Rückkehr zur generativen Rebzüchtung und Abkehr vom Plantagenweinbau

Demeter-Zukunftskongress

Rückkehr zur generativen Rebzüchtung und Abkehr vom Plantagenweinbau

22.11.2012

Gibt es ein Zurück zur ursprünglichen Vielfalt und Vitalität der Rebe? Das war die zentrale Frage am internationalen Weinbau Kongress in Colmar, der nun zu Ende ging. Über 100 Teilnehmer aus vielen Nationen, von Bulgarien bis Spanien, Brasilien und den USA diskutierten über die Zukunft des biodynamischen Weinbaus. Organisiert wurde der Kongress vom Demeter-Verband und der landwirtschaftlichen Sektion des Goetheanums. Es war ein fruchtbarer Austausch zwischen Winzern, Forschern und Beratern, im Rahmen von Diskussionen, Vorträgen und Workshops.

Ein Schritt zurück sind zwei Schritte nach vorn

Maßnahmen gegen den Vitalitätsverlust der Rebe stellten den Schwerpunkt des Kongresses dar, denn in den letzten Jahrzehnten hat die Rebe durch Klonenzüchtung, Veredelung und Plantagenbau immer mehr an Vitalität verloren. Dieser Verlust wird nun durch Kunstdünger und Pflanzenschutzprodukte ausgeglichen – das macht natürliche Abläufe jedoch immer künstlicher und instabiler.

Samenvermehrung statt Klonenzucht

Am Ursprung dieser Entwicklung stand das Auftreten der Reblaus im 19. Jahrhundert. Damals kam es zu riesigen Schäden, welche den gesamten europäischen Weinbau bedrohten. Gegenmittel waren reblaustolerante "Unterlagsreben“ aus Amerika, auf die einheimische Sorten gepfropft wurden. So wurde die Fortpflanzung der Reblaus unterbunden. Heute wachsen fast alle Rebsorten auf wenigen amerikanischen Unterlagsreben. Züchtungsziel waren idente Reben, praktisch in der Handhabung und gleich im Wachstum. Erst dadurch wurde beispielsweise, durch gleichzeitige Beerenreife, der Einsatz von Erntemaschinen ermöglicht. Der Preis dafür ist hoch: Durch die vegetative Vermehrung - hier wird ein Holztrieb in die Erde gesteckt - folgt einerseits Verlust der Vielfalt zum anderen ein Defizit an ursprünglicher Vitalität. "Ausgewogenheit kann eigentlich nur durch wurzelechte und generativ vermehrte Reben möglich sein und der damit verbundenen synchronen Assimilation von Licht und Wärme“, zeichnet Züchter Nicolaus Bollinger die neue Demeter-Vision. "Dafür müssen wir zuerst das verlorengegangene Wissen um die Rebvermehrung durch natürliche Samung wiedergewinnen.“

Biodiversität und Handarbeit statt Plantagenweinbau

Die Rebmonokultur in einen vielschichtigen Lebensraum zu verwandeln hat dabei gleichermaßen höchste Priorität. Ein funktionierendes Ökosystem braucht natürliche Habitate vom Vogel bis zum Wurm, von der Schmetterlingsraupe bis hin zum kleinsten Boden-Bakterium. Demeter-Winzer Werner Michlits referierte in seinem Vortrag über sein Pilotprojekt zur Rekultivierung der Weingärten: "Die Monotonie der symmetrischen Rebanlagen wird durch Pflanz-Inseln mit Bäumen, Sträuchern, Obst- und Gemüsekulturen aufgebrochen. Eine Fahrgassen-Begrünung und das Aufhängen von Vogelhäuschen ist zu wenig.“

Eine weitere Vision beim Elsässer-Zukunftskongress widmet sich der Reduktion der Mechanisierung im Weinbau. In der Biodynamie ist die Weinlese von Hand ohnehin vorgeschrieben. Die Handarbeit soll aber in sämtlichen Bereichen des Weinbaus verstärkt werden. In Zukunft sollen sich in den Demeter-Weingärten noch mehr Ernte-Helfer tummeln. "Eine Maßnahme, die sowohl die Qualität der Ernte deutlich erhöht, als auch in Zeiten zunehmender Arbeitslosigkeit ein Zeichen setzt und Menschen eine Beschäftigung gibt“, so Frankreichs Urgestein Pierre Frick.

Über Demeter

Der biodynamische Anbau geht auf den Anthroposophen Rudolf Steiner zurück. Diese Demeter-Philosophie eint heute den einzigen weltumspannenden Bio-Verband. Die Richtlinien des biodynamischen Weinbaues gelten als die umfassendsten und strengsten weltweit. Im Gegensatz zum herkömmlichen Bio-Weinbau (wie organisch biologisch oder gemäß EU-Bio-Verordnung) setzt man bei Demeter auf "Spontanvergärung" mit natürlichen Hefen anstatt künstlich vermehrter Reinzuchthefen. Generell steht die puristische Vinifikation im Vordergrund. Auf Fraktionieren und Konzentrieren wird verzichtet, die Trauben werden außerdem nicht maschinell, sondern von Hand geerntet. Beim Anbau werden die Gestirnskonstellationen berücksichtigt und Homöopathie-ähnliche Pflanzenstärkungsmittel, die sogenannten biodynamischen Präparate, ausgebracht. Weltweit werden rund 147.000 ha nach Demeter-Richtlinien bewirtschaftet. Mit 67.000 ha hat Deutschland den größten Anteil an Demeter-Flächen, gefolgt von Ungarn, Frankreich, Italien und Indien. Weltweit gibt es 520 Demeter-Weingüter mit einer Gesamtrebfläche von 8.000 ha. In Argentinien, Chile und Frankreich verbreitet sich der biodynamische Weinbau derzeit am rasantesten. In Deutschland gibt es 48 biodynamische wirtschaftende Demeter-Betriebe.

www.demeter.de | www.demeter-wein.de

22.11.2012
Rückkehr zur generativen Rebzüchtung und Abkehr vom Plantagenweinbau
Demeter-Zukunftskongress

Gibt es ein Zurück zur ursprünglichen Vielfalt und Vitalität der Rebe? Das war die zentrale Frage am internationalen Weinbau Kongress in Colmar, der nun zu Ende ging. Über 100 Teilnehmer aus vielen Nationen, von Bulgarien bis Spanien, Brasilien und den USA diskutierten über die Zukunft des biodynamischen Weinbaus. Organisiert wurde der Kongress vom Demeter-Verband und der landwirtschaftlichen Sektion des Goetheanums. Es war ein fruchtbarer Austausch zwischen Winzern, Forschern und Beratern, im Rahmen von Diskussionen, Vorträgen und Workshops.

Ein Schritt zurück sind zwei Schritte nach vorn

Maßnahmen gegen den Vitalitätsverlust der Rebe stellten den Schwerpunkt des Kongresses dar, denn in den letzten Jahrzehnten hat die Rebe durch Klonenzüchtung, Veredelung und Plantagenbau immer mehr an Vitalität verloren. Dieser Verlust wird nun durch Kunstdünger und Pflanzenschutzprodukte ausgeglichen – das macht natürliche Abläufe jedoch immer künstlicher und instabiler.

Samenvermehrung statt Klonenzucht

Am Ursprung dieser Entwicklung stand das Auftreten der Reblaus im 19. Jahrhundert. Damals kam es zu riesigen Schäden, welche den gesamten europäischen Weinbau bedrohten. Gegenmittel waren reblaustolerante "Unterlagsreben“ aus Amerika, auf die einheimische Sorten gepfropft wurden. So wurde die Fortpflanzung der Reblaus unterbunden. Heute wachsen fast alle Rebsorten auf wenigen amerikanischen Unterlagsreben. Züchtungsziel waren idente Reben, praktisch in der Handhabung und gleich im Wachstum. Erst dadurch wurde beispielsweise, durch gleichzeitige Beerenreife, der Einsatz von Erntemaschinen ermöglicht. Der Preis dafür ist hoch: Durch die vegetative Vermehrung - hier wird ein Holztrieb in die Erde gesteckt - folgt einerseits Verlust der Vielfalt zum anderen ein Defizit an ursprünglicher Vitalität. "Ausgewogenheit kann eigentlich nur durch wurzelechte und generativ vermehrte Reben möglich sein und der damit verbundenen synchronen Assimilation von Licht und Wärme“, zeichnet Züchter Nicolaus Bollinger die neue Demeter-Vision. "Dafür müssen wir zuerst das verlorengegangene Wissen um die Rebvermehrung durch natürliche Samung wiedergewinnen.“

Biodiversität und Handarbeit statt Plantagenweinbau

Die Rebmonokultur in einen vielschichtigen Lebensraum zu verwandeln hat dabei gleichermaßen höchste Priorität. Ein funktionierendes Ökosystem braucht natürliche Habitate vom Vogel bis zum Wurm, von der Schmetterlingsraupe bis hin zum kleinsten Boden-Bakterium. Demeter-Winzer Werner Michlits referierte in seinem Vortrag über sein Pilotprojekt zur Rekultivierung der Weingärten: "Die Monotonie der symmetrischen Rebanlagen wird durch Pflanz-Inseln mit Bäumen, Sträuchern, Obst- und Gemüsekulturen aufgebrochen. Eine Fahrgassen-Begrünung und das Aufhängen von Vogelhäuschen ist zu wenig.“

Eine weitere Vision beim Elsässer-Zukunftskongress widmet sich der Reduktion der Mechanisierung im Weinbau. In der Biodynamie ist die Weinlese von Hand ohnehin vorgeschrieben. Die Handarbeit soll aber in sämtlichen Bereichen des Weinbaus verstärkt werden. In Zukunft sollen sich in den Demeter-Weingärten noch mehr Ernte-Helfer tummeln. "Eine Maßnahme, die sowohl die Qualität der Ernte deutlich erhöht, als auch in Zeiten zunehmender Arbeitslosigkeit ein Zeichen setzt und Menschen eine Beschäftigung gibt“, so Frankreichs Urgestein Pierre Frick.

Über Demeter

Der biodynamische Anbau geht auf den Anthroposophen Rudolf Steiner zurück. Diese Demeter-Philosophie eint heute den einzigen weltumspannenden Bio-Verband. Die Richtlinien des biodynamischen Weinbaues gelten als die umfassendsten und strengsten weltweit. Im Gegensatz zum herkömmlichen Bio-Weinbau (wie organisch biologisch oder gemäß EU-Bio-Verordnung) setzt man bei Demeter auf "Spontanvergärung" mit natürlichen Hefen anstatt künstlich vermehrter Reinzuchthefen. Generell steht die puristische Vinifikation im Vordergrund. Auf Fraktionieren und Konzentrieren wird verzichtet, die Trauben werden außerdem nicht maschinell, sondern von Hand geerntet. Beim Anbau werden die Gestirnskonstellationen berücksichtigt und Homöopathie-ähnliche Pflanzenstärkungsmittel, die sogenannten biodynamischen Präparate, ausgebracht. Weltweit werden rund 147.000 ha nach Demeter-Richtlinien bewirtschaftet. Mit 67.000 ha hat Deutschland den größten Anteil an Demeter-Flächen, gefolgt von Ungarn, Frankreich, Italien und Indien. Weltweit gibt es 520 Demeter-Weingüter mit einer Gesamtrebfläche von 8.000 ha. In Argentinien, Chile und Frankreich verbreitet sich der biodynamische Weinbau derzeit am rasantesten. In Deutschland gibt es 48 biodynamische wirtschaftende Demeter-Betriebe.

www.demeter.de | www.demeter-wein.de