Neues Bio-Recht muss Vertrauen sichern und für Höfe praktikabel sein

Europaabgeordnete Susanne Melior auf Brandenburger Demeter-Hof Apfeltraum

Neues Bio-Recht muss Vertrauen sichern und für Höfe praktikabel sein

28.08.2015
Führung im Gewächshaus
v.l.n.r.: Peter Röhrig, Jakob Ganten und Susanne Melior im Gewächshaus auf Hof-Apfeltraum
(Bild: Joyce Moewius, BÖLW)

„Der biodynamische Hof Apfeltraum mit seiner Vielfalt und Direktvermarktung schafft Arbeitsplätze in der Region, schützt Trinkwasser und Feldlerche und versorgt Berlin und das Umland mit gesunden Lebensmitteln“, zeigte sich Susanne Melior, Mitglied des Europäischen Parlaments (SPD), bei ihrem heutigen Hofbesuch beeindruckt. Jakob Ganten, Geschäftsführer Demeter Brandenburg, sieht dieses Erfolgsmodell gefährdet: “An den Hof Apfeltraum grenzen wie bei vielen Biobetrieben konventionell bewirtschaftete Felder direkt an. Wenn bei der Neufassung des EU-Bio-Rechts spezifische Bio-Grenzwerte eingeführt werden, würden Biobetriebe dafür bestraft, dass die konventionellen Nachbarn Pestizide spritzen. Susanne Melior fügte hinzu: „Es muss durch andere geeignete Maßnahmen gelingen, dass Umweltschäden durch Pestizide sowie Kontaminationen von Bio-Feldern vermieden werden. Hier gilt es die Verursacher zu finden und haftbar zu machen. Die Verschärfung der Grenzwerte für Verunreinigungen in ökologisch produzierten Lebensmitteln ist dafür der falsche Weg. Im Europäischen Parlament wird das auch so gesehen und in der durch die EU-Kommission vorgelegten Fassung geändert.“ Da ist sich Melior sicher.

FeldbegehungBio-Bauern könnten in Zukunft für die Kontamination durch angrenzende, konventionell bewirtschaftete Felder verantwortlich gemacht werden (Bild: Joyce Moewius, BÖLW)

Peter Röhrig, Geschäftsführer des Bio-Dachverbandes Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft, betonte beim Hofrundgang: “Bio ist eine Erfolgsstory. Damit das so bleibt, ist entscheidend für sichere Bio-Produkte zu sorgen und Bio voranzubringen. Dafür muss vor allem die Umsetzung des Bio-Rechts verbessert werden anstatt unsinnige neue Regeln einzuführen, die Bio ausbremsen.“ Deshalb fordert die Bio-Branche eine europäische Bio-Agentur, die für die EU-weite Koordination der Bio-Kontrollen sorgen soll.

Demeter-Landwirte erzeugen weltweit hochwertige Bio-Produkte. Die Regeln für ihre Erzeugung müssen mit Blick auf die klimatischen und gesellschaftlichen Bedingungen vor Ort konzipiert sein, fordert Jakob Ganten und ergänzt: „Besonders in Entwicklungsländern sind die Bedingungen für die Bio-Bauern kaum mit der Situation bei uns zu vergleichen. Die bewährte Import-Regelung in der Öko-Verordnung, nach dem regionale Unterschiede berücksichtigt werden, muss unbedingt erhalten bleiben.“

Hof Apfeltraum

Hof Apfeltraum wurde 1992 als Demeter Hofgemeinschaft gegründet. Er besteht aus den Betriebszweigen Ackerbau, Gärtnerei, Tierhaltung, Baumschule, Imkerei und Abokiste, die als ökonomisch eigenständige Einheiten geführt werden, sich aber als eine landwirtschaftliche Betriebsgesamtheit verstehen. Zu den Aufgaben der Aktiengesellschaft gehört auch die Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit zum Themenfeld Ökologische Landwirtschaft und Ernährung.

Die Revision der EU-Öko-Verordnung

Die Öko-Verordnung bestimmt, nach welchen Standards Öko-Produkte hergestellt, gekennzeichnet und kontrolliert werden. Im März 2014 hat die EU-Kommission eine Vorlage für ein neues Bio-Recht vorgelegt. Der Kommissionsvorschlag ist umstritten, da neben einer kompletten Umstrukturierung der erst 2007 komplett revidierten EU-Ökoverordnung beispielsweise spezifische Bio-Grenzwerte für Pestizidverunreinigungen als Qualitätsmerkmal eingeführt werden sollen – obwohl die Prozesskontrolle vom Acker bis zum Kunden ein Grundprinzip des ökologischen Anbaus ist. Der EU-Agrarrat stimmte seine Position dazu im Juni 2015 ab. Im Herbst wird der Agrarausschuss des EU-Parlaments eine Position abstimmen. Danach starten EU-Agrarrat und -Parlament den von der EU-Kommission moderierten Trilog-Prozess, um das neue EU-Öko-Recht final auszuhandeln. Die Bio-Verbände wie Demeter setzen sich gemeinsam mit ihren Dachverbänden BÖLW und IFOAM EU für eine umsichtige Revision ein, die nicht die Gesetzeslage komplett umkrempelt, sondern auf dem Erfolg der bisherigen Ökoverordnung aufbaut, die Gesetzeslage an kritischen Punkten verbessert und praktikable Lösungen sucht, um auch in Zukunft durch effektive Kontrollen die besondere Qualität der biologischen Produktion sicherzustellen. Weitere Infos zur Revision hier.

Dies ist eine gemeinsame Presseerklärung von Demeter und dem BÖLW.

Pressebilder

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Susanne Melior
28.08.2015
Neues Bio-Recht muss Vertrauen sichern und für Höfe praktikabel sein
Europaabgeordnete Susanne Melior auf Brandenburger Demeter-Hof Apfeltraum

„Der biodynamische Hof Apfeltraum mit seiner Vielfalt und Direktvermarktung schafft Arbeitsplätze in der Region, schützt Trinkwasser und Feldlerche und versorgt Berlin und das Umland mit gesunden Lebensmitteln“, zeigte sich Susanne Melior, Mitglied des Europäischen Parlaments (SPD), bei ihrem heutigen Hofbesuch beeindruckt. Jakob Ganten, Geschäftsführer Demeter Brandenburg, sieht dieses Erfolgsmodell gefährdet: “An den Hof Apfeltraum grenzen wie bei vielen Biobetrieben konventionell bewirtschaftete Felder direkt an. Wenn bei der Neufassung des EU-Bio-Rechts spezifische Bio-Grenzwerte eingeführt werden, würden Biobetriebe dafür bestraft, dass die konventionellen Nachbarn Pestizide spritzen. Susanne Melior fügte hinzu: „Es muss durch andere geeignete Maßnahmen gelingen, dass Umweltschäden durch Pestizide sowie Kontaminationen von Bio-Feldern vermieden werden. Hier gilt es die Verursacher zu finden und haftbar zu machen. Die Verschärfung der Grenzwerte für Verunreinigungen in ökologisch produzierten Lebensmitteln ist dafür der falsche Weg. Im Europäischen Parlament wird das auch so gesehen und in der durch die EU-Kommission vorgelegten Fassung geändert.“ Da ist sich Melior sicher.

FeldbegehungBio-Bauern könnten in Zukunft für die Kontamination durch angrenzende, konventionell bewirtschaftete Felder verantwortlich gemacht werden (Bild: Joyce Moewius, BÖLW)

Peter Röhrig, Geschäftsführer des Bio-Dachverbandes Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft, betonte beim Hofrundgang: “Bio ist eine Erfolgsstory. Damit das so bleibt, ist entscheidend für sichere Bio-Produkte zu sorgen und Bio voranzubringen. Dafür muss vor allem die Umsetzung des Bio-Rechts verbessert werden anstatt unsinnige neue Regeln einzuführen, die Bio ausbremsen.“ Deshalb fordert die Bio-Branche eine europäische Bio-Agentur, die für die EU-weite Koordination der Bio-Kontrollen sorgen soll.

Demeter-Landwirte erzeugen weltweit hochwertige Bio-Produkte. Die Regeln für ihre Erzeugung müssen mit Blick auf die klimatischen und gesellschaftlichen Bedingungen vor Ort konzipiert sein, fordert Jakob Ganten und ergänzt: „Besonders in Entwicklungsländern sind die Bedingungen für die Bio-Bauern kaum mit der Situation bei uns zu vergleichen. Die bewährte Import-Regelung in der Öko-Verordnung, nach dem regionale Unterschiede berücksichtigt werden, muss unbedingt erhalten bleiben.“

Hof Apfeltraum

Hof Apfeltraum wurde 1992 als Demeter Hofgemeinschaft gegründet. Er besteht aus den Betriebszweigen Ackerbau, Gärtnerei, Tierhaltung, Baumschule, Imkerei und Abokiste, die als ökonomisch eigenständige Einheiten geführt werden, sich aber als eine landwirtschaftliche Betriebsgesamtheit verstehen. Zu den Aufgaben der Aktiengesellschaft gehört auch die Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit zum Themenfeld Ökologische Landwirtschaft und Ernährung.

Die Revision der EU-Öko-Verordnung

Die Öko-Verordnung bestimmt, nach welchen Standards Öko-Produkte hergestellt, gekennzeichnet und kontrolliert werden. Im März 2014 hat die EU-Kommission eine Vorlage für ein neues Bio-Recht vorgelegt. Der Kommissionsvorschlag ist umstritten, da neben einer kompletten Umstrukturierung der erst 2007 komplett revidierten EU-Ökoverordnung beispielsweise spezifische Bio-Grenzwerte für Pestizidverunreinigungen als Qualitätsmerkmal eingeführt werden sollen – obwohl die Prozesskontrolle vom Acker bis zum Kunden ein Grundprinzip des ökologischen Anbaus ist. Der EU-Agrarrat stimmte seine Position dazu im Juni 2015 ab. Im Herbst wird der Agrarausschuss des EU-Parlaments eine Position abstimmen. Danach starten EU-Agrarrat und -Parlament den von der EU-Kommission moderierten Trilog-Prozess, um das neue EU-Öko-Recht final auszuhandeln. Die Bio-Verbände wie Demeter setzen sich gemeinsam mit ihren Dachverbänden BÖLW und IFOAM EU für eine umsichtige Revision ein, die nicht die Gesetzeslage komplett umkrempelt, sondern auf dem Erfolg der bisherigen Ökoverordnung aufbaut, die Gesetzeslage an kritischen Punkten verbessert und praktikable Lösungen sucht, um auch in Zukunft durch effektive Kontrollen die besondere Qualität der biologischen Produktion sicherzustellen. Weitere Infos zur Revision hier.

Dies ist eine gemeinsame Presseerklärung von Demeter und dem BÖLW.

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