Lebensgrundlage Saatgut: Ökozüchtung statt Konzernkontrolle

Demeter zum Internationalen Tag der biologischen Vielfalt

Lebensgrundlage Saatgut: Ökozüchtung statt Konzernkontrolle

20.05.2016
Züchter mit Tomatenpflanze
Bild: Kultursaat e.V.

Biologische Vielfalt ist eine der wichtigsten Grundlagen für unsere Ernährung und für das Überleben zukünftiger Generationen. „Mit dem am 22. Mai 1992 verabschiedeten UN Abkommen zur biologischen Vielfalt wurde nicht nur die wichtige Rolle der biologischen Vielfalt weltweit anerkannt. Es wurde sich auch darauf verständigt, die Risiken biotechnologischer Verfahren zu kontrollieren“, kommentiert Alexander Gerber, Vorstandssprecher des Demeter e.V. „Das Thema ist aktueller denn je: Nachdem die erste Generation gentechnisch veränderter Pflanzen in Europa am Widerstand der Bürgerinnen weitgehend gescheitert ist, versuchen die Konzerne nun mit TALEN, CRISPR und Co, Maßnahmen der Risikokontrolle zu umgehen. Doch auch diese Verfahren sind technologische Eingriffe in das Genom und müssen der Gentechnikgesetzgebung unterliegen!“

Während die biologische Vielfalt der Wildtiere und Wildpflanzen vielerorts am besten gedeiht, wenn der Mensch möglichst wenig eingreift, braucht die biologische Vielfalt auf dem Acker das aktive Wirken des Menschen. „Um die Vielfalt wohlschmeckender Gemüsesorten zu erhalten und auf einer breiten Basis standortgerecht weiterzuentwickeln, braucht es ökologische Pflanzenzüchtung“, betont Antje Kölling vom Demeter e.V. „Züchtung ist eine gesellschaftliche Aufgabe. Biodynamische Züchtung setzt auf samenfeste Sorten statt auf Hybride oder gar Gentechnik. Dadurch kann das Saatgut nachgezogen werden, Hofsorten können entstehen.“

Für Vielfalt auf dem Acker kann nur eine Vielfalt an Akteuren sorgen. „Die fortschreitende Konzentration auf dem Saatgutmarkt, die sich aktuell durch das Übernahmeangebot von Bayer an Monsanto weiter zu verschärfen droht, kommt mit einer Erosion der genetischen Vielfalt bei Nutzpflanzen einher“, ergänzt Gerber. „Saatgutkonzerne arbeiten zunehmend mit Patenten – damit wird die Züchtungsarbeit kleiner und mittelständischer Züchter fast unmöglich gemacht, die auf frei verfügbare Pflanzen für die Züchtung angewiesen sind.“

Daher fordert Demeter: Ökologische Züchtungs- und Forschungsinitiativen müssen in den öffentlichen Förder- und Forschungsprogrammen stärker unterstützt werden, um die Ernährungssicherung der Zukunft auf eine breite Basis zu stellen. Die Europäische Patentrichtlinie muss schleunigst geändert werden, um Patente auf Saatgut zu verbieten. Eine weitere, extreme Konzentration auf dem Saatgutmarkt durch eine Fusion Bayer/Monsanto muss durch das Kartellrecht verhindert werden. Auch neue Formen der Gentechnik müssen dem Gentechnikgesetz unterliegen.


Samenfest: Pflanzensorten werden dann als samenfest bezeichnet, wenn aus dem von ihnen gewonnen Samen "familienähnliche", erkennbar der elterlichen Sorte angehörende Nachkommen gezogen werden können. Hybridpflanzen sind nicht samenfest, denn sie sind aus der Kreuzung von zwei unterschiedlichen, stark ingezüchteten Elternlinien entstanden. Die Samen der gleichförmigen Hybridpflanzen ergeben sehr heterogene, "auseinanderfallende" Populationen.

Bayer hat Monsanto ein Übernahmeangebot gemacht – würde die Fusion stattfinden, würde der resultierende Konzern nach Schätzungen von Morgan Stanley etwa 28 Prozent aller Pestizide weltweit verkaufen, ebenso wie rund 36 Prozent der US-Getreide- und 28 Prozent der Sojabohnensaaten. Monsanto ist bereits heute der weltweit größte Saatgutkonzern, neben gentechnisch verändertem Saatgut vertreibt er auch das Totalherbizid Glyphosat (unter dem Markennamen Roundup).

 

20.05.2016
Lebensgrundlage Saatgut: Ökozüchtung statt Konzernkontrolle
Demeter zum Internationalen Tag der biologischen Vielfalt

Biologische Vielfalt ist eine der wichtigsten Grundlagen für unsere Ernährung und für das Überleben zukünftiger Generationen. „Mit dem am 22. Mai 1992 verabschiedeten UN Abkommen zur biologischen Vielfalt wurde nicht nur die wichtige Rolle der biologischen Vielfalt weltweit anerkannt. Es wurde sich auch darauf verständigt, die Risiken biotechnologischer Verfahren zu kontrollieren“, kommentiert Alexander Gerber, Vorstandssprecher des Demeter e.V. „Das Thema ist aktueller denn je: Nachdem die erste Generation gentechnisch veränderter Pflanzen in Europa am Widerstand der Bürgerinnen weitgehend gescheitert ist, versuchen die Konzerne nun mit TALEN, CRISPR und Co, Maßnahmen der Risikokontrolle zu umgehen. Doch auch diese Verfahren sind technologische Eingriffe in das Genom und müssen der Gentechnikgesetzgebung unterliegen!“

Während die biologische Vielfalt der Wildtiere und Wildpflanzen vielerorts am besten gedeiht, wenn der Mensch möglichst wenig eingreift, braucht die biologische Vielfalt auf dem Acker das aktive Wirken des Menschen. „Um die Vielfalt wohlschmeckender Gemüsesorten zu erhalten und auf einer breiten Basis standortgerecht weiterzuentwickeln, braucht es ökologische Pflanzenzüchtung“, betont Antje Kölling vom Demeter e.V. „Züchtung ist eine gesellschaftliche Aufgabe. Biodynamische Züchtung setzt auf samenfeste Sorten statt auf Hybride oder gar Gentechnik. Dadurch kann das Saatgut nachgezogen werden, Hofsorten können entstehen.“

Für Vielfalt auf dem Acker kann nur eine Vielfalt an Akteuren sorgen. „Die fortschreitende Konzentration auf dem Saatgutmarkt, die sich aktuell durch das Übernahmeangebot von Bayer an Monsanto weiter zu verschärfen droht, kommt mit einer Erosion der genetischen Vielfalt bei Nutzpflanzen einher“, ergänzt Gerber. „Saatgutkonzerne arbeiten zunehmend mit Patenten – damit wird die Züchtungsarbeit kleiner und mittelständischer Züchter fast unmöglich gemacht, die auf frei verfügbare Pflanzen für die Züchtung angewiesen sind.“

Daher fordert Demeter: Ökologische Züchtungs- und Forschungsinitiativen müssen in den öffentlichen Förder- und Forschungsprogrammen stärker unterstützt werden, um die Ernährungssicherung der Zukunft auf eine breite Basis zu stellen. Die Europäische Patentrichtlinie muss schleunigst geändert werden, um Patente auf Saatgut zu verbieten. Eine weitere, extreme Konzentration auf dem Saatgutmarkt durch eine Fusion Bayer/Monsanto muss durch das Kartellrecht verhindert werden. Auch neue Formen der Gentechnik müssen dem Gentechnikgesetz unterliegen.


Samenfest: Pflanzensorten werden dann als samenfest bezeichnet, wenn aus dem von ihnen gewonnen Samen "familienähnliche", erkennbar der elterlichen Sorte angehörende Nachkommen gezogen werden können. Hybridpflanzen sind nicht samenfest, denn sie sind aus der Kreuzung von zwei unterschiedlichen, stark ingezüchteten Elternlinien entstanden. Die Samen der gleichförmigen Hybridpflanzen ergeben sehr heterogene, "auseinanderfallende" Populationen.

Bayer hat Monsanto ein Übernahmeangebot gemacht – würde die Fusion stattfinden, würde der resultierende Konzern nach Schätzungen von Morgan Stanley etwa 28 Prozent aller Pestizide weltweit verkaufen, ebenso wie rund 36 Prozent der US-Getreide- und 28 Prozent der Sojabohnensaaten. Monsanto ist bereits heute der weltweit größte Saatgutkonzern, neben gentechnisch verändertem Saatgut vertreibt er auch das Totalherbizid Glyphosat (unter dem Markennamen Roundup).