Saatgut bleibt das derzeit am stärksten gefährdete Kulturgut

Auch nach der EU-Saatgutverordnung

Saatgut bleibt das derzeit am stärksten gefährdete Kulturgut

26.05.2014

Anlässlich des 90-jährigen Jubiläums der biodynamischen Landwirtschaft fährt am 6. Juni in Salzburg ein Sonderzug für die Erde ab: Der Kulturgutexpress 2014. Ein wichtiges Thema an Bord wird die Entwicklung des Saatguts sein. Schon jetzt, zwei Wochen vor Abfahrt, warnen die Reisebegleiter eindringlich vor dem Verlust der existenziell wichtigen Biodiversität des Saatgutes: Nicht Patentierung, Standardisierung und Kommerzialisierung sind demnach die Lösung für die drängenden Probleme der Welternährung, sondern Vielfalt und eine gemeinsame Entwicklung von Mensch und Pflanze.

„Saatgut ist zur Ware geworden“, hebt Dr. Bertold Heyden hervor, Gründer des Keyserlink-Institutes für Saatgutforschung und Getreidezüchtung im biologisch-dynamischen Anbau. Die Kommerzialisierung hat laut Heyden zur Folge, dass das Ziel bei der Entwicklung neuer Sorten in erster Linie der Gewinn für den Saatgutkonzern ist - und nicht unbedingt die gesunde Ernährung des Menschen. Saatgut müsse wieder Kulturgut werden. „Denn nur eine gemeinsame Entwicklung von Mensch und Pflanze führt in eine gesunden Zukunft.“

Christoph Then, Geschäftsführer von Testbiotech, warnt vor der Patentierung von Saatgut: „Es ist wichtig, dass Demeter im Kampf gegen Patente auf Saatgut aktiv bleibt. Die belebte Natur, Pflanzen und Tiere, sind keine Erfindung der Industrie und dürfen nicht durch Patente monopolisiert werden - niemand weiß das besser als die Landwirte, die ökologischen Landbau betreiben“, so Then. 

Christine Nagel, Gemüsezüchterin von Kultursaat e.V., betont, dass die Entwicklung der Kulturpflanzen und die daraus entstandenen Sorten auf unzählige Generationen zuvor zurückgehen. „Saatgut wurde weitergereicht – Profit- und Machtgier haben diesen Strom nahezu zum Austrocknen gebracht: Sorten und Wildformen werden von Konzernen eingesammelt und für die Herstellung von Hybriden verwendet, die in ihren Sorteneigenschaften nicht stabil und mit Labortechnik manipuliert zunehmend auch nicht mehr fruchtbar sind. Die Züchter des gemeinnützigen Vereins Kultursaat züchten zukunftsfähige Sorten: samenfest und auf biologisch-dynamischer Grundlage“, hebt Christine Nagel hervor. In Österreich ist die Firma Reinsaat Mitglied und Partner von Kultursaat e.V.

An diesen derzeit akuten Fragen zum Thema Saatgut und Landwirtschaft arbeiten auf der Reise des Sonderzuges sowie während der Fachtagung in Kroatien rund 150 Vordenker, Wissenschaftler, Künstler und Praktiker aus vielen Bereichen mit dem Ziel, Antworten für zeitgenössisches Handeln zu finden.

Der Kulturgutexpress 2014 startet am Freitag, den 6.6.2014 in Salzburg und fährt über Graz und Maribor bis nach Donji Kraljevec. Dort findet mit den Passagieren und den Gästen vor Ort eine gemeinsam gestaltete Tagung zu Pfingsten unter dem Motto 'Im Zentrum Landwirtschaft‘ statt. Am Montag, den 9.6.2014 geht es wieder zurück bis nach Salzburg. Der Sonderzug verbindet Kulturen, passiert drei Länder, entschleunigt mit der Dampflok einen Teil der Wegstrecke und lässt in rund neun Stunden Fahrtzeit Land(wirt)schaft erfahren. Mit an Bord sind Kunst und Kultur, Natur und Wissenschaft, neue Technologien, Visionen und Aktionen. Kulturgüter wie Saatgut, Wasser und Honig werden mitgeführt, diskutiert, vorgestellt und verköstigt.

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Auch nach der EU-Saatgutverordnung

Anlässlich des 90-jährigen Jubiläums der biodynamischen Landwirtschaft fährt am 6. Juni in Salzburg ein Sonderzug für die Erde ab: Der Kulturgutexpress 2014. Ein wichtiges Thema an Bord wird die Entwicklung des Saatguts sein. Schon jetzt, zwei Wochen vor Abfahrt, warnen die Reisebegleiter eindringlich vor dem Verlust der existenziell wichtigen Biodiversität des Saatgutes: Nicht Patentierung, Standardisierung und Kommerzialisierung sind demnach die Lösung für die drängenden Probleme der Welternährung, sondern Vielfalt und eine gemeinsame Entwicklung von Mensch und Pflanze.

„Saatgut ist zur Ware geworden“, hebt Dr. Bertold Heyden hervor, Gründer des Keyserlink-Institutes für Saatgutforschung und Getreidezüchtung im biologisch-dynamischen Anbau. Die Kommerzialisierung hat laut Heyden zur Folge, dass das Ziel bei der Entwicklung neuer Sorten in erster Linie der Gewinn für den Saatgutkonzern ist - und nicht unbedingt die gesunde Ernährung des Menschen. Saatgut müsse wieder Kulturgut werden. „Denn nur eine gemeinsame Entwicklung von Mensch und Pflanze führt in eine gesunden Zukunft.“

Christoph Then, Geschäftsführer von Testbiotech, warnt vor der Patentierung von Saatgut: „Es ist wichtig, dass Demeter im Kampf gegen Patente auf Saatgut aktiv bleibt. Die belebte Natur, Pflanzen und Tiere, sind keine Erfindung der Industrie und dürfen nicht durch Patente monopolisiert werden - niemand weiß das besser als die Landwirte, die ökologischen Landbau betreiben“, so Then. 

Christine Nagel, Gemüsezüchterin von Kultursaat e.V., betont, dass die Entwicklung der Kulturpflanzen und die daraus entstandenen Sorten auf unzählige Generationen zuvor zurückgehen. „Saatgut wurde weitergereicht – Profit- und Machtgier haben diesen Strom nahezu zum Austrocknen gebracht: Sorten und Wildformen werden von Konzernen eingesammelt und für die Herstellung von Hybriden verwendet, die in ihren Sorteneigenschaften nicht stabil und mit Labortechnik manipuliert zunehmend auch nicht mehr fruchtbar sind. Die Züchter des gemeinnützigen Vereins Kultursaat züchten zukunftsfähige Sorten: samenfest und auf biologisch-dynamischer Grundlage“, hebt Christine Nagel hervor. In Österreich ist die Firma Reinsaat Mitglied und Partner von Kultursaat e.V.

An diesen derzeit akuten Fragen zum Thema Saatgut und Landwirtschaft arbeiten auf der Reise des Sonderzuges sowie während der Fachtagung in Kroatien rund 150 Vordenker, Wissenschaftler, Künstler und Praktiker aus vielen Bereichen mit dem Ziel, Antworten für zeitgenössisches Handeln zu finden.

Der Kulturgutexpress 2014 startet am Freitag, den 6.6.2014 in Salzburg und fährt über Graz und Maribor bis nach Donji Kraljevec. Dort findet mit den Passagieren und den Gästen vor Ort eine gemeinsam gestaltete Tagung zu Pfingsten unter dem Motto 'Im Zentrum Landwirtschaft‘ statt. Am Montag, den 9.6.2014 geht es wieder zurück bis nach Salzburg. Der Sonderzug verbindet Kulturen, passiert drei Länder, entschleunigt mit der Dampflok einen Teil der Wegstrecke und lässt in rund neun Stunden Fahrtzeit Land(wirt)schaft erfahren. Mit an Bord sind Kunst und Kultur, Natur und Wissenschaft, neue Technologien, Visionen und Aktionen. Kulturgüter wie Saatgut, Wasser und Honig werden mitgeführt, diskutiert, vorgestellt und verköstigt.