die Kinder werden auf dem Hof zur Hellen aktiv in die Arbeit einbezogen, so dass sie direkt erfahren können, wie Lebensmittel erzeugt werden (z. B. Ernte von Zuckermais, gemeinsame Weiden- und Heckenpflege).
- Verknüpfung von Theorie und Praxis: Theoretisches Wissen zur Ernährung wird auf dem Hof zur Hellen bspw. bei der Apfelernte und dem Saft-Pressen vermittelt. Die Kinder entwickeln im Laufe dieses Prozesses selbst Fragen, die dann gemeinsam beantwortet werden.
- Anschaulichkeit: Themen wie ökologischer Landbau, artgerechte Tierhaltung, Naturschutz werden auf dem Hof zur Hellen sehr anschaulich dargestellt (z. B. bei der Hühnerhaltung).
- Direkter Kontakt zu den Tieren: Die Tiere des Hofs können beobachtet, gefüttert, angefasst, gestreichelt werden. Besonders eindrucksvoll für die Kinder sind auf dem Hof zur Hellen die Kälber, zu denen die Kinder üblicherweise zu zweit in die Box dürfen und dort mit viel Ruhe Kontakt zu den Tieren aufbauen dürfen.

Die pädagogische Arbeit des Hofes zur Hellen wird in einzigartiger Weise durch das Engagement von Bettina Wamsler geprägt, die die Führungen für die Sarah Wiener Stiftung leitet. Das Charakteristikum ihrer Arbeit besteht darin, dass sie den Kindern in einfühlsamer Weise auf Augenhöhe begegnet, ohne dabei die Rolle als Erwachsene zu verlassen. So fühlen sich die Kinder ernst genommen und wertgeschätzt, Ängste und Unsicherheit werden abgebaut. Die Kinder werden dabei unterstützt, sich Wissen durch Beobachtung, Erfahrung und Reflektion selbst zu erschließen. Ganz beiläufig lernen sie Respekt vor dem Boden, seinen Früchten und den Tieren.

Auf dem Hof zur Hellen wird Landwirtschaft, Naturschutz und Bildung als Einheit begriffen und gelebt. Der Hof wird seit 1982 biodynamisch betrieben. Gemeinnütziger Träger des Hofes ist der 1987 gegründete Verein Hof zur Hellen. Er verfolgt auf dem Hof ökologische, pädagogische und sozialpädagogische Aufgaben. Dabei arbeiten Verein und Betriebsgemeinschaft, seit 2010 bestehend aus den Landwirt-Familien Alex Mülfarth/Daniela Trepte und Ulrich Krispin/Corinna Frech, eng zusammen. Als Schwerpunkte der Betriebsgemeinschaft haben sich die Milchviehhaltung, der Gemüseanbau, die Abokisten zur Vermarktung aller hofeigenen Produkte und das Hof-Café herausgebildet. Ergänzt wird das landwirtschaftliche Profil durch vielfältige Angebote im Bereich des Lernorts Bauernhofs, der auf dem Hof zur Hellen von Bettina Wamsler und Daniela Trepte betreut wird. Getragen werden diese Aktivitäten vom gemeinsamen Bewusstsein, dass die Erfahrungen im bäuerlichen Arbeitsfeld die Grundlage zur Entwicklung von persönlichen Vorstellungen und Werten legt. In diesem Sinne begreift die Betriebsgemeinschaft und der Träger-Verein die pädagogischen Angebote des Hofes auch als Wahrnehmung einer gesellschaftlichen Aufgabe: Wenn junge Menschen befähigt werden sollen, nachhaltig zu leben und zu handeln, benötigen sie Gelegenheiten zum Erwerb von Handlungs- und Gestaltungskompetenzen.
Kompetenzen können nicht wie Wissen vermittelt, sondern müssen durch Handeln erworben und durch Erfahrung gestärkt werden. Deshalb benötigen Kinder außerschulische Lernorte wie den Lernort Bauernhof, der vom Hof zur Hellen in vorbildlicher Weise verkörpert wird.
Weitere Informationen zum Hof findet man unter: www.hofzurhellen.de oder http://www.oekolandbau.de/verbraucher/demonstrationsbetriebe/demobetrieb...
Alle Informationen und Fotos finden Sie auch unter www.sarah-wiener-stiftung.org.

HINTERGRUND
Projekt „Öko-Landbau zum Anfassen“
Die Sarah Wiener Stiftung organisiert rund 100 Bauernhoffahrten im Jahr, an denen insgesamt etwa 2.500 Kinder teilnehmen. Bei den Fahrten zu den Bio-Bauernhöfen erleben die überwiegend urban geprägten Kinder – meist aus sozialen Brennpunktschulen – wie Lebensmittel erzeugt werden, was eine vielfältige, biodiverse (ökologische) Landwirtschaft ausmacht, was ein gesunder, fruchtbarer Boden ist, wie Brot gebacken wird, wie Tiere artgerecht gehalten werden etc. So verstehen die Kinder den Unterschied zwischen industriell stark verarbeiteten Fertigprodukten und unverarbeiteten Lebensmitteln, die frei von Zusatz- und Aromastoffen sind. Die Exkursionen stellen eine Ergänzung zu den jeweils dreimonatigen Kochkursen der Sarah Wiener Stiftung dar, bei denen Kinder die Zubereitung gesunder Lebensmittel erlernen.
Die meisten der besuchten Höfe sind – so auch der Hof zur Hellen – Mitglied im Netzwerk „Demonstrationsbetriebe Ökologischer Landbau“. Dabei handelt es sich um Betriebe, die nach den Prinzipien des Ökologischen Landbaus arbeiten und Besuchern zeigen, wie ein Bio-Bauernhof funktioniert (weitere Informationen dazu unter: www.demonstrationsbetriebe.de).
Im Januar 2012 zeichnete die Sarah Wiener Stiftung erstmals den „Bio-Hof des Jahres“ unter allen besuchten Bauernhöfen aus. Der Preisträger für das Jahr 2011 war der NaturErlebnisHof Hausen in Wipfratal bei Erfurt.

Die Bauernhoffahrten wurden bis Ende 2012 vom Bundesprogramm zur Förderung des Ökologischen Landbaus und anderer Formen nachhaltiger Landwirtschaft (BÖLN) des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) zu 50 Prozent kofinanziert. Wenn Sie die Sarah Wiener Stiftung bei diesem Projekt unterstützen möchten, freuen wir uns über eine Spende.

HINTERGRUND
Die Sarah Wiener Stiftung
Seit November 2007 engagiert sich die Sarah Wiener Stiftung „für gesunde Kinder und was Vernünftiges zu essen“. Kernprojekt ist die Weiterbildung von pädagogischen Fachkräften zu sogenannten „GenussbotschafterInnen“. In anderthalbtägigen Seminaren erhalten die Pädagoginnen und Pädagogen das nötige theoretische und praktische Rüstzeug, um an ihrer Einrichtung Koch- und Ernährungskurse für Kinder zu geben. So werden Ernährungswissen und Kochkenntnisse fortlaufend in Schule, Kindergarten oder Freizeiteinrichtung vermittelt.
Die Stiftung hat im Laufe ihres fünfjährigen Bestehens MultiplikatorInnen an insgesamt 519 Einrichtungen weitergebildet. Davon waren 147 Grundschulen, 184 Kitas, 120 weiterführende Schulen, 51 Fachschulen für Erzieherausbildung und 17 andere Einrichtungen. Nach der anderthalbtägigen Fortbildung stellt die Stiftung den Pädagogen ein „Rundum-sorglos-Paket“ mit allen Materialien zur Verfügung, damit sie mit möglichst wenig Aufwand die Kurse nach dem Konzept der Stiftung geben können. Neben der Zubereitung von Mahlzeiten stehen dabei auch Geschmacksspiele und Wissensvermittlung auf dem Programm, z. B. zum Thema Nachhaltigkeit. Rund 60 Prozent der Schulen bleiben dauerhaft dabei und bieten fortlaufend die Kurse an. „Ich wünsche mir, dass die Kurse der Sarah Wiener Stiftung bei den Kindern den Grundstein für ein gesundes Ernährungsbewusstsein legen“, erklärt Sarah Wiener das Hauptanliegen der Stiftung. Dass dieser Wunsch tatsächlich in Erfüllung geht, zeigen zahlreiche Rückmeldungen aus den Partnereinrichtungen. Bei über 2/3 aller Einrichtungen hat sich das Ernährungsverhalten der Kinder, die einen Kochkurs besuchen, verbessert. „Die Kinder probieren auch ungeliebtes Gemüse. Das liegt sicherlich daran, dass sie es selber kochen“, bestätigte die Pädagogin und SWS-Botschafterin Astrid Hirt.

Als Ergänzung zu den Kochkursen organisiert die Sarah Wiener Stiftung pro Jahr rund  100 Ausflüge zu Bio-Bauernhöfen. Dabei können insgesamt etwa 2.500 Kinder hautnah erfahren, wie die Lebensmittel erzeugt werden, mit denen sie in der Schule kochen. Diese Erfahrung ist vor allem für Kinder aus Großstädten sehr eindrucksvoll. In der relativ kurzen Zeit ihres Bestehens erhielt die Sarah Wiener Stiftung für ihre Arbeit bereits einige Auszeichnungen. Seit 2009 ist die Stiftung ein ausgewählter Ort von „Deutschland – Land der Ideen“, 2010 erhielt Sarah Wiener den Titel der „Didacta Bildungsbotschafterin“ und das „Blaue Herz“ für Kinderfreundlichkeit. In diesem Jahr bekam die Stiftung den „Bremer Kinderoscar“. Das Projekt „Landschaft schmeckt – Praktische Umweltbildung an Ausbildungsstätten für Erzieher im frühkindlichen Bereich“ wurde als Projekt der UN-Dekade „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ ausgezeichnet. Viel erreicht und noch viel vor Hinter dem Engagement „für gesunde Kinder und was Vernünftiges zu essen“ steht eine noch größere Vision: eine intakte Umwelt für künftige Generationen zu hinterlassen.
„Was und wie wir essen hat nicht nur Auswirkungen auf unseren Körper, sondern auch auf den Boden, das Wasser, die Tiere und unsere Mitmenschen“, so Sarah Wiener. Deshalb werde sich die Stiftung auch nicht auf ihren Lorbeeren ausruhen, sondern plane weitere Projekte. „Um Kindern noch besser den Wert von natürlichen, unverarbeiteten Lebensmitteln nahezubringen, wollen wir zum Beispiel anfangen, Schulgärten an unseren Partnerschulen anzulegen.“ Dazu brauche die Stiftung allerdings noch weitere Förderer.

Wollen Sie unser/e Freund/in sein?
Frei nach den Beatles können diese Pläne nur „with a little help from our friends“ in die Tat umgesetzt werden. Deshalb gibt es jetzt die Möglichkeit „Freund/in der Sarah Wiener Stiftung“ zu werden. Auf der Webseite www.sarah-wiener-stiftung.de können Interessierte ein Spendenformular ausfüllen mit der Option, „Freund/in der Stiftung“ zu werden und diese mit einem monatlichen Beitrag zu unterstützen. Der Freundeskreis erhält regelmäßige Informationen über umgesetzte Projekte und weitere Vorhaben.