Demeter wehrt sich gegen Einführung von Gentechnik durch die Hintertür

Neue Gentechnik-Verfahren regulieren

Demeter wehrt sich gegen Einführung von Gentechnik durch die Hintertür

09.03.2015
Demeter-Schild: Wir arbeiten ohne Gentechnik
Wir fordern: Neue Gentechnik-Verfahren regulieren - Gentechnik darf nicht durch die Hintertür in Deutschland einziehen

Gemeinsam mit anderen Organisationen legt Demeter Widerspruch dagegen ein, dass das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) den so genannten RTDS-Raps der Firma Cibus als nicht gentechnisch verändert einstuft und damit zum Anbau in Deutschland freigibt. Demeter-Vorstand Alexander Gerber kritisiert, dass damit das BVL dem europäischen Gesetzgeber leichtfertig vorgreife und warnt, dass die Entscheidung weitreichende Konsequenzen für Landwirtschaft, Umwelt und unsere Nahrung haben könnte.

Der neue Raps wurde mit Hilfe von kurzen Abschnitten synthetischen Erbguts (Oligonukleotiden) entwickelt, was das BVL „nicht als Gentechnik im Sinne des Gentechnikgesetzes“ einstuft. So könnten jetzt entsprechende herbizidresistente Rapspflanzen ohne Sicherheitsprüfung und Kennzeichnung angebaut werden. In einem gemeinsamen Forderungspapier appellieren Umwelt- und Naturschützer sowie Öko-Verbände deshalb an Landwirtschaftsminister Schmidt, diesen Bescheid unverzüglich aufzuheben. Ihre Sorge gilt der unkontrollierten Ausbreitung der Pflanzen in der Umwelt.

„Die biodynamischen Betriebe in Landwirtschaft und Lebensmittelverarbeitung tun alles, um Gentechnikfreiheit für ihre Produkte zu sichern. Der Gesetzgeber muss sie vor Eintragungen durch gentechnisch manipulierte Pflanzenpollen und -samen schützen“, unterstreicht Antje Kölling, bei Demeter für die politische Arbeit verantwortlich. Sie betont: „Jedes neue Züchtungsverfahren, bei dem technische Eingriffe in isolierte Zellen oder Zellkerne stattfinden, muss eingehend analysiert und es muss im Einzelfall bewertet werden, ob es sich hierbei um Gentechnik handelt. Zuständig dafür ist die EU-Ebene.“ Es könne nicht angehen, dass das BVL in einem Schnellverfahren diese Prozesse umgehe und Genpflanzen quasi durch die Hintertür auf deutsche Äcker gelangten.

Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit müsse deshalb seinen Bescheid zurücknehmen, dafür sprechen Vorsorgegründe und der Schutz der gentechnikfreien konventionellen und ökologischen Land- und Lebensmittelwirtschaft. Raps kreuzt in der Natur sehr schnell aus und kann seine Eigenschaften an andere Kulturpflanzen und Wildkräuter weiter geben. Zudem vermehrt er sich stark und kann selbst zum Unkraut werden. Manipulierte Pflanzen des RTDS-Raps seien weder kontrollier- noch rückholbar. Besonders bedrohlich sei die drohende Rapsfreisetzung für die biodynamische Pflanzenzüchtung, die von Demeter-Pionieren vorangetrieben wird. „Züchtungs- und Saatgutbetriebe sind auf Transparenz und Rückverfolgbarkeit angewiesen. Nur so können sie sicherstellen, Ausgangsmaterial zu verwenden, das den eigenen Ansprüchen einer unabhängigen ökologischen Züchtung gerecht wird. Nicht zuletzt die Züchter, die biologische Vielfalt und Unabhängigkeit von Saatgut-Konzernen herstellen, brauchen Sicherheit vor Verunreinigungen mit Gentechnik“, unterstreicht Antje Kölling die Brisanz der BVL-Entscheidung.

Das gemeinsame Forderungspapier der Verbände finden Sie hier.

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Gentechnik
Raps
RTDS
Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit
Zulassung
Alexander Gerber
09.03.2015
Demeter wehrt sich gegen Einführung von Gentechnik durch die Hintertür
Neue Gentechnik-Verfahren regulieren

Gemeinsam mit anderen Organisationen legt Demeter Widerspruch dagegen ein, dass das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) den so genannten RTDS-Raps der Firma Cibus als nicht gentechnisch verändert einstuft und damit zum Anbau in Deutschland freigibt. Demeter-Vorstand Alexander Gerber kritisiert, dass damit das BVL dem europäischen Gesetzgeber leichtfertig vorgreife und warnt, dass die Entscheidung weitreichende Konsequenzen für Landwirtschaft, Umwelt und unsere Nahrung haben könnte.

Der neue Raps wurde mit Hilfe von kurzen Abschnitten synthetischen Erbguts (Oligonukleotiden) entwickelt, was das BVL „nicht als Gentechnik im Sinne des Gentechnikgesetzes“ einstuft. So könnten jetzt entsprechende herbizidresistente Rapspflanzen ohne Sicherheitsprüfung und Kennzeichnung angebaut werden. In einem gemeinsamen Forderungspapier appellieren Umwelt- und Naturschützer sowie Öko-Verbände deshalb an Landwirtschaftsminister Schmidt, diesen Bescheid unverzüglich aufzuheben. Ihre Sorge gilt der unkontrollierten Ausbreitung der Pflanzen in der Umwelt.

„Die biodynamischen Betriebe in Landwirtschaft und Lebensmittelverarbeitung tun alles, um Gentechnikfreiheit für ihre Produkte zu sichern. Der Gesetzgeber muss sie vor Eintragungen durch gentechnisch manipulierte Pflanzenpollen und -samen schützen“, unterstreicht Antje Kölling, bei Demeter für die politische Arbeit verantwortlich. Sie betont: „Jedes neue Züchtungsverfahren, bei dem technische Eingriffe in isolierte Zellen oder Zellkerne stattfinden, muss eingehend analysiert und es muss im Einzelfall bewertet werden, ob es sich hierbei um Gentechnik handelt. Zuständig dafür ist die EU-Ebene.“ Es könne nicht angehen, dass das BVL in einem Schnellverfahren diese Prozesse umgehe und Genpflanzen quasi durch die Hintertür auf deutsche Äcker gelangten.

Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit müsse deshalb seinen Bescheid zurücknehmen, dafür sprechen Vorsorgegründe und der Schutz der gentechnikfreien konventionellen und ökologischen Land- und Lebensmittelwirtschaft. Raps kreuzt in der Natur sehr schnell aus und kann seine Eigenschaften an andere Kulturpflanzen und Wildkräuter weiter geben. Zudem vermehrt er sich stark und kann selbst zum Unkraut werden. Manipulierte Pflanzen des RTDS-Raps seien weder kontrollier- noch rückholbar. Besonders bedrohlich sei die drohende Rapsfreisetzung für die biodynamische Pflanzenzüchtung, die von Demeter-Pionieren vorangetrieben wird. „Züchtungs- und Saatgutbetriebe sind auf Transparenz und Rückverfolgbarkeit angewiesen. Nur so können sie sicherstellen, Ausgangsmaterial zu verwenden, das den eigenen Ansprüchen einer unabhängigen ökologischen Züchtung gerecht wird. Nicht zuletzt die Züchter, die biologische Vielfalt und Unabhängigkeit von Saatgut-Konzernen herstellen, brauchen Sicherheit vor Verunreinigungen mit Gentechnik“, unterstreicht Antje Kölling die Brisanz der BVL-Entscheidung.

Das gemeinsame Forderungspapier der Verbände finden Sie hier.