Landwirtschaft: zu produktiv?

MittwochsBlog

Landwirtschaft: zu produktiv?

07.10.2015
Tastatur mit Einblicken in die Landwirtschaft

Nun hat es die Erkenntnis auch in den Wirtschaftsteil der FAS geschafft: Landwirtschaft ist einer der Wirtschaftssektoren mit der höchsten Produktivitätssteigerung in den letzten 60 Jahren: dreimal so viel Milch geben die Kühe, die Hühner legen doppelt so viele Eier, die Getreideernte ist zwei- bis dreimal so hoch wie damals. Da arbeitete noch ein Viertel der Bevölkerung in der Landwirtschaft und die Ausgaben für Ernährung betrugen ca. 40 Prozent des Haushalteinkommens. Und das Tempo nimmt zu: vor 30 Jahren ernährte ein Landwirt knapp 50 Menschen, heute ca. 140. Doch das Bild ist nicht vollständig: die Folgen badet „die Natur“ aus: nochmals forcierter Artenschwund, Nutztiere jenseits ihrer körperlichen Leistungsgrenze, Böden degradieren auch in Europa, Gewässer belastet mit Nitrat usf. Wir könnten es uns locker leisten, eine andere, für alle und alles gesunde Landwirtschaft zu praktizieren. Denn weder retten wir mit unseren Exporten Hungernde, im Gegenteil, noch sind wir so ein Vorbild für die Staaten, die dringend ihre Landwirtschaft nachhaltig machen müssen. Stattdessen schwappt die Intensivierungs- und Hochertragsdebatte nun auch in den Ökolandbau. Der allerdings ist für etwas anderes angetreten und darf beim Vorwärtsstürmen sein kreatives Potenzial nicht verlieren. Dass er mit mehr Forschungsunterstützung mehr leisten könnte, gerade für die Tropen und Subtropen, steht auf einem anderen Blatt.

Den Mittwochsblog verfasst Michael Olbrich-Majer, Redakteur der Fachzeitschrift Lebendige Erde.

Weiterführende Links:

Tags: 
Intensiv
MittwochsBlog
Landwirtschaft: zu produktiv?
MittwochsBlog

Nun hat es die Erkenntnis auch in den Wirtschaftsteil der FAS geschafft: Landwirtschaft ist einer der Wirtschaftssektoren mit der höchsten Produktivitätssteigerung in den letzten 60 Jahren: dreimal so viel Milch geben die Kühe, die Hühner legen doppelt so viele Eier, die Getreideernte ist zwei- bis dreimal so hoch wie damals. Da arbeitete noch ein Viertel der Bevölkerung in der Landwirtschaft und die Ausgaben für Ernährung betrugen ca. 40 Prozent des Haushalteinkommens. Und das Tempo nimmt zu: vor 30 Jahren ernährte ein Landwirt knapp 50 Menschen, heute ca. 140. Doch das Bild ist nicht vollständig: die Folgen badet „die Natur“ aus: nochmals forcierter Artenschwund, Nutztiere jenseits ihrer körperlichen Leistungsgrenze, Böden degradieren auch in Europa, Gewässer belastet mit Nitrat usf. Wir könnten es uns locker leisten, eine andere, für alle und alles gesunde Landwirtschaft zu praktizieren. Denn weder retten wir mit unseren Exporten Hungernde, im Gegenteil, noch sind wir so ein Vorbild für die Staaten, die dringend ihre Landwirtschaft nachhaltig machen müssen. Stattdessen schwappt die Intensivierungs- und Hochertragsdebatte nun auch in den Ökolandbau. Der allerdings ist für etwas anderes angetreten und darf beim Vorwärtsstürmen sein kreatives Potenzial nicht verlieren. Dass er mit mehr Forschungsunterstützung mehr leisten könnte, gerade für die Tropen und Subtropen, steht auf einem anderen Blatt.

Den Mittwochsblog verfasst Michael Olbrich-Majer, Redakteur der Fachzeitschrift Lebendige Erde.

Weiterführende Links: